Lehrerbildung und Inklusion

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

Moderator: Moderatorengruppe

Mandy B.
Moderator
Moderator
Beiträge: 7008
Registriert: 29.08.2005, 14:05

Beitrag von Mandy B. »

Hallo Maggie,

wie soll ich mich denn dazu äußern? Es ist doch sinnlos darüber in einem Forum zu diskutieren, das kann doch die Sonderpädagogin nur im persönlichen Gespräch mit ihrem Kollegen klären! Ich werde dazu nicht Stellung beziehen, ich bin nicht dabei gewesen.

Das heißt doch nicht, dass ich die Probleme nicht sehe. Ich finde deine Verallgemeinerungen trotzdem nicht gut. Unvorbereitete Lehrer, die sich nicht selbst überprüfen, weiterentwickeln (und das, wo es nicht mal Geld kostet...)- ich kenne solche Lehrer nicht!

Ich verstehe auch überhaupt nicht, von welchen Skripten du sprichst?! Sowas kenne ich nur von der Uni, aber sicher nicht von der Grundschule. Welche Seitenzahlen? Welche Literaturangaben?
Diese Forderungen zeigen mir persönlich nur, dass du eben keine Ahnung von der Arbeit und dem Arbeitsumfang eines Lehrers hast.
Auch- und trotzdem- du selbst eine Schule besucht hast und deine Kinder eine Schule besuchen.
Ich war auch schon mal im Krankenhaus. Das macht mich aber nicht zum Arzt.

Viele Grüße
Mandy
F. (04/04): neurodegenerative Erkrankung mit komb. Atmungskettendefekt/ Mitochondriopathie

Treasa
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 12
Registriert: 06.11.2009, 16:09

Beitrag von Treasa »

Hallo Maggie,

nein, ich studiere nicht in Weingarten ;)

Es waren auch weniger die Ängste der Dozenten gemeint, sondern die meiner Kommilitonen. Die meisten haben während ihrer Schulzeit noch nie mit Menschen mit Behinderungen zu tun gehabt, viele sind direkt nach dem Abi an die PH gekommen.
Da sind große Unsicherheiten vorhanden, die dann durch solche Äußerungen von Dozenten noch verstärkt werden. Dabei ist doch genau jetzt! die Chance zukünftige Lehrer/innen von der Inklusion zu begeistern. Das negative Bild später wieder aus den Köpfen zu vertreiben wird sicher schwieriger.
Deshalb bin ich wirklich froh, dass ich schon Erfahrungen sammeln konnte und würde mir wünschen, dass auch mehr Leute die Möglichkeit von Praktika, FSJ, etc. wahrnehmen bevor sie an die Uni gehen (gerade weil ich den Fehler das nicht zu tun zuerst auch gemacht habe)...so einige meiner Kommilitonen sind gerade mal 17 Jahre alt.

Liebe Grüße, Teresa

ehemalige Userin

Beitrag von ehemalige Userin »

Treasa hat geschrieben:Hallo Maggie,

nein, ich studiere nicht in Weingarten ;)

Es waren auch weniger die Ängste der Dozenten gemeint, sondern die meiner Kommilitonen. Die meisten haben während ihrer Schulzeit noch nie mit Menschen mit Behinderungen zu tun gehabt, viele sind direkt nach dem Abi an die PH gekommen.
Da sind große Unsicherheiten vorhanden, die dann durch solche Äußerungen von Dozenten noch verstärkt werden. Dabei ist doch genau jetzt! die Chance zukünftige Lehrer/innen von der Inklusion zu begeistern. Das negative Bild später wieder aus den Köpfen zu vertreiben wird sicher schwieriger.
Deshalb bin ich wirklich froh, dass ich schon Erfahrungen sammeln konnte und würde mir wünschen, dass auch mehr Leute die Möglichkeit von Praktika, FSJ, etc. wahrnehmen bevor sie an die Uni gehen (gerade weil ich den Fehler das nicht zu tun zuerst auch gemacht habe)...so einige meiner Kommilitonen sind gerade mal 17 Jahre alt.

Liebe Grüße, Teresa
Umso mehr wird es Zeit, dass umgehend alle Schulen verpflichtet werden Kinder mit Einschränkungen aufzunehmen, inkl. der Gymnasien. Immerhin sind die Abgänger von dort die nächsten Lehreramtsanwärter. Und dann überzeugt mich deine Begründung davon, dass niemand auf Lehramt studieren sollte, der vorher nicht Erfahrungen mit Einschränkungen von Mitmenschen gesammelt hat. Wie sollen sonst solche Ängste abgebaut werden.

LG Maggie

Jojo111
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1200
Registriert: 27.09.2010, 21:35

Beitrag von Jojo111 »

Ich werde heute Abend ausführlich antworten.
Nur kurz: Dieser Thread war ganz bestimmt nicht nur für Pädagogen gedacht, jeder ist herzlich willkommen, sich zum Thema zu äußern.
Ich fände es nur schade, wenn das hier ausartet in Lehrer gegen Eltern und umgekehrt. Wir alle wollen doch das beste für unsere Kinder. Ich selbst bin einerseits Lehrerin, andererseits Mutter und habe einen Sohn, der inklusiv beschult wird. Ich möchte das beste erreichen sowohl für mein Kind als auch für meine Schüler und das geht nur durch vertrauensvolle Zusammenarbeit.
Alles weitere später.
LG, Jojo
mit dem bezaubernden Trio (Mademoiselle 2006, JIA, sehbehindert, SH rechts mit HG versorgt, ADHS --- Monsieur 2006, Asperger, ADHS, LRS, AVWS --- kleiner Charmeur 2010, HFA, SEV, VED, V.a. Tourette)

"Be who you are. And say what you feel. Because those who mind don't matter. And those who matter don't mind." Dr. Seuss

ehemalige Userin

Beitrag von ehemalige Userin »

Hallo Mandy,

es gibt neben Grundschulen auch noch andere Schularten, die meines Wissens ältere Schüler ab Klasse 5/7 besuchen. Da wären Scribte angebracht. Und selbst in der Grundschule können diese und der Umgang damit den Kindern in vereinfachter Form (im Prinzip in leichter Sprache) durchaus auch schon in einigen Fächern angeboten werden. Stell Dir mal vor, wenn man als Eltern zumindest so einen Überblick hätte könnte (fast) jeder seine Kinder auch entsprechend unterstützen. Das fällt manchmal mit einem Blick ins Schulbuch viel schwerer, von der Zettelsammlung ganz zu schweigen.

Welche Seitenzahlen? Die, die es auch einem weniger strukturierten Kind ermöglichen die Zettelsammlung zu ordnen, wenn sie mal durcheinander geraten ist. Komm, wie perfekt sind deine Kinder, dass Du noch nie diese Zettel lose im Ranzen gefunden hast. Ob Du es glaubst oder nicht, es gibt Kinder, die verlieren den Überblick und das sind nicht wenige.

Welche Literaturangaben? Zum Beispiel: Angaben zu Schulbüchern, Internetseiten usw. zum Weiterlesen, oder zu weiteren Übungsaufgaben. Woher bekommen wir unser Material? Aus Buchläden, Bibliothek oder aus dem Internet. Natürlich stark vereinfacht und jeweils altersgerecht, wo ist das Problem.

Unvorbereitete Lehrer, die sich nicht selbst überprüfen.... ist also eine Verallgemeinerung? Ich habe nicht geschrieben alle Lehrer sind unvorbereitet, überprüfen sich nicht selbst... Und damit kannst Du gerne etwas reininterpretieren, aber mir nicht unterstellen, dass ich irgendwas verallgemeinert habe. Genauso gut könnte ich Dir unterstellen, Du würdest damit unterstellen, dass alle Lehrer vorbereitet und zur Selbstreflexion fähig sind, weil Du solche Lehrer nicht kennst bzw. Dir diese Problematik vielleicht ja auch nicht aufgefallen ist, was auch eine Möglichkeit wäre.

Es geht auch nicht darum, dass hier eine Sonderpädagogin etwas mit einer Kollegin oder einem Kollegen klären soll oder nicht. Es geht mir darum, dass sie sich öffentlich äußert und einfach mal erklärt, dass sie eigentlich das/die Kinder besser fördern könnte und es nicht tut. Warum ist dabei erstmal total zweitrangig. Auf der Hand liegt, es wäre eine bessere Förderung möglich und nötig. wWenn das/die entsprechenden Kinder es nun nicht schaffen, können die Eltern diese dann verklagen, weil sie nicht das Mögliche gemacht hat. Ich würde mal sagen nein, weil es keinen Sinn macht. Für das Kind ist es dann eh zu spät und dieses Kind könnte Dein oder mein Kind sein.

