Heilpädagogischer Kindergarten oder Integrativer Kindergarten

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Berenike79
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Heilpädagogischer Kindergarten oder Integrativer Kindergarten

Beitrag von Berenike79 »

Ich würde gerne wissen, wie so eure Erfahrungen sind. Unser Sohn ist gerade erst 5 Monate, aber man macht sich ja jetzt schon Gedanken, wo er mal betreut werden soll. Es besteht der Verdacht auf AMC ( genetisch wurde nichts gefunden) er hat Klumpfüße, die rechte Hüfte ist luxiert ( wird demnächst operiert), Fehlstellung der Hände ( er kann aber greifen), hypoton und er hat eine Polymikrogyrierung.
Ich war bis jetzt der Meinung, er geht zusammen mit seinen Schwestern in den Regelkindergarten als I-Kind. Die Kindergartenleitung ist da ganz offen, die Therapeuten könnten ihn während der Betreuungszeit besuchen.
Das SPZ brachte jetzt einen heilpädagogischen Kindergarten ins Spiel
Nun bin ich total verunsichert, was für ihn das Beste ist.
Nach welchen Kriterien habt ihr euch entschieden? Würdet ihr es wieder so machen?

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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Hallo,

ich finde, es ist nicht die zentrale Frage, ob HPK oder integrativer KiGa, sondern welcher konkrete Kiga vor Ort ist besser. Es gibt grottenschlechte HPK, und ebensolche integrative.
Frage Dich, welches sind für die Persönlichkeit und die Bedürfnisse Deines Sohnes die wichtigen Punkte. Zb wie gut sind die Therapeuten jeweils vor Ort, und wie wichtig sind die Therapien für Deinen Sohn? Wie sehr genießt er den Trubel „normaler“ Kindergruppen oder wie sehr braucht er einen ruhigen Rahmen? All sowas. Guck Dir möglichst viele Kindergärten jeder Sorte an, dann hast Du einen Vergleich.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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LovisAnnaLarsMama
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Re: Heilpädagogischer Kindergarten oder Integrativer Kindergarten

Beitrag von LovisAnnaLarsMama »

Wir hatten einen wunderbaren Kindergarten, der auch integrativ gearbeitet hat. Ein großes Problem war, dass unsere Therapeuten dort nicht hinwollten.
Der Kindergarten war mit massiven Sprachproblemen+ Epilepsie+ motorischen Problemen+ .... überfordert. Im HP- Kindergarten laufen schon vom Kindergarten aus sehr viele Förderungen über Therapeuten vom Kiga. Unsere Therapeuten für Logopädie und Physiotherapie kommen dort auch hin, weil dort mehrere Kinder sind. Hilfsmittel wie Talker, Rollstuhl, Rehabuggies, verschiedenste Orthesen sind dort der Tagesordnung. Wir hatten auch noch Glück- die Gruppengröße ist sehr klein- in größeren Gruppen oder wenn es zu unruhig wird klinkt sich mein Kind aus. Das war noch ein Argument für den HP- Kindergarten.
Nachteil: es fehlen die gut entwickelten Kinder, bei uns sind nur die schwerer betroffenen Kinder. dafür fehlt dem Kind aktuell aber das Bewusstsein.
Lg
Meine drei kleinen Wunder: Wunderkind (2009), Schneckenkind (2011) und der kleine Bruder (2015): Hemiparese, expressive Sprachenwicklungsstörung, Epilepsie und diverse Baustellen nach Asphyxie/Frühgeburt

Berenike79
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Re: Heilpädagogischer Kindergarten oder Integrativer Kindergarten

Beitrag von Berenike79 »

Vielen liebenDank für eure Abtworteb.
Wir sind in einem komplexen Frühförderprogramm angebunden und die Therapeuten betreuen ihn dann auch im Kindergarten.
Das ist bereits mit den Therapeuten und dem Kindergarten geklärt.
Vielleicht ist es einfach bei mir noch eine Barriere im Kopf, dass ich unseren Sohn einfach nicht in einer heilpädagogischen Einrichtung sehe.
Er macht in meinen Augen so gute Fortschritte und nimmt so aktiv an Leben teil. Er mag es total, wenn richtig viel Trubel um ihn drum herum ist. Er liebt es zu lachen und mit seinen 2 Schwestern rumzukaspern.
Das Problem bin wohl eher ich. Vielleicht sehe ich im Moment alles noch zu positiv und habe zu viel Hoffnung, dass er sich relativ normal entwickelt

