Lehrplan Förderschule Lernen

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Rita2
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Re: Lehrplan Förderschule Lernen

Beitrag von Rita2 »

Hallo,

ich kenne nur 3 Kinder die von der Regelschule auf die Förderschule (immer die Gleiche) gewechselt sind. Alle drei wurden ein Jahr zurückgestuft. Die Begründung war, daß die Kinder so viel Mißerfolg hatten und sie jetzt mit Erfolg neu anfangen sollen. Zudem hätten sie auf der Grundschule nicht so viel gelernt, da sie ja mit dem Stoff überfordert waren. Das ganze ist jetzt aber schon so ca. 15 Jahren her. Verstanden habe ich es damals auch nicht. Aber es war nicht mein Kind, und so gut habe ich die Eltern auch nicht gekannt.

LG
Rita
Rita mit Sohn *Dezember 1995, ohne Diagnose,
cerebrale Koordinations- und Tonusregulationsstörung mit Zehenspitzengang, kognitive und sprachliche Entwicklungsstörung, süßer Bengel

sandra8374
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Re: Lehrplan Förderschule Lernen

Beitrag von sandra8374 »

Klasse wiederholen habe ich nicht erlebt.

Mein Sohn wechselte nach dem 1. Schuljahr.
Grund: Klasse war zu groß für ihn, Lernstoff zu komplex (auch erklärt), er ging seid den Herbstferien nur weinend zu Schule und kam weinend wieder.
In der Förderschule ist er dann aufgeblüht. Ging gerne hin, lernte gut und war bei den besseren Schülern dabei. Abschluss 2019.
Bei uns an der LB wird in Kursen unterrichtet je nach Lernstand.

Guck dir die Schulen an. Führ Gespräche u.a. auch mit Eltern.
LG Sandra

S+F mit PT(*00 FAS, Microdelitation 16p11.2, ADHS, GB, Z.n.Absencen?, Sehfehler, Lordierung LWS, Skoliose 17,8%, Beckenschiefstand, Hüftkontraktur, Korsettversorgung, mit SBA 90 HBG) u. PS (*01 ADS, GB, Sehfehler, Knick-Senk-Füße, Z.n.Epilepsie, mit SBA 60)

SandyErgo
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Re: Lehrplan Förderschule Lernen

Beitrag von SandyErgo »

Mimo hat geschrieben:
10.02.2021, 20:46
Was waren denn eure Gründe dafür, eure Kinder in der Förderschule lernen zu lassen?
Die Große ist an der Sprachheilschule (mit Regelplan) gestartet. Da hat sich im Laufe der 2. Klasse rausgestellt - dass ihre Probleme weniger im sprachlichen Bereich liegen, sondern wirklich auch kognitiv.
Sie ist dann nach der 2. Klasse problemlos mit dem neuen Schuljahr in der 3. der Lernförderschule gestartet.
Und auch all die anderen Kids, die entweder unterjährig oder mit dem Beginn eines neues Schuljahres von einer Oberschule gewechselt sind - mussten nicht wiederholen, sondern sind regulär weitergegangen: also unterm Jahr in der gleichen Klassenstufe und am Schuljahresbeginn ganz normal in die neue Klassenstufe.
Hier läuft es mit so einer Art Probebeschulung - die Kids können bis zu 12 Wochen zur Probe in die neue Klasse gehen. In dieser Zeit wird geschaut, wie es klappt und die Diagnostik findet statt. Würde man in dieser Zeit feststellen, dass die Kids in dieser Klassenstufe immer noch Probleme haben - würde es vermutlich zu einer Rückstufung kommen >> habe ich bislang aber noch nicht erlebt.

