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Rechtsmittel in sozialrechtlichen Verfahren
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Annette Schmidt
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BeitragVerfasst am: 17.06.2010, 09:30    Titel: Rechtsmittel in sozialrechtlichen Verfahren Antworten mit Zitat

Hallo!

Ich habe mal zusammengefasst, was man tun kann, wenn man mit Bescheiden von Behörden oder der Krankenkasse nicht einverstanden ist, welche rechtlichen Möglichkeiten man hat, gegen Ablehnungsbescheide vorzugehen sowie die jeweiligen Rechtsgrundlagen. Es ist für die verschieden Bereiche des Sozialrechts gültig, ob es nun um den Schwerbehindertenausweis, eine Rehabilitationsmaßnahme oder um Erwerbsminderungsrente geht.

Für die Richtigkeit der §§ übernehme ich keine Gewähr, ich habe zwar sorgfältig recherchiert, bin aber keine Rechtsanwältin, sondern interessierter Laie, weil ich mich in eigener Sache mit Teilen des Sozialrechts beschäftigen musste und noch muss. Dies ist auch keine Rechtsauskunft, die dürfte ich auch gar nicht geben, sondern lediglich eine Information.

Vielen Dank an Kaja, die mir bei einigen Unklarheiten beratend zur Seite stand und meine Fragen dazu beantwortet hat.

Was man tun kann, wenn ein Antrag abgelehnt wurde:

(ist allgemeingültig für alle sozialrechtlichen Dinge)


Sollte der Antrag abgelehnt werden, nicht einfach hinnehmen, sondern Widerspruch einlegen! Man kann das zunächst pauschal tun, Akteneinsicht beantragen und die Begründung nachreichen.

Akteneinsicht ist ratsam, weil die Leistungsträger ( http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_1/index.html §§ 12 und 18-29) oft nicht alle ärztlichen Unterlagen anfordert, was in der Regel zum Nachteil des Antragstellers ist, ich habe es selber mehrfach erlebt. Dann weiß man auch, was in den ärztlichen Berichten drinsteht, die man nicht selber eingereicht hat und kannst konkret darauf eingehen.

Die Leistungsträger müssen nicht an allen angegebene Stellen Unterlagen anfordern, aber das darf nicht zum zum Nachteil des Antragstellers sein.

Sozialgesetzbuch SGB X § 20

http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_10/__20.html

§ 20 Untersuchungsgrundsatz
(1) Die Behörde ermittelt den Sachverhalt von Amts wegen. Sie bestimmt Art und Umfang der Ermittlungen; an das Vorbringen und an die Beweisanträge der Beteiligten ist sie nicht gebunden.
(2) Die Behörde hat alle für den Einzelfall bedeutsamen, auch die für die Beteiligten günstigen Umstände zu berücksichtigen.
(3) Die Behörde darf die Entgegennahme von Erklärungen oder Anträgen, die in ihren Zuständigkeitsbereich fallen, nicht deshalb verweigern, weil sie die Erklärung oder den Antrag in der Sache für unzulässig oder unbegründet hält.


Pauschaler Musterwiderspruch:

Sehr geehrte......

gegen Ihren Bescheid vom.... lege ich fristgerecht Widerspruch ein. Die Begründung reiche ich nach. Um meinen Widerspruch begründen zu können, beantrage ich gemäß SGB X, § 25 Akteneinsicht. Bitte senden Sie mir Kopien der Unterlagen zu, auf deren Grundlage die Entscheidung erfolgte.

Mit freundlichen Grüßen

.........


http://bundesrecht.juris.de/sgb_10/__25.html

Die Widerspruchsfrist beträgt einen Monat ab Zugang des Bescheides, deswegen immer die Briefumschläge aufheben, wegen des Datums des Poststempels.
Fehlt im Bescheid die so genannte Rechtsbehelfsbelehrung (also die Information, dass man Widerspruch einlegen kann), beträgt die Widerspruchsfrist ein Jahr.

http://www.gesetze-im-internet.de/sgg/__66.html

http://www.gesetze-im-internet.de/sgg/__84.html

http://www.gesetze-im-internet.de/sgg/__64.html


Sollte man ohne eigenes Verschulden eine Frist nicht einhalten können, kann man die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand beantragen.

