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Widerspruch bei nicht rückwirkender Anerkennung des GdB?

 
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NicoleF1976
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BeitragVerfasst am: 06.12.2018, 21:18    Titel: Widerspruch bei nicht rückwirkender Anerkennung des GdB? Antworten mit Zitat

Hallo zusammen,
ich habe für meinen 9-jährigen Sohn gestern den Feststellungsbescheid über den Gbd (bei Autismus-Spekturum-Störung) erhalten. Ab 2.10.2018 beträgt der GdB 60%, mit Merkzeichen H.
Beantragt hatte ich H, B und G rückwirkend zum 01.08.2016 (Einschulung), da ab sich ab diesem Zeitpunkt die Auffälligkeiten verdichteten bzw. sich der Aufwand der wir aufgrund dessen hatten, erheblich erhöht hat. Zuerst wollte ich ab Geburt beantragen, habe mich aber dann doch dagegen entschieden, da die Autismus-Spekturm-Störung eigentlich erst ab Schuleintritt als mögliche Diagnose im Raum stand und ich nicht "unverschämt" sein wollte.
Die Diagnose hat mein Sohn dann in diesem Frühjahr (2018) bekommen. Also nach rund 1,5 Jahren Spießrutenlauf... Eine Pflegestufe 2 hat er bereits.

Hinzu kommt (was ich aber bei der Beantragung des GdB nicht angegeben habe), dass er aufgrund einer OP im Alter von 3 Monaten mit erheblichen Komplikationen im Nachgang, schon immer aufgrund von teilweisen Entwicklungseinschränkungen und -verzögerungen, insbesondere im motorischen Bereich, in regelmäßiger und engmaschige ärtzlicher Kontrolle war. Ergotherapeutisch ist er über den Zeitraum von rd. 3 Jahren vor Schuleintritt in Behandlung gewesen.

Wie warscheinlich ist es, dass ein Widerspruch gegen die nicht rückwirkende Feststellung des Gdb Erfolg hat? Bzw. ist dies immer mit einer gerichtlichen Auseinandersetzng verbunden? Ich kenne mich auf diesem Gebiet leider noch überhaupt nicht aus.

Über ein paar Tips oder Berichte über ähnliche Erfahrungen und dessenAusgang würde ich mich sehr freuen Smile

Viele Grüße, Nicole
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kati543
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BeitragVerfasst am: 06.12.2018, 22:09    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Nicole,
bei uns in Hessen ist es anscheinend so, dass eine rückwirkende Anerkennung nur durch Widerspruch zu erreichen ist. Die notwendigen Formulare sahen soetwas alles nicht vor. Meine Söhne hatten einen GdB von 70 H, bzw. 100 B, G, H erhalten ab Antragsstellung. Ich bin für Beide in Widerspruch gegangen wegen der rückwirkenden Anerkennung. Für meinen Jüngsten gab es den entsprechenden Bescheid innerhalb einer Woche. Das wurde sofort ab Geburt rückwirkend anerkannt. Für meinen Ältesten hat das deutlich länger gedauert, da hier nochmal die Ärzte kontaktiert wurden. Er bekam die rückwirkende Anerkennung für 2 Jahre (er war damals 4). Ab Geburt war nicht möglich, da der erste Facharztbesuch und damit für das Versorgungsamt der erste Hinweis, dass mit dem Kind etwas nicht stimmen könnte, erst 2 Jahre zurück war. Dass ich jahrelang wegen meiner Bedenken von Ärzten als Helikoptermutter belächelt wurde, hat da niemanden interessiert.
Wichtig für eine rückwirkende Anerkennung ist wirklich ein Facharztbesuch oder eine entsprechende Therapie oder Frühförderung. Irgendetwas, was zeigt, dass da eine Auffälligkeit besteht. Es muss noch nicht einmal die entgültige Diagnose sein. Hauptsache sie liegt so weit wie nur möglich in der Vergangenheit. ASS wird nicht automatisch ab Geburt anerkannt. Das muss man beweisen. Mein Jüngster bekam das durch seine zahlreichen anderen, ebenfalls schwerwiegenden Diagnosen.

