Corona- Chance auf Anerkennung Webschule als Ersatzschulen?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Ayden
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Corona- Chance auf Anerkennung Webschule als Ersatzschulen?

Beitrag von Ayden »

Liebe Alle,

einige von Euch tun sich - genau wie wir - ja etwas schwer mit der verbindlichen Präsenzpflicht Eurer Kinder an den unterschiedlichsten Schulen.
Die vom Staat immer ins Feld geführten `weltanschaulichen Gründe´ sind es vermutlich bei uns allen nicht, sondern ganz banal die körperliche oder seelische Überforderung oder die nicht optimale Didaktik bei anders denkenden Kindern.

Habt Ihr Euch schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie wir /ob wir ggf. die derzeitige Phase des erzwungenen Homeschoolings dazu (juristisch) nutzen könnten, für die Zukunft (leichter) Ausnahmeregelungen /abweichende Präsenzregelungen /Anerkennung von Webschulen als Ersatzschulen oder auch die Anerkennung von Schulen nach dem `Uracher Modell` für unsere Kinder zu erhalten?

Wie gesagt, es geht mir hier nicht um eine Grundsatzdiskussion, die ist, glaube ich, schon recht erschöpfend im Forum geführt worden.

Ich dächte eher an ein `brainstorming´ .

Vielleicht gereicht uns die derzeitige schwierige Lage sogar in dieser Hinsicht zum Vorteil : Schließlich `müssen´ die staatlichen Schulen den erzwungenen Unterricht ja auf die Schulpflicht anrechnen und wollen dies ja auch. Einige Länder haben die Schulpflicht ja sogar (vorübergehend) von sich aus aufgehoben (Sachsen zum Beispiel).

Ich bin gespannt auf Eure Ideen! (Wie gesagt, dies soll KEINE Grundsatzdiskussion werden!!!!)

Liebe Grüße, Ayden

kati543
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Re: Corona- Chance auf Anerkennung Webschule als Ersatzschulen?

Beitrag von kati543 »

Hallo,
soweit ich weiß, hatte nur Sachsen die Schulpflicht VORÜBERGEHEND aufgehoben um berufstätigen Eltern die Möglichkeit zu geben, in der einen Woche eine Betreuung für den Nachwuchs zu finden. Die anderen Bundesländer haben sofort gesagt, dass die Kinder ab Montag die Schulen nicht mehr betreten dürfen...was berufstätige Eltern in eine echte Zwangslage brachte.

Allerdings hoffe ich auch auf einen Lerneffekt im Kultus, in den Schulen und bei den Lehrern. Hätten wir nicht diese strikte Schulpflicht, wären Schulen auf „eLearning“ sehr viel besser vorbereitet. In den meisten Schulen läuft diesbezüglich leider gar nichts. Es sind eben „Ferien“...sehr lange Ferien. Das das für Abschlüsse keineswegs gut ist, interessiert irgendwie Keinen. Hier wird schon geträumt über Aussetzen der Benotung, Abiturzeugnis ohne vorherige Prüfung, o.ä. ...
Ich finde eine Schulpflicht gut und richtig. Nur soll diese nicht über 5 Tage die Woche gehen. Mir wäre eine Kopplung zwischen Schul- und Bildungspflicht am liebsten - z.B. 5 Tage Bildungspflicht, aber nur 2 Tage Schulpflicht (was nicht bedeutet, dass Kinder, die die Betreuung benötigen, nicht in die Schule gehen...eben so, wie es jetzt ist).
LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

DanyK
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Re: Corona- Chance auf Anerkennung Webschule als Ersatzschulen?

Beitrag von DanyK »

Hallo! Ja, diese Gedanken mache mir auch ! Und ich hoffe sehr, dass sich was ändert, und würde dies auch unterstützen!!!! Fände es aber auch gut, wenn die Möglichkeit des Homescooling ((komplett) möglich wäre! LG Dany
Dany mit Tom, *2008, Des. Medulloblastom und Sarah *2012

kati543
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Re: Corona- Chance auf Anerkennung Webschule als Ersatzschulen?