Nein, ich bin kein Lehrer, nein ich bin kein Arzt, aber das gibt mir nicht das Recht die Augen zu verschließen. Und wenn es danach geht dürfte keine Mutter mehr gegen die Meinung von Fachleuten ihr Kind in die "Inklusion" schicken oder eine Behandlung verweigern.

Ich habe beides schon getan und werde es wieder tun - mit dem Bewusstsein, dass ich weder Arzt, noch Lehrer bin.

Was machst du eigentlich beruflich, dass du Dir so auf den Schlips getreten fühlst?

LG Maggie

Benutzeravatar
Engrid
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 14524
Registriert: 24.10.2011, 10:36

Beitrag von Engrid »

Hallo,

Ich lese hier gerne und interessiert und (überwiegend) still mit. Ich würde es begrüßen, wenn aus diesem Thread kein polarisierendes ich-bin-für-oder-gegen-Inklusion würde, davon haben wir schon einige (@Maggie), sondern wenn hier ganz sachlich und inhaltlich erörtert wird. Bin gespannt und finde es eine prima Gelegenheit für mich als Mama, mal Infos aus erster Hand "aus dem Lehrerzimmer" zu hören. :wink:

Liebe Grüße, Ingrid
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

ehemalige Userin

Beitrag von ehemalige Userin »

Hallo Sandra,

zur Klarstellung: ich habe es bisher (wenn auch manchmal mit etwas Mühe) geschafft mit jedem Lehrer meiner Kinder ein gutes Verhältnis zu haben. Ich weiß um deren begrenzten Möglichkeiten und diese Wissen um meine Bemühungen für optimale Bedingungen. Kurz ich bin hier nicht gegen Lehrer, sondern mir durchaus bewußt, dass nur es nur gemeinsam geht. Trotzdem bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich höre, dass ein Kind besser gefördert werden könnte und man dem aber nicht nachkommt. Warum auch immer, ist für mich dabei nicht wesentlich. Wenn es nur an Material liegt, was zu spät zur Verfügung steht muss dafür eine Lösung her - sofort. Ich hatte diese Problematik auch und prompt kam in einem Fach eine 4-5, obwohl in allen darauf folgenden Arbeiten (bei uns mündlich geprüft) eine 1-2 stand.

Die Frustration, die ein Kind durch sowas entwickeln kann ist das schlimmste was passieren kann. Und was daraus ist denke ich mal keiner weiteren Erläuterung. 3 oder 4 solcher Ergebnisse hätte in unserem Fall das aus bedeutet, weil ich niemals mehr in der Lage gewesen wäre mein Kind weiter zu motivieren zu lernen.

LG Maggie

ehemalige Userin

Beitrag von ehemalige Userin »

Und ja Ingrid: Ich bin PRO Inklusion, weil es ersichtlich ist, dass Deutschland sich niemals beide Systeme gleichzeitig leisten wird/kann. Alles andere würde bedeuten, dass Kinder, die es durchaus schaffen können weiter in Förderschulen müssten und dies ist genauso ungerecht, wie Kinder, die dem Unterricht nicht folgen können in Regelschulen ohne ausreichende Betreuung und Förderung zu schicken.

Mir ist durchaus schon mal aufgegangen, dass alle vor einem Problem stehen, was so einfach nicht zu lösen ist. Aber das bedeutet auch nicht, dass wir auf eine Lösung von "oben" warten können, sondern so wie es aussieht müssen Einzelfalllösungen für jedes Kind, aber auch für jede Schule her. Was wir sicherlich nicht brauchen ist der Versuch ein "einheitliches Konzept" zu schaffen.

Mir ist übrigens auch schon mal aufgegangen, dass viele der jetzt inkludierten Kinder Versuchskaninchen -im Versuch dieses einheitliche Konzept zu schaffen - sind.

