Was landet alles in der Schulakte?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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_Marta
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Was landet alles in der Schulakte?

Beitragvon _Marta » 16.02.2018, 12:45

Hallo ihr,

für meinen Sohn soll jetzt doch eine Schulbegleitung beantragt werden. Dafür hat die beantragende Sonderpädagogin nach Diagnoseberichten gefragt.

Gerade vorgestern ist der Bericht der letzten Diagnostikrunde angekommen. Nun möchte ich den aber nicht einfach so zur Schule geben - ich möchte nicht, dass der in der Schulakte landet.

Kennt ihr euch mit den Vorgehensweisen aus?

Den letzten Bericht habe ich an das ReBBZ gegeben, der blieb da. Klar, die Sonderpädagogin musste das ja beurteilen. Aber die Schulakte, die ja in der Schule ist, blieb (so weit ich weiß) leer. Und das wäre mir auch lieb. ALLES muss ja nun nicht jeder wissen.

Und dann möchte die Sonderpädagogin auch noch eine Blanko-Schweigepflichtsentbindung. Wie ich hier schon mehrfach lesen konnte, muss ich das ja nicht machen. Ich würde ebenfalls situative Entbindungen ausstellen.

Der Kinderpsychiater übrigens sagte mehrmals, ich solle mich direkt an das ReBBZ wenden, die Lehrer der Schule wären die falschen Ansprechpartner? Die Schule allerdings scheint zu meinen, sie alleine würde das alles machen, ich hätte da keine Rolle. Jeder sagt was anderes. Ich steig da nicht so durch. Kennt sich jemand in HH mit den Regularien aus?

Danke und Gruß von Marta
Sohn *09/10, Frühgeburt
F90.0G, F84.1V, Entwicklungsverzögerung Feinmotorik, HB, Funktionsniveau: 3 - 4

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Mioundich
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Beitragvon Mioundich » 16.02.2018, 13:17

Liebe Marta,

nein eine Blanko Schweigepflichtsentbindung würde ich niemals heraus geben.


Wenn deine Sonderpädagogin Fragen hat, soll sie die schriftlich formulieren und du leitest das an die entsprechende Stellen weiter. Verweise darauf, dass du von dem Recht deines Kindes auf informationelle Selbstbestimmung Gebrauch nimmst und sämtliche Stellungnahmen über dich eingefordert werden müssen.

Eine Entbindung ist komplett unnötig, wenn du z.B. Gespräche in deinem Beisein möglich machst. Es gibt ehrlich gesagt kaum Gründe warum der Kinderpsychater überhaupt mit der Sonderpädagogin reden sollte.

Wichtig ist, dass es eine fundierte Diagnose gibt, gemäß dieser Diagnose hat dein Kind Nachteilsausgleiche, die ihm zustehen. Als Sonderpädagogin sieht sie doch selber wo seine Baustellen sind, bzw. muss den Förderplan erstellen und Ist Zustand, Maßnahmen und Ziele definieren.

Wenn es sein muss, es irgendwelche Therapien gibt, das schulische nicht so funktioniert und im Rahmen der Therapeutin etwas besser funktioniert, kann diese hierzu etwas schreiben, was du an die Sonderpädagogin weiter leitest.

Vor allem ist bei Schweigepflichtsentbindungen darauf zu achten, dass man explizit darauf aufmerksam gemacht worden ist, welche rechtlichen Konsequenzen dies hat, welcher Zweck damit verbunden ist und das diese jederzeit widerrufen werden kann.

Hat das die zuständige Sonderpädagogin gemacht?

