Schulwahl bei geistig entwicklungsverzögertem Kind

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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GerritsMama
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Schulwahl bei geistig entwicklungsverzögertem Kind

Beitragvon GerritsMama » 06.05.2019, 11:00

Hallo! Ich bin auf der Suche nach Erfahrungen mit Förderschulen für ganzheitliche Entwicklung.
Mein Sohn wird dieses Jahr im Sommer 6, wir haben für das kommende Schuljahr eine Rückstellung erreicht. Er ist kleinwüchsig und zudem (stark) global entwicklungverzögert. In etwa auf dem Stand eines 1 1/2jährigen, kann nur wenige Worte sprechen, nicht alleine laufen, er malt nicht. Er kann auch nicht längere Zeit "still sitzen". Alleine essen und trinken kann er auch nicht und er trägt Windeln. Zudem müsste er vom Ganztagesunterricht entbunden werden, weil er das gesundheitlich, bzw von seiner Ausdauer her, nicht schafft. Er kann auch in den Kiga nur wenige Stunden täglich gehen.
Gibt es hier Eltern mit Kindern, die ähnlich stark zurück waren bei ihrer Einschulung? Auf welche Schule gehen eure Kinder? Wie sieht der Schulalltag aus, was "lernen" die dort?
LG Silke
Gerrit *08/2013, 34+1 SSW, MOPD Typ 1, BPD, globale Entwicklungsstörung, Neurodermitis
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ClaudiaSp
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Re: Schulwahl bei geistig entwicklungsverzögertem Kind

Beitragvon ClaudiaSp » 06.05.2019, 16:45

Hallo Silke,

hast du schon mal über eine Förderschule "KME" (=motorische Entwicklung) nachgedacht? Die Förderschulen "ganzheitliche Entwicklung (GE) sind oft nicht so gut auf körperlich eingeschränkte Kinder eingerichtet. Wenn Dein Sohn z. B. nicht frei läuft braucht er ja eine barrierefreie Schule.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, wir wohnen direkt neben einer GE Schule und haben unseren Sohn doch nicht dorthin geschickt (auch wenn das an sich eine tolle Schule ist). Bei der Einschulung konnte Junior noch nicht frei laufen, Sprechen nur einzelne Worte, nur pürierte Kost, Windeln etc pp. Eine geistige Behinderung ist sicherlich vorhanden aber nicht testbar. Folgende Gründe haben uns dazu bewogen, Junior auf eine Förderschule KME zu schicken auch wenn es einen weiteren Schulweg bedeutet :

- absolut barrierefreies Gelände, auch der Pausenhof
- Physiotherapie 2xwöchentlich während der Schulzeit (geht an der GE Schule bei uns nicht aufgrund fehlender Räumlichkeiten)
- schuleigenes Schwimmbad, 1x wöchentlich Schwimmen, die Physiotherapeuten sind auch dabei

Die Schüler sind bunt gemischt, von rein körperbehindert über lernbehindert und geistig behindert bis zu schwer mehrfach behindert. In der Grundschulzeit werden die Kinder soweit es irgend gehtin den Lerngruppen gemischt und je nach Fähigkeiten differenziert unterrichtet. Ist Junior nicht mehr in der Lage sich zu konzentrieren kann er aus der Lerngruppe raus und bekommt Bewegungsangebote (z. B. schuleigene Therapieräder) Da es bei meinem Sohn noch arg damit hapert, wird viel Wert auf Erlernen von Selbständigkeit und lebenspraktischen Fähigkeiten gelegt. Zum Beispiel geht die Gruppe zusammen einkaufen. Manche Kinder sollen den Umgang mit Geld erlernen, mein Sohn bekommt Bildkarten von Obst und Gemüse und soll diese Sachen im Laden finden.

Wenn es also in eurem Umkreis eine solche Schule gibt, würde ich das in Erwägung ziehen. Am besten allen in Frage kommenden Schulen einen Besuch abstatten und sich selbst ein Bild machen.

Viele Grüße
Claudia
Claudia mit M, * 09/2008, ehemaliges Zwillings-Frühchen, 520g (SSW 25+0) nach FFTS, schwerhörig, Autismusspektrumsstörung, Absencen-Epilepsie, seit 09/2015 ein Schulkind Förderschule Motorik, und Zwillingsbrüderchen T fest im Herzen

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Re: Schulwahl bei geistig entwicklungsverzögertem Kind

Beitragvon Engrid » 06.05.2019, 17:32

Hallo,

mein Sohn (autistisch, gB, körperlich fit) ist an einer GEnt-Schule. Da sind soweit ich mitbekomme keine Kinder, die zb nicht laufen oder selber essen können.
KME dürfte tatsächlich besser passen bei Euch.

