Nachteilsausgleich für mutistisches Kind (Gymnasium in NRW)

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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StephanieBN
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Nachteilsausgleich für mutistisches Kind (Gymnasium in NRW)

Beitrag von StephanieBN »

Hi!

So, nachdem ich das halbe Wochenende damit verbracht habe, mich durch das Internet zu wühlen, frage ich jetzt mal hier:

gibt es irgendwo eine Vorlage für das Anschreiben an die Schule?

Ich habe gelesen: ich muss Antrag auf Gewährung eines Nachteilsausgleichs stellen, und da die Schulleitung dafür zuständig ist, schreibe ich an die Schulleitung.

Ein Gespräch mit den Klassenlehrern letzte Woche war leider wenig erfreulich: sie kennen sich nicht aus (das sei ihnen verziehen), und haben aber leider sofort abgewehrt. Das ginge alles nicht.
Meine Tochter spricht seit sie 5 Jahre alt ist nicht in ungewohnter Umgebung, nicht mit Erwachsenen die ihr nicht vertraut sind, nicht wenn sie gestresst ist - mündliche Mitarbeit in Form von 'ich melde mich und sage was gefragt wird' ist von ihr nicht zu erwarten.

Sie hat die Diagnose schriftlich vom KJP, dazu soziale Ängstlichkeit und ADHS, dazu bestätigt dass ihre kognitiven Voraussetzungen den Besuch eines Gymnasiums, natürlich zielgleich, definitiv ermöglichen.

Ergo hat sie einen Anspruch auf Nachteilsausgleich.

Aber wie formuliere ich den Antrag?
Was würdet Ihr an Details schon alles mit reinbringen?
Diagnosen, ja.
Auch schon Vorschläge für mögliche Nachteilsausgleiche?

Vorschläge wen die Schule noch alles an Experten mit ins Boot holen sollte, da die dort nunmal wenig Erfahrung mit inklusivem Lernen haben, und obwohl sie offiziell Schule des gemeinsamen Lernens sind leider keine Sonderpädagogen vor Ort sind?

Gerade ist mir eingefallen, dass ich bei gemeinsam leben, gemeinsam lernen nochmal anfragen könnte, weitere Ideen wer helfen könnte?

Danke!!
Viele Grüße,
Stephanie

mit F (*10/05) hochbegabter Asperger Autist, PG 3
und P (*5/09) ADHS, selektiver Mutismus, soziale Ängstlichkeit
und J (*2/13 bei 30+4 SSW, interstitielle Lungenerkrankung, alpha-1-Kid (AATM Subtyp MZ), allg. Entwicklungsverzögerung, ADHS, V. a. Asperger Autismus
GdB 80, Merkzeichen G, B, H - auch PG 3.

rena99
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Re: Nachteilsausgleich für mutistisches Kind (Gymnasium in NRW)

Beitrag von rena99 »

Hallo Stephanie,

vielleicht hift dir dieser Text weiter:
https://www.selektiver-mutismus.de/wp-c ... gleich.pdf

Nach einer kurzen Webrecherche kann ich aber zusammenfassen, dass das Thema Nachteilsausgleich bei Mutismus sehr kritisch gesehen wird. Da könntest du also auf Widerstände stoßen. Der Nachteilsausgleich gilt offenbar vielen als Baustein, der die Erkrankung aufrecht erhält.

Prinzipiell muss ein Nachteilsausgleich eben immer beim Defizit ansetzen. Bei einem Kind, das nicht spricht, ist daher die Frage, wie die Leistungserfassung gerecht erfolgen kann. Da musst du dir konkret Gedanken für dein Kind machen. Ideen:

- schriftliche Hausarbeit statt Referat vor der Klasse (alternativ: Aufnahme eines Videos vom Vortrag zu Haus in vertrauter Umgebung)
- zusätzliche Klassenarbeit statt mündlicher Mitarbeitsnote
- Fragebox an den Lehrer, wo man seine Fragen schriftlich unterbringen kann
- ....

Aber allgemein ist das schwierig, weil es eben genau für dein Kind passen muss. Dabei sich immer fragen: wo ist das Kind behinderungsbedingt im Nachteil und was wäre eine Alternative dazu.

LG
Rena
Rena mit (mittlerweile erwachsener) Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung, HB)

Nicole_
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Re: Nachteilsausgleich für mutistisches Kind (Gymnasium in NRW)

Beitrag von Nicole_ »

Hallo,

hast du Kontakt zu Dortmus an der TU Dortmund? Ich denke, dort kannst du dich beraten lassen.

