Hilfe beim Trauern gesucht

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

Moderator: Moderatorengruppe

ehemalige Userin

Hilfe beim Trauern gesucht

Beitragvon ehemalige Userin » 07.05.2014, 00:24

Hallo Miteinander,

Am Wochenende ist meine Schwiegermutter im Hospiz verstorben. Zu Weihnachten ergab ein Zufallsbefund Krebs mit multiplen Metastasen, ein Behandlungsversuch wurde nicht mehr gemacht.

Jetzt zu meinem Anliegen: wie vermittele ich meinem Zwerg , dass die Oma tot ist.... Gesagt habe ich ihm das zwar aber wirklich verstanden, hat er das nicht, heute sind wir in der Nähe des Hospiz vorbei gefahren und er wollte Oma besuchen :?

Mein Mann wollte nicht, dass die Jungs ihre Oma aufgebahrt sehen ( ich hätte das alleine anders entschieden, aber das war nicht der Moment, wo ich mit ihm das diskutieren anfangen konnte). Auf ausdrücklichen Wunsch meiner Schwiegermutter gab es auch keine Trauerfeier oder ähnliches. Da meine Schwiegermutter sich der Anatomie gespendet hat, gab es auch keine Beerdigung.

Kein Wunder also, dass mein Junior mit der theoretischen Mitteilung seine Oma sei gestorben, nichts anfangen kann. Für ihn ist Oma einfach weg :cry:
( der Begriff tit sein, sagt ihm natürlich schon was, er kennt tote Fliegen oder Käfer und tote Mäuse von unserem Nachbarskater.- aber er bringt das nicht inVerbindung mit der Oma!

Hat jemand Idee, wie ich hm nun helfen kann ,das zu erfassen?

Mir selber ist ein art Trauerbuch eingefallen, wo auf der einen Seite kreuze und Särge, Beerdigungen zu sehen sind und auf der anderen Seite dann Bilder von der Oma.....( ist ja irgendwie ein wenig makaber, aber wenns ihm hilft)

Hat jemand noch eine Vorschlag oder Idee?
VIELEN dank!

Bea F.
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1198
Registriert: 04.01.2005, 17:33
Wohnort: NRW
Kontaktdaten:

Beitragvon Bea F. » 07.05.2014, 00:38

Hallo, zuerst einmal herzliches Beileid ....

vielleicht kannst Du Deinem Zwerg erklären , dass die Oma sehr krank war und nun zu den Engeln gegangen ist ? Dort hat sie keine Schmerzen mehr, es geht ihr gut und sie passt von dort oben jetzt auf euch auf ?
Meiner kleinen Tochter habe ich es so vor 5 Jahren erklärt, als meine Mutter plötzlich und unerwartet gestorben ist . Die Omi ist nun ein Engel . Wenn dann mal der Himmel in der Abenddämmerung rot schimmert , sagt sie, schau mal , die Oma backt Plätzchen :)
Ich denke, dass kleine Kinder mit Sarg und Beerdigung nicht viel anfangen können .

Ich wünsche euch viel Kraft für die kommende Zeit .

l.G.
Bea
Nando 93, Dario 97 nach Unfall 2001 hypoxische Hirnschädigung mit Tetraspastik, Button seit 2001 und verschiedene kleine Baustellen, Nevio 97 und Leya 2005.... und natürlich Bea , Bj. 63 :-)

Benutzeravatar
Ypsi
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 781
Registriert: 17.10.2011, 14:09
Wohnort: München

Beitragvon Ypsi » 07.05.2014, 00:42

Hallo !

Mein Beileid.

Spontan fällt mir nur Rolfs Hasengeschichte ein: Ich bin stark von Rolf Zuckowski. Wurde als CD aufgenommen, es gibt aber auch ein Buch. http://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_noss_2 ... in%20stark

Meinen Kindern hat sie sehr geholfen als die Oma gestorben ist.

