Mein Mann kommt mit Behinderung nicht klar! Was tun?

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Beitragvon ehemalige Userin » 27.07.2010, 11:44

Alles muss alleine gestemmt und entschieden werden.

Hallo Lisa,
ich möchte hier keinen Kommentar abgeben, aber diesen Satz muss ich kurz aufgreifen. Das scheint hier das Problem.
Momentan erledige ich alles was Lea betrifft alleine - anziehen, windeln, füttern. Nur ins Bett bringen hilft er mir. Habt ihr auch Erfahrung damit? Was kann ich tun?

Gemeinsam einsam, ob es das dann ist? Aber Du hast Recht, man muss da selbst durch und entscheiden.

AnniesPapa
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Beitragvon AnniesPapa » 27.07.2010, 12:01

Hallo,
ich hoffe, ich darf als Mann hier auch mitsprechen... Zuerst einmal: schade, dass Du diese Erfahrung machen musst. So richtig kann man da keinen Rat geben. Ich versuche mal meine Meinung dazu zu äußern. Achtung: es wird sachlich! Bitte erst weiterlesen, wenn ihr damit einverstanden seit:

Also auf mich wirkt das irgendwie vorgeschoben und wie eine Ausrede von Deinem Mann (sorry, wenn ich so deutlich bin). Er geht fremd, schiebt eure Tochter als Begründung vor und schlägt (aus schlechtem Gewissen) eine Therapie vor. Kann es sein, dass er gar nicht weg will, sodern nur ein Abenteuer gesucht hat und Du hast es (aus seiner Sicht) dummerweise entdeckt?
Bitte akzeptiere nicht so ohne weiteres diese Tat! Ich kann Dich verstehen: Du hast Angst, dass er ganz geht, wenn Du mit ihm Tacheles redest. Aber ER ist das A****loch und nicht Du! Ich denke, er will gar nicht weg.

Aber wie weiter?
- Er muss wissen, das ER einen schweren Fehler gemacht hat! Wie Du damit umgehst, musst Du selber entscheiden.
- Wichtig ist auch, dass ihr euch Zeit füreinander lasst (ihr beide alleine).
- Männer mögen es, gelobt zu werden! Wenn er also was mit den Kindern macht, lobe ihn dafür (auch vor anderen Leuten). Das wird ihn motivieren.
- Stellt euch klare Termine auf, wer ist wann für was verantwortlich. Nicht Du alleine musst alles machen, auch er hat Verantwortung!

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Beitragvon AnniesPapa » 27.07.2010, 12:07

Ich weiss nicht wo du die Kraft hernimmst das mit dem fremdgehen so einfach wegzustecken.
Mir ging es ähnlich und ich konnte das nicht. Klar, nach aussen hin heile Welt spielen und so ist ja kein Problem. Aber innerlich...war er mir total egal geworden. Die Gründe die Beziehung fortzuführen waren aber naja eher materieller und praktischer Natur als denn Liebe oder so.
Die Verletzung war einfach zu tief als das ich das einfach so übergehen konnte. Vor allem bleibt immer der Gedanke "wo ist er gerade? tut ers wieder?". Naja und irgendwann war ich dann soweit, dass ich mir gedacht habe "er tuts ja eh, kann dir egal sein". Obs wieder vorkam weiss ich nicht, aber ich hatte mich emotional soweit gelöst, dass es mir egal war.
Dann habe ich den ganzen Rest mal reflektiert und kam dann zu dem Schluss, dass da eigentlich nichts positives an dem Mann ist. Hilft trotz stundenlanger Diskussionen nicht im Haushalt, weiss nicht was sein Kind wann will/braucht, ist stinkend faul (egal was gemacht werden muss er schiebt es wochenlang), hält sich selber für den tollsten und lügt dritte sogar an um der tollste zu sein (Gehalt verdoppelt, Hausgröße etc.)...naja und zu guter letzt: Eigentlich kann ich froh sein, wenn er ne andere im Bett hat, dann hab ich meine Ruhe, weil da wars noch nie so toll bei ihm. Dann hab ich mir überlegt, dass ich mir zuviel antue und zu wenig bekomme. Und dann wars entgültig vorbei.
Hallo,
hoffe, Du hast einen Besseren gefunden. Klingt wie ein Riesena**** und ist es sicher auch. Leider ist hier im Ausgangsthema aus meiner Sicht viel Angst rauszulesen, alleine zu sein, oder sehe ich das falsch?

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Beitragvon ehemalige Userin » 27.07.2010, 12:17




- Männer mögen es, gelobt zu werden!
Hallo,
ich lobe Dich jetzt mal für Deinen Beitrag. Wie Du Deine Ansicht aus Männersicht geschildert hast, finde ich prima. Ich denke schon, dass hier wirklich der Papa einiges wieder gut zu machen hat, sich mehr einbringen sollte und dafür in erster Linie an sich arbeiten muss. Alles in allem können nur offene Gespräche helfen.

