Diskriminierung von KME/ GE-Schülern in der Corona Krise

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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RikemitSohn
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Re: Diskriminierung von KME/ GE-Schülern in der Corona Krise

Beitrag von RikemitSohn »

Hallo Angie,

in Erinnerung würde ich mich immer rufen. Aber ich würde nicht platt eine Schulöffnung fordern, sondern eine wirkliche Idee und einen Plan. So wie die Pläne sind an den Schulen, sind sie nicht parktikabel im Sinne von gutem Schutz vor Corona. Bei allen Gruppen, die Abstand nicht leisten können, braucht es Ideen und als Mutter kann frau freundlich, aber bestimmt daran erinnern.
Ich denke, dass dein Bauchgefühl richtig ist, dass die Regelschulen momentan im Fokus sind. Wobei ich glaube, dass sie bei Förderschulen, Kitas...einfach keine Lösung finden. Denn wenn dort nur im Ansatz eine Idee wäre, würden sie diese im Sinne der Wirtschaft nutzen. Ich arbeite auch mit Kindern und hätte auch keine Idee, wie das zu machen ist. Ausser Abstand halten bei Menschen, die es alters- oder behinderungsbedingt nicht verstehen, geht nicht.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

Angela77
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Re: Diskriminierung von KME/ GE-Schülern in der Corona Krise

Beitrag von Angela77 »

Hallo Rieke,

ich hätte gar nicht vorgehabt, platt auf eine Schulöffnung zu bestehen, sondern wie du schon sagst, darum zu bitten, sich auch für Situationen am KME und GE Schulen EXPLIZIT Gedanken zu machen.

Denn auch an GE-Schulen - und erst recht an einer KME-Schulen - gibt es eben auch durchaus Schüler, die in der Lage sind, sich an die Abstandsregeln zu halten. Förderschulbesuch GE bzw. KME AUTOMATISCH gleichzusetzen mit dem geistigen Entwicklungssand von maximal 9 Jährigen geht an der Realität einfach m.E. auch vorbei ...

Was ich aber auch ärgert ist, dass es an Regelschulen keine Maskenpflicht gibt! Damit könnte wahrscheinlich leicht eine Menge Infektionen verhindern, v.a. auch, dass sich die Kinder dauernd ins Gesicht fassen. Durchschnittlich macht das ein gesunder Erwachsener - unbewusst - alle vier Minuten :icon_pale: :icon_pale: :icon_pale: Jedenfalls in VorCorona-Zeiten :)

Nun kann ja sogsar der Ansicht sein, dass von nicht gewaschenen Masken langfristig (vielleicht) ein noch größeres Risiko ausgehen könnte.

Wie wäre es dann aber mit schuleigenem Mundschutz bzw. waschbaren Mundschutzmasken, die in der Schule verbleiben und von dort der hygienischen Aufbereitung zugeführt werden? Das hat Vorlaufzeit, klar! Aber ich war auch nicht dafür, die Regelschulen schon jetzt zu öffnen :)

Mundschutz würde mein Sohn wahrscheinlich aus sensorischen Gründen aber wirklich nicht akzeptieren :icon_pale: :icon_pale: :icon_pale: . Haben wir schon probiert. Mit Abstandhalten hat er - alllerdings erst SEIT Corona :P -kein Problem: Es wurde eine Regel aufgestellt, dass dies absolut notwendig ist ihm sachlich erklärt warum - und gut war es. Er geht seit Verkündigung der Schulschließung sogar Menschen aktiv aus dem Weg, wenn sie ihm auf dem Gehweg zu nahe kommen :mrgreen: und hat nicht einmal nach seinem geliebten Busfahren oder seiner FuDlerin gefragt, was an normalen Wochenende bzw. in normalen Wochenende morgens seine Standardfragen sind.
Aber ja, Bene besucht eine KME Schule und hat mittlerweile auch den Förderbedarf GE und das ist auch richtig so, bei einem Kind, das nicht auf Knopfdruck "Leistung" in Form von Prüfungen abliefern und auch nicht sprechen kann. Nichtsdestotrotz traut ihm sein Lehrerteam auch kognitiv sehr viel zu. Wir erarbeiten gerade das Bruchrechnen zu Hause, mit außerdrücklicher Genehmigung bzw. auch auf Wunsch der Lehrinnen, dem Kind kognitiv so viel wie möglich anzubieten, um seine Stärken und sein Selbstbewusstsein zu stärken.

