Wutanfälle, wie reagieren?

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Natascha989
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Wutanfälle, wie reagieren?

Beitragvon Natascha989 » 01.08.2009, 20:56

Hallo,

mein Sohn Lennard ist jetzt fast 2 jahre alt.
durch seine hirnblutung damals ist er aber entwicklungsverzögert und auf dem stand eines 1 jährigen.

seit etwa 2 wochen wird er wütend wenn etwas passiert, was er nicht will (ihn zum wickeln hinlegen, trinken geben etc)
er schlägt dann um sich, versteift sich, windet sich dass er mir auch schon aus den händen gefallen ist (wollte ihn hinlegen und er ist dann aus ca. 5 cm höhe auf den boden "gewumst")

ich bekomm ihn nicht aus seinem schreiwahn heraus.
weiß jemand rat, was ich machen kann, um ihm zu helfen aus der wut heraus zu kommen?

oftmals haut er auch seinen kopf gegen den buggy oder auf den boden.
das macht mir angst.

hoffe auf ratschläge.
danke
Natascha
Lisa (2005) und Lennard (2007) Aortenstenose, leichte Aorteninsuffizienz, Entwicklungsverzögerung durch subdurales Hämatom, postoperative Hirninfarkte, daraus entstandene Epilepsi, verdacht auf unilaterale Cerebralparese links

osannie
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Beitragvon osannie » 02.08.2009, 01:12

Hallo Natscha,

dir hat bislang keiner geantwortet. Ich bin wieder wach. Ist so
ne echt komplizierte Sache. Wie geht man mit diesen extremen Wutanfällen um?!

Mein "Kleiner" ist inzwischen 6 Jahre und beißt, kneift, kratzt und schreit/quieckt.
Ich musste lernen ruhig zu bleiben. Ich halte ihn jetzt fest/ fixiere ihn mit meinem Körper,rede ruhig mit ihm, geb ihm Zeit zum "austicken".
Das ganze ist bei euch vielleicht viel schlimmer?

Verständnisvolle Grüße

osannie
erster Sohn geb. 2000 (gesund); zweiter Sohn geb. 2003 (Angelman Syndrom); alleinerziehend

Natascha989
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Beitragvon Natascha989 » 02.08.2009, 01:56

danke osanni, für die antwort.

ich hab in den ersten tage ihn auch immer fixiert und mit ihm gesprochen, ihm leicht ins gesicht gepustet oder die arme dicht an seinem körper "vibriert".
nur leider hat das heute ncht mehr geholfen.
noch ist der kerl kein meter groß und wiegt auch erst 16 kg, aber irgendwann wird er größer und kräftiger und dann sollte ich und er, das doch unter kontrolle haben. :?

ist es bei euch von klein an so? ode auch nur phasenweise?
ich hoffe ja, dass es bei uns nur eine phase ist.

lg
natascha
Lisa (2005) und Lennard (2007) Aortenstenose, leichte Aorteninsuffizienz, Entwicklungsverzögerung durch subdurales Hämatom, postoperative Hirninfarkte, daraus entstandene Epilepsi, verdacht auf unilaterale Cerebralparese links

nicoleNRW
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Beitragvon nicoleNRW » 02.08.2009, 08:56

Unsere Pflegetochter ist seit einigen Monaten auch so !
Sie ist nun 2.5 Jahre alt und rastet teilweise ohne Grund einfach so aus.

Teilweise aus puren Trotz-aber es gibt Situationen z B am ssenstisch da schreit und schreit sie ich biete ihr alles an aber sie will nichts.
Dann plötzlich hört sie auf und trinkt was.
Finde ich auch sehr komisch !!!!!!!!!

Ich bleibe auch einfach ruhig eine Lösung habe auch ich noch nicht gefunden.

Unsere KLeine wiegt nur 9 kg aberr auch sie wird älter und grösser .
3 leibl. Kinder zwischen 13-19Jahren
1 AT geb 07 mit 870 gr 35 cm in der 30 SSWehem. Extremfrühchen,SGA,operierter Ductus arteriosus..,,FAS ?
1 PS mit diversen Baustellen
1 PS mikroduplikationssyndrom...22q11.2 ,globale Entwicklungsstörung,fokale Epilepsie

ehemalige Userin

Beitragvon ehemalige Userin » 02.08.2009, 10:13

Hallo,

also meine Tochter hatte während der Geburt ja bekanntlich auch eine Hirnblutung und war gerade in dem Alter bis zwei Jahre extrem entwicklungsverzögert.

Auch sie hatte zu der Zeit (grad zwischen 1,5 und 2,5 Jahre) öfters Wutanfälle und hat sich mit dem Kopf auf den Boden geschlagen. Wir waren als Eltern oft verzweifelt, weil wir nicht wussten, wie wir damit umgehen sollten, zumal die Gefahr bestand, dass sie dadurch erneut eine Hirnblutung bekommen hätte können.

