Was stimmt mit ihr nicht? Unser soziales Umfeld.

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Adelheidt
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Was stimmt mit ihr nicht? Unser soziales Umfeld.

Beitragvon Adelheidt » 15.10.2017, 14:32

Hallo ihr Lieben!
Ich hoffe, euch triggert der Titel nicht, aber es ist das, was mich bewegt.
In der Frühfö sagen sie, Marie (4,5) sei "entwicklungsverzögert", eine genaue Diagnose habe ich nicht. Kognitiv und sprachlich liegt sie ein- bis eineinhalb Jahre zurück, feinmotorisch vielleicht ein halbes Jahr, grobmotorisch ist sie altersgemäß entwickelt, vielleicht sogar mehr.
Sozial... nunja... das geht mit der übrigen Entwicklung Hand in Hand.
Sie ist seit Sept. in einem neuen Kiga. Im alten bekam sie schon Heilpäd und Logo (seit sie 3 ist), in diesem zusätzlich noch Ergo, Physio.
Der alte Kiga und die ambulanten Logo/Heilpäds befürworteten einen Wechsel in einen Normalkiga mit Integrativplätzen. Den Platz hat sie sofort bekommen.

Weswegen ich heute schreibe, ... draußen ist Kaiserwetter. Ich sitz hier und bin einfach nur durch und kreuzunglücklich. Mein Kind ist wie jeden Sonntag beim Vater. Bin alleinerziehend seit sie 2,5 ist.
Mit 39 bin ich spät Mutter geworden durch eine künstliche Befruchtung, die nach 2 Jahren erfolgreich war. Marie kam per Kaiserschnitt zur Welt, eine Wochen später als geplant. Sie war zur Geburt normalgewichtig (3500), aber bereits nach 4 Monaten und seitdem immer ein wenig untergewichtig.

Mit etwa eineinhalb Jahren hatten wir langsam den Verdacht, dass etwas nicht stimmt. Während andere Kinder bereits auf Dinge zeigten, "da" sagten und erste Wörter sprachen, kam von Marie noch nichts. Sie begann, obwohl sie sich schon früh drehen und hochziehen konnte, mit den ersten Schritten erst mit 18 Monaten. Soweit, so gut, alles noch okay.

Als sie mit kurz vor drei kaum ein paar Wörter sprach, empfahl man uns Logo, die direkt in den Kiga kam. Ein wenig später auch Heilpäd.

Da sie mit der Sprache nicht so weit war, schubste sie manchmal andere Kinder, mit denen sie nicht spielen wollte, statt "nein" zu sagen. Aber sie hatte schon früh einen besten Freund, der ein halbes Jahr jünger war.
Später kamen noch andere hinzu. Sie ist ein offenes Mädchen, geht gerne auf andere Kinder zu, zeitweilen aber sehr dominant "komm her!", "Komm jetzt!", "Du musst...".

Als sich ihr bester Freund später gelegentlich gegen die Ansagen wehrte, stritten sich die beiden immer häufiger. Man betitelte das später als regelrechte "Hassliebe", sie konnten sich streiten und lagen sich Sekunden später in den Armen.

Spieltreffen am Nachmittag fanden meist auf meine Initiative statt. Jedoch wurden diese auch häufig abgelehnt oder es wurde herumgeeiert.

Zunächst hatte ich nicht das Gefühl, es könne an meiner Tochter liegen, schließlich war sie zwar etwas wild oder albern, aber auch freundlich, offen und lieb. Wenn sie sich irgendwo mal schlecht benahm, wurde ich auch deutlich, schimpfte sie.
Das Blöde war und ist ja, da sie sich mit Sprache so schwer tut und mit dem Verstehen, da halfen oft nur autoritäre Ansagen, mit Erklären war da nicht viel, auch wenn ich es immer wieder versuchte und versuche, in einfachsten Worten.
Ich bin von Haus aus Erklärbär, weil ich beruflich pädogogisch tätig bin, musste aber mit meiner Tochter bei einer ihr entwicklungstechnisch entsprechenden Sprache bleiben.

Auch heute, wenn ich sie frage, um den Hergang zu erfahren, was im Kiga los war - "wieso hat der x dich gehauen?", sagt sie höchstens "das derfen wir nicht!"... d.h. es kommt kein "weil der mich gehauen hat/etwas blödes gesagt hat..." etc...So kann ich das gar nicht aufdröseln, nur spekulieren, nicht mit ihr besprechen oder Tipps geben, wie sie mit etwas alternativ umgehen könnte.