Ich konnte mir damals auch nicht vorstellen, wie es in der Förderschule läuft. Wir Eltern hatten dann Gelegenheit, ein paar Stunden in einer ersten Klasse zu hospitieren, dann hatte ich eine Vorstellung. Kann ich also sehr empfehlen.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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Re: Schulwahl bei geistig entwicklungsverzögertem Kind

Beitragvon sandra8374 » 06.05.2019, 17:58

Hallo!

Ich würde mir mal alle Schulen ansehen und mit den Menschen reden.
KME oder GE könnte Beides passen.
LG Sandra

S+F mit PT(*00 FAS, Microdelitation 16p11.2, ADHS, GB, Z.n.Absencen?, Sehfehler, Lordierung LWS, Skoliose 17,8%, Beckenschiefstand, Hüftkontraktur, Korsettversorgung, mit SBA 90 HBG) u. PS (*01 ADS, GB, Sehfehler, Knick-Senk-Füße, Z.n.Epilepsie, mit SBA 60)

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Re: Schulwahl bei geistig entwicklungsverzögertem Kind

Beitragvon GerritsMama » 07.05.2019, 08:40

sandra8374 hat geschrieben:Hallo!

Ich würde mir mal alle Schulen ansehen und mit den Menschen reden.
KME oder GE könnte Beides passen.


Es gibt bei uns, also in unserem Landkreis, nur diese eine Schule. Es ist eine Schule für ganzheitliche mit einer Klasse motorische Entwicklung, wenn ich das richtig gelesen hab.
Ich warte auf einen Termin zur Beratung. Wollte mich nur im Vorfeld schon mal informieren.

Ich lese oft, dass Eltern sich für eine bestimmte Schule entscheiden, auch wenn diese weiter weg ist. Geht das denn so einfach??? Ginge das auch über die Bundeslandgrenze oder Landkreisgrenze hinweg??

LG Silke
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Beitragvon Engrid » 07.05.2019, 08:55

Hallo,

das kann man so pauschal nicht sagen, weil es je nach Bundesland und auch je nach Kreis/Kommune Unterschiede gibt.
Anschauen schadet aber nicht, dann hast Du einen Vergleich.
Und falls Du Dir die für Euch vorgesehene Schule gar nicht für Dein Kind vorstellen kannst, weil Du sie schlecht findest, und Du weiter weg eine gute Schule findest, lohnt sich schon, sich reinzuhängen.

Grüße
Engrid
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Re: Schulwahl bei geistig entwicklungsverzögertem Kind

Beitragvon lisa schrenk » 07.05.2019, 11:09

Hallo,

unserer Tochter geht es so wie bei Claudia. Auch wir haben uns für eine kme-Schule entschieden. Vor allem weil sie Epilepsie hat und es dort Krankenschwestern gibt. Wir haben uns diese Schule und eine GE-Schule vorher angeschaut. Mir gefiel die bunte Durchmischung in der KME-Schule. Sie lernt viel von den fitteren Kindern und alle gehen gut auf sie ein. Ihre Lernziele sind eher lebenspraktischer Natur. Laufen lernen, Unterstützte Kommunikation (jetzt kommt ein Talker) und so etwas. Sie hat eine Schulbegleitung, die sie viel unterstützt und sie individuell fördert. Sie geht sehr gern zur Schule.

Wenn es in der Umgebung eine andere geeignetere Schule gibt, sprich erstmal mit der Schule, ob sie dein Kind nehmen würden. Dann musst du Anträge bei den zuständigen Schulämtern stellen und überlegen, wie das mit dem Transport wird. Aber da lass dich mal beraten.

LG lisa
Botho (1962), Lisa (1965), Freya (2007)
Sie ist stark entwicklungsverzögert und hat Pseudo Lennox. Sonst ist sie ein liebes, fröhliches Kind, das uns viel Freude macht.

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Re: Schulwahl bei geistig entwicklungsverzögertem Kind

Beitragvon Ayala » 07.05.2019, 15:04

Hallo,

Gerrit wird nach deiner Beschreibung im sonderpädagogischen Gutachten die beiden Förderschwerpunkte ganzheitliche und motorische Entwicklung bekommen. Wenn ich richtig vermute, ist für euch die EKS zuständig, die hat die Förderschwerpunkte ganzheitliche und motorische Entwicklung. Eine Schule mit dem Förderschwerpunkt motorische Entwicklung wäre die Christiane-Herzog-Schule in Neuwied, aber das ist ja doch ein weiter Weg. Der Transport dorthin würde wahrscheinlich nur in Ausnahmefällen bezahlt, da die zuständige Förderschwerpunkte beide Schwerpunkte abdeckt, die dein Sohn braucht. Zudem ist es auch die Frage, ob einem Kind, das Schulzeitverkürzung braucht, eine so weite Fahrt zugemutet werden kann. Die Beschulung in einem anderen Bundesland ist manchmal als Ausnahme möglich, aber schwierig. Da braucht es schon ganz stichhaltige Gründe, warum keine Schule in der Nähe (weder Förderschule noch Schwerpunktschule) ihn beschulen kann.

