Hilfe: Kind wird zu stark für die Mutter

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Anke_Buxmann
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Hilfe: Kind wird zu stark für die Mutter

Beitrag von Anke_Buxmann »

Hallo

Ich habe vor mehreren Jahren auf diesem Forum sehr hilfreiche Auskünfte bekommen, die geholfen haben, das Sotos-Syndrom meines Patensohnes festzustellen. Meine Freundin, Mutter von dem behinderten Kind, meidet Foren und Austausch mit Eltern behinderter Kinder, ich komme also sozusagen stellvertretend nochmal hierher zurück.

Mein Patensohn ist jetzt sieben Jahre alt, hat aber die Körpergrösse von einem Zehnjährigen und wiegt 30 Kilo. Aufgrund seiner Entwicklungsverzögerung macht er Phasen durch, die meine Kinder mit zwei Jahren machten: sich auf den Boden werfen, sich mit allen Kräften auflehnen, manchmal sogar mit den Fäusten schlagen. Natürlich kann man das oft anders, mit Geduld und Humor lösen, aber manchmal kommt es halt doch zum Kräftemessen zwischen Kind und Mutter.

Meine Freundin ist momentan etwas hilflos und verzweifelt. Noch ist sie stärker als ihr Sohn, wenn er einen Wutanfall bekommt, aber das wird sich in den nächsten Jahren ändern. Was macht man, wenn das Kind stärker ist, als die Mutter? Wie kommt ihr an das Kind heran, wenn es - wie jedes Kleinkind es auch täte - in manchen Momenten auf Dikussionsansätze nicht reagiert? Welche Tricks wendet ihr an?

Ich danke euch im Namen meiner Freundin und meines kleinen Patensohnes schon mal für alle Antworten, die uns weiterhelfen können!

Anke

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simone_berlin
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Beitrag von simone_berlin »

Hallo,

ich kann deine Freundin gut verstehen, denn ich bin in einer ähnlichen Situation (mein Sohn kneift und haut bei körperkontakt fast sofort) nur dass er körperlich nicht stärker ist.

Mir hat es geholfen im SPZ eine Interaktionsanalyse zu machen (so hiess das glaube ich), da wurde ein kurzes Video von der Interaktion zwischen uns gedreht und danach ausgewertet.
Die dafür ausgebildete Therapeutin hat dann mit mir zusammen erarbeitet, was mir wichtig ist, wo es hingehen soll und wie wir das am besten erreichen.
Gerade da unsere Kinder sich nicht altersgemäß entwickeln kann man so gut lernen, was die aktuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten sind, damit man adäquater reagieren kann.

Vielleicht gibt es ja so ein Angebot auch bei euch. Mir hat es geholfen.

Viel Glück,
Simone
Simone *1973, Thomas *1972; Oskar Lasse *Juni 2003, Oliwia *August 2005 (Pflegekind) und Joris Ruven *Dezember 2006 mit CFC-Syndrom

Anke_Buxmann
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Beitrag von Anke_Buxmann »

Hallo Simone
Danke! Meine Freundin wohnt auf dem Land, in der französischsprachigen Schweiz, ich fürchte es gibt dort eher wenig Angebote. Aber ich werde ihr davon erzählen.
Lieben Gruss
Anke

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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Hallo Anke,

ich würde der Freundin dringend raten, sich Hilfe zu holen. Es gibt leider kein Patentrezept dafür, aber ein Kräftemessen ist natürlich zu vermeiden, denn in wenigen Jahren wird das Kind gewinnen, und schon jetzt ist so ein Gerangel eine für beide Seiten sehr belastende Angelegenheit. Ich weiss, wovon ich spreche :oops:

Mein Sohn ist acht, und wiegt auch knapp 30 Kilo (ein ganz normales Gewicht für einen achtjährigen). Wir haben solche Auseinandersetzungen gsd immer seltener (inzwischen bloß noch alle paar Monate), wir haben ein Miteinander gefunden, das die Eskalation verhindert. Wenn es doch dazu kommt, halte ich ihn von hinten fest, so kann er sich nicht verletzen, mich auch nicht, und bin dabei aber ganz ruhig und sanft (wichtig! nicht auf ihn einreden, keine Vorwürfe in der Situation).
Für mich ist ganz klar, dass das Familienleben nicht funktionieren kann, wenn er einmal körperlich stärker ist und immer noch "gewaltbereit". Ich will ihn aber nicht frühzeitig abgeben müssen. Deshalb setze ich alles daran, dass er bis dahin andere Möglichkeiten des Frust- und Aggressionsabbaus und auch der Auseinandersetzung hat.