Zum Nachteilsausgleich: Eigentlich stellt man einen formlosen Antrag und die Schule entscheidet, was benötigt wird. Leider konnten sehr viele meiner Kollegen nicht begreifen, warum das Kind in der Pause mit Freunden redet, aber im Unterricht schweigt. Daher würde ich eine Therapeutin zur Aufklärung mit ins Boot holen, sofern ihr eine habt.

Wichtig ist, einen Weg zu finden, dass dein Kind mündliche Noten sammeln kann. Bei uns sollte das Kind schriftliche Aufgaben abgeben, aber das ist genau so absurd, da die Hürde des Abgebens bei Lehrern, die es nicht begreifen, dass das Kind wirklich nicht sprechen kann, nicht überwunden werden kann.

Das, was dein Kind gemacht hat, abzufotografieren wäre noch eine Lösung, die aber auch demütigend für dein Kind sein kann.

Mein Weg, als das Kind am Ende seiner Laufbahn bei mir landete, war, einfach wie bei allen anderen auch rumzugehen und zu gucken, was auf dem Blatt steht. Vielleicht stand ich einen Moment länger da, aber ansonsten habe ich das Kind nicht „gestresst“.

Überlege dir also, welche Ersatzleistung dein Kind leisten kann. Bei uns wurde per Nachteilsausgleich auch schriftlich zu mündlich nicht 50:50 gewertet, sondern das Schriftliche stärker.

Es gibt an Gymnasien nur Sonderpädagogen in NRW, wenn es Kinder gibt, die AO-SF eröffnet haben. Dann sind die Sonderpädagogen diese abgezählten Stunden für das Kind da. Wenn also jemand möchte, dass ein Sonderpädagogen für sein Kind da ist, dann geht das nur über AO-SF.

Liebe Grüße

Nicole
Großer (7) Asperger Autist mit Insel Hochbegabungen
Kleiner (nur der normale Wahnsinn)

s.till
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Re: Nachteilsausgleich für mutistisches Kind (Gymnasium in NRW)

Beitrag von s.till »

Hallo,

der Antrag an die Schulleitung war bei uns nur ein Zweizeiler. Allerdings hatten wir ein Schreiben vom zuständigen Schulpsychologen mit dabei, welche den Ausgleich formuliert hat. Unser Sohn hat gleich zwei bekommen einmal wegen seinem Autismus und seit letztem Schuljahr noch wegen LRS. Wenn er in die 5 Klasse kommt müssen wir das wieder neu beantragen.
Was ich nicht weis ist, ob das Bundesland abhänig geregelt ist.

LG Susanne
M *2010 Frühchen der 27SSW, Pneumothorax, Meningitis, diverse RSV Infektionen, Pneumonien, dystroph, kleinwüchsig, stimulationsbedürftige Apnoen, Asperger Autismus, Koordinationsstörung, PEG/PEJ seit 07/16 weg :D Pflegegrad 4 und SBA von 80% aG,B,H. FBXO11 Defekt
B*2008 ADS Pflegegrad 2

Anne_mit_2
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Re: Nachteilsausgleich für mutistisches Kind (Gymnasium in NRW)

Beitrag von Anne_mit_2 »

Hallo,

neben dem Herumgehen und Ansehen der schriftlichen Arbeit im Unterricht gibt es je nach Fach auch unterschiedliche weitere Möglichkeiten. Meine Tochter hat z.B. in den Naturwissenschaften oft mündliche Noten durch Unterstützen des Lehrers beim Versuchsaufbau und der Versuchsdurchführung erbracht, da sie im Unterricht kaum etwas gesagt hat (kein Mutismus, aber extrem zurückhaltend und schüchtern), aber immer sehr gute Noten schrieb, was die Lehrer dann dazu bewog, ihr Alternativen in kleinem Rahmen bei der Epochalnote anzubieten.

Am Gymnasium werdet Ihr sicher Lehrer finden, die überhaupt keine Probleme mit dem Angebot anderer Leistungs- oder Mitarbeitsformen haben, und solche, die es kategorisch ablehnen. Da kommt es neben dem verbrieften Recht oft einfach auf die passende Kommunikation der konkreten Sachverhalte an, damit jeder weiss, dass es kein Gequengle ist, sondern eine Notwendigkeit zum Ausgleich eines behinderungsbedingten Nachteils.