Im neuen Kiga findet sie schwer Anschluss. Im alten Kiga hatte sie zwar Freunde, aber da kaum Nachmittagseinladungen zustande kamen, ist der Kontakt quasi abgebrochen. Letztens hatte ihr ehemaliger bester Freund Geburtstag. Der sagte wortwörtlich, er wolle sie nicht dabeihaben, weil sie "immer so gemein zu ihm sei".
Für mich war das der Supergau.An diesem Geburtstag wären auch alle ihre anderen Spielgefährten vom alten Kiga dabei gewesen.
Sicher werden alle gefragt haben, warum Marie nicht da ist und eine entsprechende Antwort erhalten haben.
Natürlich habe ich da Verständnis und habe das den Eltern auch so kommuniziert, es sei schließlich sein Geburtstag, den er mit den Kindern verbringen soll, die er mag und bedankte mich für die Offenheit.

Ein Stich aber war dabei.
Eigentlich ein großer Stich. Für mich.
Jede Mutter wünscht sich für ihr Kind gelungene Sozialkontakte.
Gerade, wenn es da noch viel zu lernen gibt.
Aber was soll man machen???

Als ich - und ich überlegte noch - ob ich meiner Tochter das Ganze überhaupt erzählen soll - es ihr so sagte, reagierte sie mal wieder recht seltsam. Sie sagte, "habe ich verstanden".
Da ich mir da nicht sicher war, erzählte ich ihr es nochmal später mit anderen Worten. Da brach sie in Tränen aus, sie sei "aber eingeladen und will da hin". Ich tröstete sie.
Als ich einen Tag später nochmal kurz darauf zu sprechen kam, sagte sie: "Kuck mal, so geht ein A!" und stellte sich in Tanzposition auf,... weil sie an diesem Tag in ihrem Tanzkurs war, wo sie das geübt hatten.
Nahm also keinen Bezug darauf.

So ist es oft. Ihr kommt irgendwas in den Sinn, sagt das völlig unabhängig von dem, worum es gerade ging... und wenn ich nicht erahnen könnte, wovon sie redet, manchmal Sachen, die Monate her sind, wüsste ich nicht wovon sie spricht, weil es nur Bruchstücke sind.

Wenn wir wo hinfahren, oder bevor wir los wollen, fragt sie mich bestimmt 5 Mal, wo wir jetzt hinfahren, obwohl ich ihr bereits jedesmal geantwortet habe.
Oder sie wiederholt ganz oft hintereinander den gleichen Satz: "Gell, die Sonne ist aufgegangen!" (=die Sonne scheint), ich sage: "ja, die Sonne scheint ganz hell, es ist ein schöner Tag!" - sie wieder "gell, die Sonne ist aufgegangen!" - Ich: Ja. 3 Minuten später wieder dasselbe, ich erfinde alternative bestätigende Antworten...dann kommt vielleicht: "Und dann ist der Mond wieder da!" - Ich: "Ja, wenn die Sonne untergegangen ist, geht der Mond auf..." - "..."
So geht das ganz häufig. Mit 4,5 Jahren. Wie in aller Welt soll das Kind mit 6 oder 7 eingeschult werden, frage ich mich manchmal.

Wenn ich mit anderen Kindern in ihrem Alter spreche, sieht das ganz anders aus, da hat man das Gefühl, da kommt was an, da wird man verstanden, da kann ich reden, wie mir der Schnabel gewachsen ist, bei meiner Tochter muss ich worttechnisch immer runterschrauben, einfachste Sachverhalte immer wieder mit anderen Wörtern erklären.

Heute im Kindergottesdienst sollten die Kinder sich einen Stein nehmen und einen Dank oder eine Bitte formulieren und den Stein in die Tuchmitte legen. Drei andere Kinder waren dran und bedankten sich für einen gelungenen Geburtstag. Meine Tochter meldete sich zu meiner Überraschung auch, nahm einen Stein und sagte nur "Geburtstag", obwohl sie weder selbst gehabt hatte noch auf einer Feier war.

