Armin, 5J., Autist

Hier könnt ihr euch und euer Kind bzw. eure Kinder vorstellen.

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bastif
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Beitragvon bastif » 10.08.2005, 15:15

Nochmal Hallo Regina,

Was mich interessiert, wie der Autismus bei Armin ausgeprägt ist, wie du es bemerkt hast und natürlich wie sein Entwicklungsstand ist.
Und welche Therapien er bekommt.

Liebe Grüße,

Stefanie
Sven 28, Berrit 26, und Sebastian 17 Jahre Frühkindlicher Autismus, sehr Hypoton, Psychomotorische Entwicklungsstörung, Gendefekt 1,9 Mb große Duplikation auf dem kurzen Arm des X-Chromosoms in Xp22.31,Steatosis hepatis (V.a.NASH), Laktoseunverträglichkeit, Genua Valga, schwere Thorax Skoliose - op am 30.09.15

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inga hark

Beitragvon inga hark » 10.08.2005, 16:25

Hallo Regina,

Willkommen im Forum...mein Sohn Marco ist 4 Jahre alt, autistisch und hat das Asperger-Syndrom. Genau wie Stefanie würde mich auch interessieren, wie und wann ihr bei Armin gemerkt habt, das was nicht stimmt und was er heute für Therapien bekommt.

beste Grüße,
Inga

Angelika74
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Beitragvon Angelika74 » 10.08.2005, 18:48

hallo regina,

willkommen!!

...bei unserem sohn wurde vor kurzem vom SPZ-arzt auch die diagnose einer autistische entwicklungsstörung (bzw. frühkindlicher autismus) gestellt.
eric spricht auch noch nicht (außer mama und papap, was aber nicht papa bedeudet :? ), trägt windeln, seit kurzem kann er selbstständig kekse essen, mit dem löffel klappt es auch sehr gut, brot oder andere sachen müssen aber gefüttert werden, weil er sie nicht anfassen mag...
eric läuft relativ sicher (vor allem, seit er seine brille hat). beim "spazieren gehen"
verhält er sich ähnlich wie sebastian. wir haben aber den vorteil, daß er nicht alles in den mund steckt. auch ansonsten habe ich festgestellt, daß sich sebastian, marco und eric in vielen sachen sehr ähnlich sind, was mir sagt, daß der arzt im SPZ wahrscheinlich doch recht haben wird :? .
ein wenig erleichtert bin ich trotzdem, weil ich nun endlich mal eine diagnose habe, die auch eventuelle prognosen erlaubt und eine speziellere förderung möglich macht.

auf die empfehlung (vor allem der "vor mir schreiber" :wink: ) werde ich ihn jetzt trotzdem mal in einer autismusambulanz vorstellen. kannst du dresden empfehlen???

eric besucht eine integrative kita. er ist momentan das einzige integrativkind in seiner gruppe. bisher bin ich sehr zufrieden. :lol:

ansonsten schließe ich mich den anderen an und hoffe, noch etwas mehr von dir zu hören!!

liebe grüße!!!
Sohn 02.02 starke glob. Entwicklungsverzg., hypotoner Muskelt., Wahrnehmungsst.,syndrom.Autismus,keine Spracheunsere Vorstellung
"DAS LEBEN IST WIE EIN REGENBOGEN! MAN BRAUCHT REGEN UND SONNE UM DIE FARBEN ZU SEHEN!"

ehemalige Userin

Beitragvon ehemalige Userin » 10.08.2005, 20:54

Hallo Regina,
auch von uns ein herzliches Willkommen hier im Forum :hand:
Mein Sohn Nicolas hat atypischen Autismus und geht seit Anfang der Woche in die dritte Klasse einer Schule für geistig Behinderte, wo er sich (meistens) sehr wohl fühlt.
Vor der Schulzeit besuchte er eine Integrationskita, was prima funktionierte.
Ich wünsche Dir hier im Forum einen guten Austausch und bin schon gespannt darauf, mehr von Dir zu lesen.