Und das soll auch sehr gut sein.

http://www.amazon.de/Ein-Himmel-f%C3%BC ... 3815770033


Alles liebe Ypsi
Ich(´69) Hyperinsulinismus,Asthma,Allergien;Er(´73) Allergien;Sohn 1(´97)ADS,Allergien;Tochter 1(´98)Asperger-Autistin;Neurodermitis;Sohn 2(´00)LRS,Neurodermitis;Tochter 2(´04) Allergien;Sohn 3(´07)Hydrocephalus am 4.Ventrikel,spastische Diparese,Entwicklungs und Sprachentwicklungs-verzögert,Allergien,leichte Geistigebehinderung.Sternchen 95,03,05

Benutzeravatar
Ypsi
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 781
Registriert: 17.10.2011, 14:09
Wohnort: München

Beitragvon Ypsi » 07.05.2014, 00:52

Hallo Kirsten,

mir fällt noch etwas ein.

Bestimmt gab es einen Ort wo die Oma gerne mal hingegangen ist zB. einen Park oder wo ihr zusammen ein schönes Erlebnis hattet. Überlegt doch mal ob ihr nicht eine Symbolische Gedenkstätte für euch einrichten könntet, damit ihr auch etwas greifbares habt wo ihr trauern könnt.

Liebe Grüße Ypsi
Ich(´69) Hyperinsulinismus,Asthma,Allergien;Er(´73) Allergien;Sohn 1(´97)ADS,Allergien;Tochter 1(´98)Asperger-Autistin;Neurodermitis;Sohn 2(´00)LRS,Neurodermitis;Tochter 2(´04) Allergien;Sohn 3(´07)Hydrocephalus am 4.Ventrikel,spastische Diparese,Entwicklungs und Sprachentwicklungs-verzögert,Allergien,leichte Geistigebehinderung.Sternchen 95,03,05

Lovis3
Moderator
Moderator
Beiträge: 2405
Registriert: 19.03.2008, 10:15
Wohnort: Kreis HN

Beitragvon Lovis3 » 07.05.2014, 05:48

Hallo Kirsten!

Mein herzliches Beileid.
Aks bei uns der Opa gestorben ist, hat uns das Buch "Leb wohl, lieber Dachs" sehr geholfen.
http://www.amazon.de/wohl-lieber-Dachs- ... =Tot+dachs

Es geht um einen alten Dachs der stirbt und um die Trauer seiner Freunde. Es ist ein sehr schönes Buch, dass wir auch auf einer Maus-DVD als kleines Filmchen haben.

Dann gibt es noch das Buch "Vom Sterben, Tod und Trauer den Kindern erzählt" (link will nicht funktionieren).
Da wird alles ganz kindgrerecht erklärt.

Liebe Grüße
Katrin
Katrin mit A. *06, SSW 23+0, 600g, BPD (nachts sauerstoffpflichtig) und Lungenschädigung durch RSV-Virus, pulmonale Hypertonie, Rechtsherzinsuffizienz, Hypotonie (Rollifahrer, läuft kurze Strecken mit Rolltor oder 4-Punkt-Stützen), sehbehindert
und M. *08 und L. *11

TanjaJ1972
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1221
Registriert: 09.07.2007, 21:02
Wohnort: NRW

Beitragvon TanjaJ1972 » 07.05.2014, 07:25

Hallo Kirsten,
noch eine Anmerkung zur Aufbahrung:
Ich kann Deinen Mann gut verstehen, daß er nicht wollte, daß die Kinder die Oma aufgebahrt sehen. Ich war 20 als meine Oma an Krebs gestorben ist. Als es dem Ende zu ging und die Ärzte nichts mehr tun konnten, hat meine Mama sie zu uns nach Hause geholt. Etwa eine Woche später waren meine Eltern irgendwo unterwegs, ich war mit der Oma allein zu Hause. Genau in den 2 Stunden ist sie gestorben. Sie hat sich noch bei mir bedankt, hat gesagt, sie geht jetzt zum Opa und ist, während ich auf ihrer Bettkante saß, gestorben.
Ich werde dieses Bild der toten Oma im Bett nie wieder los. Es hat eh lange gedauert, bis ich damit klar gekommen bin, aber wenn ich an meine Oma denke, sehe ich immer zuerst das Bild vor mir, wie sie tot da im Bett lag. Erst danach, wenn ich mich arg konzentriere, sehe ich auch Bilder von ihr, wo es ihr noch gut ging und sie fit war.
Meine anderen Omas/Opas habe ich alle nicht tot gesehen, ich habe auch von ihnen irgendwie das Bild im Kopf wie sie aussahen, als ich sie das letzt Mal gesehen habe, aber das war eben fit und lebendig und nicht tot.... Das ist irgendwie eine schönere Erinnerung...
Vielleicht hat Dein Mann ähnliche Gedanken gehabt.
VG
Tanja
Tanja mit N1. (*2003, Kabuki-Syndrom) und N2. (*2006, gesund)

oy1970
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1143
Registriert: 04.02.2010, 21:29