Es kommt natürlich auch auf die Art und Ausprägung der Behinderung an, ob, wo und wie gut man den Hebel ansetzen kann. Wenn es die Trotzphase ist, die normale Kinder mit 2-3 Jahren haben, dann geht es ja vorbei, sofern er aus den Auseinandersetzungen nicht mit "Gewinn" hervorgeht (und "Gewinn" heisst nicht nur, zu merken, dass er stärker ist, sondern auch: Aufmerksamkeit. Erfolgreich provoziert. Mutter aus der Reserve gelockt. Langeweile beendet. Vielleicht sogar: Kuscheln nach dem Donnerwetter ... Bei meinem Sohn merke ich, dass er es manchmal drauf ankommen lassen möchte, weil es ihm - weiss nicht wie ich´s besser ausdrücken soll - um ein reinigendes Gewitter geht).

Wenn Therapiestellen zu weit weg sind, lohnt es sich deshalb vielleicht schon, mal für ein paar Wochen wohin zu fahren, wo man das analysieren und trainieren kann.

Notfalls geht´s vielleicht auch mit selbstgedrehtem Video, oder mit der Unterstützung (Blick von außen) einer guten Freundin (die vielleicht Anke heisst?)???

Liebe Grüße, Ingrid
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Gerd Thiel
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Kraftdosierung etc.

Beitrag von Gerd Thiel »

Hallo liebe Anke
ich kann dir heir keinen allgemeinen Tipp zuwerfen, jedoch kannst du die Möglichkeit in Betracht ziehen dass evtl. in eurer Gegend eine seriöse tiergestützte Intervention zu haben ist.
Bei uns sind einige "Kleine" zu starke JUngs und Mädels in Therapie, die Schlagen, Treten, Spucken,Beissen und und und....dadurch oft Probleme im Kiga oder Schulehaben und sogar zu Hause bleiben müssen. Doie Eltern meidend ann soziale Kontakte meist aus Scham. Aus diesem kreislauf heraus zu bekommen ist meist alleine kaum möglich, zudem ist das eigentliche Thema nicht damit gelöst evtl. mehr zu medikamentieren etc. sondern die Ursache sollte therapeutische und auf Dauer so betreut werden,dass das betreffende Kind neu lernen darf seinen motorischen Fähigkeiten zu vertrauen und die emotionalen Bereich neu zu sortieren. Das gelingt sehr gut mit einem speziell ausgebildeten Hund. Aber Achtung!! nBitte keine Hunde bzw . Therapeuten suchen, die von vorneherein Regeln aufstellen und den Hund nur führen, denn das ist eben meist das , was die Betroffenen ja schon kennen. Man muss ihnen anderes begegnen und sich schon etwas Zeit nehmen.
Sonnige Grüße Gerd
Sozialpädagoge- FamilienCoach- Therapie- begleit-und Anfalls-Vorwarnhundehunde Ausbilder und DogTher Therapeut

Beatrice1967
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Beitrag von Beatrice1967 »

Hallo Anke

Wie hat es denn die Mama Deines Patenjungen mit einem Verein oder einer Selbsthilfegruppe, oder einer geschlossenen Facebookgruppe.
Bei uns im Forum, speziell auf die Schweiz ausgerichtet, haben wir den Aufruf von Maria aus dem Raum Zürich (sie spricht aber auch Französisch). Sie hat ein Mädchen mit dem Sotos-Syndrom und die geschlossene Facebookgruppe gegründet um Austausch mit anderen Schweizer Eltern zu bekommen, deren Kind auch vom Sotos-Syndrom betroffen ist.
Vielleicht magst Du ja mal schauen unter:
http://www.dasanderekind.ch/phpBB2/view ... f=7&t=2161

Ich hoffe mal . Du liest hier noch mit und grüsse Dich herzlich aus der Ostschweiz

Bea
selbstbetroffen von Cerebralparese und kongenitaler Amblyopie, hochgradiger Kurzsichtigkeit und Makuladegeneration,
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Bücher-und Homepage-Fee im Schweizer Forum für Eltern behinderter, chronisch kranker oder mit Fehlbildung geborener Kinder
www.dasanderekind.ch

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