Warum ich keine Therapie mehr mache

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grace
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Re: Warum ich keine Therapie mehr mache

Beitrag von grace »

Hallo Rico,

Was hättest du denn gerne gemacht und wer hat dir das verwehrt?
Du solltest dich besser erklären wenn du hilfreiche Beiträge bekommen willst, allgemein kritisieren bringt dich gar nicht weiter.

LG

Grace

Mellie
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Re: Warum ich keine Therapie mehr mache

Beitrag von Mellie »

Hallo Ricco,

badest Du gerade in Selbstmitleid. Du hörst Dich nicht so an, als ob Du ein Niemand bist oder sein willst. Zeige es den Leuten und mache etwas aus Deinem Leben. :mrgreen:
Viele Grüße
Mellie
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Sohn geb.1999, GdB 70 B, G, PG 3, beschäftigt in einer WfbM
Sohn geb. 2003 mit viel Förderung auf einem guten Weg

DaniWien
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Re: Warum ich keine Therapie mehr mache

Beitrag von DaniWien »

Hallo Ricco,

Ich kann dich schon verstehen - es ist schwierig weiterzukommen ohne Unterstützung!
Sei es dass die Familie nicht an Bildung interessiert ist, oder ein Lehrer der einem Migranten Mädchen das Ärztin werden will empfiehlt besser Krankenschwester zu werden, oder besonders bei Kindern mit Einschränkungen. Wenn alles zusammen kommt werden viele Talente vergeudet!

Ich habe erlebt dass bei Kindern die rein körperlich behindert sind die Fachleute eher die niedrigen Schulen empfehlen, man soll ihn doch nicht überfordern und Erfolg ist doch nicht das wichtigste. Ihre eigenen Kinder werden mit Biegen und Brechen (Nachhilfe, Privat Schule, wiederholen lassen...) zur Matura geschleppt, aber ein behindertes Kind das sich streckenweise schwertut soll lieber runter in eine leichtere Schule.

Natürlich ist Schule, Studium, Job usw nicht das wichtigste im Leben, aber ein angenehmer Job mit mehr Einkommen und vor allem mehr Respekt trägt bei zur Lebensqualität bei. Ich finde man sollte schauen was möglich ist individuell, und Unterstützung bieten seine Möglichkeiten auszuschöpfen. Und auch ehrlich sein, nicht weniger optimale Optionen schön malen - die Leute (Eltern und Klienten) wissen ja meistens schon selber was ein "Abstieg" ist. Ehrlich sein und helfen Chancen zu bieten und ergreifen, das erwarte ich von den Fachleuten.

Aber auch : nicht aufgeben, bessere Therapeuten / Ausbildung suchen und nicht abwimmeln lassen. Dranbleiben, Schwächen lernen zu akzeptieren und stolz sein auf die Stärken..
Lg

MelSch
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Re: Warum ich keine Therapie mehr mache

Beitrag von MelSch »

Hallo Ricco!

Welche Therapien musstest du denn machen?
Du schreibst, du bist auf eine Sonderschule gegangen - und dann auf die Hauptschule. Das ist doch super! Und ein "mittelmäßiges Leben" führe ich mit meinem Realschul Abschluss + Ausbildung auch. Ist doch voll o. K!

Ich hatte keinerlei Unterstützung von daheim. So hat es aus eigener Kraft nur bis zur Realschule gereicht. Ich hatte aber auch kein Interesse am Abitur. Ich wollte nie studieren, ich wollte eine Ausbildung machen.
Bei uns steht auch kein Porsche in der Garage (wir haben nicht mal eine Garage! 😬). Urlaub ist an der Ostsee total schön - ich will gar nicht nach Dubai. Und wenn, dann könnte ich noch putzen gehen oder so und ein paar Jahre drauf sparen.
Ich bin zufrieden mit meinem Leben - trotz Kind mit PG4 (Grad der Behinderung 100)und selbst chronisch krank (Grad der Behinderung 70).

Was vermisst du denn so sehr?
Du könntest ja einen höheren Schulabschluss nachholen oder eine andere Ausbildung machen, oder künstlerisch tätig werden, oder ehrenamtlich...

Nur zu jammern und andere verantwortlich machen, ist nicht sehr produktiv. Diese Wut/ Kraft könntest du woanders einsetzen!

