Mit Windeln in die Regelschule

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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MelSch
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Mit Windeln in die Regelschule

Beitragvon MelSch » 15.08.2019, 15:08

Hallo!

Mein Sohn ist jetzt Vorschulkind. Er hat neben einer Entwicklungsstörung (v.a Autismus) auch noch ein körperliches Problem. Er ist für den Stuhlgang immer noch gewickelt.
Wir sind in Behandlung, aber es kann gut sein, daß er zum Schulstart nicht sauber ist.

Jetzt wurde uns von der Frühförderung gesagt, daß er auch mit I-Helfer als "Wickelkind" weder in die Regelschule, noch in die Schule mit Förderschwepunkt sozial-emotional gehen kann.
Es bliebe nur das Föderzentrum geistige Entwicklung.
Dort wäre er aber absolut fehl am Platz!

Ist es wirklich so, daß ein Kind dann trotz Inklusion nicht auf die Regelschule gehen kann?

Viele Grüße,
MelSch

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Markus_1974
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Re: Mit Windeln in die Regelschule

Beitragvon Markus_1974 » 15.08.2019, 15:33

Hallo Melsch,

wir haben unseren Junior (Blasen + Darminkontinent ) ganz normal an der örtlichen Grundschule vorgestellt.
Er wurde zwar 1 Jahr zurückgestellt um noch etwas Zeit zum Aufholen der Entwicklung zu bekommen.
Aber es wird jetzt schon eine Toilette für Ihn umgebaut. Damit die erhöhten Anforderung an Hygiene und Platz realisiert werden können.

Also kann ein Gang auf die Regelschule erst mal kein Problem sein.
Habt ihr denn schon mal mit der Schule gesprochen was die dazu meinen?

viele Grüße
Markus

kati543
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Re: Mit Windeln in die Regelschule

Beitragvon kati543 » 15.08.2019, 15:41

Hallo,
mein Jüngster ist jetzt 11, besucht die (inklusive) weiterführende Schule im Förderschwerpunkt GE und ist gerade dabei die Windel loszuwerden. Sowohl in seiner Grund-, als auch in seiner jetzigen weiterführenden Schule ist die Windel echt das kleinste Problem.
Windelträger sind ja auch die Rollifahrer der Schule. Also da ist er wirklich nicht der Einzigste.

Allerdings wollte die Frühförderung uns auch am allerliebsten in der Schule für GE sehen. Am Besten mit beiden Kindern - der Große hat einen IQ von 101! Wir sind damals selbst aktiv geworden und haben Schulen gesucht, die die Kinder aufnehmen würden. Nicht jede Schule hat die Voraussetzungen dafür.
Mein Großer war wirklich kurz vor Schulbeginn trocken geworden. In der Schule gab es zahlreiche Unfälle. Aber auch das war kein Problem. Er hat bis heute den Förderbedarf Sprachheilförderung. Emotional/Sozial wird hier im Bundesland nicht an Autisten vergeben, sondern nur an quasi nicht erziehbare Kinder.
Rede mal OFFEN mit eurer zuständigen Schule. Machen sie mit/ oder nicht? Hätten sie einen Raum dafür? Wenn nicht, kann der Schulleiter Dir vielleicht eine gute inklusive Schule aus der Umgebung nennen. Da bei euch die Frühförderung eh dagegen ist, würde ich das ganz ohne Wissen der Frühförderung durchziehen.
LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

EmanuelsMama
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Re: Mit Windeln in die Regelschule

Beitragvon EmanuelsMama » 15.08.2019, 15:55

Hallo,

das ist natürlich Unsinn.

Der I-Helfer ist ja unter anderem dafür da, dem Kind bei solchen Dingen wie Toilettengang zu helfen. Und wenn das bedeutet, zu wickeln, dann gehört das mit zu seinem Aufganbengebiet (solltet ist vorher mit dem Schulbegleiter klären, nicht das es für beide Seiten ein böses Erwachen gibt.)

Auch geklärt werden sollten vor dem Schulbesuch die räumlichen Gegebenheiten. Evtl. muss da noch was geändert werden. Viele Schulen haben ja mittlerweile eine sog. Behindertentoilette, die aus Mangel an Benutzern häufig für anderen Dingen (bei meinem Großen lagerten darin Unmengen von Tiolettenpapiervorräten ...) zweckentfremdet werden. Das sollte vor Schulbeginn in Ordnung gebracht werden.

Inkontinenz ist kein Kriterium für die Wahl der Schule. Trotzdem kann es sein, dass du da Überzeugungsarbeit leisten musst, aber ein Hinderungsgrund sollte solch ein durch aus lösbares Problem nicht darstellen.

Gruß

Ingrid

Jörg75
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Re: Mit Windeln in die Regelschule

Beitragvon Jörg75 » 15.08.2019, 17:38

Moin,
MelSch hat geschrieben:Jetzt wurde uns von der Frühförderung gesagt, daß er auch mit I-Helfer als "Wickelkind" weder in die Regelschule, noch in die Schule mit Förderschwepunkt sozial-emotional gehen kann.

BLÖDSINN!

Natürlich kann auch ein Wickelkind mit Schuilbegleitung in eine Regelgrundschule gehen. Das wird aller Voraussicht nach auch nächstes Jahr auf unseren Sohn zutreffen. Die Schuleingangsärztin wollte ihn dieses Jahr schon in die Schule schicken - da wäre er dann auch auf eine Regelgrundschule als I-Kind gegangen.

