Null Mengen-Erfassung in Mathe - hoffnungsloser Fall

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Engrid
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Null Mengen-Erfassung in Mathe - hoffnungsloser Fall

Beitrag von Engrid »

Ihr Lieben,

erstmal: ans Ende des Titels gehört natürlich ein Fragezeichen, das ist wohl verloren gegangen.

mein Junior kann Zahlen und Zählen (numerisch) seit dem Kindergartenalter.
Beim Mengenverständnis dagegen tut sich nichts, in all den Jahren, mit den verschiedenen Ansätzen...

Junior erfasst mit 15 noch kein Fünferpäckchen. :shock:

Vielleicht könnt Ihr mir mal ein paar Erfahrungen schreiben? Geht es Euren Kindern ähnlich? Was hat vielleicht am Ende dann doch geholfen? Kann man Münzen rechnen ohne Sinn für Mengen?

Grüße
Engrid
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kati543
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Re: Null Mengen-Erfassung in Mathe - hoffnungsloser Fall

Beitrag von kati543 »

Hallo Engrid,
meine Jungs haben beide absolut keinen Sinn für ein Mengen. Wenn ich meinem Ältesten sage, dass etwas sehr teuer ist, dann kostet das immer gleich Trillionen. In Mathe selbst ist er übrigens super. Rechnen kann er große und kleine Zahlen problemlos. Das logische Denken klappt bei ihm - nur eben das Mengenverständnis ist nicht da.
Der Kleine hat aufgrund der Geistigen Behinderung natürlich auch noch Probleme beim logischen Denken. Er hat Rechnen über stures Auswendiglernen hinbekommen. Deswegen kann er sich natürlich noch lange keine Mengen vorstellen. Wir haben bereits in der Grundschule aufgegeben, von ihm Dinge zu verlangen, die einfach für ihn nicht machbar sind. Er kann auch kein Fünferpäckchen erfassen - dann zählt er eben. Das kann er nämlich. Auffüllen bis zum vollen Zehner war auch so eine Unmöglichkeit für ihn. Aber schriftliche Addition und Subtraktion auch mit großen Zahlen klappt super, nachdem er alle möglichen Additions- und Subtraktionsaufgaben im Zehnerbereich lernen musste.
LG
Katrin
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D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

HeikeLeo
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Re: Null Mengen-Erfassung in Mathe - hoffnungsloser Fall

Beitrag von HeikeLeo »

Liebe Engrid,

das Problem haben wir so nicht.

ABER: Wir hatten mal ein Au-Pair-Mädchen, der es ähnlich ging - sehr neurotypisches Mädchen(!). Mit Tabellenstruktur ging dann was. Gerade mit Mengen kann man den Ortssinn ausnutzen: Wo in einer Tabelle oder Grafik ist welche Zahl lokalisiert. So ein Vorgehen kommt visuell orientierten planaffinen Leuten entgegen.
Mit der Ortsmethode haben wir beim Großen (nonverbal) Buchstaben und lesen aufgebaut. Es funktioniert... Im Grunde genommen ist es ein ähnliches Vorgehen, wie Katrin beschreibt: Mit den Stärken das Problemfeld umsegeln und immer weiter einkreisen.

Liebe Grüße
Heike

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Sigrid Zas
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Re: Null Mengen-Erfassung in Mathe - hoffnungsloser Fall

Beitrag von Sigrid Zas »

Hi

wir haben auch das Problem da L keine Mengen erfassen kann. Mit ihren 14 Jahren gehen Würfelbilder bis 6 und Gummibärchen auf dem Tisch bis drei. Also ich bin auch an Methoden interessiert.

VG Sigrid
Sigrid mit Tochter L *2005 geistig behindert, nach umfangreicher Diagnostik immer noch ohne Diagnose

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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Hallo,

danke für Eure Antworten.
Mit Tabellenstruktur ging dann was. Gerade mit Mengen kann man den Ortssinn ausnutzen: Wo in einer Tabelle oder Grafik ist welche Zahl lokalisiert. So ein Vorgehen kommt visuell orientierten planaffinen Leuten entgegen.
Das klingt interessant, die Hundertertafel hat er geliebt, und gut gekonnt. Kannst Du mir Planloser erklären, wie man damit Mengen erfasst?