Ich drücke Euch die Daumen, dass Ihr den notwendigen Nachteilsausgleich bekommt und dass er realisierbar für alle drei Seiten (Kind, Lehrer, Klassenverband) gestaltet ist.

Viele Grüße,
Anne

StephanieBN
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Re: Nachteilsausgleich für mutistisches Kind (Gymnasium in NRW)

Beitrag von StephanieBN »

Hi!

Dortmus kenne ich nicht, danke für die Idee!

Das Gymnasium ist Schule des gemeinsamen Lernens, 10% der Kinder haben einen Förderbedarf, 3 volle Sonderpädagogen-Stellen sind seit Jahren nicht besetzbar weil sich niemand bewirbt. Ein Trauerspiel.
Und ich frage mich ehrlich, warum die Stadt nicht jemand abordnen kann, denn so ist das wirklich kaum zu leisten für die Regelschullehrer, die sich überwiegend NICHT ausgesucht haben, nun plötzlich auch noch Fortbildungen im Bereich Sonderpädagogik zu belegen.

Die Schule ist erst seit 3 o 4 Jahren Schule des gemeinsamen Lernens, das wurde von der Stadt so bestimmt. :roll:

Abgesehen davon ist in NRW seit ein paar Jahren nicht mehr die Zahl der Kinder mit Förderbedarf entscheidend für die Sonderpädagogen-Stunden, es soll schlicht jeder so gefördert werden wie er es braucht, egal ob mit oder ohne AO-SF.
Dass mein Kind den Status nicht offiziell hat, liegt an Corona: wurde im letzten Schuljahr nicht durchgeführt. Super. :roll:
Ist aber für den Nachteilsausgleich nicht notwendige Voraussetzung, also erstmal nachrangig für mich.

Ja, das was Du beschreibst klingt total entspannt und super fürs Kind! So wäre auch mein Traum.
Und klar, Du hast Recht, die Kontaktaufnahme mit der Lehrerin, und sei es nonverbal, ist für meine Tochter aktuell schon eine zu hohe Hürde.

Ich bin gespannt wie es weitergeht...
Nicole_ hat geschrieben:
07.09.2020, 05:57
Hallo,

hast du Kontakt zu Dortmus an der TU Dortmund? Ich denke, dort kannst du dich beraten lassen.

Zum Nachteilsausgleich: Eigentlich stellt man einen formlosen Antrag und die Schule entscheidet, was benötigt wird. Leider konnten sehr viele meiner Kollegen nicht begreifen, warum das Kind in der Pause mit Freunden redet, aber im Unterricht schweigt. Daher würde ich eine Therapeutin zur Aufklärung mit ins Boot holen, sofern ihr eine habt.

Wichtig ist, einen Weg zu finden, dass dein Kind mündliche Noten sammeln kann. Bei uns sollte das Kind schriftliche Aufgaben abgeben, aber das ist genau so absurd, da die Hürde des Abgebens bei Lehrern, die es nicht begreifen, dass das Kind wirklich nicht sprechen kann, nicht überwunden werden kann.

Das, was dein Kind gemacht hat, abzufotografieren wäre noch eine Lösung, die aber auch demütigend für dein Kind sein kann.

Mein Weg, als das Kind am Ende seiner Laufbahn bei mir landete, war, einfach wie bei allen anderen auch rumzugehen und zu gucken, was auf dem Blatt steht. Vielleicht stand ich einen Moment länger da, aber ansonsten habe ich das Kind nicht „gestresst“.

Überlege dir also, welche Ersatzleistung dein Kind leisten kann. Bei uns wurde per Nachteilsausgleich auch schriftlich zu mündlich nicht 50:50 gewertet, sondern das Schriftliche stärker.

Es gibt an Gymnasien nur Sonderpädagogen in NRW, wenn es Kinder gibt, die AO-SF eröffnet haben. Dann sind die Sonderpädagogen diese abgezählten Stunden für das Kind da. Wenn also jemand möchte, dass ein Sonderpädagogen für sein Kind da ist, dann geht das nur über AO-SF.

Liebe Grüße

Nicole
Viele Grüße,
Stephanie

mit F (*10/05) hochbegabter Asperger Autist, PG 3
und P (*5/09) ADHS, selektiver Mutismus, soziale Ängstlichkeit
und J (*2/13 bei 30+4 SSW, interstitielle Lungenerkrankung, alpha-1-Kid (AATM Subtyp MZ), allg. Entwicklungsverzögerung, ADHS, V. a. Asperger Autismus
GdB 80, Merkzeichen G, B, H - auch PG 3.

