Schwester wegen behindertem Geschwister ausgelacht

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

Moderator: Moderatorengruppe

jutta3

Beitragvon jutta3 » 21.04.2010, 15:26

Hallo,
bei uns ist die Situation anders herum, der große Bruder wurde mit der (zugegeben sehr leichten) Behinderung des kleinen Bruders konfrontiert.
Zuerst habe ich ihm erklärt, dass kein einziger Mensch auf dieser Welt perfekt ist, jeder hat etwas Besonderes: ein Kind hat eine Brille, eines Segelohren, eines eine krumme Nase, eines Lispelt oder Stottert, ein anderes Kind ist eher dumm, andere haben eine komische Stimme, usw. Wir sind die ganze Klasse durchgegangen und haben bei jedem Kind oder der Familie etwas gefunden, wo wir sagen konnten: "Das ist anders, als bei anderen."

Dann habe ich ihm erklärt, dass manche Kinder eben schwerer krank, oder behindert sind. Dass keiner was dafür kann und niemand "Schuld" daran ist. Dass manche Kinder so geboren werden, andere durch eine Krankheit oder einen Unfall besonders werden. Und keiner kann sich aussuchen, dass es so ist oder eben anders.

Wir haben dann überlegt, warum andere Kinder einen damit ärgern:
- weil sie unsicher sind und nicht wissen, was mit den behinderten Kindern los ist
- weil sie dumm sind und zuhause nicht gelernt haben, damit richtig umzugehen
- weil sie einen suchen, den sie ärgern können, wenn nicht damit, dann den nächsten mit irgend etwas anderem
Man kann zusammen überlegen, wer weshalb schon mal geärgert wurde.

Nächster Schritt: wie damit umgehen?
Es liegt ein wenig an Deiner Tochter, wie mutig, wie offensiv sie damit umgehen kann.
- So tun, als hätte sie nichts gehört, als würde sie das nicht interessieren.
- Einen passenden Spruch zurecht legen: Johanna kann nichts dafür, aber Du bist so dumm, dass es weh tut.
Lieber meine Schwester Johanna, als so einen Blödmann wie Dich!
Versuch mich zu ärgern, wenn Dir was Schlaueres eingefallen ist!

Unser Großer wurde auch geärgert und es hat ihn geärgert! Das wurde anders, als ihm ein anderer Junge sagte: Sei froh, dass Du einen Bruder hast, ich habe nämlich gar nichts!

Meinst Du, Du kannst was damit anfangen?
LG
Jutta

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Urjoma
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Beitragvon Urjoma » 21.04.2010, 15:31

Liebe Jutta3,

das ist sooooooo toll geschrieben!!!! Danke, damit kann und werde ich was machen können. :D
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Laura97
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Beitragvon Laura97 » 21.04.2010, 15:44

Hallo

ich kann mich da auch nur meinen Vorgängerinnen anschließen. Leider sind dies immer bittere und schmerzhafte Erfahrungen im Leben ,die Geschwisterkinder von behinderten Kindern machen müssen. Auch wir Eltern stoßen da manchmal an die Grenzen in unserer Gesellschaft. Viele Menschen denken und handeln ohne darüber nachzudenken und machen sich nicht die Mühe einmal in andere hineinzuversetzen. Es fehlt ihnen einfach an Empathie und Sensibilität. Das wird leider immer wieder vorkommen.
Ich denke, das die Kinder auch sehr verunsichert und ängstlich sind. Sie kennen vielleicht keine anderen behinderten Kinder. Wenn wir etwas nicht kennen oder vor etwas Angst haben, gehen wir erstmal auf Abstand und reagieren unfreundlicher oder anders als vielleicht beabsichtigt.
Kinder in diesem Alter sind ja noch sehr jung und unerfahren im Umgang mit Menschen die anders sind als sie selbst.
Es ist eine gute Idee das Thema Behinderung oder " anders sein" in der Klasse in Zusammenarbeit mit der Klassenlehrer(in) zum Thema zu machen.
So werden die Kinder sensibilisiert und wenn sie möchten könnten sie Johanna einmal persönlich kennen lernen.
So werden sie vielleicht auch ihre Scheu und Verunsicherung im Umgang mit behinderten Kindern verlieren.
Marie kann erzählen, das sie eine besondere Schwester hat und das sie sie von Herzen lieb hat. Das macht Eindruck und stärkt ihr Selbstbewusstsein.
Kennt ihr das Buch : Irgendwie anders
von Kathryn Cave u. Chris Ridell ISBN: 3-7891-6352-x
Oetinger Verlag, kostet € 12

Gibt es bei amazon auch als Literaturprojekt für die Schule

Dieses Bilderbuch wurde ausgezeichnet mit dem UNESCO Preis für Kinder u. Jugendliteratur im Dienst der Toleranz

Ich hoffe ich konnte ein wenig helfen.