Bei Junior war es ungleich komplizierter.
Der sollte eigentlich auch an die Sprachheilschule.
Die haben ihn aber nach der Diagnostik abgelehnt - kognitiv wäre er nicht gut genug und Verhalten wäre auch nicht ok
Deshalb wurde er auf der Lernförderschule eingeschult. Dort haben sich dann im ersten Schuljahr die Verhaltensauffälligkeiten so zugenommen (ok, die Lehrerin war auch nicht wirklich motiviert, ...) dass wir ihn im SPZ haben testen lassen. Da kam die Vermutung, dass zum einen wohl ADHS eine Rolle spielt und zum anderen er wohl unterfordert ist.
Deshalb ist er kurz nach Schuljahresbeginn der 2. Klasse an eine SE-Schule gewechselt. Da musste er dann aber die 1.Klasse wiederholen > weil der Lernstand der L-Schule massiv abwich -- er hatte nach gut einem Jahr Schule nur 2-3 Buchstaben mehr gelernt wie die Schulanfänger in diesen 3 Monaten.
An der FS SE war er nun 4 Jahre. Leider ist dies nur eine Grundschule. Und nun standen wir wieder vor der Frage: Wie weiter? Wechsel an die L-Schule? Wie oben schon mal geschrieben, hat er in den Hauptfächern jetzt schon Dinge gelernt, die die Große in der 6. der L-Schule gemacht hat > meine Sorge war da einfach, dass er sich wieder langweilt und auf dumme Gedanken kommt. Wechsel zur weiterführenden SE-Schule? Da passt er einfach vom Klientel nicht rein - und die sind auch alle weiter weg. Und eine richtige weiterführende Sprachheilschule - denn Sprache ist auch immer noch ne Baustelle - gibt es leider nicht.
So werden ihn für's neue Schuljahr an einer "normalen" Oberschule hier anmelden - als Kind mit Integrations-/Inklusionsstatus. Der Förderstatus wird noch mal geschaut - ob er evtl. von SE auf Sprache wechselt.
Und wenn er wirklich nicht zurechtkommen sollte - bleibt immer noch die Option, auf die Lernförderschule zu wechseln - die seine Schwester besucht und wo er damals eingeschult wurde. Wäre er jetzt nach der 4. dahin gewechselt - hätte ich evtl. versucht, ob er ein Jahr springen kann. Wenn der Wechsel von der Oberschule dann erfolgen sollte - definitiv dann aber ohne Rückstufung.
Mama 12/77
mit Tochter 11/06 FG 30+6 (nach HELLP-Syndrom) Kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit noch leichter Sprachentwicklungsstörung, Hämochromatose (homozygot C282T im HFE-Gen)
und Sohn 08/09 FG 34+1 ADHS und kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit starker Betonung der aktiven Sprache

Lisa Maier
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Re: Lehrplan Förderschule Lernen

Beitrag von Lisa Maier »

Hallo Mimo,

Ich kenne eine Frau, die, weil körperlich behindert, in eine KB-Schule ging. Diese unterrichtete aber mangels geistig fitter Schüler auf L-Niveau. Wie das Mädchen in der 7ten Klasse wegen chronischer Unterforderung renitent wurde und die Lehrer dann zugaben, daß sie dort eigentlich nicht hingehört, wurde sie zum Schuljahreswechsel an eine Schule mit Regellehrplan versetzt - allerdings nicht in die 8te sondern in die 6te. Und auch dort hatte sie noch einiges nachzuholen.
Um ein normalbegabtes Kind in eine L-Schule zu schicken, müssen meiner Meinung nach schon sehr gravierende Gründe vorliegen.

Viele Grüße
Lisa

MonikaE
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Re: Lehrplan Förderschule Lernen

Beitrag von MonikaE »

Guten Morgen,
unser PS(11) besucht eine KB Schule.Diese bietet drei Beschulungsmöglichkeiten an:geistige Entwicklung,LB oder Grundschullehrplan.
Obwohl unser PS Grundschulniveau hat würde er dieses Tempo nicht schaffen und bleibt im Bereich LB.
Diese Schule war unser großer Wunsch für ihn, obwohl die motorischen Besonderheiten nicht im Vordergrund standen.
Uns war es wichtig, das eine Schule ihm Schutz bieten kann, er keine Diskriminierung erleben muss, seine Besonderheiten nicht nur negativ gesehen werden, seine Talente sein Charme und seine Persönlichkeit bemerkt werden....
An der Förderschule erlebt er, das er nicht der Schwächste ist, vieles besser und vieles(noch) gar nicht kann.
Er sieht Kinder mit Besonderheiten, er ist nicht alleine.
Die Lehrer haben Sonderpädagogik studiert und sich bewusst für dieses Studium entschieden, das ist für mich ein wichtiger Punkt.Ein Grundschullehrer hat sich für diese Besonderheiten nicht entschieden (das ist nicht negativ gemeint)

