Jugendamt will Schulbegleitung ablehnen

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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MelSch
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Jugendamt will Schulbegleitung ablehnen

Beitrag von MelSch »

Hallo!

Mein Sohn (5,8 Jahre,"kombinierte Entwicklungsstörung mit autistischen Zügen", und noch einiges anderes, PG4, SBA) hat eine Individualbegleitung im KiGa. Er soll auch mit ihr in eine Regelschule eingeschult werden.
Bisher war der Bezirk zuständig.

Jetzt habe ich ein Schreiben bekommen, daß unser Fall ans JA übergeben wurde.
Hab im JA angerufen und bin jetzt ziemlich fertig. 😢

Angeblich wird mein Sohn keine Schulbegleitung bewilligt bekommen, weil er die Voraussetzungen für die Eingliederungshilfe nicht erfüllt. 😳

Die Schule wäre für die Inklusion zuständig. Indem sie die Klasse teilt, die Schulpsychologin mit ins Boot holt und "andere Hilfen bereitstellt."
Ich soll mein Kind (IQ im Normbereich) in die Förderschule schicken, dann bräuchte er keine Schulbegleitung. 😳

Sowohl das SPZ, als auch sämtliche Therapeuten (Ergo, Psychomotorik, Logo, Frühförderung) Kindergarten und Schule haben extra in ihre Gutachten bzw. Berichte geschrieben, daß sie eine Regelschule mit IB empfehlen /befürworten.

Kann das JA einfach so ablehnen?!

Was kann ich dagegen machen??

Liebe Grüße,
MelSch

KäthemitA.
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Re: Jugendamt will Schulbegleitung ablehnen

Beitrag von KäthemitA. »

Liebe Mel,

lass Dich von einem Anruf doch nicht so fertig machen.
Stell Euren Antrag auf jeden Fall schriftlich, stell auf Nachfrage die entsprechenden Berichte zur Verfügung und dann siehst Du schon klarer.
Ein Telefonat ist werder ein förmlicher Antrag noch eine rechtssichere Ablehnung.

Wir haben die Schulbegleitung im letzten Jahr mittels formlosem Schreiben beim Jugendamt beantragt und von dort dann Rückmeldung bekommen, welche Unterlagen wir zu bringen haben.
Kopf hoch und: Immer alles schriftlich machen!

Liebe Grüße
Käthe
Käthe mit A. *06.13 Asperger Autist

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Anja68S
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Re: Jugendamt will Schulbegleitung ablehnen

Beitrag von Anja68S »

Hallo Mel,

ich weiß nicht, wo du wohnst, aber unser Sohn hatte eine SB in der Förderschule.
Jugendamt hat generell abgelehnt für uns zuständig zu sein, da unser Sohn kein
reiner Autist ist.
Ich habe in der Zeitung eine SB gesucht und eingestellt, da mir wichtig war, ab dem
ersten Schultag eine zu haben. Das Sozialamt hat dann nach einem 3/4 Jahr hin und
her bezahlt.
Wichtig ist immer, daß die SB keine pädagogischen Aufgaben übernehmen soll!

Bist Du sicher, daß Dein Sohn die Regelschule schafft? In der Förderschule sind die
Klassen viel kleiner und bei uns gibt es auch die Möglichkeit einer Vorschulklasse.
Immerhin ist er noch ziemlich jung.

LG und gute Nerven
Anja
Wir sind so gerne in der freien Natur, weil diese keine Meinung über uns hat.
Nietzsche
___________
*68
*2003 Tochter, Zicke
*2007 Sohn, partielle Tetrasomie 15, frühkindlicher Autismus
*2010 Sohn, Trotzphase

MelSch
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Re: Jugendamt will Schulbegleitung ablehnen

Beitrag von MelSch »

Hallo!

Danke für die Antworten.

Der Antrag ist schon im April gestellt worden. Mit allen Berichten und Co. Mein Sohn hat ja bereits im KiGa die Individualbegleitung. Darum macht mich das auch so fertig.

Hab mich vertippt, er wird demnächst 6 Jahre alt.
Ja, er würde die Regelschule schaffen. Er hat sich selbst lesen und schreiben beigebracht ("Groß, - und Kleinbuchstaben) und ist kognitiv sehr fit. Nur sozial- emotional nicht.