http://www.gesetze-im-internet.de/sgg/__67.html

In dem Zusammenhang ist auch § 41 Absatz 3 SGB X Absatz 2 interessant:
http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_10/__41.html

Der Widerspruch hat eine aufschiebende Wirkung. Das bedeutet konkret, dass der alte Bescheid solange gilt, bis der Bescheid über den Widerspruch erlassen wird. Nützlich ist das z.B. wenn man beim Schwerbehindertenausweis heruntergestuft wurde und dagegen Widerspruch einlegt.

http://www.gesetze-im-internet.de/sgg/__86a.html


Zusammenfassende Infos zum Widerspruch:

http://vsbinfo.de/content/view/362/42/ (das gilt nicht nur beim Versorgungsamt)

Was man tun kann, wenn auch der Widerspruch abgelehnt wird:

Dann kann man vor dem Sozialgericht klagen. Hierfür gelten die selben Regeln wie beim Widerspruch, betrifft Klagefrist, dass man erstmal pauschal klagen kann, Recht auf Akteneinsicht.

Sozialgerichtsgesetz

http://www.gesetze-im-internet.de/sgg/__87.html


Die Klage muss man beim für den Wohnsitz zuständigen Sozialgericht einlegen.

http://www.sozialgerichtsbarkeit.de/sgb/index.php

http://www.kanzlei-werling.de/Rente.....nten-Links/SG1/index.html

Eine Klage beim Sozialgericht ist kostenfrei.

§ 183 http://www.gesetze-im-internet.de/sgg/__183.html

Lediglich ein eigener Anwalt (der nicht zwingend erforderlich, aber zu empfehlen ist) muss selber bezahlt werden, so man keine Rechtsschutzversicherung hat. Ggf. hat man Anspruch auf Prozesskostenhilfe.

Antrag auf Prozesskostenhilfe + Hinweisblatt mit Informationen dazu

Gewinnt man, bekommt man die Kosten zurückerstattet.

http://www.gesetze-im-internet.de/sgg/__193.html

Im Klageverfahren kann man auch ein eigenes Gutachten einbringen.

http://www.gesetze-im-internet.de/sgg/__109.html

Zusammenfassende Infos zur Klage:

http://vsbinfo.de/content/view/363/47/

Das Verfahren vor dem Sozialgericht:

http://vsbinfo.de/content/view/364/48/

Wird auch die Klage abgewiesen, kann man in Berufung gehen.

http://www.gesetze-im-internet.de/s.....JNR012390953BJNG001500314

Das Berufungsverfahren vor dem Landessozialgericht:

http://vsbinfo.de/content/view/366/49/

Der Vollständigkeit halber:

Nach der Berufung kommt die Revision beim Bundessozialgericht:

http://www.gesetze-im-internet.de/s.....JNR012390953BJNG001600314


Was auch wichtig zu wissen ist: Die Leistungsträger dürfen sich für die Bearbeitung nicht endlos Zeit lassen. Beim Erstantrag sind 6 Monate Bearbeitungsfrist zulässig, beim Widerspruch 3, dann kann man Untätigkeitsklage einlegen.

http://www.gesetze-im-internet.de/sgg/__88.html

§ 88
(1) Ist ein Antrag auf Vornahme eines Verwaltungsakts ohne zureichenden Grund in angemessener Frist sachlich nicht beschieden worden, so ist die Klage nicht vor Ablauf von sechs Monaten seit dem Antrag auf Vornahme des Verwaltungsakts zulässig. Liegt ein zureichender Grund dafür vor, daß der beantragte Verwaltungsakt noch nicht erlassen ist, so setzt das Gericht das Verfahren bis zum Ablauf einer von ihm bestimmten Frist aus, die verlängert werden kann. Wird innerhalb dieser Frist dem Antrag stattgegeben, so ist die Hauptsache für erledigt zu erklären.
(2) Das gleiche gilt, wenn über einen Widerspruch nicht entschieden worden ist, mit der Maßgabe, daß als angemessene Frist eine solche von drei Monaten gilt.


Man sollte das vorher ankündigen und eine Frist setzen.