Dabei sprechen wir jeden Abend ein Gebet, wo wir alles aufzählen, was wir heute gemacht und erlebt haben, wofür wir Gott danken und danach die Bitte, auf wen Gott alles aufpassen soll.
Das meiste formuliere ich, seit einem Monat fängt sie an, auch mal ein Erlebnis einzubringen. Namen zu nennen, auf die Gott aufpassen soll, hat sie aber schon früher gesagt.
Ich vermute, sie hat beim Kindergottesdienst mal wieder nicht überrissen, worum es ging, was sie sagen sollte, wollte aber gern mitmachen und hat sich an dem Gesagten der anderen orientiert, ohne verstanden zu haben, worum es ging obwohl es nicht kompliziert formuliert war.

Das ist zwar alles schön, aber trotzdem irgendwie traurig, wenn man dasselbe schon praktisch seit immer daheim praktiziert, wenn auch nicht in der Form mit dem Stein.

Vielleicht findet ihr mich alle ungerecht und lieblos in meiner Enttäuschung, aber vielleicht kennt ihr auch die Momente, wo man aus dem Hamsterrad beiseite tritt und sich das Ganze von oben ansieht und sich fragt: warum in aller Welt muss es so schwer sein, warum muss es so sein warum kann es nicht einfach laufen wie bei anderen?

Zumal die abgesagte Geburtstagseinladung dazukam.
Eine gute Bekannte, deren Tochter in einer Kiga-Gruppe mit meiner ist, wo meine Tochter sich schon gefreut hatte, dass diese dort auch sein wird, hatte neulich auch Geburtstag, auch da wurde sie nicht eingeladen, weil das Mädchen ein Jahr älter ist und sie meine Marie nicht als Freundin bezeichnet.

Ein weiterer Junge, der zwar in einer anderen Gruppe ist, den sie aber täglich in dem Kiga draußen trifft, da haben wir Mütter auch eine Bekanntschaft und die Kinder haben sich ein paarmal zum Spielen getroffen, aber die streiten sich gerade auch sehr schlimm, so dass an gegenseitigen Besuch nicht zu denken ist.

Er ist ebenfalls ein Integrativkind, nur er ist zu dem Geburtstag ihres ehemaligen besten Freundes eingeladen, Marie aber nicht.
Er haut meiner Tochter oft, bewirft sie mit Steinen, so wie man es mir gesagt hat, ist sie zwar auch mal sauer auf ihn und tritt ihn, wenn sie traurig ist, dass er nicht ihr spielen will, aber nie geht sie ihn so heftig an, wie er sie.
Es ärgert mich so, dass der dann zu dem Geburtstag eingeladen wird, sie aber nicht.
In ihrem alten Kiga gab es ein paar Kinder, die ziemlich wüst drauf waren, schlugen, richtig gemeine Sachen sagten: "ich bring dich um...", also echt "gestört", die aber keine Förderung bekamen (zumindest nicht, dass ich wüsste)... ja, wenn Eltern und Kinder solche meiden, dann kann ich das noch nachvollziehen, aber meine Tochter ist doch nicht so!!!

Und jetzt sind wir völlig isoliert. Es gibt keine Nachmittagstreffen, keine Spielfreunde.
Wir gehen an 4 Tagen die Woche wo hin, zum Tanzen, zum Waldtreff, zum Kindergottesdienst, zum Musikmachen, auch, damit sie andere Kinder trifft, irgendwie ergibt sich da nichts.
Ich frage mal an, wenn was zurückkommt mit "ja gern" oder "im Moment nicht, sonst gern", versuche ich es noch zwei, drei Mal in angemessenem Abstand, aber insgesamt kommt nichts dabei heraus.

Ich bin wiegesagt alleinerziehend, meine besten drei Freunde/innen Singles ohne Kinder, ohne die würde ich sozial verkümmern.
Und mit denen kann ich auch nur selten was unternehmen, weil eben Kind daheim und die am arbeiten.

Manchmal bin ich so am Ende und frag mich, wie lange das noch so geht, ich hab diese Ablehnungen so satt. Dieses Herumeiern.
Sehe Mütter mit anderen Müttern und deren Kindern Handtuch an Handtuch im Freibad, rieche abends Grillkohle und frage mich, wieviele Leute dort gemeinsam wohl spontan grillen, frage mich, was die anderen Mütter wohl alles zu tun haben, dass sie nicht mal eine Stunde Zeit haben für Spielplatz,
meine Tochter und ich sind sehr viel unterwegs, es gibt kaum eine Veranstaltung, die wir in unserer Kleinstadt oder Umgebung auslassen, Fahrradfahren, Sommerrodelbahn, Faschingsfeiern, Kasperle, Volksfest, Indoorspielplatz oder draußen, Dorffest, Maifeiern etc...
All die Leute, die ich im Laufe der letzten 5 Jahre kennengelernt habe, sind kaum dabei.
Was machen die alle in der Zeit? Daheimsitzen mit Freunden?