Beitragvon oy1970 » 07.05.2014, 08:07

Hallo Kirsten,

ein Buch dass immer wieder zu diesem Thema empfohlen wird ist:

Adieu Herr Muffin

http://www.amazon.de/Adieu-Herr-Muffin- ... 3407760477

Vielleicht könnt ihr zusammen ja ein Fotoalbum gestalten. In dem ihr Erinnerungen und Erlebnisse, die euer Zwerg mit Oma verbindet nochmal aufgreift.

Liebe Grüße
Sohn ´05 Frühkindlicher Autist, ADHS
Tochter

Lotta6810
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 92
Registriert: 13.05.2011, 13:37
Kontaktdaten:

Beitragvon Lotta6810 » 07.05.2014, 10:39

Liebe Kirsten,
ich war auch beim Tod meiner Oma dabei, auf der Intensivstation, mit Anfang 20. Ein schockierendes Erlebnis, da sich dann natürlich die Muskeln lösten und alles, was sie ihr noch per Magensonde in den Magen gepumpt hatten, kam raus. Das erzähle ich, weil:
Warum ist das so schockierend? Nicht nur, weil es sich um den - in meinem Fall - am meisten geliebten Menschen handelte. Es war klar, dass sie sterben würde, irgendwann. Aber Tod an sich war trotzdem ein Tabuthema. Nach dem Motto: "Rede es nicht herbei!", was natürlich Quatsch ist. Deshalb finde ich es wichtig, mit den Kindern offen und ehrlich über dieses Thema zu sprechen. Ich habe meinen Kindern auch schon gesagt, dass wir irgendwann alle nicht mehr da sein werden. Dass das dazugehört. Wir sprechen auch darüber, wenn wir mal ein totes Tier finden. Dass da das Herz aufgehört hat zu schlagen. Dass dann nichts mehr geht. Dass das Herz wie eine Pumpe ist, und wenn Du die Pumpe ausstellst, kommt ja auch kein Wasser mehr. Und wenn das Herz ausgeht, wird der Körper nicht mehr mit Nährstoffen versorgt und kann deshalb nicht mehr funktionieren. Weil Du diese Pumpe eben nicht wieder anmachen kannst (in der Regel).
Ich würde vielleicht mit den Kindern in das Hospiz gehen (angemeldet) und mit den Leuten sprechen, die dabei waren. Die Mitarbeiter werden ja sicherlich einfühlsam sein.
Es ist vielleicht ein ungewöhnlicher Weg, aber wenn man sonst keinen Ort zur Traueranbahnung hat...

Liebe Grüße
Petra

Rita2
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 2729
Registriert: 30.09.2004, 09:07
Wohnort: Region Heidelberg-Mannheim

Beitragvon Rita2 » 07.05.2014, 12:04

Hallo Kirsten,

unser Sohn hat seinen Opa tot im Krankenhaus gesehen, etwa 3 Stunden nach seinem Tod. Das hat ihn sehr schockiert. Mich aber auch, ich konnte mir nicht vorstellen, daß ein Toter so anders aussieht. Etwas anderes ist es wahrscheinlich, wenn der Tote aufgebahrt wird, denn dann wird er ja vom Leichenbestatter "hübsch" gemacht.
Unser Sohn hat sich dann geweigert zur Beerdingung mit zu kommen. Erst viel später kam raus, daß er Angst hatte den Opa nochmals zu sehen. Er war damals 13 Jahre alt.
Ein Jahr später ist die Oma gestorben. Da er damals zur Reha war hat sich die Frage nach nochmals anschauen nicht gestellt, da er zuweit weg war. Allerdings kam er dann von sich aus zur Beerdigung mit.

