Erfahrungen mit Förderschule für Lernen

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Angela77
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Beitrag von Angela77 »

Hallo Heike,

wir haben an ein und derselben Förderschule wirklich ganz unterschiedliches erlebt. Das Kind hingegen war nahezu dasselbe :wink:

Deswegen sage ich ja: Es hängt ganz wesentlich am Engagement des Lehrers (und natürlich auch ein bisschen auchvon der aktuellen Klassenzusammensetzung und von der generellen Personaldecke in der Klasse) ab.

Die Regelschule war super engagiert und fähig, aber Klassen kleiner zaubern, geht halt nicht. Und dass Bene als einziger nicht sprechen konnte, war für ihn selbst wohl auch SEHR unangenehm...


Liebe Grüße
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)

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Alexandra2014
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Beitrag von Alexandra2014 »

Tanja2014 hat geschrieben:
Das, was Alex schreibt, war vielleicht in der Vergangenheit so, stimmt aber für die Neu-Einschulungen in NRW seit diesem Schuljahr nicht mehr. Da hat sich politisch der Wind um 180 Grad gedreht. Einzelinklusionen in der wohnortnächsten Schule sind seit diesem Schuljahr gar nicht mehr möglich. Das Gesundheitsamt/die Schulärztin in unserer Stadt "berät" scheinbar konsequent nur noch "pro Förderschule", egal was die Auffälligkeiten sind. Ich habe da in der Nachbarschaft eine wirklich haarsträubende Geschichte miterlebt. Inklusionstechnisch hat uns die NRW-Bildungsministerin von der FDP mal eben in die Steinzeit zurückgebeamt. :-(
Woher bitte möchtest Du wissen, was bei uns noch möglich ist und was nicht? „Unsere“ wohnortnächste Grundschule ist rein zufällig auch eine Schwerpunktschule für Inklusion in unserem Kreis. Huch...

Bei uns - sehr ländlich - gibt es auch kaum Förderschulen. Die Förderschule L z.B. wurde letztes Jahr im Sommer geschlossen, zeitgleich wurde eine private Förderschule L eröffnet :roll: , die aber erst ab Klasse 5 unterrichtet...

Die Autisten aus unserem Landkreis werden, sofern sie Förderschulen besuchen, sogar über die Landesgrenze kutschiert, da die Förderschule E/So in unserem Landkreis für Autisten nicht geeignet ist. Die vielen „schwererziehbaren“ machen den Autisten das Leben schwer. Das geht so weit, dass das Jugendamt den Transport, als auch die Schulkosten der privaten Förderschule im benachbarten Bundesland bezahlt. :wink:

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

SimoneD.
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Beitrag von SimoneD. »

Auf unserer E-Schule hat mir sogar der Direktor abgeraten meinen autistischen Sohn auf so eine Schule zu schicken.
Selbst in den eigenen Reihen des Schulamtes und ich unser ATZ sieht die Förderschule sozial-emotional nicht geeignet für Autisten!

Heute hat es soweit ganz gut geklappt. Zumindest war er ruhig. Es gab wohl keine Ausraster (vielleicht wirkt das Medikament?!) allerdings war er überwiegend wieder alleine mit I-Kraft in dem Raum. Er hat zwar ein paar Dinge gearbeitet, aber nur was er sich rausgesucht hat. Den überwiegenden Teil der Zeit haben sie gespielt..
Auch habe ich ihn nach den 3 Stunden Freiarbeit abgeholt...

Ich bin ehrlich. Das Montessori system ist nichts.
Mein Sohn wird dort so nichts lernen bzw etwas beigebracht kriegen, weil es a) keinen richtigen Unterricht gibt und b) er die meiste Zeit im Raum mit der I-Kraft verbringt....
Auch wenn er in der Klasse wäre würde ja kein Unterricht stattfinden sondern überwiegend die Freiarbeit und da klingt er sich immer aus.
Er braucht diese Mischung aus richtigem Unterricht und wenn arbeiten angesagt ist raus in einen separaten Raum, wenn es zu viel wird. Er hat während des frontal Unterrichts ja wenigstens durch zuhören etwas aufgeschnappt und gelernt. Das fehlt ja bei Montessori.
Das wird mir erst jetzt so richtig bewusst.
An der alten Schule habe ich bei der Hospitations gesehen, dass es die ersten 3 Stunden fast problemlos geklappt hat bzw er sich gut zusammengerissen hat und es dann gekippt ist.
Es sei denn er hatte schon vorher irgendwas quer sitzen, dann rastete er schon vorher aus...