Ich weiß, es ist alles tierisch lang geworden...

Ich kann mich nirgends so richtig ausheulen.

Ich hoffe, dies liest einer und lässt mir einfach mal nur Grüße da.
Oder findet irgendwelche Gemeinsamkeiten, sein Kind betreffend, jemand, der ähnliches erlebt hat und vielleicht schon weiter ist als ich oder eine Diagnose weiß und weiß, was man da tun kann.
Grüße, Adelheidt

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micha123
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Beitragvon micha123 » 15.10.2017, 15:04

Hallo,

ich wollte dir liebe Grüße da lassen.

Ich kenne dieses ablehnende Verhalten auch, da einer meiner Söhne auch
etwas schwieriger ist. Gib nicht auf, irgendwann kommen Menschen die damit umgehen können und es auch tun.


Natürlich muss man auch schauen, wieso verhält mein Kind sich so und was kann ich tun, was kann man tun, damit eine Besserung eintritt. Aber wenn ich das richtig verstanden habe, tust du ja schon alles mögliche dafür.

Ganz liebe Grüße und Kopf hoch

Micha

HannahKillian
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Beitragvon HannahKillian » 15.10.2017, 15:28

Liebe Adelheidt,

deine ehrlichen und aufrichtigen Zeilen werden bestimmt mehr als nur "einer" lesen...

Leider habe ich auch kein "Patent-Rezept" für den doch manchmal recht schwierigen Umgang, den Kinder miteinander pflegen, auf Lager - aber aus der Erfahrung mit meinen eigenen (gesunden - bei uns bin ich derjenige mit "Webfehler"...) Kindern weiß ich, dass man auch da nichts anschieben oder sonst irgendwie beeinflussen kann. Es findet sich oder eben auch nicht... auch wenn wir da manchmal nur sehr schwer dabei zuschauen (und gelassen bleiben) können...

Vielleicht braucht Marie auch nur ein bißchen mehr Zeit - gib nicht auf, mach weiter mit euren tollen gemeinsamen Unternehmungen und versuch, den Gedanken an "Kinderfreundschaften" momentan einfach ein wenig in den Hintergrund zu schieben.

Ich schick dir auf jeden Fall eine Riesen-Portion Optimismus, Durchhaltevermögen und viele liebe Grüße!

Hannah
"Aufgeben?'" Komisches Wort, kenn ich gar nicht...

Meine Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... hannah+icp

Elke35
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Beitragvon Elke35 » 15.10.2017, 15:32

Hallo!

Hast Du schon jemals dran gedacht, ob dein Kind ev. eine auditive Hörverarbeitungsproblematik hat?
Gerde mit dem spät und schlecht sprechen, die Anweisungen nicht verstehen, die Hälfte nicht aufnehmen usw.....dadurch natürlich vernetztes Denken nicht entwickeln können....???

Gerne per PN mehr von mir, mir kommt das nämlich alles sehr ähnlich und wir haben einen langen Weg hinter uns, weil auch niemand erkannte, wo das Problem lag.

Karina H BS
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Beitragvon Karina H BS » 15.10.2017, 17:07

Ich kann nur sagen, Willkommen im Club"
Eigentlich hast Du sogar noch Glück. Ihr habt 4 mal die Woche noch Außenkontakte, auch wenn sie vielleicht nicht all das bringen was Du dir davon erhoffst.
Mit meinem Kind war ich im Krabbelkreis- drei mal- er brüllte alles über bis die Stunde vorbei war...
Im Vorbereitungskurs lernte man nette Mütter kennen, nach der Entbindung traf man sich , was meinst du wie schnell man mir nicht mehr den nächsten Treff mitgeteilt hat?
Auf dem Kinderspielplatz nahm man fix seine Kinder und ging davon, wenn wir dort auftauchten.
Musikalische Früherziehung- na ja man legte uns nahe doch nicht den Kurs zu beenden...
Spezielle Judo Kindergruppe mit Elternteil- können Sie ihr Kind nicht im Zaum halten? Wie bitte, es sind doch alles Kinder hier die Verdacht auf ADHS u.ä. haben extra hier in dieser Gruppe...
Im Kindergarten wurde mein Sohn dann zwei mal zu einem Kindergeburtstag eingeladen. Danach nie wieder.
In der Grundschule- gleiches Drama.

