Meinungen zur Schulwahl

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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melly210
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Re: Meinungen zur Schulwahl

Beitragvon melly210 » 14.11.2019, 22:50

Ich war auch so eine die sehr, sehr lange ohne lernen ausgekommen ist. Bis in die 3. Klasse Gymnasium ging das, dann musste ich lernen lernen. Das war hart, ich wäre das Jahr fast durchgefallen. 5 Gefährdungen hatte ich im Halbjahr. Aber ich habe sie alle ausgeräumt, weil ich die Klasse im Jahrgang darunter blöd fand und dort nicht hin wollte. also habe ich lernen gelernt....ich habe eine sehr gute Matura/Abi gemacht und dahinter noch ein MINT Fach studiert, samt Doktorat ;-)

Offenbar ist deine Tocher recht intelligent, wenigstens klingt es so. Ich würde ihr die Chance am Gymnasium geben. Wenn es nicht klappt dann wisst ihr beide, daß das eben zuviel war und müsst nicht ein Leben lang drüber nachdenken ob sie es doch geschafft hätte. In eine leistungsmäßig schwächere Schule wechseln geht immer leicht, umgekehrt ist schwierig.

kati543
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Re: Meinungen zur Schulwahl

Beitragvon kati543 » 14.11.2019, 23:03

Hallo,
wenn du dir unsicher bist, gönne deinem Kind noch etwas Zeit und schicke sie auf eine Gesamtschule. Dort findet die Trennung erst später statt und sie kann sich erstmal in der weiterführenden Schule zurechtfinden. Abitur ist genauso möglich, wie Realschulabschluss und Hauptschulabschluss.
Definitiv würde ich eine Einser-Schülerin nicht auf eine Realschule schicken, weil sie versagen KÖNNTE.
LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

s.till
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Re: Meinungen zur Schulwahl

Beitragvon s.till » 15.11.2019, 08:41

Hallo,

ich kann dich so gut verstehen, bei uns war es nicht anders.

Unsere großen Töchter sind beide ohne größere Probleme ins Gymnasium gewechselt. Sie mussten beide in der Grundschule nie was lernen und ihnen ist alles "zugeflogen". Sie haben aber recht schnell gemerkt, dass sie mit dieser "Methode" im Gymnasium nicht soweit kommen und sie haben gelernt zu lernen. Die jüngere liebt das Theater und sie spielt seit sie in der 5 Klasse ist dort an der Schule Theater. Sie lernt genau bis zum Halbjahr was für die Schule und im zweiten Halbjahr ist für sie Theaterzeit. Das Lernen wird dann auf ein Minimum eingestellt...
Die große lernt und geht ihren Weg.
Ich würde sagen, dass bei unseren Töchtern alles gut ist und wir Eltern auf hohem Niveau jammern.

Jetzt zu unserem ADS ler.
Er hatte eigentlich nicht die Noten um aufs Gymnasium zu gehen. Er hat dann eine Aufnahmeprüfung gemacht und ist gerade so genommen worden.
Aber er wollte das unbedingt. Ich zweifle fast täglich ob es die richtige Entscheidung war. Er muss wesentlich, mehr machen als seine Schwestern. In Mathe und Deutsch hat er gleich mal eine 5 mit nach Hause gebracht. Aber alle Lehrer sagen, dass er nicht der schlechteste ist und wir ihm Zeit geben sollen. Die mündlichen Leistungen sind zwischen 1 und 2 und er braucht halt etwas Zeit umd sich umzustellen. Die Lehrer hatten recht. Bei den letzten Proben/ Arbeiten hat er alles zwischen 1 und 4 gehabt.
Er wird nie der beste Schüler werden. Was aber für mich sehr schön zu sehen ist, ist dass er jetzt endlich Freunde gefunden hat, persönlich sich super weiter entwickelt hat, was ich mir in der Grundschule immer gewünscht hatte. Ich hoffe, dass er die Kurve bekommen hat.
Ich würde dir raten frage deine Tochter was sie will. Schaut euch die Schulen an und dort wo sie sich wohlfühlt da sollte sie hin gehen. Unsere große Tochter ist auch in unser jetziges Gymnasium am Tag der offenen Tür rein und hat gesagt da fühlt mein Bauch sich wohl da will ich hin.

LG Susanne
M *2010 Frühchen der 27SSW, Pneumothorax, Meningitis, diverse RSV Infektionen, Pneumonien, dystroph, kleinwüchsig, stimulationsbedürftige Apnoen, Asperger Autismus, Koordinationsstörung, PEG/PEJ seit 07/16 weg :D Pflegegrad 4 und SBA von 80% aG,B,H.
B*2008 ADS

JanaSnow
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Re: Meinungen zur Schulwahl

Beitragvon JanaSnow » 15.11.2019, 14:34

Hallo Ihr Lieben,

irgendwie hören sich sämtliche Vorschläge, Gedanken und Erfahrungen, die Ihr hier nennt alle sehr schlüssig an.

Meine Tochter hat dazu bislang keine eigene Meinung. Sie findet Schule ist vergeudete Zeit und einen Abschluss braucht sie auch nicht, weil sie sowieso mal ihr eigenes Ding machen will. Dass ihr dabei eine ordentliche Bildung hilft kann sie für sich nicht greifen. Sie meint, was sie wirklich brauch, kann sie ja selbst lesen. Mich wundert, dass sie dennoch problemlos jeden Tag in die Schule geht. Das passt für mich nicht zusammen.

Ich dachte halt bislang: Schick sie auf die Realschule, dann hat sie es leicht, hat eine schöne Kindheit mit viel freier Zeit für ihre eigene Entwicklung. Und wenn sie dann positiv durchrutscht kann sie wenn sie das will immer noch einen höheren Abschluss nachholen. Inzwischen bin ich mir nicht mehr so sicher, ob die Strategie richtig ist. Zum einen, weil hier die Realschule mittlerweile leider auch teilweise ein bisschen ein Sammelbecken mit sehr großen Klassen ist. Zum anderen, weil sie dann vielleicht komplett abschaltet, weil sie das Ganze sinnlos findet und total abrutscht.

Das Gymnasium hat mich bislang abgeschreckt, weil ihre Leistungen nicht konstant sind. Manchmal denke ich, ich habe hier eine 3-jährige. Sie bringt dann die einfachsten Dinge nicht zusammen. Bei Klassenarbeiten schon. Es ist, als wenn sie dann, wenn es nicht sein muss, oder ihr alles zu viel wird, sie einfach ihr Gehirn auf Sparflamme stellt. Sie kann aber auch ganz anders. Schon oft wurde mir gesagt, dass es erstaunlich sei, was sie alles weiß. Ja, wenn sie will, kann sie sich gut verkaufen, weil sie sich sehr gut ausdrücken kann. Das blendet manch einen sehr.

Wenn eine Klassenarbeit ansteht, ist in der Grundschule kaum Hausaufgabenarbeit zu erledigen, damit die Kinder Zeit haben, sich auf die Arbeit vorzubereiten. Das findet mein Kind sehr entspannt und freut sich über die gewonnene Zeit, die sie seltenst zum Lernen nutzt. Und dann geht sie irgendwie ausgeruht in die Klassenarbeit. Ich glaube nicht, dass das an der weiterführenden Schule so weiterläuft und sorge mich einfach, ob die Anforderungen sie nicht zu sehr unter Stress setzen.

Die Gesamt-/Gemeinschaftsschule sind hier Ganztagsschulen - das schafft sie nicht.
Also, wenn ich keine Sonderregelung für sie will (sie bekäme die vielleicht sogar, neu zugestanden im SBA sind H,G und B und das hat ja seinen Grund) bleibt mir vielleicht tatsächlich nur, nach Klassengröße zu wählen.


Danke sehr für die viele Zeit, die Ihr in Eure Antworten investiert habt.
Es ist hilfreich, andere Gedanken in die eigenen Überlegungen mit einzubeziehen.

LG Jana

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Re: Meinungen zur Schulwahl

Beitragvon HeikeLeo » 15.11.2019, 15:27

Liebe Jana,

bei meinen Kindern habe ich gesehen, dass die sozialen Anforderungen im Gymnasium deutlich weniger sind, als in anderen Schularten. Deshalb würde ich bei der Kombination bei Deiner Tochter in jedem Fall fürs Gymnasium plädieren. Kognitiv scheint sie ja gut mitzukommen.

