Übergriffiges Verhalten des Kindergartens

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Anja Müller
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Beitragvon Anja Müller » 19.02.2016, 10:54

Im Übrigen ziehen sich Bevormundungen durch unsere Leben mit behindertem Kind wie ein roter Faden. Ich verstehe nicht, woher das kommt. Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?

Immer wieder passiert es uns, dass Leute sich in Dinge einmischen, die sie nichts angehen, und dann beleidigt reagieren, wenn wir das nicht wollen.

Ich habe den direkten Vergleich durch die drei gesunden Kinder, die in Kindergarten und Schule gehen und außerdem in viele Vereine.

Wir gelten da überall als kompetente Eltern und haben mit niemand Streit. Unsere Kinder entwickeln sich gut und sind gern gesehen.

Wir stehen auch im Leben, die familiären Belange (Finanzen, Familienklima usw.) sind alle im grünen Bereich (auch wenn keine Urlaube mehr gehen, aber wir haben keine Schulden oder so ...).

Aber sobald wir mit unserem behinderten Kind in die entsprechenden Einrichtungen kommen, setzt so eine Art Überbehütung ein. So in der Art: "Sind Sie sich sicher, dass Sie das schaffen?". "Ehen mit behindertem Kind zerbrechen leicht. Machen Sie doch mal eine Paartherapie!" "Wird Ihnen das nicht zuviel? Geben Sie ihn doch ins Heim!" etc. etc.

Wo kommt bloß immer dieser Quark her?

VG,

Anja

kar_lotta
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Beitragvon kar_lotta » 19.02.2016, 10:55

Hallo,

wir haben für unsere Tochter mittlerweile einen Rollstuhl und einen Rehabuggy.
Falls ihr den Rollstuhl auch daheim und draußen nutzen möchtet, kann ich Euch ein Outdoor-Rad empfephlen.
Unser Rollstuhl geht als zusätzlicher Stuhl zum Therapiestuhl in den Kindergarten. Am Wochenende haben wir ihn daheim. Ich finde es besser, wenn meine Tochter im Rollstuhl als im Buggy sitzt, da der Buggy nicht an sie angepasst ist.

Alles Gute
kar_lotta
kar_lotta mit Tochter (*10/2012),
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Symptome: hypoton, hypertropher Corpus Callosum. Keine Diagnose
Sohn (*11/2018)

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Beitragvon Katja_S » 19.02.2016, 10:57

Hallo Anja,
hast du dcih denn schon erkundigt, ob ihr den Rehabuggy dann wirklich abgeben müsstet?
Wenn ihr den behalten könntet, hätte ein (zusätzlicher) Rolli ja auch Vorteile. Eine Mutter, deren Tochter in E. Klasse geht, ist froh, dass ihre Tochter jetzt (ab Ende 1. Klasse) im Rolli im Bus transportiert werden kann und nicht immer umgesetzt werden muss. Ob ihr das naürlich wollt, weiß ich nicht...
Ich persönlich empfinde den Alltag mit E. Roli wesentlich einfacher als vorher mit Rehabuggy (allerdings Akiv-Rolli und zum Radfahren haben wir das Trets als Anhänger) und jeder sieht das anders.
Der Kindergarten findet einen Rolli vermutlich praktischer, weil sie dann im Kiga nur 1 HM brauchen und nicht Therapiestuhl plus Rehabuggy. Könnte ich mir vorstellen :? .
Aber das Vorgehen ist natürlich überhaupt nicht ok!
Gruß,
Katja
Katja mit E. (geb. April'08), Frühchen 26. SSW, Hirnblutungen, Hydrocephalus (Shunt-versorgt), gehörlos (2 CIs), Epilepsie, geistige und körperliche Behinderung

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Andrea1972
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Beitragvon Andrea1972 » 19.02.2016, 10:58

Hallo,

macht der Rolli überhaupt Sinn für dein Kind?

Hast du dem Kiga mitgeteilt das sie euch mit dieser Action eure Mobilität zu Hause komplett nehmen??

Ich würde hier alles stoppen.Das Gespräch mit dem Kiga angehen und dann alles selbst entscheiden und auch beantragen.

Das ist sicher Stressfreier für euch als das Theater was der Kiga da anrührt.

Niemals im Leben würde ich die Hilfsmittelversorgung aus der Hand geben und schon gar nicht für einen Rolli.

Ich drücke feste die Daumen das ihr eine für euch perfekte Lösung findet.

LG Andrea
Anna-Maria,93 SpinaBifida und HC VP-Shuntversorgt,Rollifahrerin.Cheyenne,02,inzwischen nachgewiesener Gendefekt,Amelogeneses Imperfecta

Bin freundlich..merkt nur keiner...

Anja Müller
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Beitragvon Anja Müller » 19.02.2016, 11:04

Hallo Andrea,

das wäre evtl. echt zu überlegen. Dass wir es ganz wieder selber machen (hat bisher immer supergut geklappt). Geht das denn?

@kar-lotta: mein Man hatte es so verstanden, dass wir für daheim nicht beides kriegen können bzw. den Buggy nur ohne Rolli behalten können ...

VG,

Anja

MajaJo
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Beitragvon MajaJo » 19.02.2016, 11:07

Im Übrigen ziehen sich Bevormundungen durch unsere Leben mit behindertem Kind wie ein roter Faden. Ich verstehe nicht, woher das kommt. Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?



Wo kommt bloß immer dieser Quark her?

VG,

Anja
Liebe Anja,

ich habe gleich beim Lesen des Ursrungsposts gedacht, dass das typisch für Euch ist und habe mich tatsächlich gefragt, warum das so ist.