Er hat in dem Jahr dazwischen im Fernsehen die Folge von "Willi wills wissen" über den Tod und das Sterben gesehen. Ich glaube das hat ihm geholfen. Reden konnte man nicht so recht mit ihm über das Thema. Er hat nur abgeblockt.
Vielleicht gibt es die Folge in der Mediathek oder sonstwie über KIGA. Nützt natürlich nur etwas, wenn dein Kind etwas mit der Serie Willi wills wissen anfangen kann.

Ansonsten wünsche ich dir und deiner Familie alles Gute

LG
Rita

PS: Veilleicht könnt ihr irgendwo im Haus oder Garten eine Trauer/Erinnerungsecke für Oma einrichten. Irgendetwas das es für ihn greifbar wird, daß Oma tot ist.
Rita mit Sohn *Dezember 1995, ohne Diagnose,
cerebrale Koordinations- und Tonusregulationsstörung mit Zehenspitzengang, kognitive und sprachliche Entwicklungsstörung, süßer Bengel

Marisa 22
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 790
Registriert: 03.01.2013, 08:53
Wohnort: Südhessen

Beitragvon Marisa 22 » 07.05.2014, 13:44

Hallo Kirsten,
ich sehe das mit dem Anschauen des toten Menschen genauso, wie viele meiner Vorschreiberinnen.
Ich möchte die geliebten Menschen auch so in Erinnerung behalten, wie sie zu Lebzeiten waren.
Ich würde das Bild des toten Menschen auch nie vergessen können.
Mein Mann sagt z.B. er braucht das Ansehen, um den Tod zu realisieren und kann sich so bewusst verabschieden.
Ich kann das schon nachvollziehen, aber ich lehne das für mich und für meine Kinder ab.
Vor vier Jahren starb der Opa meines Mannes, an dem Abend als die Aufbahrung für die Angehörigen war (in einer kleinen Kapelle), bin ich mit meinen beiden Jüngeren Kindern mitgefahren und wir sind dann in der Zeit über den Friedhof gelaufen, haben eine Kerze für den Uropa angezündet und haben von außen in die Trauerhalle reingeschaut.
Ich habe ihnen alles versucht so kindgerecht wie möglich zu erklären und habe ihnen versucht, alle ihre Fragen zu beantworten.
Ich habe auch immer wieder erklärt, das der Tod zum Leben dazugehört.
Ich habe ihnen gesagt, es ist wie mit einer Kerze, solange sie genug Wachs hat, brennt sie.
Und irgendwann ist der Wachs zuende und sie erlischt.
Es war zwar für meinen Mann schwierig in der Situation sich soviel über den Tod in Verbindung mit seinem Opa (er hing sehr an ihm) anzuhören, aber es hat den Kindern gut getan, darüber zu sprechen und zu fragen.
Zur Beisetzung habe ich sie nicht mitgenommen.
Wir sind später, als das Grab dann hergerichtet war hingegangen und die Kids haben ein Blümchen hingelegt.
Die CD von Rolf Zukovski kenne ich auch und finde sie auch sehr schön.
Da ihr ja kein Grab habt, das ihr besuchen könnt, könntet ihr vielleicht einen Abschiedsbrief oder Bild an die Oma mit Ballons oder einer Feuerwerksrakete in den Himmel steigen lassen, oder Blümchen in einem Fluss schwimmen lassen, oder ein Brief/Bild in eine Flaschenpost geben.
Auch ein aufgestelltes Bild mit einer Kerze und ein paar Blümchen dabei an einer ausgesuchten Stelle im Haus hilft bestimmt auch beim Realisieren.
Lg Nicole
Sohn 23J. Entwkl.sstörung,ADS,Lernbehinderung,
Emot. Störung mit soz. Rückzug,Störung d. mot. Funktionen,eheml. Stotterer
Tochter 22J. gesund
Tochter 17J. gesund
Sohn 15J. Entwkl.verzögerung,Lernbehinderung,
ADHS,Störung d.Motorik,
erh. Infektanfälligkeit,Nierenkelch Dilatation rechts
beide Jungs Gendefekt im x Chromosom


Zurück zu „Familienleben“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste