Schreibprobleme... Ich weiß nicht weiter

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

Moderator: Moderatorengruppe

GretchenM
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 718
Registriert: 26.01.2016, 18:53

Re: Schreibprobleme... Ich weiß nicht weiter

Beitrag von GretchenM »

Hallo,

Danke. Ihr seid echt lieb.

Ich kann jetzt nicht gut antworten, aber bedanke mich schon mal.

Lg

GretchenM
Mama *76 Epilepsie (anfallsfrei), SB
Sohn *07 starkes Träumer-ADS, grenzwertig ASS

Die Freiheit besteht nicht in erster Linie aus Privilegien, sondern aus Pflichten.

Camus

Benutzeravatar
Regina Regenbogen
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 7705
Registriert: 12.07.2008, 18:37
Wohnort: Ostfriesland

Re: Schreibprobleme... Ich weiß nicht weiter

Beitrag von Regina Regenbogen »

GretchenM hat geschrieben:
14.09.2020, 08:33
Er kann gut schreiben, sogar sehr ordentlich (eher pedantisch) und relativ flott. Aber er diskutiert über jedes Wort... Vermeidet alles was mit schreiben zu tun hat. Das geht soweit das er seine Hausaufgaben nicht weiß weil er sie nicht aufgeschrieben hat. Aufgaben die er machen soll interpretiert er immer so, das er möglichst wenig schreiben muss.

Ja, da ist auch Faulheit. Aber was so auffällt - gleichzeitig lernt er die Inhalte quasi nebenbei. Lernt meistens sogar gerne...
Du beschreibst gerade 1:1 meinen Jüngsten. Auch hiermit
Aber Schreiben scheint für ihn die maximale Folter darzustellen...
Irgendwann im 6. Schuljahr habe ich aufgehört, dagegen zu reden, ab dem Zeitpunkt hat er sich auch die Hausaufgaben vollständig gemerkt. Er selbst hat schon in der Grundschule akzeptiert, dass sein Gesamtnotenergebnis aufgrund der Schreibunwilligkeit etwas schlechter ausfiel als es sein Leistungsniveau an sich hergab, dann konnte ich das auch. Insofern es als Hausaufgaben handschriftliche Arbeiten gab, habe ich ihn das am PC machen lassen, ohne die Lehrkräfte zu fragen - besser getippt als gar keine Hausaufgaben. Das Lernen selbst läuft bei ihm auch so nebenbei und er lernt auch sehr gerne. Seine Schrift war zumindest lesbarer als die seines Bruders, dem das Lernen nicht so leicht fiel und der auch überhaupt nicht gerne in die Schule ging.

Jetzt in der Berufschule fragt kein Mensch mehr nach ausführlichen handschriftlichen Arbeiten, das technische Zeichnen wird da stärker bewertet, aber das saubere und genaue Zeichnen hat ihm auch nie Probleme bereitet.

Einen wirklichen Tipp habe ich nicht für dich, nur meine Erfahrung, dass mein Kind ohne solche unnötigen Zwänge wie handschriftliche Arbeiten noch leichter und besser gelernt hat.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

heidipet
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 490
Registriert: 08.05.2010, 14:03
Wohnort: bei Koblenz

Re: Schreibprobleme... Ich weiß nicht weiter

Beitrag von heidipet »

Hallo,
hast Du mal über ein Diktierprogramm, wenigstens für zu Hause, nachgedacht?
Dragon 15.0 (ohne Updatemöglichkeit) gibt es bei Ebay günstig.

Gruß
Heidi
Gruß
Heidi

Jörg75
Moderator
Moderator
Beiträge: 2587
Registriert: 23.10.2014, 21:17
Wohnort: NDS

Re: Schreibprobleme... Ich weiß nicht weiter

Beitrag von Jörg75 »

Hallo Gretchen,
GretchenM hat geschrieben:
14.09.2020, 08:54
- Allerdings haben wir mal einen Kurs abgebrochen weil die Kursleiterin meinte, er habe so steife Gelenke, dass das keinen Sinn habe...

- "da machen wir aber in der ersten Zeit nur Entspannungsubungen, der Junge hat unglaublich steife Handgelenke". Heute glaube ich, dass mein Kind ohne den Geigenunterricht vielleicht gar nicht so gut schreiben gelernt hätte.

- Als Baby hat er sich im Oberkörper so verkrampft, dass er die Fäustchen erst nach Physiotherapie überhaupt geöffnet hat...
das hört sich für mich so an, als ob es vielleicht ein motorisches Problem gibt ... vielleicht eines, das nicht verhindert, dass er gut und flott schreiben kann, dass es ihm aber unheimlich schwer und anstrengend macht, vieles zu schreiben, so dass er das vermeidet. Vielleicht schmerzt es ihn auch, lange konzentriert schreiben zu müssen aufgrund einer Ermüdung.

Ich würde versuchen, das anzugehen ... (Neuro)Orthopädie, Ergotherapie, Physiotherapie ... irgendwo in dem Bereich.

