Schule für gB oder doch Förderschule? Bin so traurig...

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Sandra9902
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Re: Schule für gB oder doch Förderschule? Bin so traurig...

Beitragvon Sandra9902 » 11.11.2019, 12:41

Hallo,

ich kenne natürlich deine Maus nicht, möchte aber einfachmal von unseren Erfahrungen erzählen. Wir haben zwei PK. Unser Großer ist klar gb, das war recht früh klar. Er konnte tipptopp grammatikalisch reden, ist sehr empathisch, auch damals schon, verstand Wortspiele und Buchstaben. Zahlen waren und sind nicht seins. :wink: ich will nur sagen, dass all das bei ihm nicht aussagekräftig war. Er ist oft von Lehrern überschätzt worden, so dass wir gegensteuern mussten.

Aaaber: Ich habe auch das andere Beispiel zur Hand. PT, traumatisierte, psychisch auffällig, Integrationskind im Kiga, spät eingeschult worden. IQ Test kurz vor der Einschulung. Zwar im Normbereich aber teilweise extrem auffällig. Es wurde sehr in Frage gestellt, ob sie lesen lernen wird, ob sie längere, einfache Rechenaufgaben je wird lösen können. Keiner wußte, ob sie ohne Förderbedarf schulisch durchkommt. Grammatikalisch korrekt sprechen konnte sie lange nicht so früh wie ihr behinderter Brudr. Ja, sie hat die erste Klasse wiederholt, Mathe war in der Grundschule katastrophal, dass sie klarkam, verdankt sie einer hervorragenden Lehrerin. Lange Rede, kurzer Sinn : Sie ist jetzt 17, in der 10. Klasse, macht im Sommer ihren MSA (Mittlerer Schulabschluss, wie Realschulabschluß) und hätte, wenn sie gewollt hätte, auch Abi machen können.
Hört auf euer Bauchgefühl aber verschließt euch auch nicht dem Förderangebot.
Es tut weh zu hören, dass das eigene Kind beeinträchtigter ist, als man gehofft hat, das weiß ich aus Erfahrung. Unser Sohnemann ist jetzt 20, mit der Schule fertig und so glücklich. Er arbeitet nicht in einer Behindertenwerkstatt, sondern in einer Tagesförderstätte. Ist Wurscht. Glücklich sollen sie sein. Und das sind beide unsere Kinder und das wird auch eure Maus, egal welchen Weg sie im Leben einschlägt.

Lieben Gruß, Sandra
Sandra mit PS, geb 1999, frühkindlicher Autist,gb, ADHS, Epilepsie, medikamentös Anfallsfrei
PT, geb 2002, PTBS

IlonaN
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Re: Schule für gB oder doch Förderschule? Bin so traurig...

Beitragvon IlonaN » 11.11.2019, 13:05

hallo,
ja das Bauchgefühl ist sehr wichtig. Ich möchte aber auch eine Lanze für die GB Schule brechen. Kein Kind wird dort verbleiben wenn es den Förderschwerpunkt nicht mehr hat. Auch hier muß in bestimmten Abständen geschaut werden ob der Förderschwerpunkt noch gerechtfertigt ist. Es heist nicht das sie dort bleiben muß. Meiner großen hat nach 3 Jahren Regelschule die GB Schule sowas von gut getan(nur wir Eltern waren verzweifelt),sie hat dort soviel gelernt an Lesen schreiben rechnen. Sie war endlich nicht die Schwächste sondern die Beste, das hat ihrem Selbstwertgefühl sowas von gut getan. Sie hätte dann auf eine L-Schule wechseln können, da sie aber mit ihreem Autistischen Zügen sowieso keinen bedeutenen Schulabschluß für den 1. Arbeitsmarkt geschafft hätte, blieb sie dort und ist heut Glückliche "Verkäuferin" in einem Werkstattladen.
Ich 1961 Ösophagusatresie
Großfamilie mit leibl.Kindern/Ado-Kind und Pflegekindern mit FASD, ADHS, Autismus, Bindungsstörung mit Enthemmung ,Asthma, Neurodermitis u.v.m.

kati543
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Re: Schule für gB oder doch Förderschule? Bin so traurig...

