Unser Sohn ist zu laut für einen anderen Gast

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Andrea5
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Re: Unser Sohn ist zu laut für einen anderen Gast

Beitrag von Andrea5 »

Hallo Simone,

das kenne ich auch. Ben ist auch häufig ziemlich laut und ich versuche dann immer sagen, sei bitte leise. Nur manchmal klappt es auch nicht. Ich werde dann und wann auch mal angepampt. Das überhöre ich dann häufig. So im Laufe der Zeit legt man sich ein dickes Fell zu. Ich hatte aber auch mal eine Situation gehabt vor einigen Jahren, Ben war ziemlich laut, wir waren im Supermarkt abends so gegen 20 Uhr. Ben war einige Meter vor uns und da ging er an einer Kinderkarre vorbei (Kleinkind schlief da drinne). War laut, ein Mann pampte ihn an, mein Kind weiter laut. Und dann kam noch ein Mann dazu und kreisten Ben ein. Da griff ich ein und fragte die bei Männer ob es noch geht . Mein Kind wäre zu laut. Da sagte ich, mein Kind ist schwerbehindert und das Verhalten was die beiden da an den Tag legten geht überhaupt nicht, weil diese schon recht aggressive waren. Da kam gleich mein Mann noch angelaufen und die beiden Männer trollten sich dann endlich. Nein wenn mein Kind auch noch angegriffen wird, dann werde ich zur Löwin. :twisted:

LG Andrea
Andrea Bj.1965/ Jan 11/98 KISS(KIDD) blockadefrei, Legasthenie mit kormobide AVWS
Ben 01/04 KISS(KIDD) blockadefrei , frühkindl. Autismus, Wahrnehmungsprobleme, expressive Sprachstörung , Hyperakusis und
Sternenmama *1931 bis 09/2019

"WAS NICHT PASST, WIRD PASSEND GEMACHT" (von Peter Thorwarth)

Sandra9902
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Re: Unser Sohn ist zu laut für einen anderen Gast

Beitrag von Sandra9902 »

Hallo,
das kenne ich auch aus der Zeit, in der mein Sohn klein war. Er war unglaublich laut, lebhaft und hatte man ihn auch nur eine Sekunde nicht im Blick, nahmen die Dinge ihren Lauf.
Da er sehr charmant war u ist, waren solche Situationen eher selten. Wir haben immer darauf hingewiesen, dass Sohn eine Behinderung hat. Abhängig vom Gegenüber sehr freundlich und verständnisvoll ( Sohn hat wirklich oft den Rahmen gesprengt), oder auch kurz und knapp und schlagfertig, wenn das Gegenüber sich in Tonfall und Wortwahl vergriffen hat. In solchen Situationen war es ehrlich gesagt sehr befriedigidend, zu sehen, wie die größten Meckerer sofort im Boden versinken wollten, als ihnen klar wurde, dass sie einen behinderten Menschen angegriffen habe. Das Gestotter und der knallrote Kopf nach meiner Eröffnung, dass mein Sohn behindert ist, habe ich ehrlich gesagt sehr zufrieden zur Kenntnis genommen.
In der Mehrzahl der Fälle haben wir aber absolut positive Erfahrungen gemacht und viel Verständnis bekommen.
Je offener wir damit umgegangen sind, desto mehr Verständnis gab es.

LG, Sandra
Sandra mit PS, geb 1999, frühkindlicher Autist,gb, ADHS, Epilepsie, anfallsfrei
PT, geb 2002, PTBS

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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Hallo,

meine Erfahrungen sind ähnlich wie Sandras. Hinzu kommt, dass Junior selber manchmal der ist, der andere anpflaumt, weil sie ihm zu laut sind. :oops: 🙈

Ich verwende nicht mehr soviel darauf, eine schlagfertige Antwort parat haben zu wollen. Ich reagiere spontan, so wie Sandra.
Du kannst die anderen nicht ändern, nur Deinen eigenen Umgang damit.