Ein Freund von mir hat Muskeldystrophie, ist seit 21 Jahren an der Beatmungsmaschine und hat mit 2 Freunden eine CD aufgenommen (Dance/ Trance Musik). Er kann nur noch die Lippen bewegen. Aber er ist glücklich und stolz auf seine Leistung! Er könnte natürlich auch im Bett liegen und über sein schweres Schicksal jammern... ER hat sich entschieden!

Alles Gute!
Ich wünsch Dir, daß nach deiner Selbstmitleids - Phase eine gute Zeit für dich kommt! Aber von nichts kommt nichts! 💪 Du musst dich schon selber bewegen...
Liebe Grüße,
MelSch

Sabine1970
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Re: Warum ich keine Therapie mehr mache

Beitrag von Sabine1970 »

Hallo Ricco,

für mich schreibst Du nicht so, als hättest Du " nichts in der Birne"-entschuldige bitte den flapsigen Ausdruck.Aber das ist mein Eindruck.
Deine Wortwahl und Deine Grammatik sind fehlerlos.
Mach was draus- es sind nicht immer die anderen.
Und es ist niemals zu spät, nochmal dazu zu lernen.

Liebe Grüße
Sabine

Silvia15
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Re: Warum ich keine Therapie mehr mache

Beitrag von Silvia15 »

Hallo,

ich finde hier werden zwei Dinge vermischt. Zum einen die wirklichen Möglichkeiten und ja in Deutschland haben prinzipiell alle Menschen die selben Möglichkeiten an Bildung zu gelangen. Was ihr meint sind Vorurteile anderer die einen entgegenwehen, nicht die Tatsache, dass einem das System an sich die Möglichkeit verwehrt z. B. als Kind einer Harzt IV Familie ein Gymnasium zu besuchen. Im Grunde genommen kann jedes Kind aus jedem Stand in Deutschland nach seinen Möglichkeiten jegliche Schulbildung bekommen und auch am Ende Studieren.

Natürlich ist es für Kinder ohne Rückhalt aus dem Umfeld und dieser Rückhalt fehlt halt häufiger in den unteren Schichten wie in den Oberen, schwerer sich durchs System zu boxen, aber eben nicht unmöglich.

Das Problem liegt meiner Meinung nach nicht direkt im System sondern in den Köpfen der Menschen, die einem häufig einreden, kannst du nicht, geht nicht, das wird eh nix, anstelle einen anzuspornen.

Die Frage ist nur wo ist das Glück des Einzelnen und das muss ja nicht zwangsläufig in einem hohen Einkommen oder einem Studium liegen. Ich glaube manche Arztsöhne verfluchen es auch studierte Eltern zu haben, die meinen Junior müsste unbedingt in ihre Fußstapfen treten und sie sich deshalb zum Abitur schleppen müssen obwohl sie vielleicht auf einer Mittelschule besser aufgehoben wären. Es kann genauso ein Fluch sein aus einer "priviligierten" (ich schreibe es bewusst in Anführungszeichen weil für mich macht es keinen Unterschied ob jemand aus einer Arbeiterfamilie kommt oder aus einer Dr. Familie) Familie zu kommen wo von Vornherein eine Leistungsfähigkeit vorausgesetzt wird die man vielleicht gar nicht bringen kann und möchte.

Ich denke der Satz: Jeder ist seines Glückes Schmied" ist hier sehr treffend. Und zu mir hat einmal ein Mann, welcher als Jugendlicher bei einem Unfall beide Beine verloren hatte, gesagt das Glück liegt nicht darin was man nicht kann, es liegt darin was man kann.
Silvia mit Maximi (Juli 15, F84.5) und Minimi (Mai 17, ein normaler Wirbelwind)

*Katha*
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Re: Warum ich keine Therapie mehr mache

Beitrag von *Katha* »

Ich seh das ähnlich wie Silvia15.

Habe auch eine Lernbehinderung.
Zu meinen Eltern wurde gesagt: Ihr Kind wird nicht das 1te Jahr überleben. Sie haben nicht aufgegben, werd in 2 Wochen 30.. bin mit Herzfehler zur Welt gekommen.
In meiner Schulzeit wurde immer gesagt: Ach Lernbehinderte, die sind doch eh dumm. Manche Menschen sollte einfach nicht Lehrer werden.