Absolut wichtig ist es, dem Versorgungsamt keine Diagnose zu verschweigen. Du schreibst noch von einer OP und motorischen Einschränkungen. Normal ist das bei Autismus aber nicht (also die motorischen Schwierigkeiten schon, nicht aber die OP) - wie begründest du das G? Hat dein Sohn derart schwerwiegende motorische Probleme, dass er sich nur über kurze Strecken ohne Rollstuhl fortbewegen kann? Warum gibst du dann so eine schwerwiegende Einschränkung nicht an? Ein Grund für G wäre ansonsten nur noch eine deutliche geistige Behinderung oder der Verlust der Orientierung. Das Kind ist also eine Gefahr für den Straßenverkehr und natürlich gefährdet es auch sein eigenes Leben. Autismus selbst ist kein Grund mehr für G. Da muss der Autismus schon noch einiges „mitbringen“, z.B. eine deutliche geistige Behinderung.
https://www.betanet.de/merkzeichen-g.html
B zu bekommen ist schwer. Ich habe es selbst mehrfach bei meinem Ältesten versucht - nie erfolgreich. Selbst im Gutachten des MDK steht, dass er auf Hilfe außerhalb der Wohnung angewiesen ist, da er kaum orientiert ist. In der Schule hat er eine Schulbegleitung. Aber das hat alles nicht gereicht. Ich gebe es auf. Im Grunde reicht mir auch das B des Kleinen.

Für eine rückwirkende Anerkennung sind alte Arztbesuche, Therapien,...wichtig. Bei uns hat das problemlos geklappt. Bei dem einen Kind ohne weitere Nachprüfung und bei dem anderen Kind mit erneuter Nachprüfung. Aber vor Gericht ist das nie gegangen. Ich würde es machen. Ich würde aber definitiv, falls es der Fall ist, in den Widerspruch mit hereinschreiben, mit welcher Feststellung du einverstanden bist. Nicht dass nochmal komplett neu geprüft wird und du verlierst, was du schon hast.
LG
Katrin

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Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)
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NicoleF1976
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BeitragVerfasst am: 07.12.2018, 08:07    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo, vielen Dank für Deine umfangreiche Antwort Very Happy
auf das B und G kommt es uns nicht an, das habe ich auf Anraten "pro Forma" einfach mit beantragt. Das das aller Voraussicht nicht festgestellt wird, haben wir vermutet.
Bei uns in Niedersachsen kann man im Erstantragsformular bereits ein Datum angeben zu wann man rückwirkend beantragt. Das habe ich gemacht (01.08.2016, Einschulung, da ab dort, die autismusspezifischen Auffälligkeiten verstärkt auffielen und wir bereits 2 Monate später beim Facharzt waren) und dabei alle Facharztberichte, Therapieberichte etc., die schon ab 2015 erstellt wurden mit beigefügt. Also quasi die Nachweise, dass ab dem rückwirkenden Zeitpunkt tatsächlich erhebliche Nachteile/ Beeinträchtigungen bereits bestanden.
Die beschriebene OP hat natürlich nichts mit der eigentlichen Autismus-Diagnose zu tun. Damit wollte ich nur deutlich machen, dass es bereits vor dem beantragten rückwirkenden Zeitpunkt bei meinem Sohn in den ersten 6 Lebensjahren erheblichen Aufwand aufgrund seiner anderen "Baustellen" (motorische und auch sozial/emotionale Defizite) gab, den ich ebenfalls mit Arztberichten dem Versorgungsamt gegenüber belegen könnte.
Die rückwirkende Anerkennung ab Geburt ist ja gar nicht unser Ziel. Es wäre nur fair, wenn er den Gdb ab dem Zeitpunkt, wo es nachweislich auffällig wurde, anerkannt bekommen würde, damit wir unseren Aufwand durch die steuerlichen Vorteile für die 2 Jahre kompensiert bekommen.
Ich denke, ich werde in jedem Fall Widerspruch einlegen und seine "Geschichte" dem Versorgungsamt gegenüber seit Geburt bzw. der schwerwiegenden OP (mit nachgewiesenen und in Facharztberichten bestätigten Hirnschädigungen) beschreiben und mich hier nochmal durch das Forum lesen, wie man sowas am besten angeht bzw. was man schreiben muss. Wenn dann die bis 2016 rückwirkende Anerkennung bei rauskommt sind wir schon "zufrieden".
Viele Grüße, Nicole
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kati543
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BeitragVerfasst am: 07.12.2018, 09:35    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Nicole,
wirklich nichts verschweigen. Ich würde schon auf die Anerkennung ab Geburt (die Hirnschädigung ist angeboren, oder?) pochen. Es kann durchaus sein! Dass dein Kind eine rückwirkende Anerkennung erhält ab Geburt, die sogar sehr viel höher ist, aber da irgendwann die motorischen Schwierigkeiten besser wurden, fällt der GdB eben Schulbeginn auf den aktuellen Stand - ist möglich.
Für die Steuer ist das nicht ganz unwichtig, ob man 9 Jahre rückwirkend geltend machen kann inkl. Zinsen oder eben nur ab dem aktuellen Jahr. Bekommt ihr noch zusätzlich andere Merkzeichen, kann das richtig etwas ausmachen.
Das Versorgungsamt ist per Definition ein Schreibtischtäter - die kennen unsere Kinder und deren Geschichte nicht. Sie müssen sich auf das verlassen, was wir Ihnen an Unterlagen zukommen lassen. Kein Arzt macht das so umfangreich wie wir Eltern.
LG
Katrin