Liebe Grüße
Andrea

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Beitragvon Urjoma » 06.05.2010, 23:12

Entschuldigt, daß ich mich jetzt erst melde. Es ist zwischenzeitlich doch so einiges hier passiert.

Marie hat nach einem wirklich intensiven Mutter-Tochter-Gespräch tatsächlich den Mut gefasst und die betreffenden Kinder zu uns nach hause eingeladen.

Sie waren zwischenzeitlich hier und haben Johanna (sie hatte Gott sei Dank einen ihrer wirklich tollen Tage) kennengelernt. Es war ein ganz toller Nachmittag und ich kann nur sagen, daß dies auch nicht der letzte mal war.

Anderntags rief mich dann eine Mutter dieser Kinder an und hat sich tatsächlich bei mir bedankt. Ich wußte gar nicht wie mir geschiet.

Mittlerweile hat eben jene Mutter mit unserer Direktorin gesprochen und man plant ein Schulprojekt zum Thema *anders, aber trotzdem gleich*...

Wir sind seit Maries Einschulung eine integrative Schule und gerade solche Probleme (so die Direktorin) greift man bestenfalls in den Anfängen auf.

Es wird hierzu einen Elternabend geben und die Eltern werden mit in dieses Projekt eingebunden.

Es wird hierbei NICHT explizit um Marie und Johanna gehen, sondern das Thema wird allgemein abgehandelt.

Ich habe mir bereits hierzu die tolle Geschichte mit den angedötschten Negerküssen (haben bestimmt viele von Euch bereits gelesen... einfach nur rührend) hier aus dem Forum herauskopiert, damit die Kinder sie gemeinsam lesen und verstehen lernen.

Ich möchte mich bei Euch allen für Eure Hilfe und rege Teilnahme bedanken. Es ist absolut schön, mit solchen Problemen nicht alleingelassen zu werden. :D

Im übrigen treffen wir alle uns am Wochenende und machen (so Gott will spielt das Wetter mit) einen gemeinsamen Ausflug in den Zoo.

Geht doch.. wenn man nur weiß, wie mans richtig macht. :wink:
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Beitragvon anitaworks » 07.05.2010, 05:30

Hallo,

das freut mich für Euch :icon_sunny: :icon_sunny: :icon_sunny:

Das sind doch mal positive Nachrichten.

Liebe Grüße Anita :icon_flower:
*1996 Sohn F84.5G (2010) HB
*1998 Tochter F84.5G (2013), Knick-Senk-Füße
*2002 Tochter F84.1G(2014), F90G (2011), HB, Hornhautverkrümmung
*2007 Sohn F84.5G, F90G, F83, HB (2012)
Hinzufallen ist keine Schande, liegen bleiben aber schon!!
#NoABA #FragtWarum

jutta3

Beitragvon jutta3 » 07.05.2010, 12:48

Hallo,

einfach toll, Du hast das super gemacht!

LG
Jutta

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Beitragvon Daniela1974 » 07.05.2010, 13:31

das ist gut gelaufen !!!

Kleine Idee meinerseits ... Verteile die Negerküsse - natürlich alle etwas " angetatscht" .
Die Kinder können diese Essen während Du die Geschichte liest !

Das ist Bildlich und sehr gut verständlich .

lg Dani

ps : erzähl uns wieder
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Beitragvon Doris69 » 07.05.2010, 13:54

Du kannst sehr stolz sein auf deine Töchter....

Gerda7
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Beitragvon Gerda7 » 07.05.2010, 14:05

hallo,

ich habe die situation in meinem kopf auch schon ganz oft durchgespielt. irgendwann wird bestimmt auch für meinen großen der tag kommen, an dem sowas oder was ähnliches passiert.
ich finde ihr habt das ganz toll gelöst. kompliment.

was ist das denn für eine geschichte mit den mohrenköpfen? die kenne ich noch gar nicht.

lg ina
Mama und Papa mit Singmaus 12/06, Wolf Hirschhorn Syndrom geb. 1.505 g + 40 cm - aktuell 05/12: 11 kg , Fieberkrämpfe, luxierte Hüften, extrem entwicklungsverzögert aber fast immer gut drauf ;o)

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Daniela1974
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Beitragvon Daniela1974 » 07.05.2010, 14:54

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