...und ich bin an allem Schuld - oder: Hör auf Winterhoff

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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LarissaD
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Beitragvon LarissaD » 10.04.2017, 17:41

Falls es mit dem WOI nicht so klappt, würde ich mal einen Termin beim Flämig Institut machen.

Manche finden das besser.

Ich kenne beide nur vom Hörensagen, würde aber eher zu letzterem gehen, wenn eines meiner Kinder betroffen wäre nach allem, was ich so höre.
Viele Grüße, LarissaD

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maikeb
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Beitragvon maikeb » 12.04.2017, 14:50

Aber auch, was er über neurotypische Kinder schreibt, ist wissenschaftlich so mies gemacht, dass ich wirklich überrascht war. Das hätte jeder schreiben können. Ich beobachte auch Eltern mit Kindern im Supermarkt und auf dem Spielplatz. Dann kann ich diese Einzelfälle prima generalisieren und habe voilà ein einträgliches Buch verfasst. :lol:

Michaela44
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Beitragvon Michaela44 » 12.04.2017, 15:29

Mein Buchtipp: Ein ganzes Leben mit dem Asperger Syndrom, von Tony Attwood

Es beschreibt sachlich, gut lesbar und verständlich mit vielen Beispielen die Besonderheiten von Aspies. Es ist das beste Buch dazu, das ich kenne. Bin selbst auch Autistin und das Buch hat mir sehr geholfen, Autismus und mich selbst zu verstehen.
Asperger Autistin
mit neurodiverser Familie

Adelheidt
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Beitragvon Adelheidt » 15.10.2017, 15:37

Hallo!
Mitfühlende Grüße!
Ich gebe zu, ich habe die ersten zwei Winterhoff-Bücher gelesen, bevor ich selbst Mutter wurde und kann nur bestätigen, dass er sich an Eltern von gesunden Kindern wendet.
Mit einigem hat er schon recht: da werden Kinder so glorifiziert, dass man sich null mehr um deren Benehmen kümmert, sie einfach aus eigener Überforderung machen lässt, das Ganze als partnerschaftlich deklariert, nur noch "fördert", die fordert... usw...
Jooo... aber dann bekam ich mein entwicklungsverzögertes Kind.
Von Anfang an habe ich ihm deutlich gemacht, dass es bitte nicht auf mir herumtollen soll, wenn ich gerade Bedürfnis nach Ruhe hatte, habe objektiv darauf gesehen, wie es sich in der Öffetlichkeit oder bei anderen daheim benahm und es aus der Situation herausgenommen oder es ermahnt, habe nie mit Konsequenzen gedroht, sie ich nicht eingehalten habe (z.B. "wenn du nicht damit aufhörst gehen wir", obwohl ich selbst gar nicht wollte, dann habe ich sie eben einfach nur vor die Tür genommen und ein Paar Takte geredet, dann gings auch wieder), ich habe es ignoriert, wenn sie die Milch aus der roten Tasse nicht trinken wollte und ihr nicht dir gewünschte grüne gegeben, sondern gesagt: entweder die oder keine Milch und damit war auch gut.
Ich habe sie keine Lackschuhe anziehen lassen, die sie so gern wollte, sondern gefragt, ob sie lieber die blauen oder lila Wintersteifel anziehen möchte.
Wenn sie gejammert hat, dass sie auf den Arm wollte und nicht laufen, hab ich das ab einem bestimmten Alter komplett irgnoriert und ihr erklärt, dass sie Gottlob zwei gesunde Beine hat. Sie hat schnell zu jammern ausgehört.
Und der ganze Rest?
Trotzdem macht sie ab und an "Bähbähbäh", wenn ich sie auf etwas aufmerksam mache, was sie lassen, soll, was gefährlich ist.
Trotzdem hopst sie auf dem Bett herum, obwohl ich ihr schon zigmal sagte, ich möchte jetzt gemütlich meinen Kaffee trinken, ich muss es jeden Tag wieder erklären.
Trotzdem tobt sie hin und wieder, ich sei gemein, weil sie ihre Lackschuhe nicht anziehen darf.
Trotzdem führt sie sich in Gegenwart von anderen oft auf, dass alles zu spät ist und ich im Erdboden versinken könnte.