Wir haben uns damals Hilfe geholt von dritter Seite. Wichtig ist einfach, dass Du (Natascha) diese Anfälle (mit dem Kopf auf den Boden stoßen) unterbindest ohne aber näher darauf einzugehen. Wir haben unsere Kleine dann einfach vom Boden aufgehoben (sie hatte das in Krabbelfunktion gemacht und mit der Stirnseite auf den Boden) und sie auf einen anderen Platz etc. gesetzt. Aber eben nicht weiter drauf reagiert, obwohl mir öfters zum Heulen gewesen war als ich zugeben würde. Es ging fast drei Monate und dann hat es von heute auf Morgen aufgehört. ABER: Das ist kein Patentrezept - bei ihr waren es nur (!) Wutanfälle, es kann aber auch etwas anderes dahinterstecken (eine Erkrankung im Verhalten, etc.) und damit kannst Du alleine da nicht drauf reagieren. Ist immer schwierig. Hast Du mit Deinem Arzt schon einmal ausführlich darüber gesprochen? Das solltest Du dringend tun, weil wenn ein Kind in dem Alter das macht steht die Gefahr einer erneuten Hirnblutung im Raum durch die Stöße. Wie gesagt, unterbinde es einfach konsequent in der Zeit. Es kann auch einfach eine Trotzphase sein, weil die Kinder in dem Alter schon merken (unbewusst), dass sie Dinge nicht können und dann so darauf reagieren (hat mir mal eine Kinderpsychologin erklärt). Die Phase kommt dann übrigens wieder - anders, aber mit viereinhalb-fünf Jahre, schmunzel!

LG
Mela

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Beitragvon osannie » 02.08.2009, 23:04

Hallo Natscha,

mein Kleiner hatte immer schon diese Wutanfälle. Er ist sehr willensstark, was ich ja generell gut finde.
Er ist ja auch geistig behindert. Ich denke, vom Grad der geistigen Behinderung und dem generellen Entwicklungsstand hängt es ab, wie man erzieherisch reagiert.
Bei uns gibt es schon klare Ansagen und erzieherische Maßnahmen, weil ich bemerkt habe, nur dass kommt bei ihm an.

Er hat sich letzte Nacht mal wieder die Windel mit großem Geschäft ausgeräumt. Ich schimpfe konsequent, weil er es versteht. Gleichzeitig versuche ich meine innere Wut runter zufahren...! Das ist total schwer. Ich habe aber auch noch einen Großen, der kontrolliert mich voll. Wenn ich wütend auf seinen kleinen behinderten Bruder werde, verteidigt ber ihn und holt mich runter. Find ich klasse von ihm.

Ruhe bewahren!
osannie
erster Sohn geb. 2000 (gesund); zweiter Sohn geb. 2003 (Angelman Syndrom); alleinerziehend

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Beitragvon Janek W » 04.08.2009, 16:04

Hallo Natascha,

Wutanfälle waren im alter von etwa 2,5-4 Jahren auch bei uns an der Tagesordnung.
Ich kann Mela nur zustimmen, wir haben etwa die gleichen Methoden angewandt und ähnliche Erfolge. Je nach Schweregrad und Situation, erst mal ignorieren. Wenn es zu heftig wurde habe ich Grenzen gesetzt, indem ich ihn einfach ganz ruhig in den Arm genommen habe und nur gehalten, aber so, das er mich und sich nicht verletzten konnte. Das Schreien wurde dann meist noch lauter bis er anfing zu weinen. Das kam mir meisten vor wie eine Erlösung. Denn dann wurde er ganz ruhig und alles war vergessen.
Ich denke, die meisten Wutausbrüche waren dadurch bedingt, dass er sich nicht so mitteilen kann, wie er möchte.

Seit etwa 1 Jahr ist so ein heftiger Wutausbruch nicht mehr vorgekommen. Jetzt reicht es, das ganze zu ignorieren (maximal irgendwelche Gegenstände in Sicherheit bringen).

Auch bei meiner gesunden Tochter habe ich die Erfahrung gemacht, wenn ihr etwas nicht in den Kram passt und sie Wut bekommt, mache ich die ganze Situation durch reden nur noch schlimmer. Also lasse ich sie meist in Ruhe, bis ein vernüftiges Wort wieder möglich ist.

Starke Nerven!

Regine
Regine (12/71), Hanna (09/02), Janek-Wirbelwind (08/04) - atypischer Autismus, KISS-Syndrom, geistig behindert

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Beitragvon osannie » 12.08.2009, 00:06

Hallo Natscha,

wie geht es euch? Manchmal verliert es sich ja wieder, oder es ist eben nur zeitweise. Mein Sohn hat diese Phase eben wieder, ab und zu. Bei seinem vermutlichen Grad der geistigen Behinderung kann das zu riesen familiären Problemen führen, aber ich warte erst mal ab,Im Moment bin ich ihm noch körperlich überlegen (es fällt mir ja auch nicht schwer, mal locker 10 Kilo zuzulegen "hi hi" :D ! Aber die kontinuierliche Kurve werde ich gewichtsmäßig und fitnesmäßig nich einhalten können :D :D
!Also ist bei uns strikte, immer wiederholende Erziehung angesagt. Ich glaube das sagen zu dürfen, manchmal ist es wie bei einem kleinen Hund: Es gibt klare Anweisungen in einem Wort!

Du schaffst, sonst sofort Entlastung suchen
LG osannie
erster Sohn geb. 2000 (gesund); zweiter Sohn geb. 2003 (Angelman Syndrom); alleinerziehend


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