Beitrag von kati543 »

Hallo,
mmh...ich befürchte Homeschooling wird von Vielen überschätzt. Also derzeit ist das bei meinen Jungs ein Vollzeitjob deren Aufgaben in allen Fächern zu überwachen und zu beaufsichtigen. Das dann auch selbst zu machen... Der Druck ist unheimlich zu Hause. Das will ich eigentlich nicht zu Hause haben.
Ich kann ja mal schreiben, was der Große 7. Klasse IGS letzte Woche machen musste:
Deutsch: Gestaltung Werbeplakat, Gedichtanalyse
Englisch: 6 Seiten im WB + Vokabeln
LRS: 1 Arbeitsblatt ...es musste viel ins Heft geschrieben werden
Gl: 5 Seiten im Buch, neues Thema selbst erarbeiten mit Hilfe von Atlas, 5 Fragen
Kunst: Heft binden nach Vorlage, Umschlag gestalten
Mathe: 3 Seiten reine Aufgaben (kein Text)
NaWi: 6 Arbeitsblätter Blut
Projekt: Brainstorming
Sport: täglich gemeinsam online mit der Klasse
Dazu kommen noch täglich 3 Stunden mit der I-Kraft online.
LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
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RikemitSohn
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Re: Corona- Chance auf Anerkennung Webschule als Ersatzschulen?

Beitrag von RikemitSohn »

Hallo Ayden,

ich kann deine Idee verstehen, aber weiß nicht, ob man sich Freunde macht, wenn man eine Notlage für die eigenen Ziele ausnutzt. Das kann auch nach hinten losgehen und die Leute gegen euch aufbringen. Wenn man diese Krise für sich nutzen möchte, würde ich das danach machen und auf diese Zeit verweisen.
Ich persönlich finde es auch nicht schlimm, dass gerade von unserer Schule kaum Druck gemacht wird. Denn die Lage ist auch so für Familien schwierig genug.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

Ayden
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Re: Corona- Chance auf Anerkennung Webschule als Ersatzschulen?

Beitrag von Ayden »

Liebe Rike,

Missverständnis.

Ich will wohl kaum eine Notlage für `meine Ziele´ ausnutzen. Hier geht es um Ideensammeln, um eine aktuelle Strukturänderung (von den Ländern veranlasst!) positiv zu Gunsten aller weiterzudenken. Im Sinne von Diversifizierung und Individualisierung von Lern- und Unterrichtsprozessen.

Ich bin der Meinung, beim Lernen zählt das Ergebnis und nicht der Weg. Ein Scheitern von Kindern am System darf es nicht geben.

Es geht um Ideen von Euch, in wie weit die aktuelle Lage in den Kultusministerien Freiraum für `Denkspiele´ und intellektuelle Lockerheit zum Thema zulassen könnte. Sicherlich nicht in dem Sinne, dass wir als Eltern unsere Kinder durch einen starren Aufgabenparcours ´durchpeitschen´ oder selber zu Hilfslehrern mutieren (außer, dass viele von uns dies nolens volens bereits sind ÜÜÜÜÜÜ, völlig unentgeldlich natürlich!).

Viele von uns erleben doch, dass die Pädagogik an den Schulen, egal welchen, nicht allen Kindern gerecht werden und erreichen - gerade im Grundschulbereich- zu Hause viel raschere Lernfortschritte, einfach deshalb, weil wir wissen, was unseren Kindern das Lernen erleichtert. Dabei geht es um Rhythmisierung des Lernens (welche Aufmerksamkeitsspanne, welche Lerndauer, welche Darbietung des Unterrichtsstoffes, wie viel Druck ist nötig, Belohnungsrituale etc.), was interessiert unsere Kinder wirklich? (Lernen über Videodokumentationen, Anwendungsbeispiele, Basteln etc.), wie viel `Peers´ , also andere Kinder, brauchen unsere Kinder? (lernen sie mehr, wenn Wettbewerb besteht oder wenn sie alleine lernen dürfen, lernen sie lieber miteinander, lernen sie lieber von anderen Kindern und vieles mehr).

