Unser Sohn ist zu laut für einen anderen Gast

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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*Simone*
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Unser Sohn ist zu laut für einen anderen Gast

Beitrag von *Simone* »

Hallo, Liebe Forengemeinde,
Unser Sohn, fast 5, hat eine geistige Behinderung und lautiert teilweise sehr laut. Wir sind gerade im Urlaub und gestern hat ein anderer Gast zu uns, im Foyer sitzend, rüber gerufen, dass das stört. Mehrmals.
Für mich eine neue Erfahrung, wir haben nichts gesagt oder anderweitig reagiert. Unserem Sohn sieht man seine Behinderung nicht sofort an. Wir sind immer bemüht, dass er nicht so laut ist.
Ich möchte mich wappnen für so eine Situation, die bestimmt nicht die letzte sein wird. Ich möchte kein Mitleid, ich möchte mich nicht erklären undich möchte am Leben teilnehmen.
Habt ihr eine Idee, wie ich in so einer Situation reagieren könnte?
Liebe Grüße
Simone

SarahTheresia
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Re: Unser Sohn ist zu laut für einen anderen Gast

Beitrag von SarahTheresia »

Hallo liebe Simone,

das ist wirklich eine sehr unangenehme Situation. Offen gestanden ignoriere ich solche Kommentare dann, wenn sie unangemessen sind. Ist unser Sohn tatsächlich zu laut, aber ich kann das situationsbedingt gerade einfach nicht ändern, weise ich auf seine Behinderung hin. Mehr aber auch nicht. Manchmal pampen Menschen dann weiter, aber das ist dann einfach so. Ich kann es in dem Moment nicht ändern und versuche, ihr Problem nicht zu meinem machen zu lassen. Mit der Zeit wird das Fell da dicker. Zum Glück passieren uns solche Situationen aber sehr selten.

Starke Nerven wünscht Dir
Sarah
Sarah (*1980) und Papa (*1979) mit gesunder großer Maus (*12/2014) und kleinem Räuber (*09/2017) - dup-15q-Syndrom, schwere kombinierte Entwicklungsstörung, Epilepsie, PG3, GdB v. 100, Merkzeichen B, G, H und aG; aber ein absoluter Gute-Laune-Bär und zusammen mit seiner Schwester unser größtes Glück. 🐻 ☀️

Britta70
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Re: Unser Sohn ist zu laut für einen anderen Gast

Beitrag von Britta70 »

Hallo,

ich sehe es wie Sarah und versuche immer kurz die Situation "von außen" zu betrachten:

Amelie hat früher extrem laut geschrien, das konnte man niemandem anderen zumuten und wir haben dann solche Situationen vermieden oder verlassen. Da wollte ich auch keine "Toleranz" erwarten, weil es wirklich unerträglich war.
Jetzt lautiert sie höchstens und das in einer Lautstärke, in der sich andere unterhalten - das müssen alle anderen aushalten können.
Gelassen bleiben, wenn es einem sinnvoll erscheint, das Verhalten kurz erklären und das Ganze nicht an sich heran kommen lassen (leichter gesagt als getan).

LG
Britta
Amelie (*05), hypoxischer Hirnschaden durch near-missed SIDS, Z. n. BNS-Epilepsie, Button, Tetraspastik, Tetraparese, cerebral blind, Baclofenpumpe (seit 2013), Hüftluxation links (operiert 2014), starke Skoliose (operiert 2016)

Britta70
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Re: Unser Sohn ist zu laut für einen anderen Gast

Beitrag von Britta70 »

Hallo,

ich sehe es wie Sarah und versuche immer kurz die Situation "von außen" zu betrachten:

Amelie hat früher extrem laut geschrien, das konnte man niemandem anderen zumuten und wir haben dann solche Situationen vermieden oder verlassen. Da wollte ich auch keine "Toleranz" erwarten, weil es wirklich unerträglich war.
Jetzt lautiert sie höchstens und das in einer Lautstärke, in der sich andere unterhalten - das müssen alle anderen aushalten können.
Gelassen bleiben, wenn es einem sinnvoll erscheint, das Verhalten kurz erklären und das Ganze nicht an sich heran kommen lassen (leichter gesagt als getan).