Beitragvon kati543 » 11.11.2019, 13:13

Hallo,
es steht und fällt alles mit einer guten Schule (die hinter ihrem System auch steht und es gegenüber ALLEN vertritt) und mit guten Lehrern. Dass ihr gute Eltern seid, setze ich jetzt einfach voraus ;).
Es gibt Kinder (ich habe selbst 2 davon), die in der Schule durchaus Leistung erbringen können, also reines SCHULwissen lernen und zeigen können. Sie haben schlichtweg Spaß daran, aber (trotz vorhandener motorischer Fähigkeiten) sind sie nicht in der Lage selbstständig zu Essen, sich die Schuhe zuzubinden oder sich richtig anzuziehen. Alltagspraktische Fähigkeiten sind wichtig - ohne Frage, aber sie sind nicht so wichtig, dass ich ein Kind nur deswegen auf eine eventuell unpassende Schule schicke. Ausgerechnet Alltagspraktische Fähigkeiten kann ein Kind auch noch in Therapien oder zu Hause lernen...oder eben gar nicht. Falls es sich in der Schule als clever herausstellt, kann es sogar trotz fehlender Alltagspraktischer Fähigkeiten einen guten Job bekommen.

Mein Ältester sollte damals auch Förderbedarf GE bekommen. Ich habe ihn in die Vorschule der SHS zurückstellen lassen, danach wurde er inklusiv beschult (FB Sprachheilförderung). Nächstes Jahr will er den gymnasialen Zweig seiner Schule besuchen. Mein Jüngster bekam damals den Förderbedarf GE - er wurde immer inklusiv unterrichtet. Auch heute, in der 6. Klasse kann er in manchen Hauptfächern (Nebenfächer sowieso) noch vollkommen lernzielgleich unterrichtet werden. Nur Mathe liegt ihm so gar nicht - da ist er Stand 1./2. Klasse. Der Zahlenraum hat sich ihm nicht erschlossen. Allerdings rechnet man in der weiterführenden Schule auch kaum mit größeren Zahlen - also passt das. Also wird er auch hier fast lernzielgleich unterrichtet.

Wäre es denn eine Möglichkeit dein Kind noch ein Jahr zurückzustellen oder gibt es bei euch, wie bei uns in Hessen eine Vorschule (Also Rückstellung in die Vorschule). Vielleicht könnt ihr aber auch die ersten beiden Schuljahre in 3 Jahren machen - es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten in den Bundesländern. Ich würde an deiner Stelle erstmal eine Rückstellung versuchen. Dann hat deine PT auch sicher einen anderen Entwicklungsstand und die Entscheidung ist leichter. Am IQ kann man das nicht festmachen...schon mal gar nicht am K-ABC.

LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

Susanne1887
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Re: Schule für gB oder doch Förderschule? Bin so traurig...

Beitragvon Susanne1887 » 11.11.2019, 14:32

Hallo Angela,
fühle dich ganz lieb gedrückt !

Wir standen auch schon vor der Schulwahl und wurden von allen Seiten gedrängt das Kind in die Förderschule zu geben. Wir haben es gegen der Meinung von allen Experten mit der Grundschule versucht. Zuerst 3 Monate auf Probe, dann das erste halbe Jahr, dann das 1. Schuljahr. Es hat viel von uns abverlangt, wie sich herausstellte hatte mein Kind LRS + AVWS. Aber mit viel Geduld wurde meine Tochter immer besser und kommt mittlerweile auf der Grundschule 3. Klasse gut zurecht.

Die persönliche Entwicklung des Kindes kann Niemand vorraussehen. Und so wie du beschreibst wäre die Förderschule Lernen durchaus ein Versuch wert. Und sei es nur auf Probe. Und es gibt nichts Besseres für die Schule als eine geduldige aber auch fordernde Mama die sich nachmittags hinsetzt und spielerisch mit dem Kind übt.

Alles Gute !

Susanne
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Hypersensibilität, LRS

Fabienne'14: gesund

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Re: Schule für gB oder doch Förderschule? Bin so traurig...

Beitragvon Silvia & Iris » 11.11.2019, 15:10

Hallo Angela,

fühle dich auch ganz lieb gedrückt!!
... für mich war das damals auch so ein ganz großer Schlag in die Magengrube, als ich las, dass mein gerade mal 6 Monate altes Würmchen nie einer Erwerbstätigkeit nachkommen können wird...
Man fühlt sich einfach mies und versteht die Welt nicht mehr...

Die Schulwahl ist ein Meilenstein - ja, das schon... es hat keinen Sinn wenn Kinder unterfordert sind, aber auch nicht, wenn sie permanent überfordert werden...
... und ja, man kann schon auch mal die Schule wechseln!! - Dennoch, leicht ist das nicht... aber es geht...

und auch ich kann mich nur den Vorschreiberinnen anschließen: Höre auf dein Bauchgefühl - setze dich in die Klassen rein und schau auch mit den Augen deines Kindes... Ist das zu schaffen, was verlangt wird?

Viel Erfolg!
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

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Re: Schule für gB oder doch Förderschule? Bin so traurig...

Beitragvon AlexMama2006 » 11.11.2019, 17:53

Hallo,

ich würde fragen, ob ich mir die beiden Schulen anschauen kann, auch im Unterricht mal hospitieren. Dann kannst du am ehesten einschätzen, wo deine Tochter gut aufgehoben wäre.

