Schule in der Corona-Zeit

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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esram
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Re: Schule in der Corona-Zeit

Beitrag von esram »

Anna Pia hat geschrieben:
29.05.2020, 07:58
“Das Gegenteil von gemeinsam“. Der Fall eines Siebenjährigen mit Down-Syndrom zeigt, wie gefährdet Inklusions-Erfolge in Corona-Zeiten sind

Hier weiterlesen: https://www.sueddeutsche.de/politik/ink ... -1.4921039

Ein halbseitiger Artikel äußerst prominent platziert im Politik-Teil der Süddeutschen Zeitung (das kommt in der Online-Ausgabe nicht so rüber, macht aber natürlich sehr viel aus für die Wahrnehmung.)

So. Jetzt kennt man den Frederik mit Bild und vollem Namen sowie den Namen seiner Eltern inklusive der Behinderung/Beeinträchtigung, die er hat.

Ich bin fassungslos, wie man hier mit den sensiblen Daten umgeht von einem Kind.

Das kann nicht das Ziel von Inklusion sein, dass man die Identität eines Kindes in der Öffentlichkeit sowie im Internet (!!!) missbrauchen muss, um zu seinem Recht zu kommen.

Corona hin oder her - DAS hätte man anders lösen können!

Das Internet vergisst nie.
esram mit Sohn Sommer2013 (chronische Verstopfung ohne Diagnose, Verdacht auf Morbus Hirschsprung, Verdacht Tumor FNH Leber) und Sohn Winter2015 (nix)

Anna Pia
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Re: Schule in der Corona-Zeit

Beitrag von Anna Pia »

Hallo esram,

ich bin mir nicht ganz sicher, über wen du dich gerade so erregst? Es wurde sowohl hier als auch in der Süddeutschen wie auch in der Lokalpresse, die die Süddeutsche erwähnt, immer die echten Namen, die Behinderung, Wohnort und Alter des Kindes benannt. Ich habe das vor meinem Zitat überprüft. Es wirkte nicht so, als wolle man eine Identät geheim halten wollen.

Ich persönlich finde es sowas von toll, dass diese so unglaubliche Geschichte die öffentliche Aufmerksamkeit und auch Empörung erfährt, die sie verdient. Es ist äußerst bedauerlich, dass die vierte Gewalt in diesem Land offensichtlich notwendig ist, um deutlich zu machen, dass man Kinder nicht hinter Glasscheiben separieren kann, um ein Problem zu lösen. Also wenn DAS die pädagogische Antwort und Weisheit letzter Schluss ist, na, dann gute Nacht.

Dass der Junge auf der gleichen Seite abgebildet ist wie das Foto von Frankreichs Präsident Macron. Ganz wunderbar.

Dass es für die einzelnen Eltern, die ein Menschenrecht für ihre Kinder durchsetzen möchten, echt auch schwierig werden kann mir dieser Öffentlichkeit (man würde ja lieber anderes tun), versteht sich von selbst. Aber offensichtlich geht es hier nicht anders. Aber irgendwann, so die Hoffnung, braucht‘s das nicht mehr.

Und klar: Sollte die Mutter den Link gelöscht haben wollen, wäre ich die letzte, die dagegen ist. Ich will niemanden irgendwie enttarnen. Mir ging‘s um was ganz anderes.
Anna Pia: Kinderlose Historikerin auf der Suche nach einer inklusiven Gesellschaft.

Elena2012
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Re: Schule in der Corona-Zeit

Beitrag von Elena2012 »

Hallo Esram,

ich bin die Mama von Frederick. Was sind denn die sensiblen Daten von Frederick? Sein Name oder die Namen seiner Eltern? Oder dass er das Down-Syndrom hat? Das wird sich nicht herauswachsen, auch in zwanzig Jahren hat er das Down-Syndrom. Und das kein Grund, weswegen er sich später schämen muss.

rena99
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Re: Schule in der Corona-Zeit

Beitrag von rena99 »

Hallo,

die Diskussion der letzten Seiten zeigt, wie schwierig die Diskussion ist une wie schwierig auch die wissenschaftlich Einordnung ist. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum SARS-CoV2-Virus wachsen tatsächlich täglich und die große Verunsicherung kommt daher, dass man eben ältere Datenlagen nicht unbedingt mit den neuen Erkenntnissen übereinbringt. Darunter leidet auch der wissenschaftliche Diskurs.