LG
Britta
Amelie (*05), hypoxischer Hirnschaden durch near-missed SIDS, Z. n. BNS-Epilepsie, Button, Tetraspastik, Tetraparese, cerebral blind, Baclofenpumpe (seit 2013), Hüftluxation links (operiert 2014), starke Skoliose (operiert 2016)

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Regina Regenbogen
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Re: Unser Sohn ist zu laut für einen anderen Gast

Beitrag von Regina Regenbogen »

*Simone* hat geschrieben:
17.10.2020, 07:16
Unser Sohn, fast 5, hat eine geistige Behinderung und lautiert teilweise sehr laut. Wir sind gerade im Urlaub und gestern hat ein anderer Gast zu uns, im Foyer sitzend, rüber gerufen, dass das stört. Mehrmals.
Wahrscheinlich wäre ich spätestens beim zweiten Mal, wo er das quer durchs Foyer gerufen hat, zu ihm rüber gegangen und hätte in einem normalen Tonfall angemerkt, dass es mir sehr leid tut, dass er sich durch mein Kind gestört fühlt, mein Kind aber noch nicht anders kann aufgrund einer Behinderung. Bevor ich mich dann verabschiede und gehe, wäre aber bestimmt auch noch von mir gekommen, dass wir nicht beißen und man uns durchaus im direkten Kontakt hätte ansprechen können ohne die anderen Gäste mit seinem unangebrachten Geschreie zu belästigen.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

Senem
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Re: Unser Sohn ist zu laut für einen anderen Gast

Beitrag von Senem »

Hallo,

ich hätte es wie @Regina Regenbogen gemacht.

Ich denke die Menschen gehen einfach davon aus, das es sich einfach um ein normales Kind handelt, was lautiert und schreit. Eben weil man dem Kind die Behinderung nicht ansieht.

Wenn man auf die Menschen zugeht und die Situation erklärt, gibt es mehr Menschen die Verständnis für Menschen mit Behinderung haben. Diese Erfahrung habe ich zumindest gemacht.
Gruß

Selbstbetroffen mit einigen Baustellen

s.till
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Re: Unser Sohn ist zu laut für einen anderen Gast

Beitrag von s.till »

Hallo,

diese Situation kenn ich auch. Da meintr mal ein netter Herr das Kind sei ja eine Zumutung und ob man das nicht abstellen könnte...
Zum Glück war ich da einmal in meinem Leben schlagfertig und meinte, ja wenn sie mir den Ausknopf zeigen könnten wäre ich sehr dankbar, denn den habe ich bei meinem behinderten Kind noch nicht gefunden. Daraufhin kam nur ein dummer Blick.
Seitdem versuche ich aber diese Situationen zu vermeiden. Unserem Sohn sieht man seine Behinderung auch nicht an. Wenn er in seinem Rolli sitzt dann ist das was anderes. Da bekommt man mehr Verständnis.

LG Susanne
M *2010 Frühchen der 27SSW, Pneumothorax, Meningitis, diverse RSV Infektionen, Pneumonien, dystroph, kleinwüchsig, stimulationsbedürftige Apnoen, Asperger Autismus, Koordinationsstörung, PEG/PEJ seit 07/16 weg :D Pflegegrad 4 und SBA von 80% aG,B,H. FBXO11 Defekt
B*2008 ADS Pflegegrad 2

Sara81
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Re: Unser Sohn ist zu laut für einen anderen Gast

Beitrag von Sara81 »