StephanieBN
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Re: Nachteilsausgleich für mutistisches Kind (Gymnasium in NRW)

Beitrag von StephanieBN »

s.till hat geschrieben:
07.09.2020, 07:55
Hallo,

der Antrag an die Schulleitung war bei uns nur ein Zweizeiler. Allerdings hatten wir ein Schreiben vom zuständigen Schulpsychologen mit dabei, welche den Ausgleich formuliert hat. Unser Sohn hat gleich zwei bekommen einmal wegen seinem Autismus und seit letztem Schuljahr noch wegen LRS. Wenn er in die 5 Klasse kommt müssen wir das wieder neu beantragen.
Was ich nicht weis ist, ob das Bundesland abhänig geregelt ist.

LG Susanne
Das klingt herrlich unkompliziert!

Und ja, es ist von Land zu Land anders, ein wenig jedenfalls. Und vermutlich an der Grundschule einfacher als am Gymnasium. Keine Ahnung. ;)
Viele Grüße,
Stephanie

mit F (*10/05) hochbegabter Asperger Autist, PG 3
und P (*5/09) ADHS, selektiver Mutismus, soziale Ängstlichkeit
und J (*2/13 bei 30+4 SSW, interstitielle Lungenerkrankung, alpha-1-Kid (AATM Subtyp MZ), allg. Entwicklungsverzögerung, ADHS, V. a. Asperger Autismus
GdB 80, Merkzeichen G, B, H - auch PG 3.

StephanieBN
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Re: Nachteilsausgleich für mutistisches Kind (Gymnasium in NRW)

Beitrag von StephanieBN »

Anne_mit_2 hat geschrieben:
07.09.2020, 10:40
Hallo,

neben dem Herumgehen und Ansehen der schriftlichen Arbeit im Unterricht gibt es je nach Fach auch unterschiedliche weitere Möglichkeiten. Meine Tochter hat z.B. in den Naturwissenschaften oft mündliche Noten durch Unterstützen des Lehrers beim Versuchsaufbau und der Versuchsdurchführung erbracht, da sie im Unterricht kaum etwas gesagt hat (kein Mutismus, aber extrem zurückhaltend und schüchtern), aber immer sehr gute Noten schrieb, was die Lehrer dann dazu bewog, ihr Alternativen in kleinem Rahmen bei der Epochalnote anzubieten.

Am Gymnasium werdet Ihr sicher Lehrer finden, die überhaupt keine Probleme mit dem Angebot anderer Leistungs- oder Mitarbeitsformen haben, und solche, die es kategorisch ablehnen. Da kommt es neben dem verbrieften Recht oft einfach auf die passende Kommunikation der konkreten Sachverhalte an, damit jeder weiss, dass es kein Gequengle ist, sondern eine Notwendigkeit zum Ausgleich eines behinderungsbedingten Nachteils.

Ich drücke Euch die Daumen, dass Ihr den notwendigen Nachteilsausgleich bekommt und dass er realisierbar für alle drei Seiten (Kind, Lehrer, Klassenverband) gestaltet ist.

Viele Grüße,
Anne
Ja, da hast Du sehr recht. Ich wappne mich schon für den Elternsprechtag, wo ich das mit jedem Lehrer nochmal persönlich besprechen werde.

Blöd ist, dass hier gerade Zeitdruck herrscht - ich muss es möglichst JETZT schaffen, den Druck wegzubekommen. Sie steht unter höchster Anspannung, weil sie weiß, dass es bisher keine Regelung gibt die zu ihr passt, und ständig erwartet wird dass sie spricht.
Und je größer dieser Stress, desto höher die Hürde zu sprechen.
Das ist ein Teufelskreis!

Und je mehr sie merkt, dass sie so akzeptiert wird wie sie ist, desto mehr entspannt sie und sagt sogar manchmal was.

In der Grundschule ging es im letzten Jahr schon immer besser.

Ein Neustart ist nie leicht, für kein Kind, aber hier kippt sie gerade 2 Jahre zurück.
Viele Grüße,
Stephanie

mit F (*10/05) hochbegabter Asperger Autist, PG 3
und P (*5/09) ADHS, selektiver Mutismus, soziale Ängstlichkeit
und J (*2/13 bei 30+4 SSW, interstitielle Lungenerkrankung, alpha-1-Kid (AATM Subtyp MZ), allg. Entwicklungsverzögerung, ADHS, V. a. Asperger Autismus
GdB 80, Merkzeichen G, B, H - auch PG 3.