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Engrid
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Re: Heilpädagogischer Kindergarten oder Integrativer Kindergarten

Beitrag von Engrid »

Hallo,
Er macht in meinen Augen so gute Fortschritte und nimmt so aktiv an Leben teil. Er mag es total, wenn richtig viel Trubel um ihn drum herum ist. Er liebt es zu lachen und mit seinen 2 Schwestern rumzukaspern.
Das Problem bin wohl eher ich. Vielleicht sehe ich im Moment alles noch zu positiv
Nein, das ist kein Problem. Das ist eine Chance.
Wenn der Weg passt, dann geht ihn weiter. :wink:

Buchtipp: Sandra Roth: Lotta Wundertüte - ein schönes Buch, gut zu lesen. Du wirst quasi eine Verbündete finden.

Grüße
Engrid
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Julia27118
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Re: Heilpädagogischer Kindergarten oder Integrativer Kindergarten

Beitrag von Julia27118 »

Ich denke auch, es kommt auf die jeweilige KiTa an.

Unser Sohn hat williams beuren syndrom, was sich primär in geistiger entwicklungsverzögerung, hyperakusis (ohren wie ein Lux), ess-störung, dezentem adhs und übersozialität äußert bei ihm.

Wir haben uns ganz bewusst für die integrative KiTa entschieden, damit er “mitgezogen“ wird. Er hat eine heilpädagogin an seiner Seite und noch ein weiteres i-kind in der gruppe, insgesamt 10 kinder u3.

Unsere KiTa reißt sich ein Bein aus, hat eine für ihn tragbare schlafsituation geschaffen, arbeitet eng mit uns zusammen, schafft ihm die nötigen Freiräume, die Therapeuten dürften gerne kommen.

Schulisch wird es klar eine Förderschule werden, weil er in einer regelklasse keine chance hätte, sein Potenzial zu entfalten. zu laut, zu unruhig, zu viele Ablenkungen.

Ich würde ein ansatzweise kognitiv fittes kind, das soziale Teilhabe im normalen Rahmen kann und will nicht in eine heilpädagogisch KiTa geben, wenn ich eine gute integrative habe. Vorausgesetzt, die pflegerischen Komponenten sind leistbar versteht sich.

Ich bin selbst Erzieherin, habe lange integrativ gearbeitet (extremfrühchen mit hirnblutung und entsprechenden Konsequenzen) und fand das immer einen extremen Gewinn für alle Beteiligten!

Cataleya7
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Re: Heilpädagogischer Kindergarten oder Integrativer Kindergarten

Beitrag von Cataleya7 »

würde immer ein HPZ vorziehen, wenn es aus Gründen der Behinderung sinnvoll ist bzw. von Fachärzten empfohlen wird.

Die Mitarbeiter sind besser qualifiziert, sehen das Kind und deren Entwicklung öfter als wenn eine Therapeutin 1-2 mal die Woche in die Kita kommt.
Der Personalschlüssel ist wesentlich besser.
Zumindest bei uns regional kostet das HPZ nichts inkl. Fahrdienst, die Kita 500 Euro monatlich; das ist auch ein finanzieller Aspekt dann der mit berücksichtigt werden muss.

Je nach Entwicklung wird das betroffene Kind nicht mehr mit den gesunden Kids mitkommen, überfordert sein. Die gezielte Förderung ist in der HP-Kita einfach besser, schließlich ist das Konzept genau darauf ausgerichtet behinderten Kindern eine bestmögliche Förderung zu ermöglichen.

Anne-muc
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Re: Heilpädagogischer Kindergarten oder Integrativer Kindergarten

Beitrag von Anne-muc »

Hallo,

meine Tochter ist seit 3 Jahren in einem I-Kindergarten, seit einem Jahr mit eigener „Schulbegleiterin“ (also Kiga-Begleiterin).

Unsere Erfahrungen sind gemischt. Anfangs kamen alle Therapeuten durch die Frühförderung in den Kiga. Seit einem Jahr nicht mehr, das liegt an der Frühförderstelle, alle Therapeuten beendeten zeitgleich die Kooperation. Wir fahren seitdem zu jeder der Therapien selbst, da es das letzte Jahr vor der Schule ist und somit ein begrenzter Zeitraum. Es ist aber sehr aufwendig und für uns als Familie so nicht länger machbar als bis September.