Briefkopf, Aktenzeichen

Sehr geehrte.....

am .... beantragte ich ..... Bis jetzt haben ich keinen Bescheid erhalten.
Sollte dieser nicht bis zum ...... bei mir eingehen, werde ich von meinem Recht Gebrauch machen, gemäß § 88 des Sozialgerichtsgesetzes Untätigkeitsklage einzulegen.

Mit freundlichen Grüßen

......


Begriff Verwaltungsakt (dazu gehören Rentenbescheide, Bescheide über eine Schwerbehinderung...)

Hinweise auf Ergänzungen und eventuelle Fehler nehme ich dankend entgegen.

Liebe Grüße

Annette

_________________
Annette *16.08.67, u.a. chronische Neuroborreliose, Polyneuropathie, CFS, Insulinresistenz, EM-Rentnerin mit Ulrich, *27.07.92, Asperger-Syndrom

Bitte keine PN-Anfragen, danke.
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Mama Ursula
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BeitragVerfasst am: 17.06.2010, 10:16    Titel: Antworten mit Zitat

Wow Annette!

Das ist echt immer total begeisternd, wie Du uns Deine sicherlich mühsam recherchierten Infos und Hilfestellungen weiter gibst!

Vielen Dank! Das wird uns sicher wieder gute Dienste leisten!

Grüßle
Ursula, die gerade vor dem SG wegen dem Sonnen-Regenschutz am Rehawagen klagt

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Kinderkrankenschwester mit Fachweiterbildung Palliativ Care und Außerklinische Beatmung.
Pflegemutter von Jessy (16 J., schwerster Hirnschädigung wegen Sauerstoffmangel), bald kl.Bub mit schwerster Hirnschädigung, 2 gr. Jungs.
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Daniela1974
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BeitragVerfasst am: 17.06.2010, 10:21    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Annett,

auch ich möchte an dieser Stelle Dir ganz lieb Danke sagen . Deine Hilfe ist gold wert .... Wink

lg Dani

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Papa , Mama und Sonnenschein C. 2/08 , Epilepsie seit Geburt ,muskuläre Hypotonie ,glob.Entwicklungsverzögert ,extr.Knick-Senkfüße , keine aktive Sprache
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Cornelia x Marie Sophie
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BeitragVerfasst am: 17.06.2010, 11:32    Titel: Antworten mit Zitat

Danke - Du bist ein Goldstück, Annette - wir hoffen, dass wir das Therapie-Dreirad auch so bekommen, aber jetzt wissen wir, was als nächstes ansteht, wenn nötig!!
_________________
Cornelia, Jörg & Marie Sophie (*06/06 - F84.0/F70/F.80.9/Q75.3/E30.8/H52.3/H52.2 und noch ein paar weitere Handicaps...)
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Annette Schmidt
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BeitragVerfasst am: 17.06.2010, 11:54    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Danke für das Lob! Smile

Ich habe es auch in eigenem Interesse verfasst, weil ich immer wieder Fragen dazu im Forum beantworte und dann jedes Mal recherchieren muss, wo ich was zum Thema schon mal geschrieben habe. Das ist mühsam und zeitaufwendig, mitunter ergaben sich Kettenverlinkungen Embarassed, die sich angesichts der Zahl meiner Beiträge zu solchen Themen leider nicht vermeiden ließen und es wurde unübersichtlich.

Und jetzt muss ich nur noch hierauf verweisen, das spart enorm Zeit und Arbeit und für Euch ist es schön übersichtlich und gut auffindbar.

Thomas war so nett, das Thema auf meine Bitte in der Rubrik oben mit anzupinnen, ebenso das Thema

Einsichtsrecht in Patientenunterlagen und Akteneinsicht

Liebe Grüße

Annette

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Annette *16.08.67, u.a. chronische Neuroborreliose, Polyneuropathie, CFS, Insulinresistenz, EM-Rentnerin mit Ulrich, *27.07.92, Asperger-Syndrom

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Kaja
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BeitragVerfasst am: 19.06.2010, 15:13    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Annette,

eigentlich kann man deiner unfangreichen Aufstellung fast nichts mehr hinzufügen. Zur Vollständigkeit hier aber noch einige ganz kleine Ergänzungen:

1. Bereits im Widerspruchsverfahren kann man sich, wenn der Widerspruch erfolgreich ist, die Anwaltskosten von der Behörde zurückholen. Geregelt ist das in § 63 SGB X

http://bundesrecht.juris.de/sgb_10/__63.html

Zitat:
Soweit der Widerspruch erfolgreich ist, hat der Rechtsträger, dessen Behörde den angefochtenen Verwaltungsakt erlassen hat, demjenigen, der Widerspruch erhoben hat, die zur zweckentsprechenden Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung notwendigen Aufwendungen zu erstatten...Die Gebühren und Auslagen eines Rechtsanwalts oder eines sonstigen Bevollmächtigten im Vorverfahren sind erstattungsfähig, wenn die Zuziehung eines Bevollmächtigten notwendig war.

Vielleicht minimiert das die Hemmschwelle, bereits im Widerspruchsvefahren einen (Fach-) Anwalt einzuschalten, obwohl viele Rechtschutzversicherungen die Kosten des Vorverfahrens nicht übernehmen.

2. Nicht jeder Widerspruch hat aufschiebende Wirkung. Der bekannteste Bereich sind Bescheide nach dem SGB II. Das ist in § 39 SGB II geregelt

http://bundesrecht.juris.de/sgb_2/__39.html

Zitat:
Widerspruch und Anfechtungsklage gegen einen Verwaltungsakt,

1. der Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende aufhebt, zurücknimmt, widerruft oder herabsetzt oder Leistungen zur Eingliederung in Arbeit oder Pflichten des erwerbsfähigen Hilfebedürftigen bei der Eingliederung in Arbeit regelt,
2. der den Übergang eines Anspruchs bewirkt,
3. mit dem zur Beantragung einer vorrangigen Leistung oder
4. mit dem nach § 59 in Verbindung mit § 309 des Dritten Buches zur persönlichen Meldung bei der Agentur für Arbeit aufgefordert wird,

haben keine aufschiebende Wirkung.

In diesen Fällen kann man beim Sozialgericht nach § 86 b Absatz 1 Nr. 2 SGG beantragen, dass die aufschiebende Wirkung angeordnet wird

http://bundesrecht.juris.de/sgg/__86b.html

Zitat:
Das Gericht der Hauptsache kann auf Antrag ...

2. in den Fällen, in denen Widerspruch oder Anfechtungsklage keine aufschiebende Wirkung haben, die aufschiebende Wirkung ganz oder teilweise anordnen,

3. Nicht in jedem Fall kann man Berufung einlegen - § 144 SGG:

http://bundesrecht.juris.de/sgg/__144.html

insbesondere dann nicht, wenn der Streitwert unter 750 € liegt und das Gericht die Berufung nicht zugelassen hat.

Nach § 145 SGG

http://bundesrecht.juris.de/sgg/__145.html

kann gegen die Nichtzulassung eine Nichtzulasungsbeschwerde eingelegt werden. Das ist insbesondere dann aussichtsreich, wenn Verfahrensfehler vorliegen.

4. Kann der Antragsteller eine besondere Eilbedürftigkeit der Sache nachweisen, könnte ein Antrag auf einstweilige Anordnung nach § 86 b Absatz 2 Satz 2 SGG

http://bundesrecht.juris.de/sgg/__86b.html

Zitat:
Einstweilige Anordnungen sind auch zur Regelung eines vorläufigen Zustands in Bezug auf ein streitiges Rechtsverhältnis zulässig, wenn eine solche Regelung zur Abwendung wesentlicher Nachteile nötig erscheint.

Aussicht auf Erfolg haben.

Viele Grüße Kaja
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Annette Schmidt
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BeitragVerfasst am: 20.06.2010, 11:34    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Kaja!

Herzlichen Dank für die Ergänzungen, wieder was dazugelernt. Smile

Liebe Grüße

Annette

_________________
Annette *16.08.67, u.a. chronische Neuroborreliose, Polyneuropathie, CFS, Insulinresistenz, EM-Rentnerin mit Ulrich, *27.07.92, Asperger-Syndrom

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Mama Ursula
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BeitragVerfasst am: 21.06.2010, 09:21    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Annette und Kaja!

Wow, lauter Fachfrauen - klasse!!!

