Regelgrundschule oder Förderschule?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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louisem
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Regelgrundschule oder Förderschule?

Beitrag von louisem »

Hallo zusammen,

Wir sind im Moment nicht sicher was wir mit unserem Jakob tun sollen und bitten euch um Rat! Vielleicht kann uns ja jemand aus eigener Erfahrung etwas berichten?

Unser kleiner wird dieses Jahr 7 Jahre alt und geht seit September 2020 in einen Regelkindergarten, davor war er in einem speziellem Kindergarten. Er hat eine Bein betonte ICP und kann nicht frei Laufen (am Walker macht er das ganz gut :) ), außerdem hat er große Schwierigkeiten bei der Stifthaltung was ihm das schreiben fast unmöglich macht.
Gott sei Dank ist er geistig voll Fit und sonst auch ein pfiffiges Kerlchen!

Nun steht die Entscheidung an ob er wie seine gesunde Zwillingsschwester ab September auf die Regel Grundschule bei uns im Ort soll oder er alternativ auf eine spezielle Einrichtung soll. Wie läuft das wenn er nicht schreiben kann? Geht das dann überhaupt?

Eigentlich ist er Fit genug für die ,,normale" Schule und hat in seinem jetzigen Kindi auch schon Kontakte geknüpft, er müsste nicht jeden Tag mit dem Bus lange durch die Gegend fahren und wäre auch bei seiner Schwester...
jedoch haben wir auch Angst das es ihn entmutigen könnte wenn er im Unterricht nicht gleich mitmachen kann wie die anderen.

Viele Grüße aus dem Süden!
Louise mit

Noah 12\12 gesund

Emma 08\14 Frühchen 29+2 gesund
Jakob 08\14 Frühchen 29+2 mit ICP \ Tetraparese

Anne_mit_2
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Re: Regelgrundschule oder Förderschule?

Beitrag von Anne_mit_2 »

Hallo Louise,

seid Ihr schon in Kontakt mit der zuständigen Regelgrundschule? Versucht mal, das dort zu thematisieren. Es gibt Grundschulen, die machen in einer solchen Situation einen wirklich guten Job, und andere, die sich völlig querstellen/nur Mist bauen. Inklusion kann nur funktionieren, wenn alle dafür offen sind (Achtung: Ich spreche hier weder von Erfahrung haben noch von Inklusion im Konzept stehen haben. Ich spreche von innerlich dafür offen sein.). Daher kann es selbst bei gleichem Behinderungsbild keine pauschalen Antworten geben.

Viele Grüße,
Anne

Jutta T
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Re: Regelgrundschule oder Förderschule?

Beitrag von Jutta T »

Hallo,

ich kann Anne nur beipflichten - die Regelschule muss es wollen, sonst macht es keinen Sinn.
Bei uns war es damals so, dass die Regelgrundschule nicht wollte, die Schulleitung sagte uns "Wir MÜSSEN ihn ja nehmen, aber eigentlich macht er uns zuviel Arbeit"!!!!

Zum Thema Schreiben kann ich Euch eine Reha mit dem Schwerpunkt Graphomotorik empfehlen.
Mein Sohn hat so gelernt, den Stift richtig zu halten und zu schreiben/malen.

Mein Sohn ist bereits 18 Jahre, aber so wie Du Deinen Sohn beschreibst, könnte es meiner sein ;o)

LG Jutta
Gruss
Jutta

Jörg75
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Re: Regelgrundschule oder Förderschule?