Hallo,

bei mir kommt es immer auf meine persönliche Grundstimmung an. Wenn ich gut drauf bin, gebe ich eine freundliche Antwort, wenn ich selbst etwas genervt bin, sage ich eher nichts. Jedoch machte ich auch drauf, wie die Situation von außen wirkt und ob für uns die Situation sein muss. Zum Beispiel wirft Mini gerne mit Essen um sich, wenn er fertig ist und ist danach sehr anstrengend. Deswegen gehen wir auch kaum noch irgendwohin Essen (was aktuell ja eh einfach fällt), weil es mir so selbst keinen Spaß macht. Im Moment sind wir aber in Reha, da wird halt im Speisesaal mit vielen gegessen, das kann ich ja nicht ändern und da müssen dann halt alle durch.

LG Sara
MaxiKind (2011)....Toller großer Bruder
MiniKind (2016).... Gendefekt, Muskelhypotonie, Dysphagie mit Button, Entwicklungsverzögert, teils Beatmungspflichtig

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LasseUndJohannes
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Re: Unser Sohn ist zu laut für einen anderen Gast

Beitrag von LasseUndJohannes »

Hi
erstmal wünsche ich Dir ein schönes dickes Fell. Wie die anderen schreiben liegt es sicher vor allem daran, dass man seine Behinderung nicht sieht. Die Leute sehen einen fünfjährigen und erwarten auch das Verhalten eines fünfjährigen.
Ich habe bisher zum Glück nur Blicke kassiert. Oder Getuschel.

Benedikt trägt je nach Tagesform einen Kopfschutzhelm. Da bekomme ich den direkten Vergleich. Ohne Helm oder Rehabuggy sieht jeder ein normales Schulkind. Er ist groß wie ein Zweitklässler. Mit Helm ist seine geistige Behinderung zusammen mit seinem lautieren offensichtlich. Ich war zweimal in der gleichen Postfiliale mit ihm. Einmal gucken alle wie ich mit einem komplett unerzogenen Kind in der Schlange kämpfe, dass sich wie ein zweijähriger aufführt. Ein anderes Mal mit Helm sehe ich Verständnis und werde vorgelassen. Ich denke daher, sich bei dem Herrn freundlich für die Störung zu entschuldigen und auf die geistige Behinderung verweisen wäre auch meine Vorgehensweise. Angenehm fände ich es aber natürlich nicht.
VG
Lasse

Johannes 2008, extremes ADHS, Fehldiagnose (?) Autismus
Benedikt 2014, non verbal, auto aggressiv, ADHS, v.a. frühkindlicher Autismus, Fragiles X nach Gentest

kati543
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Re: Unser Sohn ist zu laut für einen anderen Gast

Beitrag von kati543 »

Hallo,
ich hatte die Situation mehrfach in unserer näheren Umgebung. Im Gegensatz zu einer Körperbehinderung sieht man eben eine geistige Behinderung oder eine seelische Behinderung niemanden an. Schon gar keinem jüngeren Kind. Üblicherweise reagieren Menschen spontan eher so, dass sie an ein umgezogenes Kind denken, als an eine Behinderung.
Ich habe grundsätzlich immer ruhig erklärt, dass das Kind behindert ist und sich deswegen anders verhält. Im ersten Moment waren die Menschen immer geschockt. Als wir sie später wieder getroffen haben (das waren ja Leute aus der näheren Umgebung), haben sie sich immer freundlich mit uns unterhalten. Wir wurden nie ausgegrenzt. Selbst die Kinder bekamen teilweise passende Geschenke.

Es gibt in Deutschland nur einen extrem geringen Prozentsatz Kinder, die eine geistige oder seelische Behinderung haben. Damit rechnet einfach niemand. Daher "verzeihe" ich die Unwissenheit gern und erkläre den Hintergrund.
Reagieren ich "schlagfertig" wäre derjenige doch nur in seiner Aussage bestätigt. Das Kind ist ungezogen und die Mutter ist nicht besser.

LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

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