Aufgabenverteilung, muss mehr Zeit und Schlaf für mich erkämpfen

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Larissa7
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Re: Aufgabenverteilung, muss mehr Zeit und Schlaf für mich erkämpfen

Beitragvon Larissa7 » 10.04.2019, 14:48

Hallo zusammen,

Vielen Dank allen für Eure Antworten. :)

Die Verhinderungspflege und den Entlsatungsbeitrag nutzte ich schon, das Schwierige ist, dass es immer entweder zu Krankheitsausfäll von Betreuer kommt oder aus anderen Gründen können sie nicht kommen, ich soll meine Arbeit aber immer machen und kann kurzfristig niemanden finden. Mein Sohn darf höchstens 3 Minuten unbeaufsichtig alleine sein wegen seiner Epi, er braucht auch viel Aumerksamkeit und Bespaßung, wegen Tetraparese kann er nur sehr eingeschränkt selbst mit seinen Spielesachen spielen. Omas, Opas, Verwandte wohnen zu weit weg und mehr als für 2-3 Stunden kann ich ihn auch bei Niemanden lassen, weil er Essen und Getränke, geschweige Medikamente nur von uns Eltern annimmt. Bin dadurch ständig unter Zeitdruck und Stress, habe oft Kopfschmerzen deswegen.
Kita hat er früher einige Zeit mit Unterbrechungen besucht, das hat aber weder dem Kind noch uns gut getan, wir waren alle KO, viel mehr als vorher. Wegen gesundheitlichen Problemen des Kindes, Schlafstörungen, fehlender 1 zu 1 Betreuung (Epilepsie, Verletzungsgefahr) etc. haben wir uns schließlich gegen Kitabesuch entschieden. In die Schule geht er dann im September.

Ich sehe bei uns in der Familie, wie schon einige von Euch auch geschrieben haben, das meiste Problem in Wertschätzung von meinem Mann, seiner Erwartung, dass ich immer funktionieren muss, fehlendem Verständnis, dass ich auch Mal überfodert bin und bei ihm meine Erfahrungen, nicht selten frustrierte, bezügl. Ärzte, Therapeuten, Betreuer, KK, Sanihäuser etc. erzähle. Er kann damit leider nicht immer umgehen und dann explodiert er sozusagen und sagt mich verletzende Worte. Er gibt mir ganz klar zu verstehen, dass ich blöd wäre, wenn ich ihn verlasse, dass ich ohne ihn nichts auf die Reihe bekomme... und andere Einschüchterungen und Demütigungen. Als wir danach darüber sprechen, sagt er manchmal, dass er sich verteidigen muss und deswegen sowas sagen muss. Ich sei verrückt, so er, wenn ich auf solche Worte gekränkt reagiere. Da bin ich perplex. Warum? Ich habe noch nie solche schlimme Äußerungen zu ihm gesagt, er meint, dass er sowas sagen darf und dass ich daran schuld wäre. Ist echt heftig das zu hören. So einige Male im Jahr darf ich mir sowas anhören, das bleibt drin. Seine Haltung mir gegenüber...auch wenn er nichts sagt. Das raubt total meine Kräfte, ich bin genau deswegen zerrissen, ich sage ihm das auch, dass solche Worte mich verletzten und habe ihm zu verstehen gegeben, dass ich den Schlussstrich ziehen muss, obwohl es mir sehr weh tun würde, wenn er seine Haltung nicht ändert und nicht aufhört mich zu demütigen. Manchmal sagt er mir, dass er nicht so gemeint hat und sich für seine Worte entschuldigt. Er versucht mich schon moralisch zu unterstützen, es gelingt ihm aber nicht bzw. nicht immer. Ich brauche in erster Linie seine menschliche Untestützung, er ist aber wahrscheinlich zu schwach dafür, muss ich entweder weiter so akzeptieren oder gehen. Vieleicht ist auch naiv von einer Person so Viel zu erwarten: ein guter Vater zu sein, Geld verdienen zu können, Hilfe ihm Haushalt und dazu noch, dass er auch meine Bedürfnisse versteht und mich wert schätzt. Schwierig... Ich habe noch keine Entscheidung diesbezüglich getroffen, weiss echt nicht.