Beitrag von Jörg75 »

Moin,

unser Sohn ist letztes mit einer ICP in die Regelgrundschule gekommen. Er ist Rollifahrer und hat auch mit der Stifthaltung MASSIVE Schwierigkeiten.
Bei uns hat die Regelgrundschule immer gesagt: "Wir nehmen ihn, er kann zu uns kommen, wir wollen ihn haben" (und zwar die regional zuständige Grundschule, wir haben uns gegen die nach niedersächsischen Schulgesetz mögliche Schwerpunktschule durchgesetzt). Erstmal mussten wir die Regelgrundschule jedenfalls halbwegs barrierefrei bekommen (mit einem Containerklassenraum), ansonsten geht die Schule/ die Klassenlehrerin gut auf ihn ein, er hat aber auch eine eigene Schulbegleiterin. Er bekommt vieles auf A3 ausgedruckt, so dass er grobmotorisch besser schreiben kann, er "darf" von der vorgesehen Schreibweise der Buchstaben abweichen, wenn das für ihn leichter ist; wir sind jetzt dabei, in Absprache mit der Schule und der Förderschule KME, an die wir über den mobilen Dienst "angedockt" sind, mit dem iPad, der App SnapType Pro, einer zusätzlichen Tastatur und ggfs. einem Apple Pencil zu arbeiten.
Er hat für "normale" Stifte einen auf den Stift steckbaren Ball als "Vergrößerung" zum Greifen, arbeitet mit extra-dicken (und weichen) Bleistiften, weil die vom Gewicht her für ihn besser sind - alles "angezettelt" von der Klassenlehrerin, der KME-Lehrerin und uns Eltern.

Es geht (ohne weiteres) - wenn es alle Seiten wollen. Wenn unsere Regelgrundschule es nicht gewollt hätte, dann wären wir da jetzt nicht - das muss man klar so sagen. Ich kann euch auch nur raten, schnellstmöglich mit der Grundschule zu sprechen, wo ihr ihn haben möchtet!
Ich fände es ausgenommen traurig, wenn ein körperlich behindertes Kind, das geistig fit ist, schon im Grundschulalter auf eine spezielle Einrichtung müsste und nicht in der regionalen Grundschule bleiben könnte, wo er die anderen Kinder aus dem Kindergarten bereits kennt!

Gruß
Jörg
K., *2013, Extremfrühchen (27. +3 SSW), ICP, GdB 100 G aG H B, PS II+/ PG 4
J., *2016, aktuell keine Besonderheiten

Unsere Vorstellung

Anna-Nina
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Re: Regelgrundschule oder Förderschule?

Beitrag von Anna-Nina »

Hallo,

bei uns lief das damals ganz blöd. Die Rektorin der Regelgrundschule wollte meine Tochter unbedingt haben und redete mir die Förderschule quasi aus. Mein Bauchgefühl sagte mir eigentlich, dass mein Kind den besonderen Schutz und die Umgebung einer Förderschule dringend braucht. Mein Umfeld redete mir ebenfalls die Förderschule aus.

E. wurde dann in die Regelschule eingeschult und noch vor der Einschulung kam ein Verabschiedungsbrief der Rektorin, dass sie die Schule spontan verlässt. Es gab keinen Rektor und Sozialarbeiter mehr. Die Lehrer hatten freie Handhabe und waren absolut gegen meine Tochter. Sie zog sich einige Verletzungen in der Schule zu - die Schulbegleitung war ständig krank. Sie durfte nicht mit zum Rodeln, Theater etc. ohne, dass ich mitkommen musste.

Es waren die schlimmsten 6 Monate die ich bisher erlebt habe. Und jetzt läuft es so super auf der Förderschule - und das Beste die Förderschule KME hat jetzt sogar regulär während Corona offen, sodass meine Tochter auch zu Corona beste Förderung erhält und unsere Famile dadurch auch entlastet wird und ich die fitte Tochter zuhause besser beschulen kann.

Das sind meine Erfahrungen.

LG
Anna
Zuletzt geändert von Anna-Nina am 11.01.2021, 17:57, insgesamt 1-mal geändert.

Anna-Nina
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Re: Regelgrundschule oder Förderschule?

Beitrag von Anna-Nina »

PS: wir haben auch Zwillinge ;). Die Trennung tut den beiden auch enorm gut - sie haben sich richtig viel zu erzählen, wenn sie beide nach Hause kommen. Ich bin total froh, über die Trennung!

Karin2308
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Re: Regelgrundschule oder Förderschule?

