Kinderzahnarzt lehnt Behandlung ab

Mit einem besonderen Kind sind Eltern oft Dauergäste beim Kinderarzt. Hinzu kommen Krankenhausaufenthalte und Besuche bei Spezialisten und im Sozialpädiatrischen Zentrum.
Welche Untersuchungen machen Sinn? Wo ist mein Kind in guten Händen? Zahlt die Krankenkasse alle Behandlungen? Fragen über Fragen...

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Beate139
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Kinderzahnarzt lehnt Behandlung ab

Beitragvon Beate139 » 11.09.2018, 17:38

Hallo,
heute war ich echt geschockt :
bei meinem Sohn ist es dringend notwendig, das er eine komplette Zahnsanierung bekommt. Unser hiesiger Zahnarzt hatte schon mit einigen Behandlungen angefangen, aber mein Sohn reagierte die letzten male mit einer Panikattacke vor der Behandlung und der Termin musste verschoben werden. Das ist natürlich sowohl für den Zahnarzt, als auch für meinen Sohn sehr belastend. Mein Zahnarzt sagte mir dann, das die Sanierung am besten unter Vollnarkose stattfinden sollte und dann alle Zähne auf einmal gemacht werden könnten. Er bietet es allerdings nicht an und verwies mich auf eine Kinderzahnarztpraxis mit einem Narkoseteam.
Nach langem suchen habe ich dann eine in Hamburg gefunden. Heute war erster Termin zur Besprechung.
Sie schaute sich dann die Zähne meines Sohnes an, sah, das ein kaputter Zahn ausgegraben werden muss und das Zahnfleisch entzündet ist und das an vielen Zähnen kleine Löcher zu stopfen sind.
Sie lehnte die Behandlung ab mit den Worten : Ihre Praxis wäre nicht drauf eingestellt, Menschen mit Behinderungen unter Vollnarkose und einem solchen Behandlungsaufwand zu behandeln. Ich solle mit meinem Sohn in eine Klinik fahren

Wegen Zahnprobleme in eine Klinik ? Mein Sohn hat keine akuten Schmerzen, ich möchte doch nur, das die angegriffenen Zähne erhalten werden, und das möglichst unter Narkose, um die Panikattacken zu vermeiden

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rena99
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Beitragvon rena99 » 11.09.2018, 17:57

Hallo Beate,

macht die Praxis denn eine Sedierung oder eine richtige Vollnarkose mit Intubation? Bei Sedierung kann ich mir vorstellen, dass die Gesamtbehandlungsdauer zu lang wird.

Bei einer richtigen Vollnarkose würde mir nun kein Grund einfallen, warum das nicht gehen sollte. Hat er vielleicht selber Angst vor einer Panikattacke deines Sohnes?

Vielleicht gibt es ja hier jemanden, der dir eine Praxis empfehlen kann. Kliniken sind natürlich auch möglich. Mit 16 ist dein Sohn allerdings nicht mehr der typische Patient für einen Kinderzahnarzt. Habt ihr auch mal über ganz normalen Praxen nachgedacht, die Narkosebehandlungen anbieten?

Für den Zahnarzt hoffe ich mal, dass es nicht nur das Gewinnstreben ist, das ihn motiviert.

LG
Rena
Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
"Jeder Zwang ist Gift für die Seele." (Ludwig Börne)

Ullaskids
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Beitragvon Ullaskids » 11.09.2018, 18:07

Hallo,
ja wirklich, stellt euch in einer Zahnklinik vor (evtl. ist eine an der nächstliegenden Uniklinik angegliedert?).
Da passiert auch nichts anderes als beim Zahnarzt mit Narkoseteam.

Wir sind z.B. in der Uniklinik Heidelberg, da gibt es in der Kopfklinik bei der „Zahnerhaltung“ spezielle Termine für behinderte Menschen. Entsprechend ist man geschult, z.B. meine Tochter statt im Zahnarztstuhl im Rollstuhl zu behandeln und hat mit Angst/Panik wie bei euch sicher auch einen erfahreneren Umgang.
Viele Grüße,
Ulla mit Tochter (15): Gendefekt, Epilepsie, Skoliose etc.

Jörg75
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Beitragvon Jörg75 » 11.09.2018, 20:27

Hallo Beate,

hast Du mal überlegt (oder dich informieren lassen), wie lange eine solche Sanierung des Gebisses unter Vollnarkose dauert?
Ich würde das nicht in einer ambulantzen Praxis mit Naskose-Team machen lassen, sondern in einer Klinik mit dem ganzen klinischen Background. Mir wäre das zu riskant, einen ggfs. mehrstündigen Eingriff in Vollnarkose ohne echtes Anästhesieteam, ohne echten OP, ohne Intensivstation in der Hinterhand machen zu lassen.

Ich finde es im Gegensatz sehr verantwortzungsvoll von der Praxis, dass sie sagen, dass sie auf solche langen Behandlungen unter Vollmarkose nicht ausgerichtet sind und sich das nicht zutrauen ...