LG Maggie

Ilse B.
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 494
Registriert: 17.10.2007, 16:28
Wohnort: Niedersachsen

Beitrag von Ilse B. »

Hallo Maggie, ich habe das durchaus nicht so verstanden, dass Du verallgemeinerst. Dass es zum Thema Inklusion an Schulen fast keine Aus- und Fortbildung für Lehrer gibt, das erlebe ich auch so an den Schulen meiner Kinder und ich höre es von Seiten meiner Verwandten, die Lehrer sind bzw. waren (frisch pensioniert :lol: ) Übrigens, es heißt Skript und nicht Scribt.. (besserwiss- belehrmich).
Meine Tochter Katy macht gerade Abitur und stolpert immer wieder über die miese Vorbereitung durch ihre Lehrer. Sie hat sich seit Januar selber Scripten erstellt in allen ihren Prüfungsfächern...
Es fängt damit an, dass statt mit A mit B angefangen wurde und (gerade in Bio) der Stoff völlig ungeordnet vermittelt wurde. Lies mal die wilden Kommentare zur NDS-Abi-Bioklausur in "abiunity" (ein Forum für Schüler, die das Zentralabitur bestehen wollen, dann weisst Du, was ich meine).
Katy hat selber Ideen entwickelt, wie man zB. die Reizleitung in den Zellen verdeutlichen könnte: Schüler, die einander anstupsen, der letzte steht dann auf und macht was... Sie sagt, dass Lehrer nicht nur abstrakt ihren Stoff wiederkäuen, sondern sich durchaus überlegen sollten w i e sie ihren Schülern was beibringen. Das können sie nur, wenn sie sich eben gezielt vorbereiten. Und dabei vielleicht noch berücksichtigen, verschiedene "Kanäle" zu benutzen, um Stoff zu vermitteln. Wie z.B. bei der Reizweiterleitung.. LG Ilse

Benutzeravatar
MartinaSoPäd
Professional
Professional
Beiträge: 1164
Registriert: 25.09.2008, 13:23
Wohnort: Berlin

Beitrag von MartinaSoPäd »

Hui. Nun haben wir aber eine Beteiligung! Das find ich gut!

"Kurz" zu meinem "Spontan und kreativ" Einsatz in Geschichte/Erdkunde:

Der Klassen- und Fachlehrer hat definitiv einen "roten Faden" für beide Fächer. Und er achtet sehr wohl sehr darauf, dass Schulstunden wenn möglich nicht aus dem Kontext gerissen werden. Das bedeutet, wenn in der Erdkundestunde am Dienstag eine bestimmte Sache nicht fertig wurde, wird ggf. am Donnerstag die Geschichtsstunde (es steht im Stundenplan ja GeWi - da zählt beides drunter) zur Erdkundestunde, und in der nächsten Woche ist es dann evtl. andersrum. Er macht sich auch nicht vor der Tür erst Gedanken, was er macht, sondern er überlegt abends vorher, wie GENAU er es macht, die Unterrichtseinheit im großen Überblick hat er selbstverständlich im Kopf (sonst kann man ein Schuljahr gar nicht planen!). Also WELCHES der 10 zur Verfügung stehenden Texte, Bilder, konkreten Aufgaben zum Bereich X in Thema Z er denn nun nimmt. Und ich sehe das dann halt relativ spontan. Sonst könnte ich Infotexte z.B. in einfache Sprache umwandeln, unterstützende Bilder einbauen, EINEN Aspekt rausnehmen und mit den GE Schülern dazu was machen, was dann im Klassenverband wieder auftaucht. Und genau DAS muss ich eben spontan erfassen dann. Wobei man auch sagen muss: eig. ist die Zweitkraft dort im Unterricht auch eine Fachkraft, zur Zeit aber langfristig erkrankt und ich bin Ersatz, damit überhaupt eine Zweitkraft im Unterricht vorhanden ist. Ich verzichte dafür auf meine 2 (gesetzlich festgelegten...) Hospitationsstunden in der Woche, die ich "rumschnuppern" soll innerhalb der Schule, um zu schauen, wie die einzelnen Lehrer was handhaben.

Für morgen haben der Lehrer und ich uns eng abgesprochen. Wir wissen diesmal, wann die drei Schüler im Klassenverbund sind, wann sie in den extra Raum gehen, und was wir da machen (etwas vorbereiten für das Filmprojekt zum Geschichtsthema). Aber das klappt eben leider nicht immer (und nein, ich nehme das nicht so hin sondern natürlich diskutiere ich da mit dem Lehrer drüber. Für den ist das aber eben auch neu und muss sich erst noch reinfinden).

