Alternative zu Dormicum (Prämedikation vor Narkose)

Mit einem besonderen Kind sind Eltern oft Dauergäste beim Kinderarzt. Hinzu kommen Krankenhausaufenthalte und Besuche bei Spezialisten und im Sozialpädiatrischen Zentrum.
Welche Untersuchungen machen Sinn? Wo ist mein Kind in guten Händen? Zahlt die Krankenkasse alle Behandlungen? Fragen über Fragen...

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Annileinchen
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Alternative zu Dormicum (Prämedikation vor Narkose)

Beitrag von Annileinchen »

Hallo,

meinem Kind soll bei einem Eingriff vor der Narkoseeinleitung Dormicum (Midazolam) als Prämedikation gegeben werden.
Midazolam hat bei uns in der Vergangenheit paradox gewirkt.

Welche Alternative gibt es? Es müsste rektal verabreicht werden können.

Liebe Grüße und danke für Eure Hilfe!

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Alexandra2014
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Re: Alternative zu Dormicum (Prämedikation vor Narkose)

Beitrag von Alexandra2014 »

Hallo!

Da kann man ohne genaues Wissen über die geplante OP eigentlich nichts konkretes empfehlen, außer mit dem Anästhesisten zu sprechen.
Midazolam wird kurzfristig gerne gegeben, weil es von allen Benzos am schnellsten wieder raus und dadurch gut steuerbar ist.
Wenn das Kind ohnehin sehr unruhig ist, könnte man die Prämedikation auch am Abend vorher geben, so dass der Nachtschlaf ruhiger ist.
Zur Prämedikation (am Vorabend) sind mittellang wirkende Substanzen wie Lormetazepam (NOCTAMID u.a.), Lorazepam (TAVOR u.a.) oder Temazepam (PLANUM, REMESTAN) zu bevorzugen. Die Medis unterdrücken auch am folgenden Morgen noch die Angst.

Diazepam ist schlecht steuerbar und hat eine ellenlange Halbwertszeit, weshalb es ungern als Prämedikation gegeben wird.

Sprich das Ganze nochmal offen mit dem Anästhesisten durch, schildere die Paradoxreaktion im Detail, verlasse dich aber auch ruhig auf sein Urteil.

Wie sah die Paradoxreaktion denn genau aus?

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

Annileinchen
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Re: Alternative zu Dormicum (Prämedikation vor Narkose)

Beitrag von Annileinchen »

Hallo Alex,

danke für die Info.
Es geht um eine Zahn-OP.

Wir hatten schon einmal Dormicum. Es wurde uns gesagt, es würde ihn müde machen und er würde davon schon vor der OP schlafen.
Tatsächlich wurde er auch einen Moment müde, dann kämpfte er, als er es merkte, dagegen an. Noch auf dem Weg zum OP wehrte er sich stark und sprang vom Bett runter. Die Krankenschwester damals meinte, das wäre eigentlich unmöglich.

Ich habe selbst auch mal Midazolam bei einer Zahn-OP erhalten. Es macht total „high“, aber nicht müde, entspannt oder unängstlich.

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Alexandra2014
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Re: Alternative zu Dormicum (Prämedikation vor Narkose)

Beitrag von Alexandra2014 »

Hallo Annileinchen,

mein Kind bekommt Buccolam (Midazolam) als Nofallmedikament bei epileptischen Anfällen und reagiert jedesmal so wie dein Kind. Die anfallsunterbrechende Wirkung tritt sofort ein, die „egal-Wirkung“ erst so nach 2 Stunden. Hatte ich letztens in der Klinik bemerkt, wo man ihr völlig problemlos einen Zugang legen konnte, ca. 2 Stunden nach Midazolam.
Schlafen tut sie extrem selten und kämpft auch dagegen an, ist unruhig und umtriebig, wirkt wie betrunken.

Ich selbst habe Midazolam auch schon bekommen und habe schön geschlummert während der Magenspiegelung, war aber auf konkrete Ansprache auch sofort zu wecken zum Ende hin. Mir ging es damit gut, aber das hilft euch ja nicht. :?

So wie du es beschreibst, hat das natürlich kurzfristig vor einer ambulanten Zahn OP keinen Sinn. Rufe doch nochmal in der Praxis an...

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

MichaH
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Re: Alternative zu Dormicum (Prämedikation vor Narkose)

Beitrag von MichaH »

Hallo
Dominik reagiert paradox auf dormicum. Ich lasse ihm vor op nichts mehr geben. Es ist ja nur damit man ruhiger wird.
Vielleicht könnt ihr einfach darauf verzichten.

Lg Michaela
Micha 47J u Dominik 18J, Hirnanlagestörung, Epilepsie, ventilversorgter Hydrocephalus, PEG und fast blind

Sabrina82
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Re: Alternative zu Dormicum (Prämedikation vor Narkose)

Beitrag von Sabrina82 »

Hallo,
unser reagiert auf Dormicum mit extremer Übelkeit und Würgereiz. Da aber Zugang legen bei ihm ganz gut klappt, lassen wir ihm vorher nichts geben. Nur der Anästisist im Dezember bei seiner Fuß-OP meinte ihm vorher eine Alternative geben müssen, was wohl sonst nach der OP gegeben wird. Ich weiß aber nicht mehr was es war und fand auch nicht das es wirklich gewirkt hat.
Gruß Sabrina
PS L 2008, Z.n. Battered Child, Bilaterale dyskinetische CP, Epilepsie, atypische ASS uv Baustellen mehr; AT J. 2010 , Bindungstrauma, ADHS, Legasthenie, Dyskalkulie, Sprachverständnisprobleme, V.a. FAS; PT J. 2012, PKU, Bindungsstörung, FAS, Epilepsie, geistige Behinderung, ADHS, Neurodermitis und Allergien.

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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Hallo,

darf ich mal neugierig nachfragen: Junior kriegt das Dormikum auch nicht runter, hatte deshalb als Prämedikation vor der letzten Narkose eine ziemlich kleine, geschmacklose Schmelztablette. Ich glaube sie hatte eine bräunliche Farbe.
Das dürfte also Midazolam gewesen sein? (Hab den Namen leider nicht behalten)

In Kombi mit der Narkose (Propofol) hat er es gut vertragen. Hat wohl - kurz vor OP gegeben - sediert und angstlösend gewirkt hat, jedenfalls war Junior relativ entspannt und kooperativ.

Grüße
Engrid
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Engrid
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Beitrag von Engrid »

... sorry, da hab ich ja was durcheinander gebracht - dieser milchige Saft mit dem angeblichen Erdbeergeschmack, den Junior so widerlich findet, ist der gleiche Wirkstoff, auch Midazolam, Dormikum, alles eins ... Steht ja eingangs auch drin 🙈 ...
Engrid
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Wenzeline
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Re: Alternative zu Dormicum (Prämedikation vor Narkose)

Beitrag von Wenzeline »

Man kann auch durchaus komplett auf Midazolam verzichten und nur Propofol geben. Entspricht zB. in der Endoskopie den Sedierungsrichtlinien. Bzgl. Midazolam sehe ich keine Vorteile
Tochter *2002, 100% schwertbehindert, taubstumm, geistig retardiert und eingeschränkt, CHARGE Syndrom, PG5, ///. Sohn *2004 gesund, Sohn *2014 gesund
Es ist eine absolute Herausforderung für alle Kinder das beste herauszuholen so dass jeder sich optimal entwickeln kann und die Grundbedürfnisse aller Familienmitglieder befriedigt werden können

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