Zum Glück nimmt mein Sohn das überhaupt nicht krumm. Er lädt jedes Jahr wieder ein paar Kiddies ein. Manche kommen tatsächlich und ein Kind hat ihn sogar an seinem Geburtstag eingeladen. Er ist jetzt 12, im Februar 13 Jahre alt.

Das Einzige was wir für uns gefunden haben ist eine spezielle Fußballtruppe. Wir haben festgestellt, dass wir fast die ersten Mitglieder sind. Dort haben alle Kinder mit Handicaps und Verhaltensauffälligkeiten. Aber auch dort wird über manches Kind leider gelästert bzw. gestöhnt, dass er sich doch besser benehmen sollte und was denn die Eltern tun müssten. Es hat sich daraus nichts extra entwickelt, jeder hat mit sich zu tun. Aber man unterhält sich wenigstens die Trainingsstunde oder hält sich gegenseitig mal die Stellung damit man mal schnell zum Supermarkt fahren kann.

Ansonsten sind wird fast komplett sozial isoliert. Sobald etwas anliegt wird maximal noch gefragt ob wir das Kind irgendwo unterbekommen können sonst doch besser nicht kommen. Die meisten laden uns gar nicht mehr ein und kommen auch nicht mehr zu uns.
Ja, und heute ist wirklich schönes Wetter, aber mein Sohn ist beim Papa. Das geht mir oft so, denn auch ich muss ihn teilen. Exakt nach Plan. Da bleiben schöne Dinge die ich mit meinem Sohn gern unternehmen würde leider manchmal aus. Er fährt gerne Eisenbahn, es gab eine spezielle Tour nach Berlin im historischen Dampfzug- Papa Wochenende.Er würde gern den Kart Führerschein machen, leider immer am Papawochenende. Wird also nix dass er mit uns (meinem Mann und mir ) mal Runden drehen kann.
Es werden schöne Sachen vom FED angeboten. Geht nicht, ist Papa Zeit.

So ist das eben. Mit einem speziellen Kind und dann muss man noch teilen finde ich es noch anstrengender. Und ja, mir fehlt auch das Toben und das Kinderlachen von vielen Kindern im Haus. Mir fehlt der Übernachtungsbesuch mit Kissenschlacht und Würstchen und noch sehr viel mehr. Mir hat es gefehlt mit meinem Sohn zu basteln, zu malen, zu bauen usw eben alles was ich mit meinen Töchtern gemacht habe.

Fühl dich gedrückt und lass dich nicht unterbekommen. Plan schöne Sachen für dich an deinen freien Tagen. Vielleicht auch eine Sportart in der Gruppe .

MelSch
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Beitragvon MelSch » 15.10.2017, 18:43

Hallo!

Ich muß dir jetzt einfach schreiben! Fühl dich mal gedrückt!

Ich habe eine gesunde Tochter (10) und unsere Spezialedition (3).
Meine Tochter war und ist ein sehr ruhiges, braves, schüchternes, höfliches Mädel. Ich war mit ihr alleinerziehend von 2 3/4 -7,5 Jahre.
War in einigen Musik,- Tanz,- und Spielgruppen mit ihr. Es gab 2-3 nette Mamas, mit denen aber nie was zusammen ging.
Im KiGa das Selbe. Alle wurden eingeladen - meine nicht.uv :cry:

Ich war traurig, Kind war geknickt, ich wußte nicht, woran es lag.
Bis mir eine Mutter ganz klar gesagt hat: “Du bist alleinerziehend und wir haben Angst um unsere Männer!“ :? :? Ich dachte, ich steh im falschen Film!!
Des weiteren machte ich wohl den Eindruck, daß ich dringend Anschluß gesucht habe... Tja....

Ich hab dann nach einem Jahr eine andere Alleinerziehende getroffen - wir waren bis heute Aussenseiter!

Mit meinem Sohn werde ich wieder gemieden. Jetzt bin ich zwar verheiratet, aber mein Bub ist sozial “ nicht einfach“. :wink:

Leider habe ich keine Lösung für dich. Aber ich weiß, wie sch*** man sich fühlt und wie sehr man an sich und seinem Kind zweifelt...