Liebe Grüße,
Valeska

ReginaB

Beitragvon ReginaB » 11.08.2005, 19:03

Hallo kathrin,

die Autismusambulanz in Dresden kann ich sehr empfehlen. Das Klima dort ist sehr angenehm. Die Mitarbeiter kennen die Probleme, die man mit einem autistischen Kind hat. Man braucht sich keine Sorgen zu machen, dass jemand meckert, wenn das Kind am Lichtschalter spielt oder sonst irgendwelchen Blödsinn macht.
Als Eltern werden wir als Experten für unser Kind sehr ernst genommen.

Neben Tests und Therapien werden auch Weiterbildungen für Eltern Therapeuten, Erzieher usw. angeboten, Eltern bekommen eine Ermäßigung der Gebühren für solche Veranstaltungen. Ich habe da mal an einer Weiterbildung zur Lovaas-Therapie teilgenommen, was mir viel gebracht hat.

Zur Testung mussten wir mit Armin 3x hin, einmal wurde ein spezieller Autismustest durchgeführt, in der Zeit führte die leitende Ärztin mit mir ein Interview durch, ca 100 Fragen. An den anderen Terminen wurde ein umfangreicher Entwicklingstest durchgeführt. Den könnt ihr vielleicht auch bei euch im SPZ durchführen lassen, damit ihr nicht so oft hin müsst.
Hinterher gab es noch ein ausführliches Auswertungsgespräch.

Und jetzt für alle Interessierten Armins Geschichte:

Schon im Säulingsalter ist mir aufgefallen, dass er schlecht Blickkontakt hielt. Ich dachte damals, es liegt daran, dass ich ihn vor lauter Übermüdung zu unkonzentriert und abwesend gewickelt habe und bemühte mich, es besser zu machen. (Erstes Blickkontaktüben schon mit 5 Monaten war sicher gut für Armin). Außerdem brauchte er einen möglichst regelmäßigen Tagesablauf, sonst war er ungenießbar. Ansonsten ein eher pflegeleichtes Kind, dass sich lange allein auf der Krabbeldecke beschäftigte, während ich danebensaß und Babysachen strickte.

Fortsetztung folgt... wenn Armin im Bett ist.

Regina

ReginaB

Beitragvon ReginaB » 11.08.2005, 20:22

Hallo,

...hab Armin erfolgreich ins Bett gebracht. :D Hoffentlich schläft er bald.