Unsere LB Schule hätte unserem PS keinen Schutzraum bieten können, unsere kleine PT hat eine LB Schule mit Erfolg besucht ,die Große eine GB Schule, ein PS die Regelschule — so wie es zum Kind passte

Viele Grüße

Mimo
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Re: Lehrplan Förderschule Lernen

Beitrag von Mimo »

Danke für eure aufschlussreichen Antworten. Die bringen mich schon ein ganzes Stück weiter.
@Lisa: Meine PT ist trotz normalem IQ in vieler Hinsicht schwer beeinträchtigt durch FAS/ADHS und Frühtraumatisierung. Sie hat einen SBA von 80 und Pflegegrad 3 und eine seelische Behinderung.
Aber genau das ist aktuell mein Problem, das ich noch nicht einschätzen kann, was sie tatsächlich kann oder nicht kann, bzw ob sie in der Regelschule langfristig überfordert oder aber in der Förderschule unterfordert wäre.

Meine Tochter hat große Probleme in Deutsch. Nachdem sie im Vorschulalter recht schnell erste Silben und kleiner Wörter gelesen hat (alle Buchstaben und Zahlen konnte sie schon vor dem 3. Geburtstag), ging das Lesenlernen ab Mitte 1. Klasse nur noch stockend voran. Sie hat das Lesen über Monate komplett verweigert, mit dem Schreiben fängt sie jetzt erst an, davor hat sie sich auch verweigert. In Deutsch ist sie mindestens ein halbes Jahr hinterher.
Wir sind aktuell dabei, zu testen, ob es sich um eine LRS handelt. Es könnte aber auch sein, dass sie einfach nur langsamer lernt in Deutsch. (Man muss dazu sagen, dass meine Tochter die jüngste in der Klasse ist, sie wurde direkt vor der Einschulung erst 6.) Eine andere Möglichkeit wäre, dass sie einfach nicht "will". Dafür, dass sie selten Lesen übt, klappt es nicht schlecht.
Verweigerung ist auch in anderen Fächern ein Problem. In Sport hat sie die komplette erste Klasse einfach nicht mitgemacht.
Mathe klappt hingegen gut. Vor dem Lockdown wurde ein Test geschrieben, in dem hatte sie 29 von 31 Punkten, wobei sie bei zwei Textaufgaben Hilfe brauchte (was natürlich an den Leseschwierigkeiten lag).

Insgesamt wirkt meine Tochter in der Schule sehr unselbständig, was sie zuhause in alltagspraktischen Dingen gar nicht ist. Sie kann in der Schule nichts allein, fordert überall Hilfe ein. Sogar beim An- und Ausziehen nach dem Sportunterricht. Weil sie das schon alleine macht und kann, seitdem sie 3 ist, stellt sie da natürlich die Frage, was sie tatsächlich nicht kann, und wo sie einfach die Aufmerksamkeit genießt, die sie bekommt, wenn sie nach Hilfe fragt.

Hier zuhause im Homeschooling kämpfen wir immer mehr mit einer ständigen Anstrengungsverweigerung. Alles ist zuviel. Wir bekommen die Aufgaben nicht fertig. Arbeiten immer noch am Wochenende nach. Es wird viel Zeit verloren mit Verweigerung und "Theater". Z.B. in Deutsch Endlosdiskussionen darüber, warum man da nun "Lehrerin" und nicht "Leo" hinschreiben muss usw. Dann wird wieder lange gespitzt, diskutiert, geschimpft und geklagt. Es geht einfach nicht vorwärts. Aber in den meisten Fällen nicht, weil meine PT es nicht kann, sondern weil sie einfach keine Lust hat, alles scheint ihr zu mühselig. Und dann fängt sie lieber gar nicht erst an, sondern schimpft, diskutiert, klagt, zerreisst das Arbeitsblatt oder kritzelt drauf. Dann muss das natürlich erst wieder radiert oder geklebt werden .... Und so vergeht viel Zeit und nichts oder nicht viel ist geschafft.