Es gibt so eine buddhistische Geschichte: zwei Mönche stehen an einem Fluß und wollen hinüber. Eine alte gebrechliche Frau bittet um Hilfe, der junge Mönch trägt sie hinüber, setzt sie drüben ab. Ohne Dank und Gruß geht die Frau weiter. Der junge Mönch ist enttäuscht und verletzt, und spricht darüber. Der alte Mönch sagt nach einiger Zeit: Merkst du nicht, dass du die Frau immer noch auf den Schultern trägst?

Ich finde die Geschichte super, und schaffe öfter mal, den Frust einfach stehen zu lassen.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Regina Regenbogen
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Re: Unser Sohn ist zu laut für einen anderen Gast

Beitrag von Regina Regenbogen »

Ich habe solche Menschen meistens auch mit Ignoranz bestraft, aber hier scheint sich jemand öffentlichkeitswirksam aufgeregt zu haben.
*Simone* hat geschrieben:
17.10.2020, 07:16
Unser Sohn, fast 5, hat eine geistige Behinderung und lautiert teilweise sehr laut. Wir sind gerade im Urlaub und gestern hat ein anderer Gast zu uns, im Foyer sitzend, rüber gerufen, dass das stört. Mehrmals.
Für mich liest sich das so, als hätte derjenige mehrmals laut quer durchs Foyer gerufen. Und das hätte ich ganz bestimmt nicht unkommentiert ertragen.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

*Simone*
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Re: Unser Sohn ist zu laut für einen anderen Gast

Beitrag von *Simone* »

Hallo zusammen,
Vielen lieben Dank für die ganz unterschiedlichen Antworten! Das tut so gut zu lesen!
Ich habe gestern geschrieben, dass ich mich nicht erklären will, warum unser Sohn laut ist. Aber das ist wahrscheinlich doch wichtig zu erklären, dass er nun mal nicht anders kann und kein unerzogenes Kind ist.
Da wir sicher noch öfter in diese Situation kommen werden :lol: , kann ich je nach Grundstimmung mal ignorieren, mal erklären und mal Paroli bieten.
Ich wünsche euch einen schönen Sonntag!
Simone

*Simone*
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Re:

Beitrag von *Simone* »

Engrid hat geschrieben: Ich verwende nicht mehr soviel darauf, eine schlagfertige Antwort parat haben zu wollen. Ich reagiere spontan, so wie Sandra.
Du kannst die anderen nicht ändern, nur Deinen eigenen Umgang damit.

Es gibt so eine buddhistische Geschichte: zwei Mönche stehen an einem Fluß und wollen hinüber. Eine alte gebrechliche Frau bittet um Hilfe, der junge Mönch trägt sie hinüber, setzt sie drüben ab. Ohne Dank und Gruß geht die Frau weiter. Der junge Mönch ist enttäuscht und verletzt, und spricht darüber. Der alte Mönch sagt nach einiger Zeit: Merkst du nicht, dass du die Frau immer noch auf den Schultern trägst?

Ich finde die Geschichte super, und schaffe öfter mal, den Frust einfach stehen zu lassen.
Das geht nur nicht mehr aus dem Kopf. Das ist immer mehr die Erkenntnis, bei allen Ungerechtigkeiten, die uns widerfahren sind, ist es meine Entscheidung, wie und ob ich darauf reagiere. Danke!

ElisaW
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Re: Unser Sohn ist zu laut für einen anderen Gast

Beitrag von ElisaW »

*Simone* hat geschrieben:
18.10.2020, 13:17
Da wir sicher noch öfter in diese Situation kommen werden :lol: , kann ich je nach Grundstimmung mal ignorieren, mal erklären und mal Paroli bieten.
Hallo Simone,

es gibt genug Menschen, die aus welchen Gründen auch immer sich sehr unwohl fühlen bei Grenzüberschreitungen, ob verbal (weil sie sich nicht mehr auf etwas konzentrieren können, überfordert davon sind oder weil es schlicht wehtut (die Schmerzgrenze bei Lautstärke ist ganz individuell!)) oder sogar körperlich (manche jüngere oder geistig behinderte Kinder und Jugendliche laufen ja zu jedem hin und wollen anfassen).