Grüßle
Ursula

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Kinderkrankenschwester mit Fachweiterbildung Palliativ Care und Außerklinische Beatmung.
Pflegemutter von Jessy (16 J., schwerster Hirnschädigung wegen Sauerstoffmangel), bald kl.Bub mit schwerster Hirnschädigung, 2 gr. Jungs.
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Keimur
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BeitragVerfasst am: 21.06.2010, 12:12    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Annette, Hallo Kaja,
super klasse!
Vielen Dank!
Eine Ergänzung noch zum Widerspruchsverfahren:
Wenn ein Empfänger im Ausland lebt, gilt eine Widerspruchsfrist
von 3 Monaten!
Man kann Akteneinsicht bei der Behörde selbst nehmen oder aber
sich die relevanten ärztlichen Unterlagen schicken lassen.
Bei sehr umfangreichen Akten kann die Behörde die Akte auch an
die zuständige Gemeinde- oder Stadtverwaltung am Wohnort schicken
und man kann dort Einsicht in die Akte nehmen.
Bei einem Anwalt kann ich nur empfehlen#:
nehmt einen Fach-Anwalt Sozialrecht!!
Die meisten anderen haben keine Ahnung vom Sozialversicherungsrecht!
VdK und DGB mit ihren Vertretern sind im Verfahren billiger
beim VdK kostet die Vertretung im WS-Verfahren 25 Euro im SG-Verfahren
50 Euro! Man muss allerdings Mitglied sein! Bzw. das behinderte Kind!
Falls man vor Gericht selbst ein Gutachten beantragen will - § 109 Sozialgerichtsgesetz SGG - kann ein "angemessener" Vorschuss verlangt werden.
Im übrigen:
wenn einmal die Widerspruchsfrist versäumt wurde (also erheblich mehr als die 4 Wochen!) kann man jederzeit einen Antrag nach § 44 Sozialgestzbuch X (SGB X) stelllen, und beantragen, dass sich die Verhältnisse wesentlich geändert haben oder zum Zeitpunkt des Erlass des Bescheides von einem "unrichtigen Sachverhalt" ausgegangen wurde, weil........z.B. sich die Pflegesituation anders darstellt usw.
So, mehr fällt mir jetzt auch nicht mehr ein!
super Annette und Kaja!!
LG Uschi

_________________
Uschi mit Korbinian (*2.12.04)
schwerer Sauerstoffmangel vor der Geburt mit Hirnblutungen und
Hirnschädigung, Tetraspastik beinbetont,
Absencen Epilepsie,visuelle Wahrnehmungsst., starke Entwicklungsverzögerung und immer gut drauf

Das Leben bedeutet Risiko. Mehr Risiko bedeutet auch mehr Leben.
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Annette Schmidt
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BeitragVerfasst am: 27.07.2010, 10:30    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Eine weitere Ergänzung:

Unter bestimmten Umständen ist es möglich, einen rechtskräftigen, eigentlich unanfechtbaren Bescheid zurücknehmen zu lassen und einen neuen korrigierten zu verlangen.

§ 44 SGB X

http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_10/__44.html

§ 44 Rücknahme eines rechtswidrigen nicht begünstigenden Verwaltungsaktes
(1) Soweit sich im Einzelfall ergibt, dass bei Erlass eines Verwaltungsaktes das Recht unrichtig angewandt oder von einem Sachverhalt ausgegangen worden ist, der sich als unrichtig erweist, und soweit deshalb Sozialleistungen zu Unrecht nicht erbracht oder Beiträge zu Unrecht erhoben worden sind, ist der Verwaltungsakt, auch nachdem er unanfechtbar geworden ist, mit Wirkung für die Vergangenheit zurückzunehmen. Dies gilt nicht, wenn der Verwaltungsakt auf Angaben beruht, die der Betroffene vorsätzlich in wesentlicher Beziehung unrichtig oder unvollständig gemacht hat.
(2) Im Übrigen ist ein rechtswidriger nicht begünstigender Verwaltungsakt, auch nachdem er unanfechtbar geworden ist, ganz oder teilweise mit Wirkung für die Zukunft zurückzunehmen. Er kann auch für die Vergangenheit zurückgenommen werden.
(3) Über die Rücknahme entscheidet nach Unanfechtbarkeit des Verwaltungsaktes die zuständige Behörde; dies gilt auch dann, wenn der zurückzunehmende Verwaltungsakt von einer anderen Behörde erlassen worden ist.
(4) Ist ein Verwaltungsakt mit Wirkung für die Vergangenheit zurückgenommen worden, werden Sozialleistungen nach den Vorschriften der besonderen Teile dieses Gesetzbuches längstens für einen Zeitraum bis zu vier Jahren vor der Rücknahme erbracht. Dabei wird der Zeitpunkt der Rücknahme von Beginn des Jahres an gerechnet, in dem der Verwaltungsakt zurückgenommen wird. Erfolgt die Rücknahme auf Antrag, tritt bei der Berechnung des Zeitraumes, für den rückwirkend Leistungen zu erbringen sind, anstelle der Rücknahme der Antrag.