zurück zum Thema: Also in der Säuglingszeit ist mir noch aufgefallen, dass er nicht besonders intensiv und eher spät gelallt hat. Außerdem hatte er Probleme mit dem Spielchen "Wo ist der Papa?" ... Er sah immer erst dann die richtige Richtung, wenn derjenige etwas sagte. Kam mir irgendwie komisch vor. Der Kinderarzt fand das alles nicht so schlimm, ich bin mir aber auch nicht mehr ganz sicher, was ich genau erzählt habe.
Armins erstes Wort war "Tschüß", er konnte noch nicht laufen, krabbelte zur Tür und sagte "Düüß". Er wollte gern spazieren gehen. Dann kam wenig, überwiegend Echolalie, auch verzögerte Echolalie. Laufen lernte er mit 14 Monaten, also normal. In dieser Zeit zogen wir um, von Bochum nach Wilsdruff.
Seit Armin laufen kann, rennt er gern neben Lattenzäunen entlang und schaut dabei zur Seite. Der Licht-Schatten-Effekt fasziniert ihn. Außerdem hat er eine Lichtschalter-Manie. Das ist schon besser geworden, aber immer wenn er irgendwo fremd ist, muss er herausfinden, wo die Lichtschalter sind, dann fühlt er sich sicher. Andere Kinder hängen an Mamas Rockzipfel... :?
So mit 1 1/2 dachte ich, ich könnte mal mit Armin Papierschnipsel aufkleben oder mit Wachsmalstiften kritzeln - war nicht drin, keine halbe Minute blieb er bei mir. Mein Vater beschäftigte sich damals manchmal mit ihm. Er baute Türmchen, Armin reagierte anfangs nicht darauf, aber nach einer Weile versuchte er es auch. Auf die Art hat er manches gelernt, man bemerkte gar nicht, dass er überhaupt hinsah, trotzdem hat er es mitbekommen.
Also dann kam die U7. Der Ärztin schilderte ich meine Beobachtung bezüglich der mangelnden Aufmerksamkeit. Sie stellte das bei ihrer Untersuchung auch fest und schickte Armin zur Frühförderung. Vorher mussten wir noch zur Amtsärztin. Sie unterhielt sich mit mir und beobachtete Armin beim Spielen - Fazit: ADS (Träumer).
In der Frühförderstelle bekamen wir eine ganz tolle Therapeutin. Sie bemerkte schnell, dass das mit dem ADS nicht so ganz treffend war. Ich hatte ausgerechnet in dieser Zeit ein Buch über ein autistisches Kind gelesen. Im Anhang waren die Autismus-Symptome recht ausführlich dargestellt. Da fand ich mein Kind eher wieder, als in dem, was ich über ADS im Internet gefunden hatte. Die Therapeutin stimmte meiner Vermutung sofsrt zu, sie hatte die gleiche Idee. Sie gab mir die Adresse von der Autistenambulanz, wo wir ca 4 Monate später einen Termin bekamen. Ein knappes Jahr nach der U7 hatten wir die richtige Diagnose. Aber viel früher wäre eine richtige Diagnose eh nicht möglich gewesen, Armin war ja noch nicht mal 3.
Seit Ende September 2003 ist Armin in der HPT in Freital.
Seitdem hat er wöchentlich eine Therapie in der Autistenambulanz. Im Kindergarten hatte er anfangs Ergo und jetzt Physio.Vor kurzem haben wir auch eine Reittherapie angefangen, die bezahlen wir allerdings selbst. Inzwischen ist Armin grobmotorisch kaum noch zurück. Die Feinmotorik lässt noch zu wünschen übrig, er malt fast nie und nur Kreise oder so. Die Sprache haben wir ganz gut hingekriegt. Wir haben Armins Echolalie ausgenutzt: Wenn er was wollte, habe ich immer das gleich gesagt, so formuliert, dass es auch passend wäre, wenn er es selbst gesagt hätte (z.B. mitkommen). Irgendwann habe ich dann nichts gesagt und Armin hat das Sprechen übernommen - schließlich gehörte das Wort zur Situation. Natürlich gab es dann gleich den Erfolg, er bekam was er wollte und ein Lob dazu. Inzwischen kann man sich mit Armin schon richtig unterhalten. Er erzählt sogar manchmal was vom Kindergarten. Allerdings kann er kaum einschätzen, was ich weiß und was er sagen muss, damit ich verstehe, was er meint. Fragewörter sind noch ein Problem, auch Funktionswörter und Präpositionen. Komplexe Anweisungen versteht er schlecht, ich weiß aber nicht, ob das nur an der Sprache liegt oder vielleicht daran, dass er den Kontext nicht richtig einordnen kann.
Im übrigen fallen ihm Kontakte mit Gleichaltrigen schwer. Recht gut kommt er mit jüngeren Kindern klar, so mit 3-jährigen. Weitere Auffälligkeiten sind Veränderungsangst, Wedeln mit den Händen, Angst vor Abzügen in öffentlichen Toiletten (Schwimmbad, Gaststätte...), eine gewisse Geräuschempfindlichkeit.
Aber Armin hat natürlich auch seine Stärken: ein Supergedächtnis, er kann schon gut zählen, er hat sich "Alle meine Entchen" auf dem Klavier und auf dem Glockenspiel selbst beigebracht, kann wunderschön singen. Manchmal versucht er sogar, mit mir zweistimmig zu singen, aber das klappt noch nicht so gut.