Und da ist es dann egal ob Dein Sohn behindert ist. Das zu erklären kann natürlich das Verständnis fördern, aber wenn derjenige nicht nur motzen wollte (das finde ich verwerflich), sondern wirklich ein Problem damit hat, dann ist das sein gutes Recht und Du bist für das Verhalten Deines Sohnes in der Öffentlichkeit verantwortlich. Dein Sohn kann ja nichts dafür, aber Du als Verantwortliche hast nicht die Narrenfreiheit wie Dein Sohn, denn Du bist ja nicht behindert.
Also solltest Du in einer Situation wie im Foyer Dich erwachsen und verantwortungsbewusst verhalten und Dich mindestens entschuldigen, am besten noch kurz sagen, dass er behindert ist (um das Verständnis zu fördern).

Ignorieren oder Paroli bieten ist ja kindisch. Vielleicht wollte der Mann nur meckern und provozieren, vielleicht war das für ihn aber die einzige ihm zur Verfügung stehende Möglichleit sich bemerkbar zu machen. Aus der Öffentlichkeit zu meckern ist für jemandem mit schwachem Selbstbewusstsein leichter als direkt zu kommen. Das ist nicht schön und ist dann eben die "Behinderung" des Mannes. Aber Dein Sohn hat aktiv angefangen eine gesellschaftlich übliche Grenze zu überschreiten und dafür solltest Du als Mutter dann auch möglichst erwachsen geradestehen - stellvertretend für Deinen Sohn. Damit bleibst Du selbst auf hohem Niveau und machst Dich nicht ernsthaft angreifbar. So bleibt die Möglichkeit eine vernünftige Lösung zu finden wenn es ein richtiges Problem für den Mann ist (ihr beeilt Euch und geht eher raus oder vielleicht kann der Mann auch woanders warten) oder aber wer nur meckern wollte wegen chronischer Weltunzufriedenheit, der merkt dann auf welchem Niveau er sich gerade befindet.

Viele Grüße,
Elisa

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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Liebe Simone,
bei allen Ungerechtigkeiten, die uns widerfahren sind, ist es meine Entscheidung, wie und ob ich darauf reagiere.
Genau um diese Haltung bemühe ich mich. Und das tut sehr gut.

Liebe Grüße
Engrid
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*Simone*
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Re: Unser Sohn ist zu laut für einen anderen Gast

Beitrag von *Simone* »

Hallo Elisa,
Ich habe unserem Sohn natürlich gesagt, dass er zu laut ist etc., ich für mich fand mein Verhalten verantwortungsbewusst. Und ich kann verstehen, dass jemand genervt ist, ich bin auch von der Lautstärke manchmal genervt.
Es gibt jedoch ein Aber: ich möchte mich nicht für unser "fehlerhaftes" Kind entschuldigen.
Wo hört die gesellschaftliche Norm auf? Wenn jemand einen Fehler macht, alt ist oder komisch aussieht? Das driftet jetzt von der oben beschriebenen Situation ab und ist eher eine gesellschaftliche Frage. Aber ich wünsche mir eine Gesellschaft mit (mehr) Toleranz.
Vielleicht meinst du deine Antwort auch ganz anders, als ich es aufgefasst habe. Vielleicht ist es ein guter Anfang, offen auf eine Person zuzugehen.
Schönen Abend wünscht Simone

Lumoressie
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Re: Unser Sohn ist zu laut für einen anderen Gast

Beitrag von Lumoressie »

Unser Pflegesohn ist 12 und immer wieder stößt er ohrenbetäubend laute Kreischer aus.
Man kann es wirklich kaum aushalten.
Wir nehmen ihn trotzdem immer mit, halten aber alle Begegnungen in der Öffentlichkeit eher kurz.
Also- zehn Minuten im Restaurant muten wir den Leuten zu, danach geht einer mit ihm raus etc.
Wenn einer allerdings quer durchs Foyer schreit, da hätte ich schon gefragt, welche Behinderung er hat, dass er so rumkrakeelt in der Öffentlichkeit.
Das ist ja unheimlich unhöflich.
Ich, 43
mit 6 Pflegekindern,
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20 ganz gesund
12 FAS, Epilepsie, blind, PEG-frei Dank Notube seit
Pfingsten 2014!!! sakrale MMC
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3 Jahre, Spina bifida, Hydrocephalus mit VP-Shunt, Arnold Chiari Typ 2

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