Liebe Grüße
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kati543
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Beitragvon kati543 » 16.02.2018, 13:39

Hallo,
in Hamburg gelten die gleichen Gesetze, wie im restlichen Teil Deutschlands - die Sorgeberechtigten entscheiden und bestimmen im Sinne und für ihr minderjähriges Kind. Der Rest der Menschheit darf seine Meinung sagen, aber mehr auch nicht.
Es ist EUER Antrag auf eine Schulbegleitung, nicht der Antrag der Schule. Nur die Sorgeberechtigten dürfen diesen Antrag überhaupt stellen. Ohne eure Unterschrift läuft da garnichts. Klar muss die Schule auch einige Angaben machen, aber der Antrag kommt von euch.
Das Sozialamt/Jugendamt braucht natürlich die Gutachten und Berichte. Nur niemand hindert dich ja daran, die dann direkt an das Amt zu leiten, oder? Wer behauptet denn, dass die Gutachten erst den Umweg über die Schule nehmen müssen? Dann hast du sie eben leider noch nicht alle. So ein Pech... Gib Gutachten nur denjenigen, denen du sie auch geben willst.

In der Schulakte selbst steht nur sehr wenig. Die Schule führt aber auch noch andere Akten über dein Kind. Da ist nicht nur die Schulakte. Oder anders ausgedrückt: das damalige Gutachten hat die Schule noch und es können die Lehrer deines Sohnes einsehen. Ich kenne es von uns noch so: die Klassenlehrerin führt noch eine eigene Akte über jedes Kind, die in der Klasse verwahrt wird. Es gibt eine weitere Akte bei Kindern mit sonderpädagogischen Förderbedarf (da sind dann auch die ganzen Gutachten drin) und dann wäre da noch der dubiose Schülerbogen. Die Schulakte selbst ist harmlos. Sie verbleibt auf ewig in der Schule und darf die Schule nie verlassen, im Gegenteil zum Schülerbogen. Ich würde mir also keine Sorgen um die Schulakte machen.

LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

NicoleWW
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Beitragvon NicoleWW » 16.02.2018, 13:40

Hallo,

ich weiß nicht ob das überall gleich ist, aber bei uns werden Schulbegleitungen beim Jugendamt/Sozialamt (je nach dem welches Amt zuständig ist) von den Eltern beantragt nicht von der Schule.

Liebe Grüße
Nicole
Nicole (70, Morbus Bechterew, Asthma) mit

J.M. (92)
J.C. (93)
J.E. (95, ADHS, E80.4)
A.M. (04, F93.3, F98.8, F81,1)
S.F. (04,F84.5, F98.8, J30.3, E80.4, J45.0)
V.L. (07, J45.1, F98.0)
J.K. (07, F84.5, F98.0)

Jervis
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Beitragvon Jervis » 16.02.2018, 14:04

Hallo,

ich hänge mich da mal mit dran:
selbe Situation wie bei Marta (auch Hamburg)

Die Schule sagt sie erstellt den Antrag auf Schulbegleitung ??

Nun habe ich allerdings gehört, daß es einen Unterschied zwischen der "Pool"-Schulbegleitung ( Schule beantragt nach ihrem Bedarf Schulbegleitungen und verteilt sie auf die Kinder, FSJler etc) und einer individuellen Schulbegleitung (fachliche/pädagogische Schulbegleitung(Krankenschwester/Heilpädagoge) gibt.

Mir wurde geraten einen eigenen Antrag auf Schulbegleitung zu stellen und mich nicht auf die Pool-Lösung der Schule zu verlassen.

Wohin stelle ich denn meinen Antrag ? Woher weiß ich, ob meinem Kind eine "einfache" Schulbegleitung durch einen FSJler oer eine fachliche Schulbegleitung benötigt/zu steht ?
Ich bin verwirrt und ratlos.