Gruß
Jörg
K., *2013, Extremfrühchen (27. +3 SSW), ICP, GdB 100 G aG H B, PS II+/ PG 4
J., *2016, aktuell keine Besonderheiten

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Re: Mit Windeln in die Regelschule

Beitragvon SimoneChristian » 15.08.2019, 18:38

Wir hatten eine ähnliche Ausgangssituation.

Bei der Suche nach dem Schulbegleiter bzw. schon im Antrag das Wickeln vermerken.

Die Schule (NRW) hat dann moch Gelder abgerufen, weil wohl eine Dusche vorhanden sein musste.

Letztendlich hatte sich bei uns das Thema tatsächlich 4 Wochen vor Einschulung weitestgehend erledigt.
Also Mut und Geduld für euch!

LG
Simone
C. (*9/11) Sprachentwicklungsverzögerung, Regulationsstörungen des Kindesalters
atypischer Autismus (Diagnose 07/15)

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Re: Mit Windeln in die Regelschule

Beitragvon NicoleWW » 15.08.2019, 21:43

Hallo,

unsere ist Phasenweise auch ein Kind mit Windel sie muss zwar nicht gewickelt werden aber wenn sie Hilfe braucht, ist hilft die Schulbegleitung, ihre bisherigen Klassenlehrerinnen würden ihr auch helfen bei Bedarf. Sie geht als Regelkind in ein Gymnasium und hat keinen I-Status aber eine Schulbegleitung (für 13 Stunden).

Manuche Leute reden halt viel wenn der Tag lang ist, uns wurde damals bevor unsere großen Zwillinge in den Kindergarten kamen auch erklärt, dass sie trocken sein müssten und dass nicht gewickelt wird, dann wurde uns erzählt dass ab 3 Jahre nicht mehr gewickelt wird. Unsere kamen mit 2,9 Jahren rein und wurden dann bis 4 Jahre gewickelt (müssen sie nämlich, aber das war zu dem Zeitpunkt glaub noch recht neu)) aber unsere waren wohl die ersten Vollwickelkinder die rein kamen.

Liebe Grüße
Nicole
Nicole (70, Morbus Bechterew, Asthma) mit

J.M. (92)
J.C. (93)
J.E. (95, ADHS, E80.4)
A.M. (04, F93.3, F98.8, F81,1)
S.F. (04,F84.5, F98.8, J30.3, E80.4, J45.0)
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Re: Mit Windeln in die Regelschule

Beitragvon Britta70 » 18.08.2019, 15:23

Hallo,

bei mir klingelt bei der Aussage der Frühförderung eine Glocke, die Erinnerungen weckt...
Evtl. möchte die Frühförderung ein Kind für ihre GE-Schule gewinnen?

Unsere Frühförderin von der KB- Schule wollte Amelie auch lieber an ihrer Schule sehen (und versuchte uns - so haben wir es zumindest empfunden - auszutricksen).

Ob es wirklich so bei euch ist, kann ich nicht einschätzen, aber im Hinterkopf sollte man es haben.

LG
Britta
Amelie (*05), hypoxischer Hirnschaden durch near-missed SIDS, Z. n. BNS-Epilepsie, Button, Tetraspastik, Tetraparese, cerebral blind, Hüftluxation links (operiert 2014), starke Skoliose (operiert 2016)

Louis_Hamburg
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Re: Mit Windeln in die Regelschule

Beitragvon Louis_Hamburg » 18.08.2019, 23:24

Hey!

Ich hab zwei Windelkinder vor doch schon einigen Jahren inzwischen in die Schule geschickt.
Alles ist eine Frage der Kommunikation. Müssen die Lehrer helfen? Was ist im Sport?
Wenn man früh genug, offen, mit der Schule kommuniziert, findet sich immer eine Lösung.
Bei uns war es eine Regelschule - im Prinzip hatte jeder dafür Verständnis.

Liebe Grüße

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Lisa Maier
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Re: Mit Windeln in die Regelschule

Beitragvon Lisa Maier » 19.08.2019, 17:48

Hallo Melsch,

wenn man wegen der Windeln in eine G-Schule müßte, wäre das absolut grotesk. Jeder komplett Querschnittsgelähmte ist inkontinent - und in schulischer Hinsicht doch eigentlich, außer im Sportunterricht, absolut nicht behindert. Frage mal diese offensichtlich 'sehr kompetente' Frühförderin, ob sie den Schäuble in eine Einrichtung für geistig Behinderte schicken wolle. Ich finde es grauenhaft, wenn sogenannte Fachleute einen derartigen Mist erzählen. Wenn eine Bäckereiverkäuferin mit offenem Mund vor mir steht und entgeistert sagt, daß Leute wie ich (Rollstuhl) doch normal in so Einrichtungen wären und es schier nicht fassen kann, daß ich studiert habe und entsprechend meiner Qualifikation arbeite, kann ich das ja noch halbwegs akzeptieren, aber bei einer Frühförderin ist diese Denke eigentlich schon ein Kündigungsgrund wegen Unwissens. Das Windelwechseln muß eben organisiert werden - wo ist das Problem?

Viele Grüße

Lisa


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