Beitrag von Karin2308 »

Hallo,

mein Kind ist ein extremes Frühchen mit einer ICP und einigen anderen Extras. Wir haben uns 5 Schulen (KME, Schule für Sehbehinderte, Sprache und Regelschulen) angesehen und dort hospitiert. Das war allerdings noch vor Corona. Unser Kind hat sich auf den Regelschulen am Wohlsten gefühlt und war in seiner Meinung auch sehr gefestigt. Daraufhin haben wir eine Regelschule gesucht, die gerne Inklusion macht und darin erfahren ist. Leider haben wir dort zunächst keinen Platz bekommen und deswegen das Kind zurück gestellt. 1 Jahr später haben wir zum Glück einen Platz erhalten. Die Klassen sind Jahrgangsübergreifend und jeder lernt nach seinem Tempo. Bis jetzt klappt das ganz gut. Aber ich bin in "Hab acht"-Stellung und der Weg ins SBBZ ist schneller als anders herum. Zudem gibt es Studien, dass Kinder an Regelschulen selbstständiger arbeiten. Zu unserer Entscheidung muss ich aber auch noch sagen, dass mein Kind von sich aus die Selbstständigkeit einfordert - auch wenn sie motorisch schwierig ist und keinen geschützten Lernraum braucht.
Diese Entscheidung ist wirklich individuell für jedes Kind zu betrachten und eine gradlinigen Schullaufbahn gibt es vermutlich bei uns auch nicht.
Vielleicht könnt ihr ja trotz Corona hospitieren.

Von sich aus hat mein Kind vor der Schule keinen Stift angefasst, dafür klappt es mit dem Schreiben erstaunlich gut. Schönschrift wird es aber nicht werden. Sollte die Handschrift zu beschwerlich werden, steigen wir aufs Tablet um.
Viel Erfolg bei der Schulwahl.

Heike Zahner
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Re: Regelgrundschule oder Förderschule?

Beitrag von Heike Zahner »

Hallo Louise,
wir haben auch Zwillinge und unser Sohn hat eine beidseitige Radiusaplasie. Durch die Fehlbildung an den Armen/Händen ist er motorisch stark eingeschränkt. Zudem war (und ist) er sehr klein und zierlich, so dass er leichter hinfiel beim Toben. ;-) Ansonsten ist er ein pfiffiger Junge, mit normaler Intelligenz.
Er ging in einen Inklusiven Kindergarten (jedoch schon gruppengetrennt von seiner Schwester).
Wir hatten uns schon vor der Einschulung gegen die Grundschule und für die Förderschule entschieden, da es uns wichtig war ihn nicht gleich zu Beginn der Schulzeit enormer Frustration auszusetzen. In der Grundschule sind die mototrischen Anforderungen in den ersten Schuljahren enorm. Die gesunden Kinder lernen in rasendem Tempo Schreiben und es wird viel gebastelt. Uns war klar, dass Philipp da nicht mithalten können würde und unter diesem Zustand sicher leiden würde.
In der Förderschule ging dann alles viel langsamer (oft auch zu langsam), aber er bekam Zeit ganz in Ruhe mit nur wenigen Wörten das Handschreiben zu lernen. Nach dem ersten Schulbesuchsjahr hat er einen Laptop zum Schreiben bekommen, damit er auch größere Texte (mehrere Sätze)bewältigen konnte.
Da er jedoch sonst nach Regelrichtlinien unterrichtet wurde hatte er bald keine Lernpartner in seiner Klasse. Nach dem 2. Schuljahr hat er deshalb eine Klasse übersprungen und kam in eine Klasse die seinem kognitiven Möglichkeiten besser entsprach. Die Lehrerin dieser Klasse drängte aber dringend darauf einen Wechsel an eine Regelgrundschule anzustreben, da sie ebenso wie wir die Gefahr der Unterforderung sah.
Ich habe daraufhin Kontakt mit der Schulleitung der Grundschule meiner Tochter aufgenommen und angefragt, ob ein Wechsel an diese Schule prinzipiell möglich wäre.
Wir einigten uns auf eine 4 wöchige Probebeschulung nach den Osterferien. So konnten beide Seiten (Lehrer & Philipp) sehen, ob das der passende Weg ist.
Nach größeren Schwierigkeiten mit dem zuständigen Schulamt (die Grundschule war keine Inklusionsschule) durfte Philipp dann an die Grundschule wechseln. Er hat seit dem eine Schulbegleitung, die ihn bei motorischen Problemen unterstützt.
In der Zwischenzeit geht Philipp in die 7. Klasse des wohnortnahen Gymnasium (das war bis vor ein paar Jahren ein inklusives Gymnasium).