Bei mir ist es ähnlich. Jo hat ja fünf ältere Geschwister und seit er erkrankte habe ich auch immer nur solche Geschichten gehört. Die Mutter-Kind-Beziehung stimmt nicht, Sie machen dieses oder jenes falsch, warum haben Sie nicht, ist doch kein Wunder, dass ... Zuletzt jetzt bei der Anmeldung zur Einschulung: Wollen Sie Jo nicht zurückstellen lassen? Bei den zu erwartenden Fehlzeiten wird der den Anschluss verlieren. Ich rate dringend, ihm noch ein Jahr Zeit zu geben ... Er ist geistig eher weit entwickelt und erst als ich der Schulärztin damit kam, dass ich lieber einen Nachteilsausgleich beantrage als ihn zurückzustellen, war sie still.

Mir hat ein Psychologe mal gesagt, dass man mich nicht Ernst nimmt. Ich habe lange darüber nachgedacht und es stimmt. Ich dramatisiere nicht und nehme alles so wie es kommt, bin immer nett und freundlich. Das ist es, was mir sonst extrem viel Anerkennung bringt: im Beruf, bei den anderen Kindern, im Fernstudium. Aber in so einer Situation muss man mit einem ganz anderen Biss an die Sache rangehen - für meine Verhältnisse beinahe unverschämt. Dann werde ich auch gehört.

In Eurem Fall heißt das gerade: "Es ist nett, dass Sie sich kümmern, aber über die Versorgung in unserem Privatbereich entscheiden wir immer noch alleine."

Liebe Grüße
Maja
Maja m. Jo (*10) Neurod., Ichth. vulgaris, Asthma, Allergien m. Anaphylaxie, GdB 70 H, A (*05) Chêneau-Korsett versorgte Skoliose und Sternenenkel (3/18-5/18)

kar_lotta
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Beitragvon kar_lotta » 19.02.2016, 11:11

Hallo Anja,

ist Euer Sohn über die Beihilfe/private Krankenversicherung versichert? Meine Tochter schon. Wir haben an dieser Stelle nicht nachgefragt, sondern einfach den Rollstuhl beantragt. Es kam auch kein Schreiben, dass wir den Buggy abgeben sollen.

Zum Thema Übergriffigkeit: Ich kenne dies. Es wird aber weniger, da ich dies durch meine Haltung zunehmend zum Ausdruck bringe. Ich vermute, dass dies unterschiedliche Gründe hat. Zum einen sind die Menschen, die in diesem Beruf tätig sind, so in ihrer helfenden Tätigkeit drin, dass sie nicht mehr differenzieren können, wer Hilfe/Ansprache braucht und wer nicht. Ich erlebe es oft bei Sonderpädagogen, dass sie auch mit den Eltern so umgehen als wären diese geistig behindert. Zum anderen denke ich, dass diese Personen sich als Experten für die Behinderung verstehen. Bei gesunden Kindern hat man, vermute ich, es weniger mit Experten denn mit Partnern zu tun?

Herzliche Grüße
kar_lotta
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Sohn (*11/2018)

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Beitragvon Anja Müller » 19.02.2016, 11:13

Hallo Maja,

"nicht dramatisieren", "nett und freundlich" trifft auf mich auch zu und ebenfalls, dass ich damit sonst im Leben immer gut gefahren bin.

Wieso klappt das mit behindertem Kind dann aber nicht?

Im Kiga heißt es zur Zeit anscheinend, dass wir als "schwierige Eltern" gelten, denen man nichts recht machen kann. Und das obwohl ich mich auch da um Freundlichkeit bemüht habe.

Das man mich zu wenig ernst nimmt, kann sein. Mein Mann sieht das ähnlich (also: dass die anderen so reagieren). Dazu passt dann aber doch wieder nicht, dass sie jetzt so sauer sind und wir diese "schwierige-Eltern"-Image haben?

Für mich macht das alles keinen Sinn.

V.a. auch weil ich sonst gerade kein Machtmensch bin, sondern eher der Team-Player, der auch mal zurückstecken kann (aber eben nicht ganz übergangen werden will).

VG,

Anja

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Beitragvon kar_lotta » 19.02.2016, 11:19

Hallo Anja,

aus meiner wissenschaftlichen Arbeit kann ich Dir sagen, dass man gerne als schwierig gilt, wenn man sich nicht an die Regeln des Systems hält. Dies geschieht im Krankenhaus sehr oft. Eine Patientin ist schwierig, weil sie beispielsweise zuhause später schläft als im Krankenhaus und dies gerne in der Institution beibehalten will.
Ihr geltet als "schwierig", weil ihr den Leuten Arbeit macht und Dinge hinterfragt. Wenn sie Euch aber nicht ernst nehmen, dann, weil sie so um die Arbeit herumkommen.

Viele Grüße
kar_lotta
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Beitragvon Anja Müller » 19.02.2016, 11:19

Hallo Kar-lotta,

interessant, dass du das auch kennst.

Wie machst du es, "durch deine Haltung" gegenzusteuern? Was heißt das konkret? Kann man es wo lernen? Die Sache geht mir ziemlich auf die Nerven ...

Helferberuf (Helfersyndrom?), Expertenstatus usw. kann stimmen. Aber müsste ein echter Experte nicht "Hilfe zur Selbsthilfe" leisten bzw. wissen, dass das wichtig ist?

Gesunde Kinder - partnerschaftliche Haltung: die Trainer im Sportverein, die Lehrer und Erzieher sind aber ja auch qualifiziert und auf ihre Art Experten. Aber die plustern sich nicht so auf. Es ist tatsächlich eher ein Austausch. Und ich frage mich eben, woher der Unterschied kommt?

VG,

Anja


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