Das, was derzeit als `Homeschooling´ Experiment läuft ist sicher keine Blaupause für zukünftigen Unterricht, aber vielleicht eine Abkehr der starren Einstellung der Schulbehörden, dass nur Präsenzunterricht Unterricht ist. Und da sehe ich eine Chance für die ERWEITERUNG der Bildungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche und eine echte Chance auf Individualisierung.

Die Idee, die Präsenzpflicht auf 1-2 Tage pro Woche einzuschränken, wäre sicher für viele schon einmal eine Erleichterung! Gute Idee! So etwas macht derzeit die Dietrich Bonhöffer Schule mit dem Uracher Plan, die in BW in erster Instanz leider keine Zulassung als Ersatzschule bekommen hat (vor Corona).
Einen oder zwei Tage Unterricht würden viele von uns zu Hause hinbekommen, insbesondere, wenn man dann auf diese Tage auch vormittags Therapietermine legen könnte. Und viele Kinder würden von einer `Verschnaufpause´ in der Mitte der Woche seelisch sicher sehr profitieren.

Eine Reduktion der Präsenzpflicht könnte für Eltern und Schüler auch weiter entfernte Schulen attraktiver machen und so `exotische´ pädagoische Ideen, die im Einzelfall einfach besser passen könnten, einer größeren Menge an Kindern zugänglich machen.

Ich bin gespannt auf weitere Ideen!

Liebe Grüße, und bitte, träumt doch mal! Utopien sind auch prima in einer Zeit, wo Hoffnung doch so wichtig ist!

Ayden

RikemitSohn
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Re: Corona- Chance auf Anerkennung Webschule als Ersatzschulen?

Beitrag von RikemitSohn »

Hallo Ayden,

ich bin da bei dir, dass in der Krise in vielen Bereichen eine Chance auf Veränderung liegt. Ich bin erstaunt, was auch an anderen Punkten plötzlich viel leichter geht.
Mir ging es um die Aussenwahrnehmnung. Menschen könnten dieses Anliegen einfach falsch verstehen und dann würden gute Vorhaben nämlich genau deshalb abgebügelt.
Ich habe ein Kind, dass in der Schule viel besser arbeiten kann. Mir wäre es am liebsten, dass auch die Hausaufgaben in der Schule laufen würden und das Zuhause Schulefrei wäre. Aber so ist jedes Kind ein Individualist.
Was ich momentan als große Chance sehe, ist die Tatsache, dass es nicht mehr nach dem üblichen Plan läuft. Es muss umgedacht werden, auch wenn sich viele vielleicht wünschen, dass nach der Schulschließung alles so weiterläuft. Das wird es nicht und da würde ich dann nachhaken. Ich sehe den Zeitpunkt, in dem alles wieder anläuft, als guten Punkt für neue Ideen. Ich glaube, dass in dieser Übergangszeit eh viel improvisiert wird und Politiker vielleicht dann auch zugänglicher sind.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

Silvia & Iris
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Re: Corona- Chance auf Anerkennung Webschule als Ersatzschulen?

Beitrag von Silvia & Iris »

Hallo Ayden,

ich sehe leider auch bein uns Home-schooling nicht wirklich ausgereift... und gerade Jungs, die von Hause aus häufig weniger Lenrmotivation mitbringen als Mädchen, besonders auch in der Pubertät, sacken, so denke ich, da wahrscheinlich eher ab... - sie nehmen das nicht so ernst - aber auch die Lehrer wissen wahrscheinlich nicht, wie sie die Leistung wirklich effizient einfordern sollen! - Mädchen - so erhalte ich das Feedback - sehen da häufig (natürlich gibt es auch da die berühmten Ausnahmen) mehr den Hintergrund und lernenvon sich aus motivierter und selbständiger... (ich sehe da jetzt vor allem Schulstufe 6, 7, 8)...