So, dass das ein Roman werden musste, war eigentlich klar. Und da fehlt bestimmt noch eine Menge.

Regina

inga hark

Beitragvon inga hark » 12.08.2005, 11:56

Hallo Regina,


Mensch...wenn ich das so lese....finde ich unseren Marco in so vielen Punkten wieder. Es ist doch schon erstaunlich das sich bei unseren Kindern immer wieder diese Gemeinsamkeiten wiederfinden, die die autistische Störung so typisch macht.

Hier ist ein Teil unserer Geschichte:

Marco ist nun 4 Jahre alt und hat gravierende Teilleistungsstörungen im Bereich der Praxie und Wahrnehmungsintegration mit herausragenden Störungen im Bereich der Hör- Sprachverarbeitung und einer deutlichen psychomotorischen sowie herausragenden sprachlich kommunikativen sozioemotionalen Retadierung im Sinne eines Asperger-Syndroms. Im Januar diesen Jahres wurde die Diagnose im ATZ Bielefeld schon im Vorfeld gestellt das deutlich relevante Kriterien für eine autistische behinderung vorliegt. Das erste mal wurde von 'Autismus' gesprochen im ersten Gutachten von Feb' 2004 im FEZ Klinikum Minden.
Marco hat einen SB-Grad von 70 % mit dem Eintrag: G, H, B. und Pflegestufe 2. Außerdem warten wir auf einen Therapieplatz im ATZ.

Das mit Marco etwas nicht stimmte haben wir gemerkt als er etwas über ein Jahr war. Als Baby war er stets zufrieden mit sich selbst, hat selten geweint. Später hat er nie etwas in den Mund genommen und hatte auch kein großes Interesse an "Entdeckungstouren"...(bis heute) Zu der Zeit waren bunte Lichter sein größtes Glück. Bis heute ist jeder Lichtschalter und jede Lampe (ob kaputt oder nicht) eine Sensation und auch Marco guckt als erstes, egal wo er ist und hinkommt ob Lichtschalter und Lampen vorhanden sind.
Als er älter wurde hatte er nie Interesse an ersten Fingerspielen, Hände klatschen u.s.w. und in der Krabbelgruppe hat er geschrien wie am Spieß, wenn gesungen wurde. Beim Kinderturnen hatte Marco nur Interesse an sich drehenden Reifen, wobei er stets in Verzücken geriet und heftig mit den Armen flatterte. (was er bis heute beibehalten hat)

Bei der U7 wurde deutlich das Marco nichts von dem bewältigen konnte was vorgegeben wurde z.b. Türmchen bauen, Ball zurollen u.s.w. Hinzu kam noch, das Marco bis zum 2. Geburtstag nicht verstanden hat seine Flasche anzuheben beim trinken, wir mussten ihn immer hinlegen. Marco hatte alles gegessen, bis er knapp 2 Jahre war, danach hat er immer mehr und mehr verweigert und isst heute nur noch eine handvoll Dinge, die immer gleich sein müssen (z.B. jeden Mittag Spirelli-Nudeln mit Ketchup) Marco hat nie einen Becher /Glas angenommen und trinkt nur Apfelsaft aus nur einer ganz bestimmten Flasche...bis heute.
Mit der Gabel essen kommt Marco seit einiger Zeit mit einigen Schwierigkeiten klar, den Löffel nimmt er überhaupt nicht und wir müssen ihn noch immer überwiegend füttern. Er nimmt kein Brot in die Hand, er kann es nicht an den Fingern ertragen. Auch das Windeln wechseln gehört noch immer zu unserem Tagesablauf. Marco läuft immer auf Zehenspitzen und mit merkwürdig angezogenen Ärmchen und ist auch so immer sehr angespannt, wedelt ständig mit den Armen. Er lässt Körperkontakt nur bedingt zu und nur von seiner Seite. Anziehen ist für ihn eine Qual, es schreit oft "Aua" oder muss sogar würgen, wenn ich ihm ein engeres Oberteil über den Kopf ziehe.(Desintegration am Kopf) Er fühlt sich nur zu Hause und in der Kita richtig wohl, woanders wird er sofort nervös und fängt im schlimmsten Fall laut an zu schreien wenn er sich absolut nicht wohlfühlt. Auf Spielplätzen klettert er nicht, sondern setzt sich in eine Ecke in Sand und rieselt am liebsten. Durch die Kita toleriert er Kinder mittlerweile recht gut, spielt aber eher wenig mit ihnen, und ist lieber am "Spielfeldrand" Kinder bei uns zu Hause, die zu Besuch kommen kann er nur mühsam ertragen, ist aber schon deutlich besser geworden. Diskutieren mit mir macht er auf einer Ebene indem er sagt z.B: "Du darfst das Kind nicht nein sagen" oder "Du musst den Jungen doch spielen lassen" Genau so oft fällt er in die Echolalie und kann einen Satz immer und immer wieder runterleiern bis zum geht nicht mehr.

