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Wie "fühlt" sich eine Wahrnehmungsstörung an?
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Afina
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BeitragVerfasst am: 11.01.2019, 12:17    Titel: Wie "fühlt" sich eine Wahrnehmungsstörung an? Antworten mit Zitat

Hallo,

kann mir jemand erklären, wie es sich „anfühlt“, wenn man eine Wahrnehmungsstörung hat? Beim jüngeren Sohn steht der Verdacht einer visuellen und sensorischen Wahrnehmungsstörung im Raum. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie das für ihn ist. Ich sehe natürlich, was und wie er bestimmte Dinge macht oder wie er auf bestimmte Situationen reagiert. Aber ich kann mir nicht im geringsten vorstellen, wie sich das (vor allem im sensorischen Bereich) für ihn „anfühlt“. Vielleicht kann das jemand von Euch eventuell aus eigener Erfahrung beschreiben?

Vielen Dank und herzliche Grüße
Afina mit den wilden Männern
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HeikoK
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BeitragVerfasst am: 11.01.2019, 12:22    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Afina,

versuch mal mit derben Handschuhen Streichhölzer einzusammeln. Oder eine Schleife zu binden während du dabei durch die große Seite eines Fernglases guckst. Oder einen Stern zu zeichnen während du dabei in einen Spiegel guckst...Das gibt dir ein paar Eindrücke... Wink (Achja, besonders schön ist es, wenn jemand dabei neben Dich stellt und ständig darauf rumreitet, das es ja wohl nicht so schwer sein kann Twisted Evil )

Gruß
Heiko

_________________
Logopäde
Sprachanbahnung, Fachtherapeut für kindliche Schluckstörungen

"Wie hast du den Vogel zum Singen gebracht, Momo? Niemand hat das bisher geschafft!" "Ich denke, man muss ihm auch zuhören, wenn er nicht singt!" (M.Ende)
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Sia
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BeitragVerfasst am: 11.01.2019, 12:54    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Zusammen

Die gleiche Frage habe ich mir vor vielen Jahren auch gestellt. Damals als man mir erklärte, dass mein Sohn Wahrnehmungsstörungen hat. Mehr oder weniger in allen Bereichen.
Die Beispiele von Heiko, verdeutlichen wahrscheinlich die Problematik einer starken Wahrnehmungsstörung. Ich denke, ganz so extrem wird es nicht bei allen sein. Aber die Aussage "besonders schön ist es, wenn jemand sich neben dich stellt und meint, dass es ja wohl nicht so schwer sein kann" finde ich sehr wichtig! Genau darüber habe ich mir im Nachhinein viele Gedanken gemacht. Ich glaube, dass ist genau der Punkt, welches für ein Kind sehr belastend werden kann.
Damals habe ich mich in die Problematik Wahrnehmungsstörung eingelesen und sogar eine Fachperson aufgesucht, um mir das ganze nochmals erklären zu lassen. So, dass ich verstehen konnte, was eine Wahrnehmungsstörung ist. Etwa ein Jahr lang war ich in den Therapien dabei, um zu sehen, verstehen und erkennen.
Mit der Zeit konnte ich erkennen, dass meine beiden anderen Kinder auch Wahrnehmungsstörungen haben. Natürlich nicht so stark ausgeprägt aber doch in gewissen Bereichen so, dass es das Kind manchmal stört.
Und ab und zu, erkannte ich auch, dass ich als Kind die gleichen oder ähnliche Schwierigkeiten hatte.
Jahre später hat sich das auch bestätigt. Die Diagnostik letztes Jahr hat bei allen Wahrnehmungsstörungen ergeben.

Was ich damit sagen will Wink Wahrnehmungsstörungen sind schwierig zu verstehen und können stark oder weniger stark beeinträchtigen. Aber wenn man ganz genau hinschaut, erkennt man die eine oder andere (leichte) vielleicht auch bei sich selber!

Man kann sich wenig darunter vorstellen obwohl ganz viele welche haben!

_________________
Eine schöne Zeit wünscht
Sia

Sohn 2004 (MPS IIIa) / Sohn 2005 (ADS, ASS) / Tochter 2010 (ADHS, POS, Legasthenie)
Papa 1966 und Mama 1973 (ADHS Diagnose mit 45)

Stell' dich täglich dem Wind, dann trotzt du dem Sturm. Geh' lachend durch den Regen, und du überwindest die Flut.
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Michaela44
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BeitragVerfasst am: 11.01.2019, 14:49    Titel: Antworten mit Zitat

Ich finde es schwierig, zu beschreiben, wie sich meine besondere Wahrnehmung anfühlt, da ich nur diese kenne. Für mich ist sie normal. Mir fehlt wie dir der Vergleich.

Was aber ganz wichtig ist: ich finde es furchtbar, wenn man mir meine Wahrnehmung nicht glaubt. Wenn ich z. Bsp etwas als schlimm empfinde und der andere dann sagt, ach was, ist doch nicht schlimm. So etwas passiert zwar jedem irgendwann, aber als Mensch mit einer besonderen Wahrnehmung hört man das andauernd. Oft wird es nicht so direkt gesagt, aber indirekt ist es allgegenwärtig. Gerade als Kind fängt man dann an, seiner eigenen Wahrnehmung und seinen Gefühlen nicht mehr zu trauen und sich als falsch zu empfinden.