Unterforderung in Realschule oder Gemeinschaftsschule kann ein übler Lernkiller sein.

Meine Kinder haben in der Grundschule sehr wenig getan. Die Organisation ist im Wesentlichen an mir hängen geblieben. Ab dem Gymnasium war ich ein ausgeruhter Mensch.
Mein Jüngster ist jetzt in der fünften Klasse. In der vierten Klasse haben wir mit schlimmen Blockaden kämpfen müssen. Das ist jetzt deutlich leichter geworden.

Liebe Grüße
Heike

JanaSnow
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Re: Meinungen zur Schulwahl

Beitragvon JanaSnow » 15.11.2019, 17:07

Hallo Heike,

ja, das ist ein wichtiger Aspekt für uns. Die sozialen Anforderungen sollen so klein wie möglich sein - oder das Kind soll sich weil die schulischen Anforderungen soooooo mini sind, auf die sozialen Anforderungen konzentrieren können. Das kostet sie viel Kraft.
Interessant, dass Du die sozialen Anforderungen am Gymnasium als geringer empfindest....

Danke.

Jana

melly210
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Re: Meinungen zur Schulwahl

Beitragvon melly210 » 15.11.2019, 22:26

Hallo Heike,

ja, das ist ein wichtiger Aspekt für uns. Die sozialen Anforderungen sollen so klein wie möglich sein - oder das Kind soll sich weil die schulischen Anforderungen soooooo mini sind, auf die sozialen Anforderungen konzentrieren können. Das kostet sie viel Kraft.
Interessant, dass Du die sozialen Anforderungen am Gymnasium als geringer empfindest....

Danke.

Jana
Doch, ich kann mir schon vorstellen, daß sie recht hat. Am Gymnasium gibt es eben auch einen gewissen Anteil verkopfte Streber und Nerds, und auch diese beiden Gruppen sind akzeptiert und willkommen, auch wenn weder noch in der Regel sehr sozial sind. Dh, das wird dort einfach akzeptiert. An der Realschule sind vermutlich weniger Kinder die sich vorrangig auf Sachthemen fokussieren und daher sind die sozialen Aspekte dort wichtiger, weil sie den Kindern wichtiger sind.

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Re: Meinungen zur Schulwahl

Beitragvon rondra1 » 15.11.2019, 23:22

Hallo Sandra,
Danke. Hättest du keine Sorge, dass sie sich als Versager fühlt, wenn sie es nicht schafft?
Also, wenn sie unbedingt aufs Gym möchte, könnte es genauso passieren, dass sie sich als Versager fühlt, wenn du sie an der Realschule anmeldest. Denn dann hat sie das Gymnasium ja auch nicht geschafft?!?
Meine Tochter hätte aber vermutlich mehr damit zu kämpfen, dass ich (!) es ihr nicht zutrauen würde.

Ähnliches haben wir bei unserem ASS Kind. Sie macht meist keine Hausaufgaben, hat viele Fehltage, an manchen Tagen kann sie nicht einmal ihren Namen richtig schreiben. - Aber die schlechteste Arbeit die sie bislang geschrieben hat, war eine 2. - Warum wieso - keine Ahnung. Ist halt so. Seitdem mache ich mir einfach weniger Stress, ob sie Hausaufgaben macht oder krank ist. Vielleicht helfen ihr auch die Auszeiten. - Irgendwie bleibt der Unterricht haften.
Solange sie keine Sozialkontakte vermisst und nicht gehänselt wird, ist doch alles in Ordung. Ich drücke euch die Daumen, dass ihr die richtige Schule findet. :wink:
Tochter 1 11/2009: F.80.2, F82.0, G47, M41 Skoliose, Q66.6 Knicksenkfüße, Abrollstörung, musk. Fußinsuffizenz, R29.9G Musk. Hypothonie, R44.8 Störung d. Sinneswahrnehmung, F98.0, F90 ADS, Chromosomen Dup. in 2q13 und in xq26.2 Del. in 17p13

Tochter 2 02/2011: Asperger Autismus, Chromosomen Dup. in 12p13.1 sowie xq 26.2

Bika
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Re: Meinungen zur Schulwahl

Beitragvon Bika » 16.11.2019, 11:42

Hallo Heike,

ja, das ist ein wichtiger Aspekt für uns. Die sozialen Anforderungen sollen so klein wie möglich sein - oder das Kind soll sich weil die schulischen Anforderungen soooooo mini sind, auf die sozialen Anforderungen konzentrieren können. Das kostet sie viel Kraft.
Interessant, dass Du die sozialen Anforderungen am Gymnasium als geringer empfindest....