Sie erinnert mich oft an den Zwerg aus Schneeweißchen und Rosenrot, die ihn immer wieder vor Gefahr retten und er dann tobt und schreit, weil sie ihm den Bart gekürzt haben. ;-)

Wenn ein Kind seinem Wesen nach so eigenwillig ist, kann man mit Winterhoff vielleicht ein paar Kleinigkeiten in den Griff bekommen, aber never ever das ganze Wesen.
Das ist dem Großvater eben leider nicht klar.
Soll er es doch mal nach Winterhoff versuchen - und dann schauen, ob sich da was tut. ich glaub's nicht.... ;-)

MonikaE
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Beitragvon MonikaE » 15.10.2017, 18:59

Hallo,

ich stehe seit fast 25 Jahren im Kontakt mit Dr.Winterhoff.
Bei uns lebten immer wieder Pflegekinder, die wir ohne seine Beratung nicht hätten behalten können, weil wir ein Zusammenleben mit ihnen ohne seine Hilfe nicht ausgehalten hätten.
Genauso lebten und leben bei uns Pflegekinder mit denen ich ihn trotz großer Ratlosigkeit seine Hilfe nicht in Anspruch nehmen würde.
Ich kann "erspüren " ob bzw. wann er für das Kind und uns die Hilfe leisten kann, die wir brauchen, weil,wir ihn lange und gut kennen.
Manchmal passen aber auch unsere anderen Ärzte nicht zu den Kindern, die bei uns leben, da fehlt auch unserem langjährigen Zahnarzt das nötige Feingefühl für die spezielle Art des Kindes.

Für uns als Pflegeeltern war der Kontakt mit Dr.Winterhoff auch dahingehend sehr hilfreich, das er sich ohne Zögern zum Wohle der Kinder mit Behörden,Eltern, Ämtern ,Schulen und Verwandten auseinander setzte,ihnen Termine anbot oder auch trotz Entfernung zur Beratung kam.

Viele Grüße

PapaDavid
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Beitragvon PapaDavid » 15.10.2017, 19:02

Moin,
Ich empfehle:
https://www.amazon.de/gew%C3%BCnschtest ... 3407864221
Wenn Facebook vorhanden ist, es gibt viele tolle Seiten da.
VG, David. Tochter*1993 schwerstbehindert nach Hirnblutung und Reanimation-Tracheostoma seit 01/2017. Und Pflegekind*2008, Therapieresistente Epilepsie-schwere Entwicklungsretardierung-gesetzl. Blind.

PapaDavid
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Beitragvon PapaDavid » 15.10.2017, 19:06

Oh je, das arme Kind... So viel Unterdrückung... Das bremst die eigene Entwicklung des Kindes massiv. So würde man doch nie mit einem Erwachsenen umgehen, aber Kinder sollen das aushalten... Sie sollen es aushalten, dass man ihren Willen und ihre Grenzen nicht respektiert und später regt man sich auf, weil die Kinder keinen Respekt haben. Wie soll jemand Respekt lernen, wenn er als eigene Person mit Wünschen und Bedürfnissen nicht respektiert wird?
Ich sage es: gar nicht.

Aber mit Kindern kann man es ja machen... Die sind Hilflos.

