REHAkids - Das Forum für besondere Kinder.
SuchenSchnellsuche:  
Haberthür, Nora, Kinder im Schatten

 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    REHAkids Foren-Übersicht -> Sachbücher/Broschüren/Jugendbücher
Vorheriges Thema anzeigen :: Dieses Thema einem Freund schicken :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
Sabine
Moderator
Moderator


Anmeldedatum: 20.03.2004
Beiträge: 20221
Wohnort: Menden-Lendringsen

BeitragVerfasst am: 13.06.2005, 22:58    Titel: Haberthür, Nora, Kinder im Schatten Antworten mit Zitat

Hallo zusammen,

dieses Buch ist brandneu (2005!) erschienen und beschäftigt sich mit den Geschwistern behinderter Kinder.
Als ich den Titel las, hatte ich schon ein ungutes Gefühl: Kinder im Schatten - das hört sich nach Traurigkeit an; nach Kindern, die es nicht gut haben, die nicht auf der Sonnenseite stehen, sondern im Schatten - im Dunkeln...
Als ich das Buch las, wurde mein Gefühl bestätigt, denn das ganze Buch ist so wie der Titel es verheißt. Der Grundton ist negativ!
Kinder mit einem behinderten Geschwister scheint es lt. den Recherchen von Haberthür generell nicht gut zu gehen. Sie leiden unter dem behinderten Bruder oder der behinderten Schwester, haben keine schöne Kindheit, müssen immer zurückstecken und haben als Erwachsene mit Problemen zu kämpfen, die sie ohne das behinderte Geschwister nicht hätten.
Lediglich eine einzige junge Frau kommt in dem Buch zu Wort, die das Aufwachsen mit ihrem schwer geistig und körperlich behinderten Bruder als unkompliziert beschreibt und als Erwachsene mit keinerlei psychischen Problemen zu kämpfen hat. Alle anderen Befragten berichten von Zurücksetzungen durch die Eltern, harte Kinderjahre an der Seite des behinderten Geschwister usw. Eine Befragte gab zu, dass sie immer froh und erleichtert war, wenn ihr behinderter, verhaltensauffälliger Bruder nach einem Wochenende zu Hause wieder im Heim "abgeliefert" wurde...

Das Buch beschreibt Schicksale, die sicher unter die Haut gehen. Allerdings halte ich die geschilderten familiären Situationen generell für sehr extrem. In einem Fall hatte die Mutter bereits drei oder vier Kinder, wurde dann Witwe, heiratete erneut und bekam mit über 40 noch zwei Kinder, von denen das jüngste ein Down-Syndrom hatte und mit fünf Jahren starb...

Was mir nicht gefällt, ist - wie oben schon erwähnt - der negative Grundton des Buches: Geschwister behinderter Kinder werden grundsätzlich als Opfer und Leidtragende gesehen - auch wenn die Autorin hin und wieder eilfertig versichert, dass viele von ihnen durch ihr behindertes Geschwister eine hohe soziale Kompetenz erwerben konnten und persönlich daran gewachsen sind.
In der Hauptsache gilt: Die Geschwister haben es schwer - z. B., weil der behinderte Bruder/die behinderte Schwester Ausflüge "verdirbt", durch sein/ihr Verhalten aus dem Rahmen fällt, ein "normales" Familienleben oft unmöglich macht etc.

Nachdem ich das Buch gelesen habe, dachte ich mir: Egal wie du Tim-Henrik erziehen wirst - einen Psychiater wird er wahrscheinlich lt. den Rückschlüssen der Autorin so oder so brauchen, weil er eben einen schwer mehrfach behinderten Bruder hat und mit ihm einen "anderen" Alltag erleben wird als Kinder mit "normalen" Geschwistern...Rolling Eyes

