angemessene Benotung

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Ikki
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angemessene Benotung

Beitrag von Ikki »

Hallo zusammen,

ich habe folgendes Problem:
Mein Sohn geht seit dem letzten Jahr in die Schule, hat also das erste Schuljahr nun hinter sich gebracht. Er besucht eine Regelgrundschule, hat den Förderberdarf KMS und wird zielgleich unterrichtet. Er hat eine Hemiparese und auch auf der "guten" Seite so seine Feinmotorik-Probleme. Nun gibt es in unserer Schule tatsächlich schon in der ersten Klasse so etwas wie Noten (++, +, 0, -). Schon alleine dieser Umstand ist durchaus diskussionswürdig, soll hier aber erstmal nicht Thema sein. Allerdings ist er in Bereichen, die er aufgrund seiner Behinderung einfach nicht KANN (ich nenne den Teilbereich einfach mal "Schönschrift") zimlich schlecht benotet worden. Das Gleiche dann beim Schwimmen. Aufgund seiner Hemi hat er einfach noch nicht Schwimmen gelernt. Das Thema Schulnoten wird uns ja in den nächsten Jahren häufiger begegnen :wink: . Wie müssen die Schulen die Benotung bei behinderten Kindern handhaben? Kann ein Kind mit Handicap tatsächlich sogar in den betroffenen Bereichen auf gleichem Niveau benotet werden wie die gesunden Kinder? In unserem Fall könnte man ja noch diskutieren, aber was macht ein Rolli-Kind im Sport? Hochsprung z.B. ist da ja sicherlich nicht drin. Oder ein blindes Kind in Kunst. Bekommt es eine sechs wenn es die Farben nicht benennen kann? Zuerst dachte ich an einen Nachteilsausgleich, habe jetzt aber gelesen, daß der nicht für solche Fälle gilt sondern nur die "Rahmenbedingungen" verbessert. Die Schreibhand meines Sohnes wird aber nie wiklich gut werden und seine Schrift wird immer unsauberer sein. Er wird im Sport nie die gleichen Ergebnisse erzielen wie die Mitschüler und ein paar andere Baustellen machen ihm auch noch weitere Teilbereiche schwer.
Wenn es dann aber irgendwann versetzungsrelevant ist, hat er ruckzuck zwei Fünfer oder gar eine Sechs und das nur, weil er z. B. nicht schwimmen kann.
Was kann ich machen?
VG Christiane
mit T. * April 2013, Frühchen 28ssw, Hirnblutung Grad III, Hemiparese, Epilepsie seit 2018

Heike217
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Re: angemessene Benotung

Beitrag von Heike217 »

Hallo,
mein Kind hat zwar andere Besonderheiten wie deins, aber wir haben einen Nachteilsausgleich, der u. a. Sport und Schrift beinhaltet. Auf der Grundschule musste er keine Schreibschrift schreiben lernen, sondern nur lesen können. Seine Schrift wird bis heute nicht bewertet.

Versuchs einfach mal mit dem Nachteilsausgleich. VG Heike

Elisabeth97
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Re: angemessene Benotung

Beitrag von Elisabeth97 »

Hallo Christiane,

mein Sohn ist Rolli-Fahrer und hat in NRW eine Regelschule besucht - vom 1. Schuljahr an mit Nachteilsausgleichen. Für Sport und Kunst stand dann immer die Bemerkung auf dem Zeugnis, dass die Bewertung unter Berücksichtigung seines Förderbedarfs vorgenommenen wurde. Er hatte daher auch als Rolli-Fahrer meist eine zwei in Sport.

Da jedes Bundesland seine eigenen Regelungen hat, wäre ein Blick ins hessische Schulgesetz vor Antragstellung hilfreich.

Viel Erfolg & schöne Grüße
Elisabeth

Ikki
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Re: angemessene Benotung

Beitrag von Ikki »

Hallo Elisabeth,
Wir sind auch aus NRW, haben deshalb die gleichen Voraussetzungen :wink:.

Habt ihr diese Regelungen (keine Benotung bzw. angemessene Benotung, Wegfall der Schreibschrift etc.) mit der Schulleitung ausgehandelt? Also so, wie es in den Regelungen für den Nachteilsausgleich steht? Ich habe vom Schulministerium NRW eine Arbeitshilfe für Schulleiter bezüglich Nachteilsausgleich gefunden. Da stand nämlich nichts über andere Benotung o.Ä. sondern nur über Zeit/Ausstattungen/räumliche Anpassungen etc. Deshalb hatte ich befürchtet, bei meiner Problematik nicht weiter zu kommen.
Eure Berichte sind ja recht vielversprechend :)

Gibt es auch Kinder, die bezüglich Konzentration Ausgleiche bekommen haben? Mein Sohn ist Epileptiker und hat durch seine Medis eine recht kurze Aufmerksamkeitsspanne. Das wurde nämlich auch negativ benotet :x
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kati543
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Re: angemessene Benotung

Beitrag von kati543 »