Gerade im gestrigen Podcast ist Christian Drosten ausführlich auf die Problematik eingegangen, es lohnt sich, den noch mal anzuhören: https://mediandr-a.akamaihd.net/downloa ... 0-3300.mp3.

Stand heute sieht es so aus, als könne man sich mehr Öffnung leisten und eben auch Öffnung von KiTas und Schulen, als man das vor wenigen Wochen noch gedacht hat. Das ist ja insbesondere auch für das nächste Schuljahr relevant. Ebenfalls Stand heute sieht es so aus, als müsse man sich am Ehesten um eine schnelle Isolation von sog- "Spreading-Events" kümmern, d.h. tritt ein Corona-Fall in einer Schulklasse auf (oder in einem Chor, einer Kirchengemeinde, einer Sportveranstaltung im geschlossenen Raum), ist für 3 Tage rückwärts ab den ersten Symptomen jeder dieser Gruppe (also die Klasse, nicht die ganze Schule, die Anwesenden der bestimmten Chorprobe, die Trainingsgruppe) für 1 Woche in Quarantäne zu schicken.

Wenn das wirklich so ist, dann können wir wirklich viel gelassener nach vorne schauen und ggf. in Schulen in den festen Lerngemeinschaften sogar ohne Maske und auf engerem Abstand arbeiten. Die Infektionszahlen werden dann trotzdem langsam zurückgehen. Während man Lerngruppen, Chormitglieder etc. gut kennt, wird es wichtig sein, Kontakt-Tracing in Innenraumveranstaltungen zu etablieren, z.B. in Restaurants odre öffentlichen Kirchen.

Wichtig ist mir noch mal: die wissenschaftliche Erkenntnis schreitet stetig fort, wir müssen unser Handeln deshalb ständig neu justieren. Die Rückschau ist da nur begrenzt hilfreich. Ja, der Lockdown war unter der damaligen Datenlage sinnvoll und richtig, auch die Schulschließungen. Jetzt können und sollten Schulen wieder öffnen, für alle Kinder. Die wichtige Frage ist hier, wie schützen wir Kinder aus Risikogruppen.

LG
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rena99
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Re: Schule in der Corona-Zeit

Beitrag von rena99 »

Elena2012 hat geschrieben:
29.05.2020, 18:09
Hallo Esram,

ich bin die Mama von Frederick. Was sind denn die sensiblen Daten von Frederick? Sein Name oder die Namen seiner Eltern? Oder dass er das Down-Syndrom hat? Das wird sich nicht herauswachsen, auch in zwanzig Jahren hat er das Down-Syndrom. Und das kein Grund, weswegen er sich später schämen muss.
Hallo Elena,

in diesem Fall sehe ich auch kein Problem mit den Persönlichkeitsrechten deines Sohns, obwohl ich da sonst auch sehr vorsichtig bin. Manchmal muss man einfach aktiv werden, gerade im Interesse der Kinder.

In der Sache selbst zeigt sich im Wesentlichen die große herrschende Verunsicherung. Schulen fürchten nicht nur die Kritik der Eltern von Förderkindern, sondern in besonderem Maße (eben weil es auch mehr sind), die Kritik der Eltern ihrer Schüler überhaupt. Wahrscheinlich gehen denen zig furchtbare Szenarien durch den Kopf, von Klagen, mit denen sie sich dann auseinandersetzen müssen.

Das kann und soll keine Entschuldigung sein für die "Käfig-Haltung", die geht selbstverständlich gar nicht. Es ist für mich mehr ein Zeichen dafür, dass man unter emotionalem und zeitlichen Druck nicht zu Ende gedacht hat. Ich fürchte, das wird auch noch eine Weile so bleiben.