Gruß
Jörg
K., *2013, Extremfrühchen (27. +3 SSW), ICP, GdB 100 G aG H B, PS II+/ PG 4
J., *2016, aktuell keine Besonderheiten

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Beitragvon Chantal-Marie » 11.09.2018, 20:41

Unsere Tochter mussten in Kinderzeiten mehrmals die Zähne in Narkose saniert werden. Das fand in der ganz normalen Zahnarztpraxis statt. Der Gesundheitscheck fand beim Kinderarzt statt, die Narkosevorbereitung beim Anästhesisten, der dann am Tag der Behandlung in der Praxis samt Miniintensiv vor Ort war. Unser Zahnarzt hat mehrmals im Jahr Tage an denen nur behinderte Menschen unter Narkose behandelt werden. Inzwischen ist das nicht mehr nötig, das letzte kleine Löchlein konnte sogar ohne Spritze geschlossen werden. Bei unserem Kind haben Antibiotika den Zahnschmelz derart angegriffen dass diese nur unter Narkose saniert werden konnten. Und das war immer super.
Liebe Grüße von Chantal-Marie und Mama

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Tanja2014
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Beitragvon Tanja2014 » 11.09.2018, 20:41

Hallo,
nach dem, was Du schreibst, klingt das für mich auch nach mehreren Stunden Behandlungsdauer. Ich schließe mich da Jörg an. ich würde einen solchen Eingriff niemals freiwillig ambulant machen lassen und finde es auch verantwortungsvoll von Eurem Zahnarzt Euch da weiterzuverweisen.
Viele Grüße
Tanja
mit B. (*2012) - Extremfrühchen, spastische ICP beinbetont GMFCS Level 1
und Wirbelwind (*2013)

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Beitragvon Beate139 » 11.09.2018, 21:43

Hallo,

ja, inzwischen habe ich mich wieder ein wenig beruhigt. Ich werd mich noch diese Woche mit der Uni-Klinik in Hamburg in Verbindung setzen und nach einem ersten Begutachtungstermin fragen.

Ich habe sowas bisher noch nicht erlebt, das eine Behandlung, gleich bei welchem Arzt, abgelehnt wurde. Zumal ich mir ja auch extra deswegen eine große Praxis mit eigenen Narkoseärzten ausgesucht hatte. Da bin ich natürlich mit einer ganz anderen Kompetenz-Vorstellung hingegangen

Michaela.Sandro
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Beitragvon Michaela.Sandro » 12.09.2018, 11:48

Hallo Beate, auch wenn du vielleicht im ersten Moment sauer warst, weil die Praxis "verweigert", so ist es dennoch nicht verkehrt, sich in einer Klinik schlau zu machen und dann zu überlegen/entscheiden, wie man vorgeht. Ich habe dieses Jahr selbst eine "Sanierung" über drei Std. in Vollnarkose hinter mich gebracht in einer entsprechend ausgestatteten Praxis und war sehr zufrieden. Diese Praxis behandelt auch einige (behinderte) Kinder, so dass ich zum Glück im Fall von Sandro versorgt wäre. Vielleicht fehlte der Praxis bei der du warst einfach Erfahrung und sie hatten "Angst" -> dann ist es wiederum besser, wenn sie gleich ablehnen! Es gibt sicher auch bei euch Praxen, bei denen das wenige problematisch ist, aber vielleicht macht die Klinik ja auch einen richtig guten Eindruck. Blöd ist, dass sich dadurch alles verzögert, aber so ist es halt manchmal. L. G. Michaela
Michaela alleinerziehend, Teilzeit berufstätig (Bj. 12/67) und Sohn Sandro (19.01.07.) Herz-OP nach Geburt, geistige Behinderung, Diagnose, evtl. ein unbekanntes Syndrom. Er kann laufen, einigermaßen sprechen, PG 4 , 100% SB aber ein Schatz!

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Beitragvon AnneJaJoLu » 12.09.2018, 13:54

Hallo!
Es gibt auch Praxen, die der Morgenroth-Stiftung angegliedert sind.
Diese sind auf die Behandlung von Menschen mit Behinderung spezialisiert und bieten gerade für diese Zahnsanierungen in Vollnarkose an, die dann aber normalerweise in einer Klinik (mit der Möglichkeit, dass im 'Notfall' z.B. sogar ein Intensivplatz zur Verfügung stehen würde) stattfinden.
Wir sind mit beiden Söhnen in einer solchen Praxis, was den Vorteil hat, dass der Operateur auch der behandelnde Zahnarzt ist.
Vielleicht gibt es das ja auch in eurer Nähe?
Wir kommen aus NRW.

Liebe Grüße
Anne

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Petra*3
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Beitragvon Petra*3 » 12.09.2018, 14:12

Ich war auch erstmal verdattert, als die Zahnarztpraxis vor ort sich weigerte 12 jahrig solo zu behandeln und danach im verlauf die Behandlung ablehnte ohne besondere Vorkommnisse wie bei euch, sondern weil Ihnen bei meinem das einfach ohne Vollnarkose ein zuheißes Eisen war...in über 40 km in einer speziellen kinderzahnarztpraxis wurd das dann gemacht, wobei der Knabe über 2,5 h in Narkose war und somit in den kritischen Bereich kam, wo abgebrochen wurd, den Rest konnt aber wieder ein normaler ZA machen. Billig war der Spaß mit ~400,-€ auch nicht grad, aber so konnten alle Zähne erhalten (vorher Prognose für 2 große Backenzähne infaust...) bleiben. Und mir ist wichtig, dass junior (bißle zurückgeblieben freundlich naiv und teilweis stark eigensinnig) richtig angepackt wird, damit dem sein Handling weiterhin einfach bleibt, deshalb war Uni meine letzte Option. Andererseits war diese kinderzahnarztpraxis haarscharf für Junior noch passend, wär der fitter, wär für ihn das Niveau mit Zauberwasser und co zu seicht gewesen...mfg Petra


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