Marco spielt auf seine ganz spezielle Art und Weise, so baut er gerne alles hintereinander auf, reiht Autos in einer Reihe auf, genauso Murmeln, Becher u.s.w. Er liebt es Kordeln, Geld und Sand durch seine Finger rieseln zu lassen und berieselt gerne Gegenstände. Seine Spezialinteressen sind Züge, Schienen und Bahnübergänge. Auch Wasserhähne ziehen ihn magisch an. Er riecht am allem und jeden und muss überall seine nase ranhalten. Ganz oft führt er Selbstgespräche bei denen er sich nicht durch uns stören lässt. Genauso oft nimmt er sich die Auszeit und verzieht sich unter seinen Schlafsack oder in seine Höhle. Den Computer bedient er vollständig alleine und spielt mittlerweise Spiele für 6/7 Jährige. Er hat 3 Kuscheltiere auf die er extrem fixiert ist. Dies ist ein kleiner Teil unserer Geschichte mir Marco. Wir haben oft Probleme mit den Menschen mir uns herum, da man die Behinderung nicht erkennt (auf den ersten Blick) und wir uns schon sehr oft schlimme Kommentare anhören mussten/müssen...

Seit letztem Jahr August besucht Marco eine heilpädagogische Tageseinrichtung wo er sich nach einigen Schwierigkeiten (essen,trinken verweigern) mittlerweile recht gut eingelebt hat.
Seit einiger Zeit ist er angefangen sich immer wieder heftig zu räuspern, oder andere Geräusche von sich zu geben, wir wissen noch nicht was es genau ist und ob das bleiben wird.

Leider ist er seit einigen Wochen oft sehr aggresiv und impulsiv, fängt an zu schlagen, schreien und zu spucken und kriegt regelrechte Wutausbrüche, denen ich leider völlig hilflos gegenüberstehe. Hinzu kommt dass er abends einfach nicht schlafen will und (erfolgreich) dagegen ankämpft. Wir haben an unserem Schlafritual nichts geändert...(falls das jetzt jemand vermutet) Es ist halt einfach so gekommen und wir sind ziemlich ratlos über Marco's Verhaltensänderung

Auch Marco verhält sich an "öffentlichen" Orten mittlerweile oft panisch...er sagte letztens tatsächlich er müsse am Rand gehen,es wären zuviele Menschen. Oder es sei ihm zu laut, oder es rieche komisch, ganz banale Dinge halt.