Grüße
Engrid
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SimoneChristian
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Re: Null Mengen-Erfassung in Mathe - hoffnungsloser Fall

Beitrag von SimoneChristian »

Hallo Engrid,

mit Mathe haben wir zwar so gar kein Problem, wobei ich mir gerade nicht ganz sicher bin, wie es um die Mengenerfassung steht.
Aber, da Mengenerfassung in den ersten Schuljahren noch recht "viel" vor kommt, kann ich da, glaube ich, mitsenfen.

Erst mal ein Link zu einer recht guten, theoretischen und praktisch orientierten Seite zum Matheunterricht.
https://pikas-mi.dzlm.de/inhalte/zahlvo ... en-schnell

Mengenerfassung am 100er Feld wird hier regelmäßig über farbige Darstellung der Menge gemacht.
Summen entsprechend mit 2 Farben.

Kann dein Sohn bei 2 Farben sagen, welche öfter vorkommt ohne zu zählen?
Welche Fläche größer ist?
Kann er eine Zahl mit verschiedenen Fingern darstellen? Bzw. habe ich dazu schon mal eine Mappenaufgabe gesehen.

Und zur Frage mit dem Geld:
Wenn rein theoretisches Wissen über Mengen und Größen vorhanden ist, kommt man damit auch ganz gut durchs Leben, würde ich sagen.
Dafür ist es aber wichtig, trotzdem die Verhältnisse einschätzen zu können.
Also: Welche Zahl ist größer? 32 oder 23.

Häufig erlebe ich bei anderen Kindern allerdings das Phänomen, dass das Mengenverständnis an die Sprache gekoppelt zu sein scheint.
Es fehlt häufig schlicht der Wortschatz und die klare Benennung mathematischer Operationen.
Auch die visuelle Strukturierung kommt oft keine Bedeutung bei.
An deinem Beispiel: Wie sind die 3 Gummibärchen angeordnet?

Andererseits: Welchen Sinn macht es, 3 Gummibärchen in der Menge zu erfassen? Die isst man doch mit einem Haps. :D
Vielleicht kommt da das Potenzial eher mit größeren Mengen?
Geld rechen vielleicht mit den beliebten 10 Gruppen und man kann das nächste Geldstück daneben legen.

Wahrscheinlich hast du alles schon durch. Dann entschuldige bitte meinen Senf. :)
LG
Simone
C. (*9/11) Sprachentwicklungsverzögerung, Regulationsstörungen des Kindesalters
atypischer Autismus (Diagnose 07/15)

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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Hallo Simone,

Danke für Link und Tipps :-)

um ehrlich zu sein, ich habe noch gar nichts durch, mit mir macht er ja nix. Aber ich bekomme natürlich in etwa mit, was die Schule macht über die Jahre, da hat auch jeder Sonderpädagoge einen anderen Ansatz, wie beim Lesen ja auch.
Er mag Mathe eh nicht. Ich frage mich halt, ob es nicht schlauer ist, das gleich zu lassen, und andere Sachen (zb Geld) zu machen. Und ein bisschen habe ich auch die Hoffnung, das hier jemand mit einem ganz tollen Trick um die Ecke kommt, wie‘s doch noch geklappt hat. :

Grüße
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Michaela.Sandro
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Re: Null Mengen-Erfassung in Mathe - hoffnungsloser Fall

Beitrag von Michaela.Sandro »

Hallo Engrid, leider hat Sandro auch kein Verständnis für Zahlen, kann mal gerade von 1 bis 3 „denken“ und manchmal bis 5 abzählen, Mengenverständnis ist bei ihm auch nicht vorhanden. Ich hatte jetzt gerade auch die Idee mit dem Geld, da er gerne einkaufen und bezahlen will. Damit es nicht zu viel wird, geht es los mit zwei Münzen (1 und 2 €) und zwei Scheinen (5 und 10 €), weil ich es wichtig fände, wenn er lernen würde, einigermaßen mit Geld umzugehen. In der Schule habe ich das auch angeregt und hoffe, dass es irgendwie klappt. Eine Methode habe ich noch nicht, muss mich da auch erst reinfinden. Ich glaube (zumindest bei Sandro) nicht, dass es sinnvoll ist, ihm „mit Gewalt“ Zahlen/Mengen/Rechnen beibringen zu wollen, sein Niveau wird niedrig bleiben. L. G. Michaela
Michaela alleinerziehend, Teilzeit berufstätig (Bj. 12/67) und Sohn Sandro (19.01.07.) Herz-OP nach Geburt, geistige Behinderung, Diagnose, evtl. ein unbekanntes Syndrom. Er kann laufen, einigermaßen sprechen, PG 4 , 100% SB aber ein Schatz!