_________________
Asperger Autistin
mit neurodiverser Familie
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lisa08
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BeitragVerfasst am: 11.01.2019, 15:39    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ich habe autismusbedingt eine Wahrnehmungsstörung (ich bin überempfindlich, was Geräusche anbelangt und nehme Gesprochenes oft verzerrt war) und ich finde, dieses Video vermittelt es eindrucksvoll:

https://www.youtube.com/watch?v=6VgB5OcQ6XE

LG,
Lisa

_________________
Selbstbetroffen: Faktor VII-Mangel, heterozygote Faktor V-Leiden-Mutation, von-Willebrand-Syndrom (Typ 1), strukturelle Epilepsie, Autismus
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Engrid
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BeitragVerfasst am: 11.01.2019, 15:41    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

es ist ja grundsätzlich die Wahrnehmung bei JEDEM Menschen anders, nur halt nicht so auffällig, bzw einschränkend, wie bei einer Wahrnehmungsstörung im Rahmen einer Diagnose.

Zu einzelnen Aspekten der auffälligen Wahrnehmung meines Sohnes habe ich schon gute Beschreibungen aus der Innenansicht gelesen, oft in Blogs, aber auch hier zb von autistischen Usern.
Wenn Du also Beispiele nennst, kann man vielleicht entsprechende Beschreibungen finden.

Grüße

_________________
Engrid

mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)
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Jester
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BeitragVerfasst am: 11.01.2019, 18:30    Titel: Antworten mit Zitat

Bei mir zeigt es sich gelegentlich das ich Töne anders wahrnehme, Lieder hören sich auf einmal komisch an, Beim Duschen fühlt es sich an als würde ich in Kleidung duschen, der Duschstrahl fühlt sich gedämpft an.
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Afina
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BeitragVerfasst am: 11.01.2019, 21:35    Titel: Antworten mit Zitat

Vielen Dank für Eure Beschreibungen. Ich denke, die visuellen Probleme kann ich mir einigermaßen vorstellen. Er kann zB nicht wirklich Linien abmalen. Waagerecht und senkrecht geht gerade noch so, Vierecke sind auch erkennbar. Aber Dreiecke funktionieren zB gar nicht. Gleiches bei Zickzack- oder Wellenlinien. Auch die Lage einer Linie zu übertragen schafft er überhaupt nicht. Das ist sicher vergleichbar mit der Variante, einen Stern zu zeichnen und dabei in den Spiegel zu sehen Wink

Schwierig für mich ist vor allem die sensorische Seite. Beispielsweise klettert, turnt und springt er auf uns herum, als wären wir Sportgeräte. Seit mehreren Jahren versuchen wir, ihm verständlich zu machen, dass uns das weh tut. Geändert hat sich nichts. Dabei ist er selbst durchaus normal schmerzempfindlich - seine Reaktionen nach Stolpern, Fallen, Stoßen etc. sind völlig "normal".

Die Ergo-Therapeutin sagte, er versucht sich ganz viel Input zu holen, um sich selbst besser zu spüren. Er läuft sehr gern barfuß über verschiedene, auch eher "unbequeme" Untergründe. Das kann ich nachvollziehen. Bei einem fordert das Gehirn ständig kognitiven Input, beim anderen eben sensorischen. Aber warum "muss" er sich so grob verhalten? Was hilft ihm dieses Verhalten?

Was das Thema angeht, dem Kind seine Wahrnehmung oder vermeintlichen Defizite vorzuhalten - das passiert hier definitiv nicht. Er hat Spaß am Prozess des Malens, Ausschneidens, Knetens ... und da ist uns das (doch sehr abstrakte Wink ) Ergebnis tatsächlich völlig egal. Ist ihm etwas unangenehm, ist das ok. Mich stören auch Dinge, die für andere völlig ok sind. Das gestehe ich jedem zu und ich denke, mein Sohn hat schon das Gefühl, dass er genau richtig ist Very Happy

Herzliche Grüße
Afina
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JohannaG
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BeitragVerfasst am: 11.01.2019, 22:23    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Afina,

meine jüngste "turnt" auch dauernd auf mir rum und ist manchmal sehr grob. Sie ist auch sehr ungelenk und stößt sich oft. Sie war ein Frühchen (sehr sehr klein), und ich habe das Gefühl: Sie weiß irgendwie gar nicht so genau, wo ihre eigenen "Körpergrenzen" sind, und sie kann auch Kraft nicht richtig dosieren.....
Da hilft nur immer wieder sagen: Das tut mir weh. Und dann zeigen, wie sie es anders machen kann....

LG Johanna

_________________
Johanna, *73, Morbus Bechterew;
C., (w), 11/2004, adoptiert, FASD, Bindungsstörung, lernbehindert, juvenile Polyarthritis;
J. (m) 01/2008, adoptiert, ADHS; Depressionen und ???,
M. (w) 01/2012 FG bei 23+6 SSW, Kleinwuchs, GÖR, Nahrungsmittelallergien, leichte ICP, Schielen, Weitsichtigkeit, allg Entwicklungsverzögerung
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Engrid
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BeitragVerfasst am: 11.01.2019, 23:33    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Afina,

Zitat:
Schwierig für mich ist vor allem die sensorische Seite. Beispielsweise klettert, turnt und springt er auf uns herum, als wären wir Sportgeräte. Seit mehreren Jahren versuchen wir, ihm verständlich zu machen, dass uns das weh tut. Geändert hat sich nichts.
Das ist keine Frage der Sensorik, ist keine Wahrnehmungsstörung, sondern das ist fehlende Perspektivübernahme.

Grüße

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Engrid

mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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