Auch Marco ist sehr musikalisch, mag allerdings keine Musik auf CD oder Kassette hören. Aber trotzdem speichert er jedes Lied ab, was er schon mal gehört hat. Er kennt die Wegstrecken in Bünde bald besser wie wir und ist über das Streckennetz der Bahn, zumindest in unserem Viertel, bestens informiert und hört die Züge schon, bevor wir sie hören :wink:

Das banale an dieser ganzen geschichte ist...
Bei orientierender Überprüfung des intellektuellen Entwicklungstandes anhand der Kriterien des sprachfreien Snijders-Oomen-test findet sich ein mittlerer Intelligenzquotient von 111, was im oberen Normalbereich liegt. Während die Fähigkeiten im Bereich des visuellen Simultangedächtnisses und im Bereich des Erfassens anschaulicher Zusammenhänge (Körpershema) das Entwicklungsniveau eines 5-bzw.4 3/4-jährigen erreichen, zeigt sich ansonsten mittleres Entwicklungsniveau eines 4-jährigen. Im Fingerpositionstest nach 'Berges und Lezine' massive Dyspraxiehinweise, wobei das Entwicklungsniveau eines 3-jährigen noch nicht erreicht ist. Der sprachliche Befund zeigt einen Gebrauch von Vier-und Fünfwortsätzen mit Wortfindungsstörungen und einer multiplen Dyslalie. Die Integration von Sprache und Handlung ist ungenügend.

Nach diesem Absatz aus dem Aktuellen Gutachten ist Marco ziemlich clever und bei vielen Dingen merkt man das auch (wie z.B das er im Zahlenraum von 10 fast schon rechnen kann..wenn z.B bei 10 Butterkeksen 4 weg sind sagt er da jetzt sind es nur noch 6 u.s.w.)
Andersrum kriegt er leider die selbstverständlichsten Dinge nicht hin, wie Schuhe/Srümpfe an/ausziehen, selbstständig essen oder schon kleine Entscheidungen treffen/Konsequenzen aus etwas ziehen u.s.w.

Manchmal mache ich es mir selbst sehr schwer das zu verstehen und zu akzeptieren und reagiere gereizt und mit Unverständnis, wenn mal was nicht klappt oder gut läuft...wie ergeht euch das denn so, habt ihr immer so die Ruhe und Geduld?? Hinterher hab ich dann ein schlechtes Gewissen und ich weiß das Marco es nicht macht um mich zu ärgern, sondern weil er es einfach nicht umsetzen kann.
...aber ich bin halt nur ein Mensch :oops: :oops: und mache nicht alles richtig, ich hoffe ihr versteht das ein bisschen :(

...auch wieder einen Roman geschrieben :roll: ...naja...würde mich weiterhin über einen regen Austausch mit Dir/euch freuen.

Liebe Grüße,
Inga

ReginaB

Beitragvon ReginaB » 12.08.2005, 19:23

Hallo Inga,

also dass man manchmal gereizt auf die Macken der eigenen Kinder reagiert - wem geht das nicht so. Das passiert vielen Eltern mit ganz normalen Kindern.

Wenn Armin irgendwelche Ängste zeigt, versuche ich möglichst ruhig zu reagieren. Ich nehme seine Angst ernst. Gleichzeitig zeige ich ihm, dass ich selbst keine Angst habe. Wenn es ungewöhnliche Geräusche gibt, versuche ich immer sofort die Quelle ausfindig zu machen und zeige sie Armin.

Hilfreich ist auch, wenn ich immer vorher genau erkläre, wo wir hingehen und in welcher Reihenfolge. Überraschungen liebt Armin gar nicht. Aber seit er meine Erklärungen versteht, ist er viel umgänglicher und leichter zu händeln.

Armin hat übrigens auch lange Zeit Ich und du vertauscht, ist für Autisten typisch. Erst seit ein paar Monaten hat er das abgelegt.