LG
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Re: Schule in der Corona-Zeit

Beitrag von Alexandra2014 »

rena99 hat geschrieben:
29.05.2020, 18:21
Hallo,

die Diskussion der letzten Seiten zeigt, wie schwierig die Diskussion ist une wie schwierig auch die wissenschaftlich Einordnung ist. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum SARS-CoV2-Virus wachsen tatsächlich täglich und die große Verunsicherung kommt daher, dass man eben ältere Datenlagen nicht unbedingt mit den neuen Erkenntnissen übereinbringt. Darunter leidet auch der wissenschaftliche Diskurs.

Gerade im gestrigen Podcast ist Christian Drosten ausführlich auf die Problematik eingegangen, es lohnt sich, den noch mal anzuhören: https://mediandr-a.akamaihd.net/downloa ... 0-3300.mp3.

Stand heute sieht es so aus, als könne man sich mehr Öffnung leisten und eben auch Öffnung von KiTas und Schulen, als man das vor wenigen Wochen noch gedacht hat. Das ist ja insbesondere auch für das nächste Schuljahr relevant. Ebenfalls Stand heute sieht es so aus, als müsse man sich am Ehesten um eine schnelle Isolation von sog- "Spreading-Events" kümmern, d.h. tritt ein Corona-Fall in einer Schulklasse auf (oder in einem Chor, einer Kirchengemeinde, einer Sportveranstaltung im geschlossenen Raum), ist für 3 Tage rückwärts ab den ersten Symptomen jeder dieser Gruppe (also die Klasse, nicht die ganze Schule, die Anwesenden der bestimmten Chorprobe, die Trainingsgruppe) für 1 Woche in Quarantäne zu schicken.

Wenn das wirklich so ist, dann können wir wirklich viel gelassener nach vorne schauen und ggf. in Schulen in den festen Lerngemeinschaften sogar ohne Maske und auf engerem Abstand arbeiten. Die Infektionszahlen werden dann trotzdem langsam zurückgehen. Während man Lerngruppen, Chormitglieder etc. gut kennt, wird es wichtig sein, Kontakt-Tracing in Innenraumveranstaltungen zu etablieren, z.B. in Restaurants odre öffentlichen Kirchen.

Wichtig ist mir noch mal: die wissenschaftliche Erkenntnis schreitet stetig fort, wir müssen unser Handeln deshalb ständig neu justieren. Die Rückschau ist da nur begrenzt hilfreich. Ja, der Lockdown war unter der damaligen Datenlage sinnvoll und richtig, auch die Schulschließungen. Jetzt können und sollten Schulen wieder öffnen, für alle Kinder. Die wichtige Frage ist hier, wie schützen wir Kinder aus Risikogruppen.

LG
Rena
Perfekt zusammengefasst. Ich hatte heute Mittag schon mit gleichem Inhalt zu schreiben begonnen, wurde aber immer wieder unterbrochen.

PS: die VirOlogen hab ich jetzt auch im Griff. 😁 Danke dafür!
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

grace
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Re: Schule in der Corona-Zeit

Beitrag von grace »

rena99 hat geschrieben:
29.05.2020, 18:21
heute sieht es so aus, als müsse man sich am Ehesten um eine schnelle Isolation von sog- "Spreading-Events" kümmern, d.h. tritt ein Corona-Fall in einer Schulklasse auf (oder in einem Chor, einer Kirchengemeinde, einer Sportveranstaltung im geschlossenen Raum), ist für 3 Tage rückwärts ab den ersten Symptomen jeder dieser Gruppe (also die Klasse, nicht die ganze Schule, die Anwesenden der bestimmten Chorprobe, die Trainingsgruppe) für 1 Woche in Quarantäne zu schicken.
....Jetzt können und sollten Schulen wieder öffnen, für alle Kinder. Die wichtige Frage ist hier, wie schützen wir Kinder aus Risikogruppen.
Hallo Rena,