Eigentlich ist es ein schön geschriebenes Buch und ich bin mir auch der geschilderten Probleme durchaus bewusst. Sicher werden auch wir mit der ein oder anderen Schwierigkeit im Laufe der kommenden Jahre zu tun bekommen.
Trotzdem: Etwas mehr Fröhlichkeit, "Mut zum Leben mit einem behinderten Geschwister" und mehr Selbstbewusstsein für die Geschwisterkinder hätte ich mir schon gewünscht.
Das Buch von Ilse Achilles "...um mich kümmert sich keiner!" hat mir in Sachen Geschwisterproblematik besser gefallen, weil der Grundton des Buches einfach fröhlicher und "Mut machender" ist.
Wer dagegen Haberthürs Buch liest, kommt nicht umhin, gelegentlich zu seufzen und die armen Geschwisterkinder zu bedauern...Rolling Eyes
Wer sich für sein behindertes Kind noch ein Geschwister wünscht, sollte dieses Buch besser nicht lesen, sondern lieber auf das Buch von Ilse Achilles zurückgreifen.

Lieben Gruß,
Sabine



Bei Amazon bestellen:
Kinder im Schatten von Nora Haberthür

_________________
Unsere Vorstellung? -> hier klicken
Jan-Paul (10/01), schwer mehrfachbehindert ohne Diagnose, Tim-Henrik (03/05), Lea-Kristin (01/11)
REHAkids - Das Forum für besondere Kinder
Bücher für Kinder und Jugendliche http://buch.blogon.de/
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen







Verfasst am:     Titel: Anzeige

Nach oben
sonja nussbaumer
Gast





BeitragVerfasst am: 08.07.2005, 18:32    Titel: Antworten mit Zitat

hallo sabine,

ich habe dieses Buch auch gelesen und bin Nora Haberthür sehr dankbar dafür, dass sie die Probleme die eine solche Familiensituation mit sich bringen kann aufgezeichnet hat. Jahrelang habe ich nach so einer literatur gesucht. Habe gedacht in bin alleine auf der Welt mit meinen Erfahrungen und Sorgen.Ich bin kein extremer Fall, habe einen 3 Jahre jüngeren , geistig und körperlich behinderten Bruder und ganz normale Eltern. Doch leider kenne ich viele dieser Symptome die da beschrieben sind nur all zu gut. Das man als Eltern in dieses Situation nur verlieren kann, stimmt meiner Meinung nicht. Wichtig ist es, dass die Eltern wissen was für eine Thematik ein behindertes Geschwister mit sich bringen kann. Sich verstanden fühlen, über Gefühle reden können und einen eigenen Raum in der Familie einnehmen können das ist sehr wichtig. Natürlich gibt es auch ganz viele positiven Erlebnisse die zu erwähnen sind.
Mir hat das Buch geholfen!
wünsche dir alles gute
sonja
Nach oben
Sabine
Moderator
Moderator


Anmeldedatum: 20.03.2004
Beiträge: 20221
Wohnort: Menden-Lendringsen

BeitragVerfasst am: 08.07.2005, 21:18    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Sonja,

genau diese positiven Erlebnisse fehlen mir in diesem Buch. Ich finde den Grundtenor einfach sehr traurig und deprimierend. Etwas mehr Fröhlichkeit hätte ich mir schon gewünscht. Die Probleme, die sich für Kinder mit behinderten (gerade geistig behinderten) Geschwistern ergeben, will ich keineswegs verharmlosen - ich bin mir der vielen Schwierigkeiten schon bewusst. Trotzdem: Nur im Trüben zu fischen und die Geschwisterkinder generell als "Schattenkinder" zu bezeichnen, finde ich nicht in Ordnung.
Mal sehen, wie ich in 20 Jahren darüber denke... Dann kann sich ja auch unser Timmi mal hier zu Wort melden...Wink

Lieben Gruß und danke für deine Kritik,
Sabine

_________________
Unsere Vorstellung? -> hier klicken
Jan-Paul (10/01), schwer mehrfachbehindert ohne Diagnose, Tim-Henrik (03/05), Lea-Kristin (01/11)
REHAkids - Das Forum für besondere Kinder
Bücher für Kinder und Jugendliche http://buch.blogon.de/
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
sonja nussbaumer
Gast