Wir haben auch den Eindruck, dass die Kindergärtnerinnen und besonders die Heilpädagogin, die normalerweise „leichtere“ Fälle integrieren, etwas überfordert sind und unsere Tochter teilweise unterschätzen.

Die Vorteile überwiegen aber trotzdem für uns. Unsere Tochter hatte wertvolle Jahre mitten im Ort. Mit ihrem zwei Jahre jüngeren Bruder in einer Gruppe, die beiden sind sich nah und ein tolles Team. Wenn wir einkaufen gehen begrüßen uns ständig fremde Kinder, weil sie meine Tochter kennen und mögen. Ihre Behinderung ist ein Teil des Alltags für viele Kinder - sie wird zu Kindergeburtstagen eingeladen.

So habe ich mir das erträumt und ich persönlich würde es genau so wieder machen. So nahe dran wie möglich an der Normalität, meist super entspannt.

Das getrennte kommt früh genug, diese abgeschottete Welt wo ständig sogenannte Experten wissen, was angeblich das beste für behinderte Kinder sei.

Ich stimme Engrid voll zu. Am allerwichtigsten sind die Menschen, die direkt am Kind dran sind. Die Bereitschaft, auf das Kind und die Besonderheiten einzugehen, und Lösungen zu finden.

Alles gute
Anne
Anne mit Tochter (*09/2013, Vorzeitige Plazentalösung, dadurch Asphyxie, ICP, Epilepsie)

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Anne-muc
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Re: Heilpädagogischer Kindergarten oder Integrativer Kindergarten

Beitrag von Anne-muc »

Achso: zur Förderung: in einem heilpädagogischen Kindergarten gibt es mehr Personal pro Kind und sie haben mehr Erfahrungen mit spezifischen Behinderungen.

Unsere Tochter lernt aber zB intensiv von anderen Kindern. Ihr hat das schon gut getan mit vielen Läufern als Rollenmodell. Erst jetzt langsam kommt sie in ihrer Entwicklung an einen Punkt, wo sie sich vergleicht und frustriert ist.

Erst jetzt sehe ich für sie einen Vorteil, sie in ein Umfeld zu geben, wo auch andere Kinder langsamer lernen und auf sie spezifisch zur Förderung eingegangen wird.

Das ist bestimmt sehr von Kind zu Kind unterschiedlich, deswegen bitte nach dem Kind entscheiden. Das kann grundsätzlich so nicht stehenbleiben, dass die Förderung in einem HP Kiga immer besser ist (ist übrigens auch wissenschaftlich bestritten, laut den aktuellsten mir bekannten Studien schneiden inklusive beschulte Kinder besser ab, Raúl Krauthausen veröffentlicht dazu viel).
Anne mit Tochter (*09/2013, Vorzeitige Plazentalösung, dadurch Asphyxie, ICP, Epilepsie)

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Kati_und_Ana
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Re: Heilpädagogischer Kindergarten oder Integrativer Kindergarten

Beitrag von Kati_und_Ana »

Hallo Berenike,

wir hatten schon mal per PN Kontakt.

Dein Sohn ist noch so klein, noch weiß niemand, wie er sich weiter entwickelt.

Unsere Große lag die ersten 10 Monate flach auf der Spieldecke, konnte nicht mal den Kopf heben. Mit 19 Monaten konnte sie laufen => Die Ärzte und Therapeuten waren baff, sie dachten, sie würde frühstens mit 3 Jahren laufen, nur zum Glück haben sie uns das erst gesagt, als sie schon laufen konnte ;-)

Aber so wie der Stand mit 5 Monaten war, hätte uns wohl niemand später einen Regelkindergarten zugemutet.

Erkundige Dich nach den Fristen, damit Du keine Anmeldungen versäumst und dann lasse das ganze erstmal ruhen, Ihr habt noch Zeit für eine Entscheidung.

Übrigens: Bei uns ist beim (ebenfalls betroffenen) Vater genetisch nichts nachgewiesen worden. Da aber die Tochter auch AMC hat, muss es wohl genetisch bedingt sein...

Grüße

Kati

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