LG
Larissa

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Re: Aufgabenverteilung, muss mehr Zeit und Schlaf für mich erkämpfen

Beitragvon Regina Regenbogen » 10.04.2019, 14:55

Da scheint ihr ein grundsätzliches Problem in eurer Beziehung zu haben und das nicht erst seit gestern und auch nicht wegen eures pflegebedürftigen Kindes.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

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Re: Aufgabenverteilung, muss mehr Zeit und Schlaf für mich erkämpfen

Beitragvon Valentin2014 » 10.04.2019, 16:09

Hallo lakis sagen,

denke du und dein Mann seid am Ende eurer Kräfte.
Versuche bitte schnellstmöglich eine Kur zu beantragen.....Für dich und Junior. Nehme dies als 'Auszeit' um
dich neu zu finden. Du must jetzt erst mal nur an dich denken. Deine Abwesenheit wird auch deinem Mann die nötige Zeit geben um sich zu finden.
Ihr braucht jetzt eine stabile Basis, wie diese aussieht müßt ihr beide ( du und dein Mann) klären.
Es gibt auch Beratungsstellen bei Caritas, Diakonie, Frauenarzt, etc..

Alles liebe

Valentins Eltern

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Re: Aufgabenverteilung, muss mehr Zeit und Schlaf für mich erkämpfen

Beitragvon Larissa7 » 10.04.2019, 16:21

Valentin2014 hat geschrieben:Hallo lakis sagen,

denke du und dein Mann seid am Ende eurer Kräfte.
Versuche bitte schnellstmöglich eine Kur zu beantragen.....Für dich und Junior. Nehme dies als 'Auszeit' um
dich neu zu finden. Du must jetzt erst mal nur an dich denken. Deine Abwesenheit wird auch deinem Mann die nötige Zeit geben um sich zu finden.
Ihr braucht jetzt eine stabile Basis, wie diese aussieht müßt ihr beide ( du und dein Mann) klären.
Es gibt auch Beratungsstellen bei Caritas, Diakonie, Frauenarzt, etc..

Alles liebe

Valentins Eltern


Hallo :)

Eine Kur ist nichts für uns, haben wir schon mal gemacht, für mich und mein Kind würde bedeuten, dass ich 24 Stunden für mein Kind da sein muss, mein Mann aber komplett frei. Eher ein Kurzurlaub abwechselnd kommt in Frage.

AnnalenaO
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Re: Aufgabenverteilung, muss mehr Zeit und Schlaf für mich erkämpfen

Beitragvon AnnalenaO » 10.04.2019, 17:37

Hallo Larissa!

Da habt ihr aber auch eine extrem große Belastung mit einem Kind das immer im Auge sein muss, mit schlechtem Nachtschlaf und ohne Kindergarten.
Dass dein Mann dich so demütigt und dir zu verstehen gibt dass du es ohne ihn nicht auf die Reihe bekommen würdest das ist schlimm und tut mir wirklich leid. Ich kann mich etwas in dich rein versetzen. Anfangs wurde mir wegen dem Verhalten meines Kindes oft die Schuld gegeben von allen möglichen Seiten, auch von meinem Mann. Und das war sehr schlimm. Wenn man so als unfähig hingestellt wird obwohl man selber das Gefühl hat dass man gar nichts falsch macht, ganz im Gegenteil dass man sehr viel leistet und keiner mag das sehen.
Du leistest mit deinem Kind sicher sehr viel, sehr schade dass dein Mann das nicht sehen kann.
Bei mir hat sich das Blatt mittlerweile gewendet, mein Sohn hat eine Diagnose (Asperger Autismus, Kind ist 9 Jahre alt) und alle inklusive Vater erkennen meine Arbeit jetzt an und das tut sehr gut. Ich hoffe dass sich das für dich auch noch ergibt dass dein Mann sieht was du leistest!
Ist die Frage ob er mit zu einer Eheberatung gehen würde? Oder zu einer psychologischen Beratung wegen eurer außergewöhnlichen Belastung wo dann auch das Thema Beziehung angegangen werden kann?
Obwohl das so von deinem Mann natürlich nicht ok ist muss Entlastung für dich trotzdem durch Dritte erfolgen glaube ich. Wenn ich das richtig verstehe hilft dein Mann ja schon. Jede 2. Nacht übernehmen wenn man morgens pünktlich und fit bei der Arbeit sein muss ist glaube ich nicht machbar. Vielleicht ist es ja wirklich so dass er seine Leistung auch nicht geschätzt fühlt und er deswegen so garstig ist?
Ich hoffe sehr dass ihr eine Lösung für Erleichterung für dich findet und dass ihr eure Beziehung retten könnt. Erleichterung für dich wird es ja wohl ab Sommer geben wenn dein Sohn dann einige Stunden in der Schule ist. Bis dahin ist die Zeit ja absehbar. Also halt die Ohren Steif und rede mit deinem Mann.

