Erfahrungen mit Schulbegleitung

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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GretchenM
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Re: Erfahrungen mit Schulbegleitung

Beitragvon GretchenM » 29.05.2019, 21:44

Hallo Franziska,

genauso haben es mir Lehrer geschildert. „Der war auffälliger als das Kind“ war das Heftigste.

Und umgekehrt gibt es auch Lehrer, die die pure Anwesenheit eines anderen Erwachsenen (auch wenn der sich ruhig im Hintergrund hält) so irritiert, dass sie völlig unsicher werden weil sie glauben beobachtet zu werden (und dann muss man als SB erstmal ganz klar sagen, dass man nicht dazu da ist, Lehrer zu bewerten und das auch gar nicht darf!)

Ich fahre ganz gut damit, gleich bei jedem neuen Lehrer zu sagen, dass ich mich zurückhalte, solange ich nicht offensichtlich gebraucht werde, dass er mir aber natürlich sagen kann, wenn er meint, ich solle etwas Bestimmtes tun / wenn ich etwas übersehe.

Was immer gut ist, ist: Ruhe ausstrahlen, aktiv sein aber ruhig dabei. Auf keinen Fall Unruhe verbreiten.
Ansonsten ist es leider so, dass wirklich jeder Lehrer etwas Anderes erwartet und dass man als SB gut beraten ist, erstmal abzuschätzen in welchem Unterricht was erwartet wird. Was den einen Lehrer nervt erwartet der Kollege - an derselben Schule. Es ist ein Geben und Nehmen, nichts Einseitiges. Helfen kann ein SB nur richtig, wenn er mit dem Lehrer und Eltern ein gutes Team bilden kann (und nicht zu mehr Stress für irgendeinen Beteiligten sorgt!)

Ich frage gerne auch mal, ob für den Lehrer alles ok ist(natürlich nicht ständig, aber ab und zu - den Lehrer noch zusätzlich stressen ist unmöglich!). Sich verbessern kann man allerdings nur, wenn auch eventuell mal offen gesagt wird, was nicht so gut ist. Ich bitte sowieso immer darum - anfänglich - mir bitte zurückzumelden, wenn ich Mist baue.

Bisher fahre ich damit gut.

LG

GretchenM

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HeikeLeo
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Re: Erfahrungen mit Schulbegleitung

Beitragvon HeikeLeo » 30.05.2019, 12:32

Franziska hat geschrieben:Mit der Qualifikation hatte das gute Gelingen meiner Erfahrung nach wenig zu tun.


Die formale Qualifikation hat mit dem Gelingen an sich wahrscheinlich nichts zu tun. Da stimme ich zu.

Die Qualifikation hat aber mit der Selbstwahrnehmung, der Fremdwahrnehmung und der Einordnung etwas zu tun. Die Stellung einer Schulbegleitung ist da durchaus wichtig. Und der formale Rahmen ist nicht immer ganz klar. Wenn es funktioniert, so wie GretchenM das schildert, dann gibt es keine Diskussion.

Wenn es aber nicht funktioniert, dann ist der Rahmen wichtig. Denn meiner Erfahrung nach, ist das fehlende Funktionieren oft nicht der Schulbegleitung zuzuschreiben. Aber so wie die Stellungen und Weisungspfade in der Schule funktionieren, wird dann im Falle eines Zweifels die Schulbegleitung ausgetauscht. Und das, obwohl es formal nicht richtig ist. Wenn man genau hinschaut, dann ist eben die Lehrkraft für den Unterricht zuständig und die Schulbegleitung für das Kind in der Klasse. Wenn es Probleme gibt, muss es Gesprächsrunden auf Augenhöhe geben. Da ist die Lehrkraft der Schulbegleitung gegenüber eben NICHT weisungsbefugt. Ein Hausmeister empfängt auch keine Weisungen von Lehrkräften! So logisch, wie GretchenM das schildert, ist es nun doch nicht. Es ist leider kompliziert - was bei Schulbegleitungen nicht nur an der Konstruktion Schulbegleitung liegt, sondern auch daran, dass komplizierte Kinder begleitet werden.