Hallo!
Mitfühlende Grüße!
Ich gebe zu, ich habe die ersten zwei Winterhoff-Bücher gelesen, bevor ich selbst Mutter wurde und kann nur bestätigen, dass er sich an Eltern von gesunden Kindern wendet.
Mit einigem hat er schon recht: da werden Kinder so glorifiziert, dass man sich null mehr um deren Benehmen kümmert, sie einfach aus eigener Überforderung machen lässt, das Ganze als partnerschaftlich deklariert, nur noch "fördert", die fordert... usw...
Jooo... aber dann bekam ich mein entwicklungsverzögertes Kind.
Von Anfang an habe ich ihm deutlich gemacht, dass es bitte nicht auf mir herumtollen soll, wenn ich gerade Bedürfnis nach Ruhe hatte, habe objektiv darauf gesehen, wie es sich in der Öffetlichkeit oder bei anderen daheim benahm und es aus der Situation herausgenommen oder es ermahnt, habe nie mit Konsequenzen gedroht, sie ich nicht eingehalten habe (z.B. "wenn du nicht damit aufhörst gehen wir", obwohl ich selbst gar nicht wollte, dann habe ich sie eben einfach nur vor die Tür genommen und ein Paar Takte geredet, dann gings auch wieder), ich habe es ignoriert, wenn sie die Milch aus der roten Tasse nicht trinken wollte und ihr nicht dir gewünschte grüne gegeben, sondern gesagt: entweder die oder keine Milch und damit war auch gut.
Ich habe sie keine Lackschuhe anziehen lassen, die sie so gern wollte, sondern gefragt, ob sie lieber die blauen oder lila Wintersteifel anziehen möchte.
Wenn sie gejammert hat, dass sie auf den Arm wollte und nicht laufen, hab ich das ab einem bestimmten Alter komplett irgnoriert und ihr erklärt, dass sie Gottlob zwei gesunde Beine hat. Sie hat schnell zu jammern ausgehört.
Und der ganze Rest?
Trotzdem macht sie ab und an "Bähbähbäh", wenn ich sie auf etwas aufmerksam mache, was sie lassen, soll, was gefährlich ist.
Trotzdem hopst sie auf dem Bett herum, obwohl ich ihr schon zigmal sagte, ich möchte jetzt gemütlich meinen Kaffee trinken, ich muss es jeden Tag wieder erklären.
Trotzdem tobt sie hin und wieder, ich sei gemein, weil sie ihre Lackschuhe nicht anziehen darf.
Trotzdem führt sie sich in Gegenwart von anderen oft auf, dass alles zu spät ist und ich im Erdboden versinken könnte.

Sie erinnert mich oft an den Zwerg aus Schneeweißchen und Rosenrot, die ihn immer wieder vor Gefahr retten und er dann tobt und schreit, weil sie ihm den Bart gekürzt haben. ;-)

Wenn ein Kind seinem Wesen nach so eigenwillig ist, kann man mit Winterhoff vielleicht ein paar Kleinigkeiten in den Griff bekommen, aber never ever das ganze Wesen.
Das ist dem Großvater eben leider nicht klar.
Soll er es doch mal nach Winterhoff versuchen - und dann schauen, ob sich da was tut. ich glaub's nicht.... ;-)
VG, David. Tochter*1993 schwerstbehindert nach Hirnblutung und Reanimation-Tracheostoma seit 01/2017. Und Pflegekind*2008, Therapieresistente Epilepsie-schwere Entwicklungsretardierung-gesetzl. Blind.

Adelheidt
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Beitragvon Adelheidt » 15.10.2017, 19:11

Meinst du mich und mein Kind, Papa David?
Ich hoffe doch nicht.
Falls doch, werde ich mich nicht mehr dazu äußern, denn da kämen wir nie zam.

PapaDavid
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Beitragvon PapaDavid » 15.10.2017, 19:22

Ne, ich meine wen anderen, darum zitiere ich deinen Beitrag...
g :lol:
VG, David. Tochter*1993 schwerstbehindert nach Hirnblutung und Reanimation-Tracheostoma seit 01/2017. Und Pflegekind*2008, Therapieresistente Epilepsie-schwere Entwicklungsretardierung-gesetzl. Blind.

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Beitragvon Sia » 15.10.2017, 19:46

Wie sieht es denn bei dir aus, Papa David? Wie erklärst du einem Kind, was es machen soll ohne Unterdrückung und mit Respekt gegenüber dem Kind? Lässt du das Kind auf dem Bett hüpfen? Lässt du dein Kind anziehen was es will und wenn es am kältesten Tag ein Sommerkleid sein soll? Die komplett dreckigsten Schuhe an einem besonderen Feiertag?

Ich finde es schwierig, einem Kind beizubringen was es tun und lassen soll ohne "Unterdrückung"!
Und ohne "Unterdrückung" lernt es nicht sich zu benehmen!
Eine schöne Zeit wünscht
Sia (aus der Schweiz :wink:)
Stell' dich täglich dem Wind, dann trotzt du dem Sturm. Geh' lachend durch den Regen und du überwindest die Flut
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