Es bleibt also kompliziert. Aber von vornherein zu unterstellen, dass alle Schüler einer KME und GE Schule verhaltensmäßig immer Kindern unter 10 JAhren gleich zu stellen sind, ist auch keine Lösung . :wink:

LG
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)

Katrin2001
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Re: Diskriminierung von KME/ GE-Schülern in der Corona Krise

Beitrag von Katrin2001 »

Hallo.....nur ganz kurz.(Mein ausführlicher Text ist verschwunden :( )
Meine Tochter hat eine SB und kann ab nächste Woche 1,5-3 Stunden zur Betreuung in die Schule.Sie hat dort nur mit der SB Kontakt und das finde ich vertretbar.Uns wurde gleich zu Beginn der Schulschließung mitgeteilt,das wir auf Grund der bestehenden Schulassistenz bei Überforderung zu Hause Unterstützung bekommen.Vielleicht auch eine Option für einige eurer Kids?LG Katrin
Katrin mit Sophie geb.Juli 01 entwicklungsverzögert, wahrnehmungsst. ,Hirnschädigung,motor.Probleme.,Autistische Züge,verhaltensauffällig. Genetische Auffälligkeiten ,Sprachprobleme ,aber ne total süße Maus

RikemitSohn
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Re: Diskriminierung von KME/ GE-Schülern in der Corona Krise

Beitrag von RikemitSohn »

Hallo Angie,

das habe ich bei dir auch so verstanden :) . Ich habe das mit den Schulöffnungen wahrscheinlich noch mal betont, weil in meinem Umfeld von vielen ohne Sinn und Verstand nach Öffnung gerufen wird. Die Eltern fühlen sich belastet und haben keine Lust auf Hausunterricht (meine nicht Eltern im Pflegenotstand oder Gefahr vor Jobverlust). Das sehe ich nicht als Grund Menschen der Gefahr einer tödlichen Krankheit auszusetzen. Es muss an guten Lösungen für alle gearbeitet werden, aber viele um mich herum sehen nur ihre persönliche Freiheit ohne an die Folgen zu denken.
Man sollte sich für gute Betreuung und Corona-Schutz einsetzen. Daher finde ich deinen Plan sehr gut. Kinder einfach in die Schulen zu stopfen führt wahrscheinlich nicht zum Ziel. Mein Sohn ist zum Glück erst einmal befreit von Schule, sonst hätte ich jetzt auch nachgehakt.

LG Rike
P.s.: Mich würde eine eventuelle Antwort interessieren :D
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

Sascha11
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Re: Diskriminierung von KME/ GE-Schülern in der Corona Krise

Beitrag von Sascha11 »

Hallo,
Ich empfinde es auch als Diskriminierung!
Ich habe normales GS- Kind und eines mit geistiger Behinderung.
Da sieht man direkt wie viel schwieriger die Betreuung ist, aber auch dass beide nicht die Hygienestandards einhalten können zu 100%.
Allerdings sind die Gruppengrößen auch unterschiedlich: hier 25 dort 7. Beides könnte geteilt werden. Wo wäre also mehr Ansteckungsgefahr?!
Und ich habe auch gehört, dass Kinder mit Schulbegleitung eine Lösung angeboten wird. Man geht doch zu einer Fördereinrichtung weil man hofft, dass dort die meiste Unterstützung ist auch in Krisen und nicht in der Regelschule?!
So schwierig die Situation ist, ich habe keinen Optimismus, dass es sich in diesem Jahr (und zwar nicht Schuljahr!) komplett ändert und hoffe, dass jetzt geplant wird was/ wie geht.
LG Sascha
Bieni 2/ 15:
Geistige Behinderung

rena99
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Re: Diskriminierung von KME/ GE-Schülern in der Corona Krise

Beitrag von rena99 »

In NRW wird an einigen Förderschulen wieder unterrichtet, in der Tat gilt dies aber nicht für GE-Schulen....
https://www.schulministerium.nrw.de/doc ... index.html
4. Förderschulen
Auch in den Förderschulen soll ab Donnerstag, 23. April 2020, mit Blick auf die Abschlussklassen der Unterricht grundsätzlich wieder aufgenommen werden. Das gilt auch für Schülerinnen und Schüler in den Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Körperliche und motorische Entwicklung, soweit sie sich auf schulische Abschlüsse vorbereiten.

Im Übrigen bleiben die Förderschulen mit den Förderschwerpunkten Geistige Entwicklung sowie Körperliche und motorische Entwicklung vorerst geschlossen. Schülerinnen und Schüler dieser Schulen benötigen zum einen oftmals ergänzende pflegerische und therapeutische Angebote, die besonderen Hygienemaßnahmen unterliegen; zum anderen ist es den Schülerinnen und Schüler aufgrund ihrer Disposition nicht immer in ausreichendem Maße möglich, die in Corona-Zeiten notwendigen Regeln einzuhalten.
Quelle: https://www.schulministerium.nrw.de/doc ... index.html



Gruß
Rena
Rena mit (mittlerweile erwachsener) Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung, HB)

Naniol
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Re: Diskriminierung von KME/ GE-Schülern in der Corona Krise

Beitrag von Naniol »