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NicoleF1976
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BeitragVerfasst am: 07.12.2018, 11:17    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Very Happy
Danke für Deine Antwort - die Hirnschädigung trat im direkten Nachgang der Operation auf und wird in den zahlreichen Arztberichten die wir haben, immer wieder als vermeintliche Ursache der Schwierigkeiten meines Sohnes in den ersten Jahren in den Raum gestellt. Nachweisen lässt sich das ja leider nicht (da er sich ja trotzdem erfreulich gut entwickelt hat).
Ich werde mich am Wochenende mal hinsetzen und alles zusammenschreiben und dies dann mit dem Widerspruch dem Versorgungsamt mit Kopien aller Arztberichte zusenden.
...und dann vielleicht doch auf rückwirkend ab Geburt beantragen...
Danke und Gruß, Nicole
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LasseUndJohannes
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BeitragVerfasst am: 07.12.2018, 16:43    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,
den Steuerbescheid kannst du meines Wissens nach nur vier oder fünf Jahre rückwirkend ändern lassen. Ist ungerecht, wenn jemand erst mit zum Beispiel zehn Jahren endlich eine Diagnose hat und beantragt. Und dabei schon viele Jahre große behinderungsbedingte Nachteile hatte.

Um zu belegen, dass behinderungsbedingte Nachteile bestanden ist nicht zwingend ein Facharzt oder SPZ Besuch erforderlich. Beim kleinen wurde es auch anerkannt, dass die Betreuung bei zwei Tagesmüttern scheiterte und er nicht betreubar war. Eben aufgrund der Behinderung wegen Weglauftendenz, extremer Trennungsangst bis zum Erbrechen, Auto Aggression und fehlender Kommunikation. Im SPZ waren wir erst ein (Steuer-) Jahr später.

Der Widerspruch ist gar nicht kompliziert. Einfach schreiben das du die rückwirkende Feststellung vom Merkzeichen H aufgrund der Geltendmachung der Steuervorteile verlangst. Dann die Begründung das bereits ab dem Datum X behinderungsbedingte Nachteile Vorlagen aufgrund von ... Arzt besuchen, Therapien, stationären Aufenthalt, Probleme der Betreuung, zu leistenden Hilfe usw. Hier das schreiben was zutrifft. Und Bedenken, dass die Aufwände das normale Mass des jeweiligen Alters deutlich übersteigen sollten um anerkannt zu werden. Ggf. darstellen und belegen, warum das so ist.

_________________
Johannes 2008, SBA 50% B H, PG3, extremes ADHS (nach Fehldiagnose Autismus)
Benedikt 2014, PG 3, SBA 80% B H G, non verbal, auto aggressiv, ADHS, atypischer Autismus
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