StephanieBN
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Re: Nachteilsausgleich für mutistisches Kind (Gymnasium in NRW)

Beitrag von StephanieBN »

rena99 hat geschrieben:
06.09.2020, 22:01
Hallo Stephanie,

vielleicht hift dir dieser Text weiter:
https://www.selektiver-mutismus.de/wp-c ... gleich.pdf

Nach einer kurzen Webrecherche kann ich aber zusammenfassen, dass das Thema Nachteilsausgleich bei Mutismus sehr kritisch gesehen wird. Da könntest du also auf Widerstände stoßen. Der Nachteilsausgleich gilt offenbar vielen als Baustein, der die Erkrankung aufrecht erhält.

Prinzipiell muss ein Nachteilsausgleich eben immer beim Defizit ansetzen. Bei einem Kind, das nicht spricht, ist daher die Frage, wie die Leistungserfassung gerecht erfolgen kann. Da musst du dir konkret Gedanken für dein Kind machen. Ideen:

- schriftliche Hausarbeit statt Referat vor der Klasse (alternativ: Aufnahme eines Videos vom Vortrag zu Haus in vertrauter Umgebung)
- zusätzliche Klassenarbeit statt mündlicher Mitarbeitsnote
- Fragebox an den Lehrer, wo man seine Fragen schriftlich unterbringen kann
- ....

Aber allgemein ist das schwierig, weil es eben genau für dein Kind passen muss. Dabei sich immer fragen: wo ist das Kind behinderungsbedingt im Nachteil und was wäre eine Alternative dazu.

LG
Rena
Hi!

Danke für den Link, das hab ich natürlich auch gleich gefunden - leider falsches Bundesland. Da gibt es ja sogar einen Schulerlass zum Thema (gute Argumentationshilfe), so was hab ich für NRW nicht gefunden.

Dass das kritisch gesehen wird, habe ich natürlich auch gelesen.

Und ebenso natürlich muss es immer das Ziel sein, dass sie es schafft, die Störung zu überwinden - eh klar.
Das hat sie selbst auch zutiefst verinnerlicht, und übt tapfer immer weiter.

Aber für den Anfang muss eine funktionierender Weg gefunden werden den sie schafft, ohne ständige Misserfolgserlebnisse und Versagensängste, denn sonst ist die Hürde zu hoch.
Viele Grüße,
Stephanie

mit F (*10/05) hochbegabter Asperger Autist, PG 3
und P (*5/09) ADHS, selektiver Mutismus, soziale Ängstlichkeit
und J (*2/13 bei 30+4 SSW, interstitielle Lungenerkrankung, alpha-1-Kid (AATM Subtyp MZ), allg. Entwicklungsverzögerung, ADHS, V. a. Asperger Autismus
GdB 80, Merkzeichen G, B, H - auch PG 3.

Elisab
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Registriert: 16.02.2020, 22:45

Re: Nachteilsausgleich für mutistisches Kind (Gymnasium in NRW)

Beitrag von Elisab »

Hallo Stephanie,
Ich würde versuchen vor dem Elternsprechtag schon (telefonisch/Termin im Sekretariat vereinbaren) mit jedem Lehrer zu sprechen. Die kurze Zeit, die da nur zur Verfügung steht, ist da glaub nicht förderlich. Gerade die Hauptfachlehrer sind da sehr gefordert an dem Tag.
Kannst Du evt. den/die Klassenlehrer/in oder Schulleiter bitten eine Klassenkonferenz einzuberufen, in der Du ggf. mit fachkompetenter Unterstützung die Sachlage schilderst?
Ich hab jetzt nicht nochmal alles von den letzten Tagen gelesen. Ich hoffe mein Vorschlag passt zu den Hintergründen.
Viel Erfolg
Elisab+Pappa+
Kind (*2018) 34+5, fehlende Propriozeption d. seltenen Gendefekt, Pierre-Robin-Sequenz, Laryngomalazie, muskuläre Hypotonie, motorisch entwicklungsverzögert, Rolli, Heimmonitor (obstrukt. und zentr. Apnoen im Schlaf), Reflux, 10 Mon. nasale MS, Kuhmilchproteinunverträglichkeit, GdB100, H,B,G bald aG

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