Hallo
Ich denke die Hygienemaßnahmen sind bei vielen KME und/ oder geistig Behinderten Kindern fast nicht umsetzbar.
Man ist immer am Kind. Hilfe oder Übernahme beim Essen, Körperhygiene, geistige Defizite, die sie vergessen odernicht verstehen lassen, das man Abstand einhalten muss.
Natürlich ist es eine Herausforderung die Zeit zuhause zu gestalten doch es ist die sicherste Variante.
Wir leben in NRW und ich gehe nicht davon aus das es noch Unterricht vor den Sommerferien geben wird.
Ich hatte vor zwei Tage eine E Mail an das Ministerium für Gesundheit geschrieben denn die VHP und de Entlastungsbetrag werden bei Berufstätigen in diesem Jahr bei weitem nicht ausreichen.
Da sehe ich eher das Problem als die Betreuung zuhause.
Viele Kinder haben massive körperliche Einschränkungen und Erkrankungen und keiner kann sagen wie sie auf das Virus reagieren würden. Die sicherste Variante ist zuhause.
Unser Sohn wird nach den Sommerferien erst wieder gehen vorher ist es uns zu unsicher.
Gruß Nicole
Nadja 07/2000 kerngesund phil 04/2011 ARHGEF9 Syndrom fokale
Epilepsie, nonverbal , Entwicklungsretadierung , geistige Behinderung Kleinwuchs..... ) GDB 100% aG B H Pflegegrad 5 ein lachender Sonnenschein

kati543
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Re: Diskriminierung von KME/ GE-Schülern in der Corona Krise

Beitrag von kati543 »

Hallo,
ich finde es immer interessant, wie viele schnell sagen, dass es hier eine Diskriminierung gibt.
Was wissen wir denn schon SICHER? Natürlich jeder nach aktuellen Stand und jeder in seinem Bundesland?

Nachdem unser Kultus einen Brief an die „Lieben Eltern“ verfasst hat, der wirklich nicht zu verstehen war :D, gab es bei uns an der Schule anscheinend doch gehäuft Rückfragen der Eltern (offenbar nicht nur von mir). Es gab eine „Erläuterungsmail“...mal mit klaren Aussagen (offenbar von unserem Schulleiter).
1. Die Klassen 9, 10 und 12 (IGS) beginnen am 27.04.
2. Man HOFFT (!), dass alle anderen Klassen auch wenigstens einmal in die Schule kommen können. Es geht hier also keinesfalls um die Entlastung der Eltern, sondern einfach um das kurze Treffen zwischen Lehrer und Schüler, damit der Lehrer ggf. auch mal spezielle Lehrmaterialien zusammenstellen und verleihen und vielleicht auch mal noch ein paar Noten vergeben kann. Schon an diesem Punkt wird mir klar, dass es keine Benachteiligung der GE-Schüler gibt. Es ist ja durchaus möglich, dass die Eltern zu einem gewissen Termin in die Schule kommen (vielleicht sogar mit Kind) und dann mit dem Lehrer über das weitere Vorgehen sprechen.
3. GE-Schüler und Kinder bis inkl. 3. Schuljahr betreten die Schule ohnehin nicht mehr vor den Ferien. Bei KME kommt es darauf an, was der Arzt sagt und wie der 2. Förderbedarf ist (falls es ihn gibt).

Einen „normalen“ Unterricht (ggf. mit Abstand und Maske...oder wie auch immer) wird es vor den Ferien zumindest hier nicht mehr geben. Man sollte das vielleicht in seine Überlegungen mit einbeziehen. Was nützt es mir, wenn mein GE-Kind in seine Klasse geht? Ja, er trifft dort seine Schulfreunde und freut sich total darüber. Er würde sich auch freuen seine SB zu sehen, sicher hat er sogar seine Lehrer total vermisst. Nur nach ein paar Tagen sitzt er hier wieder zu Hause. Jetzt hat er sich daran gewöhnt. Ich habe ihm eine Struktur gegeben. Das funktioniert. Ihn wieder rausreißen nur wegen so einer kurzen Zeit? Dann doch lieber nur einen „kurzen Besuch“ in der Schule an einem Tag.
LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

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Alexandra2014
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Re: Diskriminierung von KME/ GE-Schülern in der Corona Krise

Beitrag von Alexandra2014 »

So wie es derzeit aussieht, wird das Ganze wohl noch sehr viel länger dauern, als viele gehofft haben.

https://www.focus.de/politik/deutschlan ... 04751.html
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

melly210
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Re: Diskriminierung von KME/ GE-Schülern in der Corona Krise

Beitrag von melly210 »

Alexandra2014 hat geschrieben:
21.04.2020, 13:53
So wie es derzeit aussieht, wird das Ganze wohl noch sehr viel länger dauern, als viele gehofft haben.

https://www.focus.de/politik/deutschlan ... 04751.html
Ich finde es sehr richtig, man muß die Wahrheit sagen. Wir Eltern müssen uns für die nächsten 6 bis 18 Monate auf deutlich mehr Betreuungsarbeit einstellen. Auch wenn die Schulen und Kindergärten wieder öffnen, wird das wahrscheinlich Kleingruppenunterricht an vielleicht 2 Tagen die Woche heißen, Mehr nicht. Darüber hinaus so wie jetzt nur Notbetreuung.
Söhnchen (02/2015) mit motorischer Dyspraxie und Wahrnehmungsstörungen

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