Viele Grüße, AnnalenaO

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Re: Aufgabenverteilung, muss mehr Zeit und Schlaf für mich erkämpfen

Beitragvon mariannna » 10.04.2019, 20:48

Liebe Larissa,
Ich verstehe diese Doppelmoral nicht.
Deine Arbeit von 8-17h ist genauso anstrengend und genausoviel wert, wie die deines Mannes!
Warum sollte er für seine Arbeit ausgeschlafen sein müssen, du aber nicht?!
Lass dich nicht nieder machen!

mel1220 hat geschrieben:Da bin ich dann schon auch dabei, dass der "Geldverdiener" schon auch Leistung bringen muss am nächsten Tag. ......Abwechselnd nachts schlafen sehe ich allerdings in der Konstellation auch nicht.


Larissa muss aber auch Leistung bringen am nächsten Tag, oder?


HannahKillian hat geschrieben:...sein knallhartes Arbeitspensum plus "Kinder-Nachtdienste" wäre einfach undenkbar gewesen.


Larissas Arbeitspensum hört sich aber auch knallhart an finde ich. Auf ein 7 jähriges Epilepsie- Kind aufzupassen , was jede Minute beobachtet werden muss und keine Einrichtung besucht...puuuuh....dabei Haushalt/Essen kochen usw ist bestimmt genauso anstrengend! (Was anderes wäre es wie gesagt, wenn das Kind tagsüber stundenweise weg wäre).

HannahKillian hat geschrieben:Das gilt aber grundsätzlich für jeden Job - man hat immer Verantwortung für seinen Aufgabenbereich ..... Da kann man nicht unausgeschlafen und damit u.U. auch unkonzentriert zu Werke gehen...


Genau,und Verantwortung hat Larissa auch. Wenn sie da unausgeschlafen und damit unkonzentriert zu Werke geht, könnte es auch schlimme Folgen haben (Stichwort Epilepsie).

HannahKillian hat geschrieben:Einer muss doch richtig Geld verdienen, damit bei euch der Laden läuft....


Ja... Und einer muss sich intensiv von 8-17h um Kind/Haushalt kümmern, damit der Laden läuft.
Wenn du jetzt wegen Burnout ausfällt und ins KKH musst, Larissa, bezahlt deine Krankenkasse eine Haushaltshilfe , aber nur für die Zeit, in der dein Mann außer Haus ist., also z.B.8-17h.
Dann müsste dein Mann nicht nur hälftig, sondern alle Nachmittage/Abende/Nachtdienste übernehmen.