Gruß
Jörg
K., *2013, Extremfrühchen (27. +3 SSW), ICP, GdB 100 G aG H B, PS II+/ PG 4
J., *2016, aktuell keine Besonderheiten

Unsere Vorstellung

GretchenM
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 718
Registriert: 26.01.2016, 18:53

Re: Schreibprobleme... Ich weiß nicht weiter

Beitrag von GretchenM »

Hallo,

danke, Ihr seid wirklich lieb

Ich lasse mir eure verschiedenen Vorschläge und Gedanken definitiv durch den Kopf gehen.

Lg

GretchenM
Mama *76 Epilepsie (anfallsfrei), SB
Sohn *07 starkes Träumer-ADS, grenzwertig ASS

Die Freiheit besteht nicht in erster Linie aus Privilegien, sondern aus Pflichten.

Camus

MajaJo
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1222
Registriert: 04.05.2012, 12:51
Wohnort: Brandenburg

Re: Schreibprobleme... Ich weiß nicht weiter

Beitrag von MajaJo »

Hallo Gretchen,

vielen Dank für Deinen Beitrag. Ich finde darin 1:1 meinen Sohn wieder. Ich versuche es jetzt gerade tatsächlich über einen Nachteilsausgleich. Mal sehen, ob und wie es bewilligt wird. Bei meinem Sohn ist ein Teilproblem, dass er so pedantisch ist. Ein Fehler und alles fliegt durch die Gegend oder er fängt eben gar nicht erst an. Zu Homescoolingzeiten habe ich ihm alles vorgeschrieben, so dass er nur noch abschreiben musste. Damit haben sich die Fehler minimiert und es ging einigermaßen.

Liebe Grüße

Maja
Maja m. Jo (*10), homozygote FLG-Mutation, Skoliose, GdB 70 H, Sternenenkel LEN (3/18 - 5/18)

susi_muc
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 84
Registriert: 24.10.2018, 13:09

Re: Schreibprobleme... Ich weiß nicht weiter

Beitrag von susi_muc »

Hallo Gretchen,
mein Großer ist inzwischen in der 9. Klasse, und wir haben viel durch wegen der Schrift. Am schlimmsten war es in der 5./6. Klasse. Er hat aus lauter Unwilligkeit so gekrakelt, dass sich Rechtschreibfehler eingeschlichen haben, die er nie zuvor gemacht hat (kam in der Grundschule einfach nicht vor). Er ist sehr steif in den Händen und Fingern. Obwohl ziemlich talentfrei hat er seit 8 Jahren Klavierunterricht.
In Klasse 6 stand auch Tippen zur Debatte, als ich mal wieder bei der Schulpsychologin saß. Allerdings hat er selbst kein Interesse am Tippen, und wenn er es nicht mal vernünftig lernt, bringt ihn das noch mehr in Zeitnöte als von Hand zu schreiben... Seine Lehrer wurden in höheren Jahrgangsstufen zum Glück toleranter was das Schriftbild angeht, wenn der Einsatz insgesamt stimmt. Das Schreiben verweigert oder gebrüllt deshalb hat er selten, aber vor allem bei (Zeit)Druck gar nicht mehr auf Leserlichkeit geachtet und auch mal 3 Sätze als Aufsatz abgeliefert.... Eine merkliche Verbesserung brachte die Wende im Deutschunterricht, als es vom Erzählen zu Sachtexten ging. Die liegen ihm viel mehr, und es wurde ihm gut vermittelt, dass "kurz" trotzdem sehr gut sein kann.
In der schlimmsten Zeit habe ich mit ihm einen neuen Füller gekauft, damit hat er (notgedrungen? ich weiß es nicht) ordentlicher geschrieben. Bei "nicht so wichtigen" Aufgaben schreibt er mit einem Stift seiner Wahl, das muss er ggf. mit den Lehrern absprechen. Aber es bleibt ein Kampf...
Vielleicht wird es bei auch bei Euch besser, ich drücke die Daumen!
Gruß Susi
Susi mit großem Sohn (ASS+HB), großer Tochter (ASS, ADHS+HB), kleiner Tochter (auch irgendwie anders) und den Zwillingen (ganz normaler Zwillingswahnsinn - hoffe ich)

SimoneChristian
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 978
Registriert: 12.04.2014, 18:46

Re: Schreibprobleme... Ich weiß nicht weiter

Beitrag von SimoneChristian »

Hallo.
Ich sehe da mehrere Punkte:
- schreiben ist motorisch anstrengend, aber besonders, was die Handlungsplanung angeht.
Inhalt durchdenken, ausformulieren und dann auch noch aufschreiben.
Wenn man Pech hat, verheddert man sich dabei, besonders wenn man in Gedanken schon weiter ist
- wenn man schreibt, kann man darauf "fest genagelt" werden

(Und jetzt habe ich den Faden verloren. Quod erat demonstrandum. :oops: )