Kopf hoch und alles Liebe!
LG, Mel

PapaDavid
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Beitragvon PapaDavid » 15.10.2017, 19:18

Hallo,
also mit 4 oder 4,5 muss ein Kind doch nicht mit anderen Kindern spielen. Soziale Kontakte sind toll, aber wenn die Eltern und die Familie sich auf Augenhöhe, liebevoll, ohne geschimpfte beschäftigen, dann kann sich das Kind auch toll entwickeln.

Dein Kind hat jeden Tag oder fast jeden Tag eine Aktivität, zusätzlich zum Kindergarten. Das ist sehr viel. Wo soll sie da das ganze erlebte verarbeiten, um verstehen zu lernen?

Ich habe auch deinen Beitrag in einem anderen Thema gesehen und finde, dass man bei einem Kind mit einer Behinderung nicht so extrem streng sein sollte, sondern es extrem wichtig ist, auf die Wünsche und Bedürfnisse des Kindes einzugehen. Wenn das Kind einen roten Becher will - warum nicht? Wenn das Kind Lack-Schuhe anziehen möchte - warum nicht?

Kinder sind Nie das problem! Es ist das Umfeld und die Gesellschaft! Aber wir Menschen haben gelernt, nur auf die Kinder zu schauen und die Probleme bei ihnen zu suchen. Sehr Traurig.

Hier noch ein tolles Zitat:
Was unsere Kinder brauchen: 7 Werte für eine gelingende Eltern-Kind-Beziehung
Katia Saalfrank
„Stellen Sie sich einmal vor, Ihr Kind ist ein Fisch im Wasser. Er gedeiht gut und wächst gesund und fröhlich heran. Dies kann der Fisch nur, wenn das Wasser (also seine Umgebung) in einem ökologischen GLEICHGEWICHT ist: Das Wasser hat die richtige Temperatur, die Lichtverhältnisse stimmen und es enthält alle notwendigen Nährstoffe, die der Fisch braucht, um zu wachsen, gesund zu bleiben und sich gut zu entwickeln. Wenn der Fisch auf einmal nicht mehr fröhlich ist und nicht mehr gut heranwächst, müssen wir die Ursache finden. Wir untersuchen das Wasser: Ist es eingetrübt oder zu kalt? Sind noch alle Nährstoffe vorhanden?
In unserer heutigen Gesellschaft ist es üblicherweise so, dass wir weniger die Umgebung betrachten, als vielmehr die Fische und diese - also die Kinder selbst - „behandeln“. Wir setzen Therapien und Fördermaßnahmen für Kinder an, ohne hinreichend zu analysieren, ob die emotionalen „Nährstoffe“ in der näheren Umgebung (Familie, Schule oder Kita) - zum Beispiel Geborgenheit, Wärme, Anerkennung, Sicherheit, Autonomie - gerade angemessen vorhanden sind und das Kind sich auch ausreichend damit versorgt fühlt.“
VG, David. Tochter*1993 schwerstbehindert nach Hirnblutung und Reanimation-Tracheostoma seit 01/2017. Und Pflegekind*2008, Therapieresistente Epilepsie-schwere Entwicklungsretardierung-gesetzl. Blind.

rena99
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Beitragvon rena99 » 15.10.2017, 19:45

Hallo Adelheidt,

erst mal herzlich willkommen hier. Hier ist wirklich ein Ort, wo man auch mal seinen ganze Frust von der Seele lassen kann. :D

Ich glaube, du solltest dir erst mal Zeit zum trauern gönnen, Zeit, dich von dem Kind zu verabschieden, das du dir gewünscht hast und Zeit, das Kind willkommen zu heißen, was du hast. Dann wirst du mehr Frieden mit der Situation finden können.

Diagnostisch würde ich mich auf jeden Fall noch mal um die Hörverarbeitung kümmern, damit sicher gestellt ist, dass sie das Gehörte auch wirklich aufnehmen kann. Aber da haben dir ja auch schon andere zu geraten. Ansprechpartner dafür sind sog. Pädaudiologen. Je eher das geklärt ist, desto besser.