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Re:

Beitrag von Regina Regenbogen »

Engrid hat geschrieben:
23.11.2019, 00:04
um ehrlich zu sein, ich habe noch gar nichts durch, mit mir macht er ja nix. Aber ich bekomme natürlich in etwa mit, was die Schule macht über die Jahre, da hat auch jeder Sonderpädagoge einen anderen Ansatz, wie beim Lesen ja auch.
Er mag Mathe eh nicht. Ich frage mich halt, ob es nicht schlauer ist, das gleich zu lassen, und andere Sachen (zb Geld) zu machen. Und ein bisschen habe ich auch die Hoffnung, das hier jemand mit einem ganz tollen Trick um die Ecke kommt, wie‘s doch noch geklappt hat. :
Ich habe zwar keinen tollen Trick, wie es doch geklappt hat (wir sind alle mehr oder weniger schlecht als recht durch dieses Thema gerutscht in der Schulzeit), aber eine Frage: Mag dein Sohn denn Würfelspiele? Wenn ja, wäre das hier vielleicht ein Ansatz für euch https://www.fachtagung.com/resources/20 ... tagung.pdf

Unser Großer mochte seine ganze Schulzeit nicht, ganz besonders Mathe nicht (was haben wir uns alleine mit dem kleinen und großen 1x1 gequält), heute in der Ausbildung liest er technische Zeichnungen und Baupläne und setzt sie um, seine Bewertungen im fachspezifischen Rechnen sind durchweg gut.

Unser Jüngster liebt Mathe, war und ist gut darin, ist aber in der Grundschule bei der Mengenerfassung meist gescheitert, auch heute noch fällt es ihm teilweise schwer, das liegt dann überwiegend an der Aufgabenstellung. Dieses "Manko" stellt offenbar aber keine Einschränkung für seine Ausbildung zum Elektroniker dar.

Ich selbst muss heute noch die Augen auf den Würfeln abzählen, wenn mehr als vier zu sehen sind (ich bin generell soooo schlecht im Schätzen von nur sichtbaren Mengen und Entfernungen) - und ich habe während meiner Ausbildung gute Noten u. a. in Buchführung gehabt, arbeite seitdem recht erfolgreich überwiegend mit Zahlen. Mein Mann ist noch viel schlechter als ich darin und trotzdem sehr erfolgreich in seinem Beruf als Tischler.

Erfahrungsgemäß tendiere ich zu der Auffassung, dass es irgendwann sinnvoller ist, tatsächlich alltagstaugliche Dinge einzuüben als an überflüssigem Lernstoff zu blockieren.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

UrsulaK
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Re: Null Mengen-Erfassung in Mathe - hoffnungsloser Fall

Beitrag von UrsulaK »

Hallo Engrid,

den tollen Trick kenn ich leider auch nicht. Aber ich glaube, es wäre einfacher Ideen zu entwickeln, wenn Du genauer sagen könntest, was an pränumerischen Wissen Dein Sohn mitbringt.
Also zum Beispiel:
- kann er die Zahlwörter sagen (damit meine ich nur das Kennen der Zahlwörter ohne deren Bedeutung)?
- wenn er zählt, hat er die 1:1 Zuordnung bereits verstanden?
- kann er viel von wenig unterscheiden (viel Lego, wenig Lego usw..)
- kann er Kategorien bilden z.B. Wissen darüber, daß ein Hammer ein Werkzeug ist, der Sessel ein Möbelstück, die Ameise ein Tier/Insekt?
- erkennt er daß viele süße Häschen mehr sind (von der Anzahl her) als ein Elefant (obwohl der Elefant so groß ist)?

Mein Sohn hat die simultane Anzahlerkennung übrigens mittels würfeln gelernt. Mit dem Wenzelwürfel haben wir auch gearbeitet.

VG, Ursula
Eric, (März 2005), Autismus Spektrum Störung, Verbale Dyspraxie, Dysgrammatismus

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