Wirklich geholfen hat mir (ADHS) nur das zerlegen der Aufgabe in Einzelschritte und die Akzeptanz eines "Schmier-Zettels".
Also Text lesen, Aufgabe lesen, ggf wiederholen, Gliederung für meinen Text auf das Schmierblatt, Gliederung mit wichtigen Stichwörtern ergänzen und dann erst ins reine Schreiben.
Allerdings hatte ich immer die kürzesten Texte, mit großem Abstand, aber gute Noten.
C. (*9/11) Sprachentwicklungsverzögerung, Regulationsstörungen des Kindesalters
atypischer Autismus (Diagnose 07/15)

rena99
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1898
Registriert: 28.04.2012, 16:34

Re: Schreibprobleme... Ich weiß nicht weiter

Beitrag von rena99 »

Interessanter Thread, das scheint ja öfter vorzukommen, als ich gedacht hatte.

Meine Tochter ist ein komplett auditiver Lerntyp, d.h. sie lernt im Wesentlichen aus dem Hören heraus. Soll sie gleichzeitig mitschreiben, sind ihre Aufmerksamkeitskanäle total blockiert, da bleibt tatsächlich nichts hängen. Ich habe mir das lange Zeit gar nicht vorstellen können, aber es gibt diesen Lerntyp. Ich selbst ticke da ganz anders. Ich muss sogar mitschreiben, damit ich mir Dinge merken kann. Und dann kann ich den Zettel auch wegwerfen... Was hatten wir nicht für Diskussionen deswegen.

Was ich damit sagen will, es bringt wenig, jemanden, der ein bestimmter Lerntyp in einer extremen Form ist, zu etwas anderem umzuerziehen. Beispiel Hausaufgaben: soll er sich das halt irgendwie anders merken. Das wäre da meine Bedingung. Wie ist egal, Hauptsache, er weiß sie.

Was die für die Schule unvermeidlichen schriftlichen Arbeiten angeht: meine Tochter hat sich, wo immer möglich, zu einem mündlichen Vortrag gemeldet, das lag ihr deutlich besser als das Schriftliche. Und dass man über jedes Wort nachdenkt, das kenne ich von ihr auch. Das ist ein Lernprozess, einzusehen, dass die Schule es haben will, obwohl es für einen selbst die schlechtere Lösung ist.

Ihr könntet probieren, dass er die zu erbringende Leistung sich selbst diktiert, also erst mal mündlich auf ein Diktiergerät (oder die Diktierfunktion des Handies) aufspricht und das dann stumpf abschreibt. Viele Schulen lassen auch getippte Texte zu (ggf. mit Attest). Es gibt ja sogar Programme, die das gesprochene Wort schon ziemlich perfekt in Text umsetzen. Ich würde mal in diese Richtung denken.

Dein Sohn sollte mal für sich selbst beschreiben, wie er am besten lernt und wie er am liebsten präsentieren würde. Da kann man meist was draus ziehen und machen.

Meine Tochter hat das gerade abgelaufene Online-Semester total geliebt. Denn es gab die Vorlesung als Video und sie musste endlich nicht mehr mitschreiben. Da blieb vorher nämlich echt nichts hängen. Mittlerweile hat sie sich auch getraut, Mitstudenten zu fragen, ob sie nicht deren Mitschrift bekommen kann, damit sie sich aufs Zuhören konzentrieren kann. Dafür macht sie dann mehr bei den Übungsaufgaben. Man muss halt kreative Lösungen suchen. Man findet aber keine, wenn man den Asugangspunkt: "kann nicht schreiben" nicht akzepiert. Meist hat das eben doch Gründe. Man muss die nur finden.

Lg
Rena
Rena mit (mittlerweile erwachsener) Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung, HB)

Nicole_
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 143
Registriert: 14.02.2017, 17:10

Re: Schreibprobleme... Ich weiß nicht weiter

Beitrag von Nicole_ »

Hallo,

wie ist denn das Schmerzempfinden deines Sohnes? Meiner tritt in eine Biene, hat dick geschwollene Zehen und sagt: „ih, da steckt ein Stachel drin. Mach den Weg.“ und dann spielt er weiter. Er merkt nicht, wenn ihm unwohl ist und es wirkt dann einfach so, als würde er es nicht machen wollen.

Wenn dein Sohn steife Gelenke hat und dazu die Diagnosen, könnte ich mir vorstellen, dass ihm Schreiben weh tut und er es nicht zuordnen bzw. benennen kann und es deshalb vermeidet.

Ein Test wäre vielleicht das Diktieren der Hausaufgaben.

Mein Sohn kann ganz selten äußern, dass ihm etwas weh tut oder unangenehm ist. Er meidet es einfach.

Liebe Grüße

Nicole
Großer (7) Asperger Autist mit Insel Hochbegabungen
Kleiner (nur der normale Wahnsinn)

Antworten

Zurück zu „Kindergarten und Schule“