Liebe Grüße
Heike

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Jakob05
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Re: Erfahrungen mit Schulbegleitung

Beitragvon Jakob05 » 30.05.2019, 14:57

Bei uns müssen die KiGa-/Schulbegleiter ausgebildete Intensiv-Kinderkankenschwestern sein. Trotz fachlicher Ausbildung speziell für den Umgang mit Kindern gibt es aber auch große Unterschiede, wie diese ihre Aufgabe wahrnehmen. Ausgebildet um kranken, bettlägerigen Kindern in der Klinik zu helfen, fällt es nicht jedem leicht ein mobiles Kind so zu begleiten, dass es weitmöglichst ein normales Kinderleben leben darf.
Eine KKS, die das Kind auf dem Schulweg (aus Sicherheitsgründen) permanent an der Hand hält oder bei Kindergesprächen dazwischen quatscht, nur weil eine Geschichte etwas ausufert oder die Wortwahl nicht ganz dudenreif ist, behindert ebenso wie eine sicherlich sehr fleissige, die jede Pause zum Inhalieren, Absaugen oder Hörgeräte kontrollieren nutzt. Hier erwarte ich Augenmaß und ein Mindestmaß an Wissen, wie wichtig Freiräume für die kindliche Entwicklung sind. Wichtiger als eine genormte Qualifikation, finde ich da aber einen regelmässigen Austausch mit Eltern, Lehrern, dem Kind und evtl. Kollegen, denn der Grad zwischen zu viel und zu wenig Freiraum ist sehr schmal und muss ständig neu definiert werden.
Cordula (65) mit I. (86), M. (88 mehrfachbehindert, HF-Autist), J. (†28.07.05,*02.08.05,37.SSW) + K. 10/07 (GS, HD, Rachenfehlbildung,Tracheostoma)

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Re: Erfahrungen mit Schulbegleitung

Beitragvon uschi brand » 31.05.2019, 14:04

Hi,
Glaubt ihr an den pädagogisch naturbegabten kaum Volljährigen der in der Lage ist einen nahezu gleichaltrigen verhaltensorginellen Jugendlichen "kompetent" zu begleiten oder an die junge Mutter, die in ihrer Branche nach Elternzeit kaum mehr einsteigen kann und ein Kind mit ASS unterstützen soll, sich dabei stets dessen etwas anders gelagerte Art der Wahrnehmung und die spezielleren Softskills vor Augen halten, vor Überforderung etc. schützen und den Mitschülern die besondere Art ihres Schützlings behutsam näher bringen kann?
Natürlich mag es solchen Fälle geben, GsD, nur "aller Wahrscheinlichkeit nach" doch eher als Ausnahme :(
Auch ich bin absolut der Meinung, daß "Laien" in der SB oft gute Arbeit machen, ohne ein gehöriges Maß an Unterstützung hinsichtlich Fachwissen usw., was so an RS kaum erfolgt, halte ich diese für kaum leistbar.
LG Uschi

UrsulaK
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Re: Erfahrungen mit Schulbegleitung

Beitragvon UrsulaK » 02.06.2019, 08:02

Hallo,
ich denke, welche Qualifikation ein SB mitbringen muß, hängt auch stark davon ab, wie er das Kind unterstützen muß.
Um mal ein Beispiel zu nennen, ein geistig sehr fittes Kind sitzt im Rollstuhl, der SB gibt Hilfe beim Transport von A nach B, hilft den Ranzen aufzumachen usw. Aus meiner Sicht etwas was auch ein FSJL' er, der gerade mit der Schule fertig ist, erledigen kann.
Bei vielen Kindern mit Behinderungen ist aber eine komplexere Hilfestellung im Alltag notwendig, gerade dann, wenn auch zum Beispiel eine Sprachbehinderung in Kombination mit Autismus oder geistiger Behinderung vorliegt. Hier müssen aus meiner Sicht Kenntnisse vorhanden sein von der Wahrnehmung und wie sich diese von "Normalos" unterscheiden kann und wie gehe ich damit um. Bei Autismus müssen Kenntnisse vorhanden sein, von Konzepten wie TOM und schwache zentrale Kohärenz. Kenntnisse in Strukturierung, Visualisierung sind sehr hilfreich. Wenn der Bedarf da ist, müssen Kenntnisse in Unterstützter Kommunikation da sein. Das sind alles Dinge, die sich ein Laie, mal nicht gerade eben aneignet. Deshalb finde ich es hilfreich, wenn eine pädagogische Vorbildung vorhanden ist.