Man kann auch hier nichts pauschalieren und verallgemeinern... - Wenn das Kind tatsächlich zu Hause besser und freiwillig den Unterrichtsstoff erarbeitet ohne die Arbeitskraft der Mutter zu belegen, ist es sicher gerechtfertigt...- wenn die Arbeit der Lehrer dadurch vermehrt auf die Eltern übertragen wird... (in Australien funktioniert das sicher bereits anders... - man muss aber dann auch die Qualität sehen, den die Schüler beim Schulabschluß haben...)

... als Alternative sicherlich eine Möglichkeit... aber nicht verpflichtend - das soziale Lernen fällt dann total durch den Rost und für viele ist das ja doch auch notwendig!!

LG
Silvia
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

Ayden
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Re: Corona- Chance auf Anerkennung Webschule als Ersatzschulen?

Beitrag von Ayden »

Liebe Sylvia,

genau, Sylvia, mir geht es um - gedankenspielerischen - Austausch für mögliche /praktikable UND (nicht oder) Lösungen! (Wie gesagt, hier geht es nicht um eine Änderung des Systems, sondern um Optionen für Ergänzungen zum bestehenden System!)
Ziel dieses Threads ist nicht ein Plädoyer für einen an die Webschulen angelehnter Standardunterricht, aber genehmigbare flexiblere Präsenzpflichten/Alternativen als Ergänzungen zu der Standardschule.

Und : Soziales Lernen ist natürlich immer prima, aber die Schule ist nun sicher nicht der einzige Ort, wo man das kann. Und nicht jeder lernt gerne/gut in nicht frei gewählten Gemeinschaften (dies ist keine Wertung) und nicht jede Zufallsgemeinschaft funktioniert für alle gut.

Wie gesagt : UND (nicht ODER)

Hier in HH sind es immerhin 11 Jahre in denen sich die, die nicht wirklich ins System passen, aber unter Umständen eigentlich (nachweislich) ganz locker die Voraussetzungen für alle Abschlüsse intellektuell mitbringen, nach der Decke strecken müssen. Etwas mehr UND bei der Akzeptanz von unterschiedlichen Wegen wäre da schon schön. Und ich denke, dafür könnte die jetzige Situation eine Chance sein, da das `System´ plötzlich selber flexibel sein muss und plötzlich viele Ideen akzeptiert werden, die noch vor kurzem höchstrichterlich als abwegig verworfen wurden.

Habt Ihr noch mehr Ideen zu praktischen Möglichkeiten in bestehenden Schulen oder auch neuen Schulformen für unsere so unterschiedlichen Kinder gutes erreichen /umsetzen zu können?

Nur her damit!

LG, Ayden

UrsulaK
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Re: Corona- Chance auf Anerkennung Webschule als Ersatzschulen?

Beitrag von UrsulaK »

Ich muß gestehen, dass mir auch schon die gleichen Gedanken durch den Kopf gegangen sind.
Diese Krise erzwingt praktisch, daß unser Schulsystem flexibler sein muss.
Plötzlich ist Online Lernen denkbar und wird unterstützt.
Homescooling ist sicherlich nicht für jeden etwas, aber es gibt eben auch Kinder, für die, ist die ständige Anwesenheitspflicht in der Schule nichts.

Wenn man für solche Kinder flexibler denken würde, wäre das ein Segen. Viele Kinder aus dieser Gruppe müssen erst einen langen Leidensweg hinter sich bringen,
bevor sie als letzte Maßnahme ausgeschult werden und erst dann ist ein Webschule möglich. Das könnte man diesen Kindern wirklich ersparen.

Zum Beispiel die Möglichkeit nur 2 - 3 Tage in die Schule gehen und 2 - 3 Tage zuhause lernen.
Das ist wie gesagt nicht für jeden was. Eine freie Wahlmöglichkeit wäre aber gut.
Eric, (März 2005), Autismus Spektrum Störung, Verbale Dyspraxie, Dysgrammatismus

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