Morgen schaue ich mit unverbindlich die L-Schule an und stelle Fragen.
Ich will es ja nicht übers Knie brechen und ihn nächste Woche bereits woanders anmelden.
Nächsten Woche Donnerstag und Freitag haben wir zwei Termine in der KJP. Einmal Testung IQ und einmal Testung Aufmerksamkeit.
Danach den Tag Termin zur Besprechung und Rückmeldung bzgl des Medikaments.
Der Oberarzt sagte mir am Telefon man müsste den Einzelfall betrachten, wenn ein Kind mit normaler Intelligenz auf eine Förderschule Lernen soll. Das wäre ein komplexes Thema, weil man das Gesamtbild sehen muss....
Mit Sicherheit werden wir aber darüber reden. Fakt ist mit dem Montessori komme ich nicht über ein....aber das haben wir ja von Anfang an gesagt, dass wir auch schauen müssen, ob N. mit dem Montessori System klar kommt.
Liebe Grüße von Mönchen :-)
Sohn (10 Jahre) Asperger Autist

Sharima003
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Beitrag von Sharima003 »

Meine Tochter hat AKsberger und uns wurde von einer Montesorri Schule abgeraten. Die Lehrer und auch der Pchychologe meinten, dass meine Tochter feste Strukturen braucht und kein "freies" lernen.
Sie ist dann mit L Status und Schulbegleiterin in eine normale Regelschule aufgenommen worden. Es klappt super, was aber auch an den Lehrern und an der SUPER Schulbegleitung liegt. Sie hat den Wechsel problemlos auf die weiterführende Schule geschafft und hat ab der 4.ten Klasse ihren L Status weg. zeugnis ist 2-3 er Notendurchschnitt. Sie hat jetzt (7te Klasse) einen Nachteilsausgleich anerkannt bekommen. Sie hat jetzt länger zeit bei Arbeiten (speziell Aufsätze).
Es hieß auch erst von einigen Stellen, ich sollte meine Tochter auf eine Förderschule schicken. Aber ganz ehrlich: Die Förderschule hier ist eine Katastrophe. Die Kinder lernen nichts, außer malen. Von einer Bekannten der Sohn ist auf diese Schule gekommen und kann mit 12 Jahren immer noch nicht richtig lesen und schreiben. Und das liegt meiner Meinung nicht nur am Kind. Bei entsprechender Förderung wäre der meiner Meinung nach viel weiter. Förderschule wäre mein letzter Ausweg. Wenn dein Kind erstmal da drauf ist, ist ein Rückgang zur einer normalen Schule fast aussichtslos.

svennie
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Beitrag von svennie »

Hallo Simone,
ich finde, das klingt alles nach einem guten Plan. Auch dass nochmal IQ und Aufmerksamkeit getestet werden, um zu schauen, ob evtl doch ADHS eine Rolle spielt und ob er ggf an einer L-Schule unterfordert wäre. Das Medikament läuft parallel, das ist auch gut. Nach Ns schlechtem Einstieg in der neuen Schule ist es wichtig und richtig, nach einer anderen Schule zu suchen, und eine Regelschule scheint bei der ausgeprägten Symptomatik einfach nicht das Richtige zu sein. Es kann ja auch kein Dauerzustand sein, den kompletten Unterricht mit der SB in einem separaten Raum zu verbringen.
LG
Svenja
Sohn 10/2011: Asperger, hyperkinetische Störung, umschriebene Entwicklungsstörung der motorischen Funktionen, PG 2

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Tanja2014
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Beitrag von Tanja2014 »

Alex, es gibt seit diesem Sommer eine neue Verwaltungsrichtlinie vom NRW-Bildungsministerium durch die Einzelinklusionen nicht mehr möglich sind. Neue GL-Schulen soll es bis auf Weiteres auch nicht geben. Da Ihr auch in NRW lebt, nahm ich an, dass das dann auch für Euren Regierungsbezirk gilt. ;-) Die bestehenden GL-Schulen bleiben natürlich bestehen, aber leider hat nicht jeder zufällig eine vor der Haustür. Ich habe ja selbst auch eine Körperbehinderung und im Gegensatz zu meinem Sohn durfte ich vor 35 Jahren zusammen mit meinen Freunden auf die nächstgelegene Grundschule gehen.
Viele Grüße
Tanja
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Beitrag von Alexandra2014 »

Hi Tanja,

hier in den kleineren Ortschaften gibt es sowieso keine Grundschulen mehr. D.h. es müssen sowieso alle aus den umliegenden Orten mit Bussen in die nächste Kleinstadt.
Im Umkreis von 20 km gibt es hier tatsächlich 3 Schwerpunktschulen, so dass die Kindergartengruppen geschlossen an die Schulen wechseln und so bestehende Freundschaften erhalten bleiben.

Ich kann aber natürlich nur für uns sprechen und wie es hier ist. :wink:

Gruß
Alex
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Beitrag von Tanja2014 »

Alexandra2014 hat geschrieben: Bei uns ist es genau umgekehrt. Hier wird versucht, alles in der Inklusion unterzubringen (egal unter welchen Bedingungen), weil es weniger Kosten verursacht, als ein Förderschulbesuch.
Darauf bezog sich meine Aussage. Das geht seit dem Sommer eigentlich offiziell nicht mehr...
Viele Grüße
Tanja
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Beitrag von Alexandra2014 »

Tanja2014 hat geschrieben:
Alexandra2014 hat geschrieben: Bei uns ist es genau umgekehrt. Hier wird versucht, alles in der Inklusion unterzubringen (egal unter welchen Bedingungen), weil es weniger Kosten verursacht, als ein Förderschulbesuch.
Darauf bezog sich meine Aussage. Das geht seit dem Sommer eigentlich offiziell nicht mehr...
Ist aber noch so!
Der eine oder andere hat aber gemerkt, dass Schulbegleitungen für fast jedes einzelne Inklusionskind mehr kosten, als der Förderschulbesuch inklusive Transport.
Es geht immer nur ums Geld...

Letztlich ist es sowieso Elternwille.

Gruß
Alex
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