BeitragVerfasst am: 08.07.2005, 21:29    Titel: Antworten mit Zitat

hallo
ich bin mir sicher das ihr das gut macht mit eurem Timmi, schon nur das du dich als Mutter mit dem Thema auseinander setzt spricht für dich.
lg
sonja
Nach oben
Sabine
Moderator
Moderator


Anmeldedatum: 20.03.2004
Beiträge: 20221
Wohnort: Menden-Lendringsen

BeitragVerfasst am: 08.07.2005, 21:46    Titel: Antworten mit Zitat

Danke! Very Happy
_________________
Unsere Vorstellung? -> hier klicken
Jan-Paul (10/01), schwer mehrfachbehindert ohne Diagnose, Tim-Henrik (03/05), Lea-Kristin (01/11)
REHAkids - Das Forum für besondere Kinder
Bücher für Kinder und Jugendliche http://buch.blogon.de/
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
Daniela sagave
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein


Anmeldedatum: 17.04.2005
Beiträge: 1219

BeitragVerfasst am: 08.07.2005, 22:49    Titel: Antworten mit Zitat

hallo ihr lieben,

da haben wir ein thema was viele von uns sicherlich beschäftigt.
natürlich wachsen die geschwister behinderter anders auf als die
mit " normalen "geschwistern.
so wie sonja schon schreibt finde ich es auch ganz wichtig mit den
gesunden kindern über Gefühle zu reden .
meine angst war das meine söhne durch sarah lee's behinderung
leiden.
immer mal wieder habe ich bei den lehrern meiner kinder nachgefragt ob
sie sich anders oder auffälliger verhalten als kinder aus "normalen "
familien. wichtig war mir auch das ich bescheid bekomme fals etwas sein sollte ,was ich vieleich übersehen habe.
zum glück war dieses bis jetzt nicht der fall.ich höre von den lehrern
zb. das sie selbstständiger u.teilweise hilfsbereiter sind.
unser grosser (mein stiefsohn) ist mitlerweile aus dem haus und bis jetzt hat er
sich noch nie beschwert.
natürlich ist es nicht immer einfach .wenn sarah lee wieder einen schlechten tag hat nur schreit und sich schlägt sind ihre brüder auch angenervt.
sie sagen dan auch schon mal "man sarah lee bist du heute wieder nervig".
aber sind gesunde geschwister nicht auch mal voneinander genervt?
meine jungs besuchen sportvereine,ich habe bis jetzt noch keinen elternabend versäumt,wir bemühen uns bei fußballspielen oder sportveranstaltungen dabei zu sein u.s.w...
aber ob wir alles richtig machen sehen wir auch erst wenn die kinder gross sind.

lg
Dany icon_flower.gif
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
sonja nussbaumer
Gast





BeitragVerfasst am: 09.07.2005, 07:15    Titel: Antworten mit Zitat

... was mir schohon aufgefallen ist, ist das Jungs anders mit der Situation umgehen als Mädchen. An was das liegt kann ich nicht genau sagen. Wahrscheinlich gehen sie einfach anders mit dem Thema um. Schwestern behinderter Kinder scheinen irgendwie sensibler zu reagieren. Ich möchte natürlich nichts verallgemeinern, ist mir nur aufgefallen. Also Jungs meldet euch doch auch mal zu Wort Smile !
Nach oben
Sabine
Moderator
Moderator


Anmeldedatum: 20.03.2004
Beiträge: 20221
Wohnort: Menden-Lendringsen

BeitragVerfasst am: 09.07.2005, 14:56    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Sonja,