Im Klartext heißt dass, dann man dann Leistungen nachgezahlt bekommt bzw. zuviel gezahltes Geld zurückerhält.

Wir haben das bereits einmal erfolgreich mit der Abteilung wirtschaftliche Jugendhilfe unseres Jugendamtes durch, welche den Kostenbeitrag für die Jugendhilfemaßnahme unseres Sohnes zu unserem Nachteil falsch berechnet hat, weil sie einen per Gesetz abzugsfähigen Betrag nicht berücksichtigt haben, obwohl ihnen von Anfang an ein Beleg darüber vorlag. Ein zweiter gleicher Antrag läuft zur Zeit, da mir das Fehlen eines weiteren abzugsfähigen Betrags aufgefallen ist. Evil or Very Mad

Manchmal wird gefragt, ob das Amt einem bereits zuerkanntes wieder wegnehmen kann, wenn man z.b. in Widerspruch geht oder klagen will.

Das geht nur unter ganz engen Voraussetzungen.

§ 45 SGB X

http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_10/__45.html

Wichtig ist vorallem das:


§ 45 Rücknahme eines rechtswidrigen begünstigenden Verwaltungsaktes
(1) Soweit ein Verwaltungsakt, der ein Recht oder einen rechtlich erheblichen Vorteil begründet oder bestätigt hat (begünstigender Verwaltungsakt), rechtswidrig ist, darf er, auch nachdem er unanfechtbar geworden ist, nur unter den Einschränkungen der Absätze 2 bis 4 ganz oder teilweise mit Wirkung für die Zukunft oder für die Vergangenheit zurückgenommen werden.

(2) Ein rechtswidriger begünstigender Verwaltungsakt darf nicht zurückgenommen werden, soweit der Begünstigte auf den Bestand des Verwaltungsaktes vertraut hat und sein Vertrauen unter Abwägung mit dem öffentlichen Interesse an einer Rücknahme schutzwürdig ist. Das Vertrauen ist in der Regel schutzwürdig, wenn der Begünstigte erbrachte Leistungen verbraucht oder eine Vermögensdisposition getroffen hat, die er nicht mehr oder nur unter unzumutbaren Nachteilen rückgängig machen kann. Auf Vertrauen kann sich der Begünstigte nicht berufen, soweit

1.
er den Verwaltungsakt durch arglistige Täuschung, Drohung oder Bestechung erwirkt hat,
2.
der Verwaltungsakt auf Angaben beruht, die der Begünstigte vorsätzlich oder grob fahrlässig in wesentlicher Beziehung unrichtig oder unvollständig gemacht hat, oder
3.
er die Rechtswidrigkeit des Verwaltungsaktes kannte oder infolge grober Fahrlässigkeit nicht kannte; grobe Fahrlässigkeit liegt vor, wenn der Begünstigte die erforderliche Sorgfalt in besonders schwerem Maße verletzt hat.

(3) Ein rechtswidriger begünstigender Verwaltungsakt mit Dauerwirkung kann nach Absatz 2 nur bis zum Ablauf von zwei Jahren nach seiner Bekanntgabe zurückgenommen werden. ....


Und das in Absatz 2 dürfte wohl in der Regel nicht zutreffen.

Liebe Grüße

Annette

_________________
Annette *16.08.67, u.a. chronische Neuroborreliose, Polyneuropathie, CFS, Insulinresistenz, EM-Rentnerin mit Ulrich, *27.07.92, Asperger-Syndrom

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