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Beitragvon Steffi & Alexander So » 27.07.2010, 12:31

Hallo,

meinen großen Respekt irgendwie. Aber ich denke, ich spreche aus meiner Erfahrung, die Männer drücken sich weil wir Mamas das meist alles abnehmen und wir das "besser" machen als sie. Mein Mann konnte ganz lange Zeit die Orthesen (als Beispiel) nicht anziehen. Jetzt habe ich ihn gezwungen, und ihm gesagt das ich einen ganzen Tag weg bin und er den kleinen alleine hat. Dann hat er es verstanden was er alles nicht kann, und was ich den ganzen Tag leiste und wollte bzw. hat es gelernt! Er konnte auch am Anfang nicht mit der Behinderung unseren Sohnes umgehen, aber es wird immer besser.
Liebe Grüße Steffi
___________
du kannst kein neues Leben anfangen,
aber täglich einen neuen Tag

Steffi (08/82) mit Alexander (04/08), ICP, Entwicklungsverzögerung, Hydrocephalus (vers. mit VP-Shunt), Tetraspastik, Harnblasendiverdikel, Epilepsie, neurogene Blase, chronisches Lungenempyem

Ruth131
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Beitragvon Ruth131 » 27.07.2010, 14:13

Ich weiss nicht wo du die Kraft hernimmst das mit dem fremdgehen so einfach wegzustecken.
Mir ging es ähnlich und ich konnte das nicht. Klar, nach aussen hin heile Welt spielen und so ist ja kein Problem. Aber innerlich...war er mir total egal geworden. Die Gründe die Beziehung fortzuführen waren aber naja eher materieller und praktischer Natur als denn Liebe oder so.
Die Verletzung war einfach zu tief als das ich das einfach so übergehen konnte. Vor allem bleibt immer der Gedanke "wo ist er gerade? tut ers wieder?". Naja und irgendwann war ich dann soweit, dass ich mir gedacht habe "er tuts ja eh, kann dir egal sein". Obs wieder vorkam weiss ich nicht, aber ich hatte mich emotional soweit gelöst, dass es mir egal war.
Dann habe ich den ganzen Rest mal reflektiert und kam dann zu dem Schluss, dass da eigentlich nichts positives an dem Mann ist. Hilft trotz stundenlanger Diskussionen nicht im Haushalt, weiss nicht was sein Kind wann will/braucht, ist stinkend faul (egal was gemacht werden muss er schiebt es wochenlang), hält sich selber für den tollsten und lügt dritte sogar an um der tollste zu sein (Gehalt verdoppelt, Hausgröße etc.)...naja und zu guter letzt: Eigentlich kann ich froh sein, wenn er ne andere im Bett hat, dann hab ich meine Ruhe, weil da wars noch nie so toll bei ihm. Dann hab ich mir überlegt, dass ich mir zuviel antue und zu wenig bekomme. Und dann wars entgültig vorbei.
Hallo,
hoffe, Du hast einen Besseren gefunden. Klingt wie ein Riesena**** und ist es sicher auch. Leider ist hier im Ausgangsthema aus meiner Sicht viel Angst rauszulesen, alleine zu sein, oder sehe ich das falsch?
Ich denke, dass viele Frauen Angst haben alleine zu sein mit einem behinderten/besonderen Kind. Aber ich zum Beispiel habe dann entdeckt, dass ich ja vorher eigentlich auch schon alleine war und es sogar weniger Belastung ist so. Sachlich betrachtet ich muss nur für 2 kochen, waschen und sauberhalten und habe nicht den Mist vom Mann auch noch am Popo.

Du als Mann kannst mir aber mal sagen, warum Männer eigentlich immer fremdgehen. Ist mir jetzt nicht zum ersten Mal passiert. Das beste ist: Wenn man fragt warum, dann kommt "weiss ich nicht" "ich war betrunken" und ähnliche witzlose Sachen. Was meiner Meinung nach alles keine Begründung darstellt.
Ich bin halt ein Mensch der nicht einfach drüber weggehen kann und ausserdem der Meinung bin "wers einmal tut tuts immer wieder".
Naja und die Güte nen Gummi zu benutzen hatte er auch noch nichtmal. Ist schon nett, wenn beim Frauenarzt ne Geschlechtskrankheit festgestellt wird und man aber von sich selber weiss, dass mans nicht angechleppt haben kann...und dann zitternd auf den HIV Test warten...nee danke, dass brauch ich alles nie wieder.
Alleine lebts sich leichter.