Aber was ist wenn die infizierte/n Person/en eben gar keine Symptome haben und die Sache erst dann rauskommt wenn sich Risiko Patienten anstecken? Das war und ist ja das große Problem, besonders am Anfang des Ausbruchs in Italien, so war z.B. die ganze Familie des Patienten 1 schon infiziert und die Frau meines Kollegen war 60 (!) Tage positiv ohne irgendwelche Symptome zu haben ihre Kollegin genau so. Es handelt sich um zwei Frauen in meinem Alter (also um die 50) und die beiden haben es nur durch Zufall durch vorsorgliche Tests erfahren da sie in einem Altersheim arbeiten. Das ist Mitte März passiert, kurz vor dem lockdown.

Die Antwort ist also TTT (testen, testen, testen), in Schulen, Kitas, überall dort wo Sicherheitsabstände und Masken nicht möglich sind.

LG

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Re: Schule in der Corona-Zeit

Beitrag von Alexandra2014 »

grace hat geschrieben:
29.05.2020, 19:46
rena99 hat geschrieben:
29.05.2020, 18:21
heute sieht es so aus, als müsse man sich am Ehesten um eine schnelle Isolation von sog- "Spreading-Events" kümmern, d.h. tritt ein Corona-Fall in einer Schulklasse auf (oder in einem Chor, einer Kirchengemeinde, einer Sportveranstaltung im geschlossenen Raum), ist für 3 Tage rückwärts ab den ersten Symptomen jeder dieser Gruppe (also die Klasse, nicht die ganze Schule, die Anwesenden der bestimmten Chorprobe, die Trainingsgruppe) für 1 Woche in Quarantäne zu schicken.
....Jetzt können und sollten Schulen wieder öffnen, für alle Kinder. Die wichtige Frage ist hier, wie schützen wir Kinder aus Risikogruppen.
Hallo Rena,

Aber was ist wenn die infizierte/n Person/en eben gar keine Symptome haben und die Sache erst dann rauskommt wenn sich Risiko Patienten anstecken? Das war und ist ja das große Problem, besonders am Anfang des Ausbruchs in Italien, so war z.B. die ganze Familie des Patienten 1 schon infiziert und die Frau meines Kollegen war 60 (!) Tage positiv ohne irgendwelche Symptome zu haben ihre Kollegin genau so. Es handelt sich um zwei Frauen in meinem Alter (also um die 50) und die beiden haben es nur durch Zufall durch vorsorgliche Tests erfahren da sie in einem Altersheim arbeiten. Das ist Mitte März passiert, kurz vor dem lockdown.

Die Antwort ist also TTT (testen, testen, testen), in Schulen, Kitas, überall dort wo Sicherheitsabstände und Masken nicht möglich sind.

LG
60 Tage positiv getestet heißt aber nicht zwingend auch 60 Tage ansteckend.
Und viel Testen ist ja genau der Plan!
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

grace
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Re: Schule in der Corona-Zeit

Beitrag von grace »

Hallo Alex,

Das ist mir neu, der Frau meines Kollegen wurde gesagt das sie sehr wohl ansteckend sei und das ist ja auch logisch, jeder Abstich war positiv (es wurden mehrere gemacht) das heißt doch ganz klar das Viren im Nasen-Rachen Bereich waren. Erst nach dem zweiten Negativen Abstrich durfte sie und die ganze Familie wieder arbeiten gehen, bis dahin strenge kontrollierte Quarantäne, sie durften nicht mal den Müll heraus bringen!

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Alexandra2014
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Re: Schule in der Corona-Zeit

Beitrag von Alexandra2014 »

Inzwischen weiß man eben mehr.
Es gab einige Fälle in China, die mehrfach positiv getestet wurden. Man geht davon aus, dass noch Virusfragmente vorhanden waren. Die Patienten waren zu dem Zeitpunkt aber nicht mehr ansteckend.
Das ist genau das, was rena meinte. Es gibt permanent neue Erkenntnisse zum Virus. Da kann man eben nicht mehr damit argumentieren, was vor Wochen oder Monaten Stand der Dinge war.
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

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