Also ich bin mir sicher, dass sie die Regelschule kognitiv schaffen würde, wenn sie sich innerlich darauf einlassen könnte. Aber das kann sie bislang aufgrund der seelischen Behinderung nicht. Sie steht sich oft selbst im Weg, und wirkt mit der Menge an Aufgaben einfach permanent überfordert, eben weil es ihr an Motivation fehlt, an Frustrationstoleranz und Impulskontrolle.

Anna-Nina
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Re: Lehrplan Förderschule Lernen

Beitrag von Anna-Nina »

Hi,
also ich würde mir das auch gut überlegen, wenn das Kind eine normale Intelligenz hat.

Ich selber unterrichte seit fast 20 Jahren Nachhilfeschüler in Mathematik. Ich hatte von Hochbegabten bis zum Förderschüler bisher sehr viel sehen können. Auch hatte ich schon ein paar Schüler mit einem IQ knapp über 90 oder bei gerade 90. Gerade die Schüler mit einem IQ von um die 90 haben sich sehr schwer getan in der Schule - sie mussten viel lernen, waren oft überfordert ABER sie alle haben sogar die Realschule geschafft! Zwar die meisten erst die Hauptschule und danach nochmal die Realschule - aber es ging.

Diese Schüler mussten sich wirklich ganz arg anstrengen und viel lernen - haben meist nur eine 3-4 in Mathe geschafft, trotz intensivem Nachhilfeunterricht - aber sie haben es alle geschafft....

Und die Grundschuljahre waren bei ihnen auch leider nicht so einfach....

Wenn würde ich die KME-Schule empfehlen dort wird auch nach Regellehrplan unterrichtet und es werden viele Pausen eingelegt über den ganzen Tag. Meine Tochter schafft den Ganztag total locker obwohl sie sehr schwer krank ist und ich da echt Bedenken hatte. Die Lehrer merken, wenn die Kinder nicht mehr können und machen dann immer ganz tolles pädagogisches Alternativprogramm zur Enspannnung - ich bin total begeistert von der Schule. Meine Tochter ist total glücklich inzwischen.

LG
Anna

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Alexandra2014
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Re: Lehrplan Förderschule Lernen

Beitrag von Alexandra2014 »

Hallo!

Ich kann da auch noch ein Beispiel bringen. Mein Neffe war als kognitiv fitter Asperger auf einer Förderschule Lernen, weil er einfach die kleinen Klassen brauchte und es sonst keine Alternative gab zur Regelschule (die aufgrund der sozialen Komponente überhaupt nicht klappte).
Er hat auf der Förderschule seinen Hauptschulabschluss gemacht, eine Ausbildung im BBW angeschlossen und dann auch noch au dem 1. Arbeitsmarkt eine Ausbildung abgeschlossen. Für ihn war die Förderschule Lernen die letzte Rettung!

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

Lisa Maier
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Re: Lehrplan Förderschule Lernen

Beitrag von Lisa Maier »

Hallo Monika,
wenn er im Lernen zu langsam ist, ist das ja auch richtig. Ansonsten ist gerade für stärker körperlich Eingeschränkte eine gute Schulbildung immens wichtig. L-Schule bei starker Körperbehinderung ist meist eine Fahrkarte in die WfB und damit zur lebenslänglichen absoluten wirtschaftlichen Abhängigkeit. Das sollte man immer bedenken. Klar kann man theoretisch auch vom L-Niveau bis zum Hochschulabschluss kommen, aber da wird man sehr alt.

Viele Grüße
Lisa

PS: Vielleicht ist das Mädchen einfach noch nicht richtig schulreif? Baustellen hat es genug und ist doch noch recht jung.

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Re: Lehrplan Förderschule Lernen

Beitrag von Rita2 »

:o :evil: jetzt habe ich einen lange Antwort geschrieben und alles ist weg. :o :evil:

Ich versuche später nochmal zu antworten.
Rita mit Sohn *Dezember 1995, ohne Diagnose,
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