Mehrfach wurde ja auch schon genannt, daß die Chemie zwischen Kind und SB stimmen muß. Mein Sohn ist z.B. sehr technisch interessiert, darum wäre eine SB, die ihn zum Blümchen anmalen nötigen möchte, weil das doch so nett wäre, nicht geeignet für ihn.

Und klar, die persönlichen Merkmale müssen passen!

VG,
Ursula
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Re: Erfahrungen mit Schulbegleitung

Beitragvon Engrid » 02.06.2019, 09:52

Hallo,

pädagogisch naturbegabten kaum Volljährigen der in der Lage ist einen ... verhaltensorginellen Jugendlichen "kompetent" zu begleiten oder an die ... Mutter, die in ihrer Branche nach Elternzeit kaum mehr einsteigen kann und ein Kind mit ASS unterstützen soll, sich dabei stets dessen etwas anders gelagerte Art der Wahrnehmung und die spezielleren Softskills vor Augen halten, vor Überforderung etc. schützen und den Mitschülern die besondere Art ihres Schützlings behutsam näher bringen kann?
Haben wir beides tatsächlich mit Junior schon gehabt. Im Setting „Regelschule“ gibt es das wahrscheinlich eher noch weniger, denn wie schon geschrieben, unsere SB haben ja Anleitung und Rückgriff auf sonderpädagogisches Wissen im Schulalltag.

Was Ursula da schreibt, möchte ich auch unterstützen. Wenn das Schulwesen wirklich gut wäre, wenn wir wirklich vom Bedarf des Kindes ausgehen dürften, dann bräuchte Junior jemand mit Wissen über TEACCH und UK, mit Wissen über Autismus. Allerdings, bei der niedrigen Bezahlung für SB, und mit Blick auf den katastrophal leergefegten Arbeitsmarkt im Bereich Pädagogik, gibt es da in meiner Ecke keine Chance. (Abgesehen davon, dass jedenfalls hier in Bayern auch bei Therapeuten und Pädagogen im Sondersystem noch viele kaum Ahnung von Autismus haben. Wo also sollte die kompetente SB herkommen?) Tatsächlich kam mir schon mehrfach aus der Schule Verwunderung entgegen, dass Junior überhaupt eine SB hat, wo er doch weder extrem laut und störend ist, noch fremdaggressiv. Soweit pädagogischer Anspruch und Wirklichkeit. Und deshalb muss ich mit dem, was ich beschrieben habe, nach Lage der Dinge schon recht zufrieden sein.

Jemand, der als SB von der Persönlichkeit passt UND spezielles Wissen mitbringt, könnte extrem viel mehr bewirken.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Re: Erfahrungen mit Schulbegleitung

Beitragvon HeikeLeo » 02.06.2019, 15:10

Engrid hat geschrieben: Allerdings, bei der niedrigen Bezahlung für SB, .....gibt es da... keine Chance.


Die Bezahlung der Schulbegleitungen ist ein wichtiger Punkt. Und die Bezahlung hängt eben mit der Qualifikation zusammen. Die Bezahlung ist so eine Art Wertschätzung der Schulbegleitungen. Im gegebenen Schulsystem wird die Arbeit der Schulbegleitungen nicht so hoch eingeschätzt wie sie tatsächlich ist. Da muss noch sehr viel passieren.