Aber: ja. Das ist eine 7. Klasse, neu an der Schule, der Klassenlehrer hatte noch nie Schüler mit Förderbedarf in der Klasse und ist unerfahren. Auch die Klassenkameraden können damit noch nicht gut umgehen (also mit den FSP GE Schülern). Aber daran wird gearbeitet. Wir Sonderpädagogen setzen uns regelmäßig zusammen mit den Regellehrern, besprechen, was klappt, was klappt nicht, was können wir ändern, was müssen wir ändern, und WIE? Und da "motze" ich nicht nur, sondern bin aktiv dabei. Zuletzt gab es eine Rückmeldung an die Schulleitung: uns fehlt in einigen Stunden eine benötigte Lehrkraft. Das muss die SL machen - aber WIR sind dafür verantwortlich, das zurückzumelden - klar.


In Biologie, das ich eigenständig von Anfang an unterrichte, greife ich übrigens eigentlich so gut wie nie auf die reinen Bücher zurück. Bisher habe ich fast jedes Arbeitsblatt aufwendig selbstständig gestaltet, um eben genau das Anforderungsniveau meiner Schüler zu treffen. Das kostet wahnsinnig Zeit. Zumal man extrem aufpassen muss, wegen Copyright Rechten bei Bildern und so weiter. Man darf auch aus Schulbüchern, Übungsheften usw. nicht oder nur sehr reduziert kopieren. Ach, Anschauungsmaterialien werden selbst hergestellt oder gekauft - von MEINEM geringen Gehalt übrigens (als Ref verdiene ich weniger als als ungelernte Pflegeassistenz, und ich denke, ihr alle wisst, dass der Stundenlohn in dem Bereich unter 10 Euro liegt...). Das wird von Refs aber auch erwartet, dieser Aufwand.

Wer hatte wegen Bio, Erregungsleitung in den Nerven, was erzählt? Statt Schülern kann man Dominosteine nehmen! Damit lässt sich das Reiz-Reaktions-Schema erklären, das Alles-oder-Nichts-Prinzip und bei einem bestimmten Aufbau, wieso das mit den Myelinscheiden und Schnürringen schneller geht...

Zum Thema "roter Faden" und "Skripte"... bei uns wird viel, immer mehr werdend und als Ziel *überall* mit Kompetenzrastern gearbeitet. Zu jedem Thema und Themenbereich ist sehr genau aufgeschlüsselt, was gelernt werden soll. So wird die Notengabe transparenter und die Schüler haben mehr Eigenverantwortung sowie Überblick, WAS genau sie tun müssen, um evtl. eine Notenstufe höher zu erreichen. (Das ist auch für uns Lehrer gut). Außerdem kann ein besserer/schnellerer Schüler schneller weitergehen als einer, der länger braucht. Man muss nicht aufeinander warten. Diese Kompetenzraster sollen so aufgebaut sein, dass wenn möglich JEDER Schüler der Schülergruppe das niedrigste Niveau erreichen kann. Für Schüler mit L oder GE wird dann aber anders eingeteilt (je nachdem wies benötigt wird).