Danke für Eure Antworten
und Danke Marta, daß ich von Deinem Post profitieren darf

Gruß
Jervis
Tochter 6 J mit ICP beinbetont links, beide Hände

MamaMonika0912
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Beitragvon MamaMonika0912 » 16.02.2018, 14:06

Ich weiß dass hier viele sehr viel kritischer sind als ich. Ich habe sowohl mit dem Kindergarten als auch mit der Frühförderstelle beste Erfahrungen gemacht mit "Blanko-Schweigepflichtsentbindungen". Es war der Heilpädagogin und der Ergotherapeutin jederzeit erlaubt sich mit den Erzieherinnen auszutauschen ohne dass ich danebenstehen musste oder einen extra Wisch unterschreiben musste. Der intensive Austausch hat zu einer tollen Betreuung und Entwicklung meines Sohnes geführt.
Da ich in unsere Schule (d.h. die dortigen Lehrer und auch die Schulbegleitung) großes Vertrauen habe, habe ich Ihnen, der Heilpädagogin und der Psychologin auch Schweigepflichtsentbindungen ausgestellt, so dass sie miteinander reden können (und sollen!!) ohne dass ich jedesmal informiert werden muss. Was ich hier so lese scheint das aber eine Ausnahme zu sein.
Ich bin jedoch mit allen Stellen in regelmäßigem Austausch, so dass ich trotzdem informiert werde was alles passiert und was an Absprachen stattfindet. Bisher hat uns das noch nicht geschadet. Ich denke, an der weiterführenden Schule kann das auch ganz anders aussehen, das lasse ich jetzt erstmal auf mich zukommen und entscheide dann.

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Beitragvon MamaMonika0912 » 16.02.2018, 14:09

ach so, den Antrag auf Schulbegleitung mussten wir beim Jugendamt stellen. Allerdings wurden die meisten Unterlagen von der Schule eingeholt (ich habe von Allem eine Kopie angefordert) und der Antrag ist vorher durch das Schulamt begutachtet worden. Ich glaube aber dieses komische Vorgehen ist hier landkreisspezifisch.

Ayden
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Beitragvon Ayden » 17.02.2018, 13:32

Liebe Marta,
wir wohnen auch in HH.

Nein, HH ist in dieser Hinsicht seit ein paar Jahren anders als die restlichen Bundesländer.

Neben der Möglichkeit, dass die Eltern einen Antrag auf eine Schulbegleitung stellen , gibt es für Schulkinder den `vereinfachten´ Weg : Die Schule stellt- ohne, dass das Einverständnis der Eltern erforderlich wäre, einen Antrag auf Schulbegleitung für einen Schüler/Schülerin. Die Eltern haben dann- rein rechtlich- den Anspruch (mit ihrem Rechtsbeistand) Einsicht in die Schulakte und das Begründungsschreiben zu nehmen. Sie sind NICHT bei der Entscheidungsfindung dabei.

Und jetzt kommt der Hammer: Die so beantragte Schulbegleitung erhöht den `Pool´ der Schulbegleitungen an der Schule und muss NICHT zwingend am Kind, für das sie beantragt wurde, eingesetzt werden!

Allerdings ist wohl eine Vorabinformation an die Eltern im Rahmen eines Gesprächs mit den Erziehungsberechtigten vor Antragstellung erforderlich (wie gesagt, dies ist nur eine Information, die Schule trifft die Entscheidung selber)

Was ihr nicht müsst: Irgendwelche Unterlagen beibringen, es sei denn, ihr wollt das.

Denn : Diese Schulbegleitung muss mit der tatsächlichen Situation Eures Kindes in der Klasse /Schule begründet werden und nicht mit irgendwelchen `Ängsten´ die sich für Pädagogen aus der Kenntnis einer ihnen von Euch möglicherweise vorab zur Verfügung gestellten ärztlichen Diagnose begründet werden.

Kurz zusammengefasst: Ich wäre extrem vorsichtig mit dem Überlassen ärztlicher Bescheinigungen an eine tatsächlich medizinisch ÜBERHAUPT NICHT (auch im ReBBZ sitzen medizinische Laien) kompetente Gruppe von Personen, vor allem, wenn ihr nicht einmal die Möglichkeit habt, Kenntnis darüber zu gelangen/Einfluss darauf zu nehmen wie diese die ärztlichen Befunde interpretieren!