Zur Not zahlen wir die IB selbst über die Verhinderungspflege. Aber das kann es ja nicht sein! 😢

Liebe Grüße,
MelSch

kati543
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Re: Jugendamt will Schulbegleitung ablehnen

Beitrag von kati543 »

Hallo,
die Schulbegleitung über die Verhinderungspflege zahlen...da reicht das Geld wohl nur 1-2 Monate. Bedenke, du musst auch Lohnnebenkosten zahlen. Das ist keine Alternative und die Verhinderungspflege wäre dann komplett genutzt.

Ich kenne es so:
Das Jugendamt braucht zwingend eine Diagnose einer SEELISCHEN BEHINDERUNG. Eine „kombinierte Entwicklungsstörung“ ist keine seelische Behinderung. Autistische Züge ist gar keine Diagnose. Ich denke also der Fehler lag eher beim Sozialamt als beim Jugendamt. Typischer Fall von Zuständigkeitsgerangel. Mein Ältester war auch so ein „Problemfall“ damals. Er bekam die Autismusdiagnose erst nach der Einschulung. Unser Sozialamt (die Sachbearbeiterin war immer sehr nett) hat mir damals geraten, sofort beim Gesundheitsamt eine Überprüfung der Zuständigkeit zu beantragen. Das ging recht fix. Seitdem zahlt das Jugendamt zähneknirschend die Schulbegleitung. Er ist auch leicht körperbehindert - das muß aber nicht über die Eingliederungshilfe laufen. Therapien und Hilfsmittel errhält er von der Krankenkasse.

Die Geschichte mit der Förderschule bringt das Jugendamt gern. Leider übersieht es dabei, dass die Schulbegleitung kein Lehrer ist. Die Schulbegleitung ist für andere Bereiche zuständig als der Lehrer. Allerdings stimmt es, dass die Jugendämter es sehr gern sehen, wenn die Kinder wenigstens einen sonderpädagogischen Förderbedarf haben - man kann ja trotzdem lernzielgleich beschult werden. Mein Ältester hat z.B. bei lernzielgleicher Beschulung (auch noch heute in der 7. Klasse) den Förderbedarf Sprachheilförderung. Gerade bei seinen ganzen sprachlichen Problemchen und die LRS hat uns das viel gebracht. Nachteilsausgleiche wegen LRS gibt es (zumindest hier) ab der 7. Klasse nicht mehr so ohne weiteres.

LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Hallo Mel,

ich musste grade nachlesen. Man (das SPZ?) hatte Euch geraten, den Buben weiter unter der Diagnose „globale Entwicklungsstörung“ laufen zu lassen, damit er beim Bezirk bleiben kann und nicht zum JA kommt, wie es mit der Diagnose ASS mit normaler Intelligenz sein müsste.
ftopic137411.html#p2200501
Das ist ja offenbar gründlich daneben gegangen.
Kannst Du da mal nachhaken, die haben Euch die Suppe ja mit eingebrockt?
Die SB braucht er allein wegen dem autistischen Verhalten? - dann ergibt sich eine klare JA-Zuständigkeit. Die „globale“ Störung impliziert ja eine körperliche Behinderung auch ... das ist aber vom Tisch?

Das JA wird etwas Greifbares wollen, da muss nun der KJP entsprechend argumentieren. Ist sicher schwieriger ohne ASS-Diagnose, aber grundsätzlich zählt ja die konkrete Teilhabebeeinträchtigung, und die könnt Ihr ja - auch fachärztlich - gut belegen.
Ich soll mein Kind (IQ im Normbereich) in die Förderschule schicken, dann bräuchte er keine Schulbegleitung.
Das zählt nicht als Argument.
Immer alles schön schriftlich machen, telefonische Auskünfte sind nicht bindend, weil nicht belegbar.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

MelSch
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Re: Jugendamt will Schulbegleitung ablehnen

Beitrag von MelSch »

Hallo und danke für eure Antworten!

Puh ja, selber bezahlen ginge nur im absoluten Notfall.

Ja, das SPZ hat uns das so gesagt und der Träger der Individualbegleitung hat das auch bestätigt. Drum bin ich erstmal echt baff gewesen, daß wir zum JA weitergeleitet wurden.