Hallo,
wir sind Hessen. Bei uns ist es bei lernzielgleicher Beschulung so:
Solange die Eltern keinen Antrag auf entsprechende Nachteilsausgleiche stellen, wird das ganz normal nach Regelplan bewertet. Der Förderbedarf allein sagt nichts darüber aus, was bei einem Kind nicht oder geringer bewertet werden muss, solange eine lernzielgleiche Beschulung vorliegt.
Daher hat mein Ältester jetzt trotz Förderbedarf und lernzielgleicher Beschulung eine ganze Menge Nachteilsausgleiche.
Vielleicht wird dein Sohn nicht wirklich eine schöne Schrift entwickeln, aber du kannst als Nachteilsausgleiche fordern, dass es eben nicht bewertet wird. Du kannst als Nachteilsausgleich fordern, dass er lernt auf dem Laptop zu tippen. Mit der Zeit wird er da auch schneller und in der Schule und im Beruf kann das dann für ihn echt hilfreich sein. Das wäre eine Änderung der Rahmenbedingung ;). So kann dein Kind selbst mitschreiben und die Lehrer können es sogar lesen.
In Sport musst du mit dem Lehrer mal reden. Normalerweise wird da der Förderbedarf oder Behinderungen schon berücksichtigt. Ich kenne aber auch Schulen, die nochmal eine Bescheinigung vom Amtsarzt wollen. Auf den Schreiben des Amtsarztes steht dann konkret drauf was der Schüler mitmachen kann und ob der jeweilige Bereich bewertet werden darf.
LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

MajaA
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Re: angemessene Benotung

Beitrag von MajaA »

Ich würde auch sofort entsprechende Nachteilsausgleiche beantragen. Die Handschrift haben wir z.B. aus der Bewertung sofort rausnehmen lassen, weil mein Sohn feinmotorische Probleme hat. Mittlerweile darf er einen Laptop benutzen.
Maja (10/1974)
verheiratet mit einem Asperger-Autisten (11/1969)
Tochter (8/2002), Asperger-Autistin, Sozialphobie
Tochter (8/2004)
Sohn (5/2007), Hochbegabung
Nathan (6/2009), Asperger-Autist

Nicole_
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Re: angemessene Benotung

Beitrag von Nicole_ »

Ikki hat geschrieben:
29.06.2020, 19:47
Hallo Elisabeth,
Wir sind auch aus NRW, haben deshalb die gleichen Voraussetzungen :wink:.

Habt ihr diese Regelungen (keine Benotung bzw. angemessene Benotung, Wegfall der Schreibschrift etc.) mit der Schulleitung ausgehandelt? Also so, wie es in den Regelungen für den Nachteilsausgleich steht? Ich habe vom Schulministerium NRW eine Arbeitshilfe für Schulleiter bezüglich Nachteilsausgleich gefunden. Da stand nämlich nichts über andere Benotung o.Ä. sondern nur über Zeit/Ausstattungen/räumliche Anpassungen etc. Deshalb hatte ich befürchtet, bei meiner Problematik nicht weiter zu kommen.
Eure Berichte sind ja recht vielversprechend :)

Gibt es auch Kinder, die bezüglich Konzentration Ausgleiche bekommen haben? Mein Sohn ist Epileptiker und hat durch seine Medis eine recht kurze Aufmerksamkeitsspanne. Das wurde nämlich auch negativ benotet :x
Hallo,

ich bin Autismusbeauftragte und mache die Nachteilsausgleiche bei uns an der Schule (NRW). Natürlich hat dein Sohn ein Recht auf einen Nachteilsausgleich.

Du schriebst jetzt einen formlosen Antrag auf Nachteilsausgleich für das nächste Schuljahr in folgenden Bereichen:

Sport: Bedingt durch körperliche Einschränkungen kann er nicht wie andere Kinder am Sportunterricht teilnehmen. Aufgaben, die er behinderungsbedingt nicht oder nur unzureichend erledigen kann, müssen durch eine Ersatzaufgabe ersetzt werden. Dies kann entweder eine Übung sein, die er bewältigen kann (und auch weit unter dem Niveau der anderen sein darf, aber die dann in seinem Rahmen benotet wird) oder, falls es keine Möglichkeit einer Ersatzübung gibt, eine schriftliche Aufgabe. (Für Sportlehrer ist das oft „unvorstellbar“, aber da müssen sie durch.)

Graphomotorik: Hier muss auch die Behinderung einbezogen werden und Fortschritte innerhalb seines Rahmens bewertet werden. Schreibschrift ist meines Wissens nicht verpflichtend. Zumindest hab ich bei meinem Sohn in der Schule gesagt, dass er, um sie zu erlernen, mehrere Verordnungen Ergo bräuchte und er gerade eine Therapiepause mache. Ich sehe es nicht ein, ihn damit zu foltern und mich auch. Dazu stand nix auf dem Zeugnis... Du kannst das der Schule so vermitteln. Schreib auch diese Forderung in den Nachteilsausgleich mit Begründung.