Mädchen werden auch heute noch anders erzogen als Jungs. Von ihnen wird in Bezug auf das behinderte Geschwister eher erwartet, dass sie zu Hause helfen, sich einbringen und einfühlsam sind. Diese Erwartungshaltung wird auch von der Umwelt (Verwandte, Bekannte, Schule, Freunde) in sehr hohem Maße mitgetragen.
Bei den Jungen sieht das anders aus: Sie sollen sich die Welt erobern, herumtoben, sich messen und ihre Grenzen austesten (wer ist der Stärkere?). Auch dieses Rollenverhalten wird von der Umwelt stark unterstützt und hängt nicht nur mit dem elterlichen Verhalten zusammen. Pflegerische Ansprüche werden kaum an sie gestellt.
In der Clique gilt es oft als "uncool" und "unmännlich", wenn ein Junge "pflegerisch" tätig ist. Bei Mädchen sieht das anders aus. Sie werden von ihren Freundinnen oft besonders geschätzt, wenn sie hilfsbereit sind und sich um andere kümmern.
Das ist bei Jungen nicht so. Hilfsbereitschaft und soziales Verhalten, das "Sich-kümmern" werden in Jungs-Cliquen oft als "Schwäche" und "Weiberkram" abgetan, was ich sehr bedauerlich finde. Sensible Jungen werden da schnell zu Außenseitern... Jungen tun dann eben eher das, was Umwelt und Freunde von ihnen erwarten und was ihnen auch in den Medien ständig suggeriert wird: Cool sein, "männlich" auftreten, herumtoben... Zu so einem Rollenverhalten passt das behinderte Geschwister nur schlecht und wird eher "ignoriert"...
Man sollte das aber nicht verallgemeinern, denn es gibt natürlich auch andere Beispiele.

Lieben Gruß,
Sabine

_________________
Unsere Vorstellung? -> hier klicken
Jan-Paul (10/01), schwer mehrfachbehindert ohne Diagnose, Tim-Henrik (03/05), Lea-Kristin (01/11)
REHAkids - Das Forum für besondere Kinder
Bücher für Kinder und Jugendliche http://buch.blogon.de/
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen







Verfasst am:     Titel: Anzeige

Nach oben
Elbac
Stamm-User
Stamm-User


Anmeldedatum: 01.08.2005
Beiträge: 280

BeitragVerfasst am: 06.10.2005, 15:12    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,
ich habe dieses Buch auch vor kurzem gelesen und muss Sonja recht geben, dass viele Aspekte zutreffen. Natürlich waren auch Extremfälle dabei, aber vieles trifft einfach zu (auf jeden Fall bei mir). Bevor ich dieses Buch gelesen habe, waren mir viele Sachen auch einfach nicht bewusst. Während des Lesens sind mir viele Situationen von früher in Erinnerung gekommen und irgendwie wurde ich ziemlich traurig dabei.
Aber Sabine, du hast schon Recht, etwas "fröhlicher" hätte es vielleicht wirklich sein sollen. Aber ich konnte mich in vielen Sachen wiederfinden. Ich dachte einfach immer, dass es nur mir so geht und merke jetzt, dass es zum Glück nicht so ist. Mein Problem ist auch schon immer, dass ich nicht einfach zu meinen Eltern oder meiner Schwester (die eh ein ganz anderes Verhältnis zu meinem Bruder hat) hingehe/gegangen bin und über meine Traurigkeit, Sorgen,... in Bezug auf meinen Bruder gesprochen habe.
Für mich war es sehr schön dieses Buch gelesen zu haben!

Doreen
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    REHAkids Foren-Übersicht -> Sachbücher/Broschüren/Jugendbücher Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Dieses Thema einem Freund schicken

Seite 1 von 1

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieser Rubrik schreiben.
Du kannst auf Beiträge in dieser Rubrik nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in dieser Rubrik nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in dieser Rubrik nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in dieser Rubrik nicht mitmachen.
Du kannst Dateien in diesem Forum posten
Du kannst Dateien in diesem Forum herunterladen


Seite erstellt in 0.07 Sekunden
Powered by phpBB © 2001, 2005 phpBB Group
subGreen style by ktauber