Die IB braucht er wegen dem autistischen Verhalten (Kontakt Gleichaltrige, soziales Gefüge schnell überfordert, wird dann körperlich...) und weil er noch nicht zuverlässig sauber ist. Die IB musste ihn im KiGa noch wickeln. Das wurde jetzt besser (in der Corona Krise hat mein Bub einen riesen Sprung in dem Bereich gemacht!).
Aber er braucht noch viel Hilfe bzgl. Toilette. Bis vor kurzem musste sein Darm noch alle 2 Tage gespült werden. Steht auch im Gutachten.
Auch An, - und Ausziehen klappt noch nicht (Dyspraxie!).
Und er braucht noch Beaufsichtigung beim Essen ( Kau-, und Schluckstörung).

Am Donnerstag wird sich das JA melden. Natürlich ist jetzt in den Ferien in der Schule keiner da. Aber auch die Schule hat bereits geschrieben, daß mein Kind eine Schulbegleitung wegen sozial-emotionaler Schwierigkeiten braucht.

Liebe Grüße, MelSch

Sandra F
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Re: Jugendamt will Schulbegleitung ablehnen

Beitrag von Sandra F »

Hallo,

es wurde ja schon viel geschrieben.
Da du den Antrag schriftlich gestellt hast, auf alle Fälle darauf bestehen, dass du die Ablehnung schriftlich bekommst.
Hattet ihr eine Anhörung?
Dazu sind sie verpflichtet, bevor abgelehnt wird.

Bleib hart. Immer schön sachlich ,aber konsequent bleiben.

Viel Erfolg
Lg
Sandra
Christopher 09/2006 Asperger + ADHS

MelSch
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Re: Jugendamt will Schulbegleitung ablehnen

Beitrag von MelSch »

Hallo Sandra!

Oh danke, das mit der Anhörung wusste ich nicht!
Ich bleibe sachlich - und heule erst hinterher. 😬

Liebe Grüße,
MelSch

Sophie-11
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Re: Jugendamt will Schulbegleitung ablehnen

Beitrag von Sophie-11 »

Liebe MelSch!

Auch bei uns wollte das JA gerne erstmal alle anderen, vor allem die Schule vorschieben. Die Schulbegleitung haben wir erst nach Widerspruch bekommen. In der Zeit habe ich Einiges an Gerichtsurteilen etc. zu dem Thema gesammelt, ich kann Dir gerne Einiges zur Verfügung stellen, je nachdem, wie Euer JA genau argumentiert (aber - wie schon gesagt - verlange es schriftlich!).

Solltet Ihr in NRW wohnen, solltet Ihr es Euch mit dem Förderbedarf gut überlegen, denn Inklusion wurde hier wieder drastisch zurückgefahren und es gibt bei den weiterführenden Schulen kaum noch Regelschulen mit GU. Dafür gibt es hier klare Gerichtsentscheidungen darüber, dass ein AOSF keine Grundbedingung für die Gewährung einer Schulbegleitung ist.

Gerne empfehle ich ja diese Arbeitshilfe für Jugendämter, damit kann man den ganzen Prozess besser nachvollziehen und auch gerne mal Falschaussagen des JA verifizieren. Z.B. dass das Jugendamt nicht das Recht hat zu verlangen, Euer Kind auf eine Förderschule zu schicken. Die Entscheidung liegt in NRW bei der Schulaufsichtsbehörde, in anderen BL dürfte das ähnlich sein.

Wegen der Voraussetzungen:
Nach § 35a SGB VIII haben Kinder oder Jugendliche einen Anspruch auf Eingliederungshilfe, wenn
1. ihre seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für ihr Lebensalter
typischen Zustand abweicht und
2. daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist oder eine solche Beeinträchtigung mit
hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist.
Ersteres ist durch das ärztliche Gutachten zu belegen und soll sich am ICD-10 ausrichten, muss aber keine Autismus-Diagnose beinhalten. Wichtig ist die Abweichung vom für das Lebensalter typischen Zustand, und das sollte bei Euch m.E. doch gegeben sein. Der zweite Punkt wird dann durch die Fachkraft des JA geprüft.

Bleibe immer sachlich-freundlich, verlange alles schriftlich und am Besten mit Rechtsgrundlage, dann wird das hoffentlich! Alles Gute! :icon_thumleft:
der Große *12/2007 (eher Spektrumsnah)
der Mittlere *09/2010 (Asperger und Vd auf ADHS)
die Kleine *02/2014 (Asperger)

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