Das finde ich wichtig, völlig unabhängig davon, ob die ärztlichen Diagnosen letztendlich in der Schulakte landen oder nicht.

Liebe Grüße, Ayden

Ayden
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Beitragvon Ayden » 17.02.2018, 13:38

PS : Ich hatte im Herbst zu diesem Thema einiges geschrieben, zum Glück hat sich bei uns zwischenzeitlich alles gütlich lösen lassen und unsere Kleine hat keine Schulbegleitung bekommen (Bei unserer Tochter sollte sie, die körperliche Einschränkungen hat im Bereich Sehen und Skoliose ohne eigenen Bedarf nämlich für die Bereitstellung einer SB für andere - im Verhalten schwierige - Kinder herhalten. ) Wichtig zu wissen: Laut Schulgesetz muss für die Beantragung ein Förderschwerpunkt vorliegen. So dieser nicht existiert, kann die Schule nicht einfach so eine SB beantragen (war bei unserer Tochter, die trotz der Seheinschränkung als Regelkind in der Regelschule , jetzt 2. Klasse, ist) ein wichtiger Aspekt.

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_Marta
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Beitragvon _Marta » 17.02.2018, 14:58

Hallo zusammen,

danke für die Antworten. Ja, in HH ist einiges anders.

Zur allgemeinen Info: In HH wurde vieles in Sachen Inklusion von den Eltern abgekoppelt - bspw. auch Schulbegleitung selber suchen - damit die Förderung der Kinder nicht abhängig von Kompetenz, Zeit, Engagement der Eltern ist. Die Politik sah/sieht mehr Chancen für die Kinder, wenn sich die Spezialisten der Schule kümmern. Nun.

Hallo Jervis:
Jervis hat geschrieben:Mir wurde geraten einen eigenen Antrag auf Schulbegleitung zu stellen und mich nicht auf die Pool-Lösung der Schule zu verlassen.

Magst du dazu mehr erzählen, oder mich privat anschreiben? Das würde mich schon sehr interessieren!

Diese Pool-Geschichte ist auch sehr undurchschaubar für die Eltern. So hat mein Kind einen Förderschwerpunkt und eine Menge Sonderförderstunden, die aber ganz offenschichtlich nicht ihm komplett zukommen. Dabei SIND seine Stunden aber personengebunden - das habe ich bei der Schulbehörde nachgefragt. Ja, es steht von mir noch eine offizielle Nachfrage aus - aber mir laufen Zeit und Nerven weg. Ihr könnt euch das bestimmt bestens vorstellen. An jeder Front kann ich nicht kämpfen.

Aber zurück zur Schulbegleitung.
Dort werden im Antrag wohl auch Angaben erforderlich zu den behandelnden Ärzten. Schrieb mir die Sonderpädagogin. Ich finde, das ist zu privat.
Weiterhin wollte sie die genaue neue Diagnose wissen und die Bericht beilegen.
Nun weiß ich aber von letztem Jahr, dass das so unsinnig ist. Ich hatte damals ganz aufgeregt der (hier gibt es extra eine) Autismus-Beratung tatsächlich alle Berichte vorgelegt und eine Blanko-Schweigepflichtsentbindung unterschrieben. Das ist jetzt nicht ganz so wild, weil die Ärzte von mir ebenfalls eine haben wollten - und ich habe nur einer Psychologin eine eingeschränkte gegeben. Aber das mach ich "natürlich" nicht noch einmal.

Wichtig war nur, das es einen Diagnose gab, die wollen die ReBBZ schon haben - den kompletten weiteren Bericht hätte ich allerdings schwärzen können. Das hat nicht mehr interessiert. In dem Sinne telefoniere ich Montag mal rum - und sende eventuell die neuen Diagnosen weiter. Aber eben auch nur die.

Danke für euren Input. Wenns interessiert erzähle ich gerne weiter, was so passierte :-)

Gruß von Marta
Sohn *09/10, Frühgeburt

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