Nur aus Angst alleine zu sein, sollte man keine Beziehung führen. Und wenn der Mann nicht checkt was man als Frau zu Hause alles leistet und nicht helfen will, dann stimmt doch eh nichts mehr oder?
Ruth *1986 mit Linus 10/08 Muskeldystrophie (zu 98% Duchenne)
und Vincent Frühchen SSW 24+6 *08.12.12 +08.01.13

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Beitragvon AnniesPapa » 27.07.2010, 14:44

Hallo Ruth,

wir weichen zwar ein wenig vom Hauptthema ab, aber zu Deiner Frage: "warum Männer immer fremdgehen". Mit wem gehen die denn fremd? Mit Frauen! Sind die immer alle alleinstehend? Du machst Dir das ein wenig einfach, nur DEN Männern die Schuld zu geben.

Schade, das Du (noch) nicht den richtigen gefunden hast. Es klingt ja fast, als wenn Du gar nicht mehr suchst. Ganz ehrlich: irgendwo gibts einen....

Du hast aber recht: nur, um nicht alleine zu sein, eine Beziehung führen ist falsch!
Aber alleine sein ist auch nicht schön! Ich bin froh, dass wir (meine Frau und ich) als Paar so gut funktionieren, auch mit der Behinderung unserer Tochter.

Ruth131
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Beitragvon Ruth131 » 27.07.2010, 15:42

Der Beitrag von der TE las sich sehr ähnlich mit meiner Situation damals. Es scheint ja auch kaum Familienleben in der Form da zu sein, dass man sich gegenseitig unterstützt. Zumindest sollte es meiner Meinung nach so sein, dass der Vater sich auch ums Kind kümmert.

Deswegen habe ich mal von meiner Situation berichtet. Ich denke, dass es gut tun kann sachlich über die Situation nachzudenken und zu gucken ob man selber diese Beziehung überhaupt noch so will oder ob eine Trennung besser ist. Nur den Faktor "alleine sein" sollte man dabei weglassen.
Vielleicht auch einfach mal alleine wegfahren? Mutter-Kind-Kur? Und dann mal aus der Entfernung betrachten was von der Beziehung noch übrig ist? Ich habe durch den Abstand einfach gemerkt, dass da eigentlich ncihts mehr ist ausser Gewohnheit.

Du hast Recht, ich suche nicht mehr. Bei mir ist da einfach zuviel passiert, als das ich mich nochmal auf was einlassen möchte.
Ruth *1986 mit Linus 10/08 Muskeldystrophie (zu 98% Duchenne)
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Beitragvon AnniesPapa » 27.07.2010, 15:53

...Ich denke, dass es gut tun kann sachlich über die Situation nachzudenken und zu gucken ob man selber diese Beziehung überhaupt noch so will oder ob eine Trennung besser ist. ....
Ich finde Deinen Ansatz sehr gut. Ich klopfe auch immer alle Möglichkeiten ab. Aber ich glaube, dass Nicole (Themenstarter) darüber noch nicht nachdenken will oder kann (klingt zwischen den Zeilen so raus).
Nehmen wir mal die Fakten:
- er geht fremd
- sie verzeiht ihm, hat Ängste
- er macht eine Therapie (aber irgendwie nicht so richtig)
- er sagt, er will bei ihr bleiben
==> alles gut! (zur Zeit)
Alles andere ist Spekulation:
- Kann ich ihm vertrauen?
- Nützt die Therapie was?
- Wird er mehr mit den Kindern machen?
- Ist er ein guter Vater?
- UND GANZ WICHTIG: Vielleicht wird ja auch alles gut und die Familie hat eine glückliche Zukunft!

Und eben auch Dein letztes Argument: "brauche ich ihn?" Aber eben zum jetzigen Zeitpunkt noch kein Thema, denke ich.

SonjaM
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Beitragvon SonjaM » 27.07.2010, 21:01

Guten Abend :)

Also, ich sehe das so wie Ruth! Der Vater meines Kindes schämt sich für seinen Sohn. Ich habe von Anfan an ALLES alleine gemacht. Therapien, OP´s, den Kleinen in der Nacht stundenlang durch die Wohnung geschleppt etc! Als ich dann nach einigen Wochen so sauer war und ihn mehrfach zur Rede gestellt habe, hat er sich ne Andere gesucht. Ich habe ihn vor die Tür gesetzt. Das Thema "Beziehung" ist für mich seit dem sowas von erledigt. Das Ergebnis ist, daß er sauer, beleidigt, in seinem Stolz verletzt ist oder wie auch immer! Seit dem (es sind jetzt 14 Monate her), habe ich ihn nicht mehr gesehen. Er hat sich noch nicht einmal nach seinem Sohn erkundigt. Und wir wohnen unglaubliche 700m entfernt!

Wer einmal fremdgeht, tut es früher oder später wieder! Wer von Natur aus stinkefaul ist, wendet sich nicht um 180°! Da hilft auch keine Therapie! Sorry, aber wir haben, denke ich, alle genug Baustellen! Da brauch man nicht noch eine weitere!

LG
Sonja
Sonja mit Nico (Arthrogryposis multiplex congenita Typ 1b)


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