Aber weißt du was? Ich war früher auch so, mich hat schnell der Mut verlassen wenn ich wo angeeckt bin. Trotzdem habe ich als ich älter wurde einen Hauptschulabschluss geschafft, ich habe sogar eine Ausbildung gemacht. Da ich an mich selbst geglaubt habe. Was die anderen gesagt haben war mir egal. Ich habe mein Ding durchgezogen.

Habe vor 2 Jahren die Wfbm gewechselt, weil ich in der alten unterfordert war. Hab mein Leben selbst in die Hand genommen. :) Selbstständig werden ist absolut nicht einfach. Als Mensch mit Behinderung muss ein wenig mehr Kämpfen. Aber es lohnt sich allemal.
Mein Ziel ist ein Außenpraktikum, ich kämpfe seit 5 Jahren dafür, und lass mich nicht unterkriegen.

Was mir dabei sehr Hilft ist der Selbstglaube. Nur dadurch habe ich in den 30 Jahren noch nie Aufgegben.
Auch mach ich Therapie und habe viele Dinge über mich selbst gelernt. Die ich vorher nicht so wahrgenommen habe, das hat mir bei der Selbstständigkeit noch mehr geholfen. :)

Ein Tipp noch: Setz die Erwartungen nicht so hoch. Das war früher bei mir ein sehr großes Problem. Seit ich kleine Schritte und immer nur Häppchen mache komme ich dem Ziel näher und bin nicht mehr so enttäuscht.

Sandra9902
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Re: Warum ich keine Therapie mehr mache

Beitrag von Sandra9902 »

Mit vielen Dinge haben wir alle sicher Recht. Aber ich muss gestehen, dass es wirklich schwer ist, die richtigen Worte zu finden. Aufgrund meiner eigenen Einschränkungen geht es mir in schlechteren Momenten oft so, dass man mir nicht wirklich etwas sagen kann, das ich positiv und als Mut machend bewerte.
Dinge wie „ du musst nur an dich selbst glauben“. oder „jeder ist seines Glückes Schmied“ beinhalten für mich, wenn ich grade mutlos bin, den Umkehrschluß, dass es ja eigentlich ganz einfach ist, ich mich nur zusammenreißen muss, es also mein Fehler ist, dass es so ist, wie es ist. Ich hoffe, man versteht, wie ich das meine.
Es ist so verdammt schwer, die richtigen Worte zu finden für jemandem, der grade wirklich mutlos ist und für den Aufgeben eine mögliche Option ist.
Sandra mit PS, geb 1999, frühkindlicher Autist,gb, ADHS, Epilepsie, anfallsfrei
PT, geb 2002, PTBS

Ricco92
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Re: Warum ich keine Therapie mehr mache

Beitrag von Ricco92 »

Hier wird etwas grundlegend missverstanden, denn ich bin überhaupt nicht dabei aufzugeben oder mich treiben zu lassen. Ich arbeite quasi jeden Tag an meiner beruflichen und persönlichen Zukunft. Allerdings sind die Reaktionen sehr aufschlussreich und es gibt sicher einige Privilegierte, die zufrieden sein dürften. Denn sobald jemand seine Situationen beschreibt und schildert, wird alles klein geredet oder ihm wird unterstellt, dass diese Person selbst Schuld sei oder nichts tue. Auch das Anstreben von möglichst kleinen Zielen wird vorgeschlagen, damit man bloß nicht merkt wie viele "unsichtbare Decken" es gibt und man blöd, naiv und unter seinen Möglichkeiten bleibt. Das wird auch in Therapien gemacht, denn die TherapeutInnen haben bereits ihr Studium fertig und Karriere gemacht und dementsprechend kein Interesse daran, dass zu viel Konkurrenz entsteht. Schon überhaupt nicht durch einen aus der unteren Schicht.

Letzteres bewirkt auch, dass Probleme und (psychische) Krankheiten häufig von Eltern an die Kinder weiter gegeben werden. Depressionen generationsübergreifend zu heilen und den Risikomechanismen bereits früh genug entgegenzuwirken würde, dass Machtgefälle langfristig gefährden.

Anjali
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Re: Warum ich keine Therapie mehr mache

Beitrag von Anjali »

...du möchtest also Therapeut werden?
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (19 Jahre / Asperger-Autist)

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