Liebe Grüße
Heike

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Re: Erfahrungen mit Schulbegleitung

Beitragvon Silke Zeyen » 04.06.2019, 15:22

Liebe Oda,

ich denke, dies ist von Region zu Region unterschiedlich.
In NRW ist es so, dass die bewilligende Behörde (das ist in der Regel der örtliche Sozialhilfeträger) anhand einer Beurteilung festlegt, ob dem Kind eine Fachkraft als Begleitung zur Verfügung gestellt wird, oder eine Nicht-Fachkraft. Das wird tatsächlich vom Bedarf des Kindes abhängig gemacht. Entsprechend fällt auch die Bezahlung aus.
Leider ist aber auch hier der Markt leergefegt und Schulbegleitung ist ja jetzt auch nicht der lukrativste Arbeitsplatz- zumal die Schüler an die Einzelfallhilfe gebunden ist und umgekehrt.
Bedeutet: Ist die Schulbegleitung erkrankt, kann das Kind den Unterricht nicht besuchen.
Bedeutet allerdings auch: Ist das Kind erkrankt, wird die Schulbegleitung nicht bezahlt.

Wer also eine Arbeit sucht, weil er ein sicheres Einkommen braucht ist damit nicht ganz so gut bedient.


Lieben Gruß
Silke

GretchenM
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Re: Erfahrungen mit Schulbegleitung

Beitragvon GretchenM » 04.06.2019, 23:29

Hallo Silke,

die Bezahlung ist eher minimalistisch *gg* - aber ob man als SB.sozisagen auf dem Trockenen sitzt wenn das Kind erkrankt kommt sehr auf den Träger an, bei dem man beschäftigt ist.

Wenn ich krank werde, bekommt mein Klient eine Vertretung (wobei da im Einzelfall auch entschieden werden kann, dass das Kind einen Tag alleine schaffen kann) - wenn das Kind krank wird, arbeite ich als Springer und werde bei einem anderen Kind eingesetzt. In jedem Fall bekomme ich für die Dauer meines Vertrages jeweils einen Mindestlohn pro Monat, der sich aus den erarbeiteten Stunden berechnet (von denen immer einige für die Ferien „aufgespart“ werden, so dass diese Überstunden dann für die Ferien genutzt werden - was vom Jugendamt nicht gezahlt wird (weil es nur geleistete Stunden bezahlt) wird durch den Träger ausgeglichen. Genauso geht mein Vertrag immer bis zum Ende der Sommerferien, soll heißen, wenn ich (wie es normal ist) dann wieder einen neuen Vertrag bekomme, schließt sich dieser ohne Lücke an meinen vorherigen an, also bin ich auch nicht temporär arbeitslos.

Insofern (und vor allem wegen der Vertretungen wegen) würde ich mir als Elternteil möglichst immer einen größeren Träger aussuchen, möglichst einen mit Spezialisierungen auf einen Bereich (wie Autismus o. Ä.)Dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch „Unqualifizierte“ zumindest gut geschult werden, einfach größer - und die Wahrscheinlichkeit, dass im Krankheitsfall der SB das Kind ohne SB zuhause sitzt, geringer.

Insofern: es kommt immer sehr, sehr auf Vertrag und Träger an - gerade die interne Betreuung ist doch sehr unterschiedlich (ich habe da wirklich Glück bei jeder Frage sofort Hilfe zu bekommen, was ja auch dem Kind zugutekommt)

LG

GretchenM

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UrsulaK
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Re: Erfahrungen mit Schulbegleitung

Beitragvon UrsulaK » 05.06.2019, 14:10

Die Arbeitsbedingungen bei den einzelnen Trägern sind doch sehr unterschiedlich.
Es gibt ganz gute und auch schwarze Schafe.
Bei unserem Träger erhalten die SB unbefristete Festanstellungen. Fällt ein Kind weg, wird der SB weiter vermittelt an das nächste Kind.
Die Eltern haben aber ein Wahlrecht und können auch ein SB ablehnen, falls der nicht paßt.
Die SB erhalten auch Fortbildungen.
VG,
Ursula
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