Mit dem Körperkontakt hatte Armin erst auch seine Probleme, nur wenn er es wollte und meist ziemlich grob. Alser etwas über 3 war, hat mir eine Freundin was über Festhaltetherapie erzählt und mir ein Buch empfohlen: "Hättest du mich festgehalten" von Jirina Prekop. Ich war erst sehr skeptisch, aber nachdem ich das Buch gelesen hatte, habe ich es mit Armin versucht - ohne Therapeuten, einfach mit Hilfe meines Instinkts. Daraufhin kam Armin sogar zum Kuscheln zu mir ins Bett und unsere Beziehung ist irgendwie klarer geworden. Beim Festhalten kommt es darauf an, Grenzen zu zeigen und deutlich zu machen, wer der Stärkere ist. Für Kinder ist es erstaunlich erleichternd, wenn sie wissen, dass ihre Eltern stärker sind als sie. Zumindest, wenn sie ihren Eltern vertrauen können. Ich habe allerdings auch schon negative Berichte über das Festhalten gelesen. Ich denke , wichtig ist, dass derjenige, der es tut, auch dahintersteht und das Kind wirklich sehr liebt. Man muss wohl auch auf taktile Überempfindlichkeit Rücksicht nehmen. Aber uns hat es geholfen.

Ein Intelligenztest ist bei Armin nie gemacht worden, nur ein Entwicklungstest. Der hat auch ein recht ungleichmäßiges Profil ergeben. Das ist für Autisten wohl typisch.

Windeln braucht Armin nicht mehr, nur nachts ist das Bett noch recht häufig nass. Mit dem Essen haben wir kaum Probleme. Armin hat von Anfang an sauberer gegessen als sein Bruder. Er braucht immer ein Lätzchen, um sich jederzeit den Mund abwischen zu können. In letzter Zeit isst er aber manchmal mittags nur trockene Kartoffeln und verweigert Fleisch und Gemüse. Daran stören wir uns nicht, ist ja nicht ungesund.


So das reicht für heute. Gruß an alle

Regina

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shone
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Beitragvon shone » 12.08.2005, 19:51

Hallo Regina,
auch von mir ein herzliches Willkommen in dieser Liste.
Ich habe es eben erst gelesen (Deine Vorstellung und die Antworten darauf) und daher schreibe ich erst jetzt.
Mein Name ist Inci (36J) und mein Sohn Dennis (6,5 J) hat einen komplexen Herzfehler und Autismus.
Auch über Dennis gibt es eine Menge zu erzählen und ich manchem ähnelt er Marco und in anderem ähnlet er sehr Deinem Armin.
Da ich nun nicht alles aufschreiben kann (Dennis ist ja auch schon fast 7 Jahre, das wären viele viele Seiten), möchte ich Dir gerne seine Homepage geben:
www.dennis-schueler.de
Hoffe das ist ok so.
Bezüglich Dennis Autismus weiss ich leider erst seit einem Jahr Bescheid, aber seitdem das TEACCH Konzept in unser Leben aufgenommen haben, hat sich ganz vieles für Dennis und damit in unserem Alltag verbessert.
Ähnlich wie Du es auch beschreibst, u.a. dass ich ihm vorher klar machen kann, was dran kommt, und seine manchmal mangelnde Sprachverständnis nachhelfen kann.
Freue mich über einen Austausch mit Dir/Euch.
LG Inci
(http://www.inci-auth.de - Mama von Dennis, geboren 28.01.1999;
komplexer Herzfehler (Shone-Komplex) mit Lungenhochdruck, Autismus mit Zwangsstörung, Thorakal-lumbal-Skoliose, Epilepsie mit fokalen Anfällen; unser "kleiner" Sonnenschein)

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Beitragvon Anny » 14.08.2005, 22:19

Hallo!

Wenn ich André mit Euren Kindern vergleiche, würde ich fast sagen, dass auch er Autist ist. Genau sagen, kann ich es aber noch nicht, da die genaue Diagnose noch aussteht.
Wollte Euch aber mal fragen, woran man das genau erkennt, bzw. was typische Merkmale von Autismus sind ?
Hoffe, ihr könnt mir vielleicht helfen!

Liebe Grüße Anny


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