Vielleicht solltest du ihm das mal klar machen Larissa!!

mariannna
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Re: Aufgabenverteilung, muss mehr Zeit und Schlaf für mich erkämpfen

Beitragvon mariannna » 10.04.2019, 21:11

Nachtrag:
Alternativ müsste dein Mann unbezahlten Urlaub nehmen und deine KK würde ihm den Verdienstausfall erstatten. Dann hätte er aber vermutlich einen 16-20Std Arbeitstag (24 minus Schlafzeiten eures Sohnes)
_________
Hast du die Möglichkeit, mal ein Wochenende weg zu fahren?
Manchmal reicht es schon, wenn der erwerbstätige Elternteil mal ein ganzes WE mit dem Kind alleine ist.... Danach wird die Wertschätzung für das betreuende Elternteil meist schlagartig größer!

LG,marianna

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Re: Aufgabenverteilung, muss mehr Zeit und Schlaf für mich erkämpfen

Beitragvon RikemitSohn » 10.04.2019, 21:23

Danke Mariannna für diese gute Zusammenfassung.

Ich verstehe auch nicht, wieso ein Mann bei der Arbeit immer ausgeschlafen sein muss. So wie die Lage hier im Speziellen ist, ist eine gut konzentrierte Mutter lebenswichtig für Larissas Kind.
In meiner Umgebung sind meisten Männer nachts mit aufgestanden und haben die Arbeit trotzdem geschafft. Das war und ist selbstverständlich gewesen und niemand wäre auf die Idee gekommen, dass nur den Müttern zu überlassen. Müde sein gehört zu Kindern dazu, auch für Männer.
Irgendwo weiter oben wurde meine 50:50-Idee angeprangert. Es geht mir dabei einmal um die Zeit vor und nach der Arbeit ( es geht nicht, dass einer die Füße hochlegt und der andere weiterackert) und zweitens um die Verantwortung ,die tatsächlich in allen Belangen geteilt ist. Selbst wenn die Mutter mehr Papierkram erledigt, ist der Vater genauso in der Verantwortung z.B. als Berater und Entscheider (und ein Schreiben schafft man auch nach der Arbeit noch aufzusetzen).

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

melly210
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Re: Aufgabenverteilung, muss mehr Zeit und Schlaf für mich erkämpfen

Beitragvon melly210 » 10.04.2019, 23:18

mariannna hat geschrieben:Liebe Larissa,
Ich verstehe diese Doppelmoral nicht.
Deine Arbeit von 8-17h ist genauso anstrengend und genausoviel wert, wie die deines Mannes!
Warum sollte er für seine Arbeit ausgeschlafen sein müssen, du aber nicht?!
Lass dich nicht nieder machen!



Weil er wenn er auf Dauer seine Arbeitsleistung nicht bringen kann seinen Job verlieren wird/würde !Damit ist dann niemandem geholfen. Arbeitgeber haben klarerweise kein Verständnis dafür wenn jemand auf Dauer seine Arbeitsleistung nicht bringen kann. Die Lösung in diesem Fall sehe ich nicht darin den Mann Nachts aufstehen zu lassen, sondern darin Entlastung in Form von Kindergarten bzw Schule in Anspruch zu nehmen. Dann kann Larissa in der Zeit nachschlafen und sich erholen. Im Endeffekt sind es jetzt also noch 4 Monate, und dann wird sich die Situation entspannen. Eventuell könnt ihr im Sommer wirklich ein paar Wochen Urlaub machen, so daß ihr dort auch 50:50 auf euren Sohn schauen könnt ?

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Helena*
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Re: Aufgabenverteilung, muss mehr Zeit und Schlaf für mich erkämpfen

Beitragvon Helena* » 10.04.2019, 23:39

Hallo zusammen,
aber wenn das Kind wegen der Epilepsie ständig beobachtet werden muss, weil sonst evtl. Lebensgefahr besteht, dann müsste es doch auch möglich sein, durch die Krankenkasse häusliche Krankenpflege in Form von spezieller Krankenbeobachtung gestellt zu bekommen.
Sicherlich ist ein Pflegedienst oft nicht so einfach zu finden und vielen ist es auch nicht so angenehm auf Dauer das Heim zum Teil mit fremden Leuten zu teilen, aber bei dieser grossen Belastung und Überforderung eine gute Lösung finde ich.

LG, helena


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