Mit dem Besuch einer L-Förderschule ist noch alles möglich, aus der Klasse meines Sohnes sind nach der 4. Klasse ein paar Kinder auf die Mittelschule und einer auf die Realschule gewechselt. Natürlich sind auch welche geblieben.

Wenn ich das richtig sehe, ist sie erst 5 Jahre alt, gibt es bei euch keine SVE? Sowas gibt es bei uns in Bayern, das ist an die L-Förderschule angegliedert, so als Vorbereitung.

LG und eine gute Entscheidung!
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Re: Schule für gB oder doch Förderschule? Bin so traurig...

Beitragvon AlexMama2006 » 11.11.2019, 17:58

Der Zahlenraum hat sich ihm nicht erschlossen. Allerdings rechnet man in der weiterführenden Schule auch kaum mit größeren Zahlen - also passt das. Also wird er auch hier fast lernzielgleich unterrichtet.
Hallo Kati, ich musste so lachen, als ich das gelesen habe :mrgreen: . Ich stamme aus einem Bundesland, in dem man damals zu Beginn der weiterführenden Schule den Taschenrechner in die Hand gedrückt bekommen hat. Nie im Leben hätte ich sonst Abitur :lol: . Übrigens ist bei mir der Knoten geplatzt, als ich in meinem Studentenjob kassieren musste, auf einmal habe ich die Zahlen verstanden. Da war ich aber schon weit über 20. Es besteht also noch Hoffnung! LG AlexMama
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Re: Schule für gB oder doch Förderschule? Bin so traurig...

Beitragvon sandra8374 » 11.11.2019, 18:04

Noch ein Appell zu: schau dir alle Schulen an, sprich mit den Leuten etc.

Ich habe ein Kind auf der GB“Schule und eines auf der Schule LB in Kombination mit E/S. Beide Schulen waren für das jeweilige Amine die passenden.

Unsere Große mit einem IQ von um die 50 auf der GB–Schule, kann lesen, schreiben und auch an guten Tagen plus und minus rechnen.

Unser Kleiner wird nach LB–Schule nun langsam an die Berufswelt herangeführt.
LG Sandra

S+F mit PT(*00 FAS, Microdelitation 16p11.2, ADHS, GB, Z.n.Absencen?, Sehfehler, Lordierung LWS, Skoliose 17,8%, Beckenschiefstand, Hüftkontraktur, Korsettversorgung, mit SBA 90 HBG) u. PS (*01 ADS, GB, Sehfehler, Knick-Senk-Füße, Z.n.Epilepsie, mit SBA 60)

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Re: Schule für gB oder doch Förderschule? Bin so traurig...

Beitragvon kati543 » 11.11.2019, 18:17

Der Zahlenraum hat sich ihm nicht erschlossen. Allerdings rechnet man in der weiterführenden Schule auch kaum mit größeren Zahlen - also passt das. Also wird er auch hier fast lernzielgleich unterrichtet.
Hallo Kati, ich musste so lachen, als ich das gelesen habe :mrgreen: . Ich stamme aus einem Bundesland, in dem man damals zu Beginn der weiterführenden Schule den Taschenrechner in die Hand gedrückt bekommen hat. Nie im Leben hätte ich sonst Abitur :lol: . Übrigens ist bei mir der Knoten geplatzt, als ich in meinem Studentenjob kassieren musste, auf einmal habe ich die Zahlen verstanden. Da war ich aber schon weit über 20. Es besteht also noch Hoffnung! LG AlexMama
Hallo,
mein Ältester hat jetzt in der 7. Klasse noch keinen Taschenrechner. Allerdings ist es auch so, dass selbst bei der Abiprüfung ein Teil ohne Rechner erledigt werden muss. Da werden die Taschenrechner dann eingesammelt. Ich war ab der 5. auch verloren ohne meinen Rechner.
LG
Katrin
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O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

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Re: Schule für gB oder doch Förderschule? Bin so traurig...

Beitragvon AlexMama2006 » 11.11.2019, 18:41


Hallo,
mein Ältester hat jetzt in der 7. Klasse noch keinen Taschenrechner. Allerdings ist es auch so, dass selbst bei der Abiprüfung ein Teil ohne Rechner erledigt werden muss. Da werden die Taschenrechner dann eingesammelt. Ich war ab der 5. auch verloren ohne meinen Rechner.
LG
Katrin
Das ist ja ganz schön fies. Die armen Kinder. Bin total froh, dass ich meinen Schulabschluss schon habe. Mein Sohn ist ja jetzt gezwungenermaßen auf einem Internat, dann bin ich da wohl auch raus...

Beruflich hatte ich übrigens viel mit Zahlen zu tun, kein Problem mit Taschenrechner und Computer für mich.
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