Konzentration: Was könnte denn helfen? Also was benötigt er? Pausen, Einzelplatz, Lärmschutz.... denk mal drüber nach.

LG

Nicole
Großer (7) Asperger Autist mit Insel Hochbegabungen
Kleiner (nur der normale Wahnsinn)

Elisabeth97
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Re: angemessene Benotung

Beitrag von Elisabeth97 »

Hallo Ikki,

wir mussten gar nichts aushandeln und auch nichts beantragen 🙂. Mein Sohn hat eine inklusive Schule besucht, die sich damit auskannte und die passenden Nachteilsausgleiche von sich aus festgelegt hat, z. B. den Zeitzuschlag bei Klausuren. Mein Sohn war immer zufrieden damit und die Bemerkungen auf dem Zeugnis fand ich auch in Ordnung. Wir brauchten auch für Sport kein Attest vom Arzt. In der Oberstufe durfte er die Klausuren auch am Laptop schreiben.

Schöne Grüße
Elisabeth

AnnalenaO
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Re: angemessene Benotung

Beitrag von AnnalenaO »

Hallo!

Ich musste auch nichts beantragen und nichts aushandeln (Hessen). Die Lehrerin hat sich selber an die Autismusbeauftragte der Stadt gewandt und einen Nachteilsausgleich formuliert für die Fächer Kunst und Sport und für die Handschrift. Hier ebenfalls Nutzung von Laptop für Klassenarbeiten (damit es keine Fehler wegen unleserlichere gibt).
Wenn deine Schule sich nicht selber an die entsprechende Stelle wendet, dann musst du das dort beantragen. Bei uns in der Stadt gibt es eine "Schule für Kranke", die ist für Nachteilsausgleiche jeder Art zuständig. Vielleicht gibt es sowas bei euch auch?

Viele Grüsse
Sohn 5/2009 Asperger Syndrom
Tochter 10/2012 Topfit

Ayden
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Re: angemessene Benotung

Beitrag von Ayden »

Liebe Ikki,
Regelungen zum Nachteilsausgleich sind Ländersache, daher sind unsere Erfahrungen in HH natürlich nicht 1:1 auf NRW übertragbar.

Bei zielgleichem Unterricht gibt es in HH KEINEN Notenschutz.

Allerdings: Im Rahmen des Nachteilsausgleichs kann ein höherer Toleranzwert vereinbart werden: Unsere Kleinen kann nicht gut schauen, deshalb werden bei Geometrie eine höhere Toleranz zugrunde gelegt, sie sieht schließlich keinerlei Teilstriche auf den Geodreiecken.

Meine Erfahrung ist: Je detaillierter der (schriftlich, in der Schulakte) festgelete Nachteilsausgleich, desto weniger Diskussion.

Trotzdem funktioniert alles nur bei gutem Willen auf beiden Seiten.

Die Sportnoten unserer Tochter (Korsett bei starker Skoliose, dadurch kann sie sich gar nicht beugen) schwanken zwischen 2 und 4+, je nachdem ob der `gute Wille´ unserer Tochter berücksichtigt wird oder halt nicht. Sie ist stark, ausdauernd, willig, kassiert aber bei bestimmten Übungen (korsettbedingt) regelmäßig eine schlechte Note. Obwohl es möglich wäre, haben wir beim Sport keinen Nachteilsausgleich beantragt. Das haben wir auf der Grundschule dann einfach mit den Lehrern besprochen und die Röntgenaufnahmen gezeigt, damit der Lehrer wusste, warum sie einfach nicht springen darf.

Jetzt wechselt sie auf ein Gymnasium, mal schauen, was da kommt. Coronabedingt ist da ja sowieso noch einiges im Fluss.

In HH dürfen Angaben zum Nachteilsausgleich NICHT im Zeugnis stehen.

In den Kompetenzbewertungen steht regelmäßig, dass unsere Tochter `langsamer´ arbeitet.
Das dürfte da streng genommen auch nicht stehen, weil sie aufgrund ihres schlechten Sehens eine Zeitverlängerung hat.Weil sie alles stark vergrößert bearbeiten muss, ist sie einfach langsamer zu Wege, wenn sie erst einmal alle Arbeitsblattinformationen, die sich den anderen Kindern auf einen Blick erschließen durch mühsames hin- und herscrollen auf ihrem Rechner zusammensuchen muss. Aber, das lassen wir so durch gehen, da jeder, der das Zeugnis liest, sofort begreift, dass da etwas nicht so konventionell stimmen kann (die anderen , sehr guten, Bewertungen würden einfach nicht passen, wenn die Ursache des `langsamen arbeitens´ eine `Standardursache ´ bei einem anderen Kind ohne Einschränkungen wäre)

Unsere Tochter hat übrigens NUR einen Nachteilsausgleich, KEINEN Förderbedarf, da man bei ihr nichts schulisch `fördern´ kann.

Das ist u.a. relevant, da in HH die Schulwahl mit Förderbedarf nicht frei ist.

Liebe Grüße,

Ayden

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