Nimm am besten Kontakt zur Schule auf und frage nach, ob du dort mal hospitieren kannst. Das dürfte bestimmt kein Problem sein. Die EKS hat einen guten Ruf, das kann ich sagen. Und mit Sicherheit haben die auch Schüler, die noch stärker beeinträchtigt sind als dein Sohn. Er wird im Unterricht dort abgeholt werden, wo er gerade steht. Die Reduzierung der Unterrichtsstunden dürfte auch kein Problem sein, das werden andere Schüler auch brauchen.

Alles Gute für den Weg!

VG Ayala
Lehrkraft an einer Förderschule mit den Förderschwerpunkten ganzheitliche und motorische Entwicklung

Schwester J. Smith-Lemli-Opitz-Syndrom
Kusine A. Angelmann-Syndrom

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Re: Schulwahl bei geistig entwicklungsverzögertem Kind

Beitragvon GerritsMama » 08.05.2019, 12:44

Ayala hat geschrieben:Hallo,

Gerrit wird nach deiner Beschreibung im sonderpädagogischen Gutachten die beiden Förderschwerpunkte ganzheitliche und motorische Entwicklung bekommen. Wenn ich richtig vermute, ist für euch die EKS zuständig, die hat die Förderschwerpunkte ganzheitliche und motorische Entwicklung. Eine Schule mit dem Förderschwerpunkt motorische Entwicklung wäre die Christiane-Herzog-Schule in Neuwied, aber das ist ja doch ein weiter Weg. Der Transport dorthin würde wahrscheinlich nur in Ausnahmefällen bezahlt, da die zuständige Förderschwerpunkte beide Schwerpunkte abdeckt, die dein Sohn braucht. Zudem ist es auch die Frage, ob einem Kind, das Schulzeitverkürzung braucht, eine so weite Fahrt zugemutet werden kann. Die Beschulung in einem anderen Bundesland ist manchmal als Ausnahme möglich, aber schwierig. Da braucht es schon ganz stichhaltige Gründe, warum keine Schule in der Nähe (weder Förderschule noch Schwerpunktschule) ihn beschulen kann.

Nimm am besten Kontakt zur Schule auf und frage nach, ob du dort mal hospitieren kannst. Das dürfte bestimmt kein Problem sein. Die EKS hat einen guten Ruf, das kann ich sagen. Und mit Sicherheit haben die auch Schüler, die noch stärker beeinträchtigt sind als dein Sohn. Er wird im Unterricht dort abgeholt werden, wo er gerade steht. Die Reduzierung der Unterrichtsstunden dürfte auch kein Problem sein, das werden andere Schüler auch brauchen.

Alles Gute für den Weg!

VG Ayala


Richtig! Für uns zuständig, wäre die EKS :wink: aber selbst die ist von uns relativ "weit". Wir wohnen genau zur Grenze nach Hessen, im Nachbarort (Limburg,Hessen) gibt es auch eine Förderschule mit Schwerpunkt motorische Entwicklung mit einem Zweig ganzheitliche Entwicklung. Mit dieser Schule hatte ich auch schon Kontakt, aber die sagten nun, dass sie ab diesem Jahr grundsätzlich keine anderen Kinder mehr aufnehmen dürfen. Vorher war es kein Problem.
Ich hab übernâchste Woche einen Termin in dem Beratungszentrum der EKS.
Das Problem wird sein, dass hier alle Förderschulen in der Gegend eigentlich mehr Anmeldungen als Plätze haben. :roll:
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Re: Schulwahl bei geistig entwicklungsverzögertem Kind

Beitragvon Ayala » 09.05.2019, 19:56

Hallo GerritsMama,

ja, dann wäre Limburg natürlich viel praktischer für euch. Aber das Problem der fehlenden Förderschulplätze ist leider verbreitet. Vielleicht ergibt sich in dem Beratungstermin ja noch eine gute Lösung. Ihr seid ja zum Glück recht früh dran. Das ist schon mal sehr gut!

Alles Gute!
Gruß
Ayala
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