Ich habe die ewigen langweiligen Diskussionen satt, indem nicht einmal ernsthaft in Erwägung gezogen wird, dass eine Wochenendfortbildung garantiert keine Weiterbildung ist, sondern nur ein Pseudoveranstaltung, bei der es noch Fortbildungspunkte gibt.
Ich glaube, niemand der in dem Bereich arbeitet, Regellehrer oder nicht, glaubt, dass das auch nur ansatzweise ausreicht. Das denken höchstens Politiker. Oder sagen es zumindest. Das gibt allenfalls Impulse, in welche Richtung man sich selbst weiterinformieren könnte! Ich kenne zumindest nur Leute, die das so sehen (leider machen es die wenigsten dann auch, also sich selbst weiterbilden.)
Genauso habe ich sinnfreie Diskussionen satt, die nur dazu dienen sich täglich wieder klar zu machen, dass es für Inklusion viel zu früh ist und erstmal die anderen machen müssen, bevor man seine Arbeit beginnen kann.
Es ist nicht zu früh ;-) Also, meiner Meinung nach. Klar, die Bedingungen sind häufig besch***en. Aber irgendwo MUSS man anfangen. Und ja, WIR, JETZT im Schuldienst tätigen bzw. Eltern müssen das *an die da oben* zurückmelden. Solang es "irgendwie" funktioniert, FUNKTIONIERT es ja, und dann wird nix geändert. (Unsere Schüle überlegt gerade, wie die wirkliche Mehrarbeit durch Krankenausfälle "nach oben" gemeldet werden kann. In Krankheitsfällen wird wenn möglich Unterrichtsausfall vermieden. Wir können uns keine Kollegen schnitzen, daher wird dann oft aus anderen Klassen die Doppelsteckung rausgeholt. Die Kollegen unterrichten dann allein, was anders geplant war und sich selbstverständlich negativ auf die Qualität auswirkt. Aber kein Ausfall, freut den Senat natürlich, in der Statistik sieht es dann nämlich gut aus ;-)
Aber genau so ein Thread hat hier noch gefehlt. Ich stelle mir gerade vor, dass eines der 3 Kinder, für die deren Unterrichtsstunde du unvorbereitet bist mein Kind wäre. Hast Du das mal den Eltern gesagt, damit diese die Möglichkeit haben irgendetwas dagegen zu unternehmen?
Im Ernst? Diese Kinder haben in der Grundschule zu einem hohen Prozentsatz zwar "in der Klasse" gesessen. Aber etwas gelernt? Entweder vor dem AB, ohne es lesen zu können oder zu verstehen. Oder sie haben Mandalas gemalt (die können ja alle reden und mir erzählen, was früher anders war. In Mathe beschwert sich der eine Junge immer, dass wir nun nicht immer nur Spielen. Oder wenn, dann Mathespiele machen und nicht Pokemon oder am Handy...und wann er denn Abitur machen kann?). Ich bin eigentlich ziemlich überzeugt davon, dass ich es in den meisten der "spontanen" Stunden schaffe, etwas für diese Schüler relevantes abzuleiten. Bestimmt nicht immer, und bestimmt nicht immer optimal. Aber ich kenn die Schüler ja nun schon, weiß, was sie können, was sie überfordert, auf welchem "Kanal" ich ihnen das Thema näherbringen kann. Es ist nur für MICH eine ungeheure Anstrengung, innerhalb weniger Minuten diese Transferleistung zu erbringen. Ich bin ja nicht dumm, und wir sind hier in der 7. Klasse... wenn ich ein AB kurz überfliege und den Arbeitsauftrag lese, bin ich durchaus in der Lage, das hinzukriegen. Didaktisch nicht wunderhübsch, das ginge mit Vorbereitungszeit besser, aber doch so, dass es "nicht fürn Hintern ist" und die Schüler was mitnehmen.

Jetzt ist es soviel Text geworden, aber irgendwie wollte ich mich doch etwas "rechtfertigen". Es ist bestimmt nicht optimal. Aber wer "sofort optimal" verlangt, landet tatsächlich wieder beim Argument "bevor das nicht alles passt, dürfen wir keine Inklusion anfangen". Wir wir nun von verschiedenen Städten gehört haben, bereitet selbst uns, die wir jetzt noch recht frisch dabei sind, niemand wirklich drauf vor. Die älteren Lehrer noch weniger (sofern das geht...). Natürlich gibt es da Probleme und hakt es an der ein oder anderen (häufigeren) Stelle.

Ich halte unsere Schule trotzdem für sehr fortgeschritten und in die richtige Richtung gehend - angekommen sind wir noch lange nicht. Aber das Kollegium ist überwiegend motiviert und trägt das gemeinsam und ist um Lösungen bemüht. Es wird schon!

Und nun lese ich die anderen Beiträge nochmal ;-)

Martina
Martina (*81)
Selber Reizdarm, V.a. Asperger
Tochter R. (*05.15) (Medulloblastom 5.19 entfernt, Bestrahlung ab 6.19, Chemo ab 8.19 - vorauss. 9.20, PEG ab 11.19)
Sohn C. (*29.8.18)

Antworten

Zurück zu „Kindergarten und Schule“