Im Alltag habe ich den Eindruck, dass das Nachmittagsprogramm fast zu viel ist. Was macht deiner Tochter davon denn wirklich Spaß? Sie muss nicht alles können/machen, was andere Kinder tun. Wähle aus, was ihr gut tut und macht das intensiver als so viele verschiedene Dinge.

Lade einzelne Kinder zu euch ein und bleib beim Spielen dabei. So kannst du jederzeit eingreifen, wenn es nicht gut läuft. Und du siehst selber besser, wie deine Tochter mit anderen zurecht kommt. Wenn niemand kommen möchte, ist das schade, aber man kann Kontakte nicht erzwingen oder befehlen.

Deswegen such dir Kontakt zu anderen betroffenen Eltern. Z.B. hier:
https://www.seht.de/. Wobei ich jetzt nicht davon ausgehe, dass dein Kind ADHS hat. Das ist nur ein Beispiel. Frag mal bei der Frühförderung nach, ob sie dir nicht Selbsthilfe/Elterngruppen nennen können. Du brauchst auch Austausch "vor Ort"!

Ich wünsche dir alles Gute

Rena
Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
"Jeder Zwang ist Gift für die Seele." (Ludwig Börne)

Anjali
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Beitragvon Anjali » 16.10.2017, 06:40

Hallo Adelheidt,

ich würde versuchen, die eigenen Kontaktwünsche und Enttäuschungen nicht zu eng mit denen des Kindes zu „verkoppeln“.

Du erhoffst dir Kontakte, die deiner Tochter und dir gleichermaßen viel geben? Suchst du für dich und deine Tochter Familien, mit denen ihr gemeinsam befreundet sein könnt?
Das ist verständlich, aber damit
überfrachtest du vielleicht manche Bekanntschaften mit zu hohen Erwartungen.

Davon abgesehen:
fühlt sich deine Tochter genau isoliert wie du?
Hadert sie wirklich damit, keine festen Freundschaften außerhalb des Kindergartens zu pflegen?
Oder ist sie vielleicht mit den gebotenen Spielmöglichkeiten im Kindergarten und mit euren gemeinsamen nachmittäglichen Unternehmungen zufrieden?

Du schreibst, dass du mit deinen Single–Freunden nachmittags nichts unternehmen kannst, wegen Kind und weil diese arbeiten müssen. Wäre es denn möglich, die Freunde auch mal unter der Woche abends zu Besuch kommen, z.B. zu einem gemeinsamen Abendessen oder dann, wenn deine Tochter im Bett ist? Ich habe in der Bekanntschaft Single-Mütter, die sich auf diese Weise ihre Sozialkontakte erhalten.

Ansonsten schließe ich mich Renas Ratschlägen an.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

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BirgittaM
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Beitragvon BirgittaM » 16.10.2017, 09:32

Hallo, Adelheidt!
Es tut mir sehr leid, dass du so traurig bist.

Zum Thema Kinderfreundschaften kann ich nur sagen, dass das ein sehr spezielles Kapitel ist, gerade bei Mädchen. Und als Erwachsener hat man kaum Einfluss, erst recht, wenn die Kinder dann in die Schule kommen. Kinder(garten)freundschaften halten nicht unbedingt nach Schuleintritt. Ebenso gehen Grundschulfreundschaften oft auf der weiterführenden Schule auseinander, selbst wenn die Kinder dort in derselben Klasse landen.

Von daher möchte ich ganz dick unterstreichen, was Anja gesagt hat: Du solltest versuchen, dein eigenes Kontaktbedürfnis von deiner Tochter zu entkoppeln.

Selbst wenn deine Tochter tolle Freunde findet, werden ihre Eltern nicht zwangsläufig deine Freunde werden.
Und selbst wenn das doch der Fall wäre, kann es sein, dass sich die Kinder nach relativ kurzer Zeit umorientieren.

Könntest du an den Papa-Wochenenden ganz bewusst etwas nur für dich machen? Entweder etwas mit deinen Freundinnen unternehmen oder vielleicht zum Sport gehen oder ein Hobby ausüben, etwas, das dir persönlich Freude macht.

Von dem, was ich von dir lese, habe ich den Eindruck, dass du im Moment sehr stark um deine Toche kreist, alles richtig machen möchtest, alles auf sie beziehst.
Das ist verständlich, aber ein Kind braucht vor allem eins: Bezugspersonen, die für sich selbst sorgen und dadurch ein Stück weit "emotional unabhängig" vom Kind sind. LG,


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