Danke.

Jana
Ich würde ein so ungewöhnlich freigeistiges Kind immer auf die Schulform schicken, wo es mit größerer Wahrscheinlichkeit akzeptiert wird.
Auf dem Gymnasium sind die Schüler durchschnittlich privilegierter als auf anderen Schulformen und somit ist ihr allgemeines Stresslevel etwas reduzierter ( behaupte ich einfach mal und deckt sich mit meinen Erfahrungen).

Meine ADSlerin hat ne grottenschlechte Selbstorganisation, ist partiell megafaul, scheint phasenweise auf das geistige Niveau eines Kleinkindes zurückzufallen um dich kurz darauf argumentativ platt zu machen und dir das Gefühl zu vermitteln geistig unterlegen zu sein, sieht bis heute alles Formale (leider) als überflüssige Gängelung und ignoriert es gerne, macht grundsätzlich eher was SIE will, ist sprachlich mega eloquent und nimmt jeden geschickt für sich ein, ist extrem tollpatschig aber voller Selbstironie, schwankt in ihren schrifltlichen Leistungen extrem (von 1- 5 ist immer alles dabei, mündlich deutlich stabiler und gut) .........
kurz gesagt, eigentlich kein Gymnasialkind.

Sie ist nun in Klasse 10 G8 und (zur Zeit) ein zufriedener Teenager, der sein Leben genießt und schulisch allgemein im gut befriedigenden Bereich anzusiedeln ist.

Ich würde immer zum Gymnasium raten.

Und zum Thema Frustrationstoleranz mit nachfolgender Vermeidungsstrategie:
Kennen wir soooooooo gut!
Das hat sich aber im Reifeprozess immer mehr abgeschwächt.
Heute erträgt sie Niederlagen tapfer und setzt sich mit ihren Schwächen auseinander, etwa so wie mit einem etwas nervigen Freund, den man zwar als anstrengend empfindet, für den man sich aber verantwortlich fühlt, weil man ihn in sein Herz gelassen hat.:wink:

LG

NicoleWW
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Re: Meinungen zur Schulwahl

Beitragvon NicoleWW » 16.11.2019, 20:42

Hallo,

mit der Aussage dass die sozialen Anforderungen auf einem Gymnasium niedriger sind wie auf anderen Schule bin ich mittlerweile vorsichtig geworden, wir haben da leider auch schon anderes erlebt. Unsere besonderen Kinder S., A. und J. kommen auf unserem Gymnasium auf jeden Fall besser zurecht wie auf den anderen erreichbaren Schulen hier.
Aber unser S. war in einer extrem schwierigen Klasse (mehrere Kinder mit schwierigem Sozialverhalten), nach einer Neudurchmischung der Klassen nach dem 7. Schuljahr ist es zwar besser aber nicht gut. Ich hätte das auf einem Gymnasium (mit gutem Ruf, nicht Großstadt, kein Brennpunkt) nicht so erwartet.
Man darf also schon auf ein besseres soziales Umfeld hoffen aber es nicht erwarten (die Kinder die bei uns so Probleme machen kommen aus sogenannten "guten" Elternhäusern und hatten wohl auch alle die Empfehlung fürs Gymnasium).

Liebe Grüße
Nicole
Nicole (70, Morbus Bechterew, Asthma) mit

J.M. (92)
J.C. (93)
J.E. (95, ADHS, E80.4)
A.M. (04, F93.3, F98.8, F81,1)
S.F. (04,F84.5, F98.8, J30.3, E80.4, J45.0)
V.L. (07, J45.1, F98.0)
J.K. (07, F84.5, F98.0)


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