Wir sind trotz des etwas holprigen Verlaufs, der vor allem uns Eltern einiges an Nerven gekostet hat, immer noch davon überzeugt, dass die "Schonzeit" auf der Förderschule, auf der Philipp ganz in Ruhe sein Handwerkszeug lernen konnte, genau der richtige Weg war.

Viel Erfolg bei der Schulwahl! Schaut euch alles an und sprecht offen über eurer Bedenken mit den Schulleitern/Lehrern.

Gruß, Heike
Philipp, 25.07.07 (beids. Radiusaplasie, Skoliose, Minderwuchs (SGA))
Miriam, 25.07.07 (gesund)
unsere Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic.php?t=35414/

Astrid_mit_Fabi
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Re: Regelgrundschule oder Förderschule?

Beitrag von Astrid_mit_Fabi »

Ich habe Fabian auch in eine Förderschule KME eingeschult - die Zwillingsschwester geht auf die Regelgrundschule.
Ich würde es immer wieder so machen.
Für die Kinder ist es völlig okay. Fabi ist im oberen Drittel der Klasse/ sicher besser für das Selbtwert gefühl als aufgrund körperlicher Einschränkungen im unteren Drittel.
Zudem hat jedes Kind seine sichtbaren oder unsichtbaren Einschränkungen/ jedes Kind erhält individuelle Hilfsmittel.
Nach der Schule ist er Wohnungsnah im gleichen Hort wie seine Schwester

louisem
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Re: Regelgrundschule oder Förderschule?

Beitrag von louisem »

Hallo Zusammen,

zuerst einmal möchte ich mich bei euch bedanken für die zahlreichen Berichte und Erfahrungen die ihr mit uns geteilt habt.

Wir sind immer noch nicht ganz sicher was das Beste wäre, auch für seine Zwillingsschwester. Sie sollte auch nicht das Gefühl haben das sie auf ihn aufpassen muss, schließlich hilft sie ihm zuhause ganz oft wenn er was braucht oder er an etwas nicht ran kommt.

Bei der Grundschule haben wir eigentlich ein gutes Gefühl, die Lehrerin in der ersten Klasse kennen wir schon da sie unseren ,,großen" bereits Unterrichtet. Bei ihr hätten wir keinerlei Bedenken da sie sehr engagiert und auch offen ist.
Wir sind auch schon in Kontakt mit den zuständigen Behörden zwecks einer Schulbegleiterin / FSJ für ihn.

Wo wir noch Bedenken haben ist die Schulleiterin. Sie ist sehr Steif und ich glaube das sie den Mehraufwand fürchtet. Man könnte auch sagen sie hat einen Stock im A....! Bitte verzeiht meine Ausdrucksweise, bin nur langsam genervt von solchen Personen! :cry:

Wir werden aber in jedem Fall noch das Gespräch mit ihr suchen um ihre Bedenken und Sorgen zu mildern. Alternativ haben wir uns über andere Grundschulen in den Nachbargemeinden Informiert die bereits Inklusiv beschult haben, wäre für uns und Jakob halt wieder ein Mehraufwand. Sollte dies für ihn aber auf längere Sicht das Beste sein müssen wir das natürlich so machen.

Liebe Grüße aus dem Süden und DANKE!
Louise mit

Noah 12\12 gesund

Emma 08\14 Frühchen 29+2 gesund
Jakob 08\14 Frühchen 29+2 mit ICP \ Tetraparese

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