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Anne mit Lars (V.a. Autismusspektrumsstörung)
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Anne_A
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BeitragVerfasst am: 26.11.2018, 11:51    Titel: Anne mit Lars (V.a. Autismusspektrumsstörung) Antworten mit Zitat

Hallo zusammen,

nachdem ich beim Googeln schon öfter auf dieses Forum gestoßen bin, habe ich mich jetzt ganz frisch registriert und mag uns hier auch mal vorstellen. Smile

Mein Mann und ich haben zwei Söhne: Lars (gerade 4 Jahre alt geworden) und Jonas (21 Monate).
Beide Kinder waren absolute Wunschkinder und die Schwangerschaften und Geburten ganz problemlos.

Lars war ein sehr entspanntes Baby, wurde auch gerne gestillt und getragen, hielt Blickkontakt und war meist fröhlich. Er war auch keins von den Kindern, die schnell überreizt sind, sondern immer gerne unter Leuten.

Im Alter von zwei Jahren fielen uns so langsam einige kleine Dinge auf - beim Laufradfahren mussten wir gerade in unbekannten Gegenden immer unbedingt den gleichen Weg vom Spielplatz zurückgehen, den wir gekommen waren, und wenn wir statt dessen einen anderen Weg nehmen wollen, hat er sich verweigert oder war ganz verzweifelt.
Wir waren eine Zeitlang mit Freunden (mit gleichaltrigen Kindern) öfter in einem Indoorspielplatz, da liefen die anderen Kinder alle direkt los und probierten alle Spielzeuge aus, während Lars lieber bei uns Erwachsenen saß und höchstens mal in Begleitung von uns eine Zeitlang spielen ging. Nur ganz am Ende, wenn alle einen großen Kreis bildeten und das Abschlusslied sangen, setzte er sich immer mitten im Kreis auf das Schaukelpferd, das dort stand, und schaukelte.
Eine Zeitlang haben wir auch mal einen Musikkurs für Kleinkinder besucht, aber während die anderen Kinder mit zunehmendem Alter immer mehr mitmachten (Tanzen, Bewegungen nachmachen, zum Teil schon Singen) hatte Lars anscheinend immer andere Dinge im Kopf, so dass wir nach einiger Zeit aus dem Kurs ausstiegen. Nur ein Lied gefiel ihm gut - da durfte man während des Refrains immer ganz schnell im Kreis rennen, was er sogar auch machte. Very Happy

Mit 2,75 Jahren kam er in den Kindergarten (und war der Jüngste in der Gruppe), die Eingewöhnung ging auch recht schnell und problemlos, aber es dauerte etwas, bis er mit runter zum Essen ging (dazu mussten sie durch einige Flure und über Treppen gehen, da der Kindergarten sehr verwinkelt war). Der Kindergarten hatte ein offenes Konzept, d.h. die Kinder konnten nach dem Morgenkreis auswählen, in welchen Raum sie wollten, er blieb aber am liebsten in "seinem" Gruppenraum - dort konnte man mit Bauklötzen und Schienen spielen, was er sowieso sehr gerne macht.
Sprachlich war er zu diesem Zeitraum etwas "hintendran", er sagte noch lange (über den dritten Geburtstag hinaus) "Lars" statt "ich" und auch seine Aussprache war etwas schlechter als bei anderen Gleichaltrigen, laut Kinderarzt war aber alles noch im normalen Rahmen.
Als er etwas über drei Jahre alt war, stand im Kindergarten ein Entwicklungsgespräch an und die Erzieherin sagte, dass Lars manchmal ungewöhnliche Rituale hat, z.B. morgens immer erstmal alle Kästen aus einem bestimmten Regal räumen und aufreihen; sie meinte aber, in dem Alter könne das noch normal sein und für ihn eben bedeuten, wenn er die Kästen aufgereiht habe, sei er für den Tag im Kindergarten angekommen.
Er würde auch noch nicht mit anderen Kindern spielen, sie aber schon beobachten, was sozusagen der Schritt vor dem gemeinsamen Spielen wäre.
In dem Winter waren wir auch mehrfach beim HNO, um sein Gehör zu testen, er hatte aber jedes Mal Paukenergüsse und erst im Mai waren die Ohren frei und wir konnten einen Hörtest machen (er hört sehr gut); ich finde, seit die Paukenergüsse weg sind, hat sich seine Sprache auch deutlich weiterentwickelt.

Als er gut 3,5 war, bat uns die Erzieherin erneut um ein Gespräch und sagte, er sei intelligent und hätte unheimlich viele Dinge im Kopf, aber er wäre sozial auffällig und bräuchte ihrer Ansicht nach Hilfe. Er spielte auch weiterhin nicht mit anderen Kindern, machte die Gruppenaktivitäten nicht mit, sondern "ließ sie über sich ergehen", wie sie es formulierte. Außerdem wäre er auffällig distanzlos, käme manchmal ungestüm mit seinem Kopf an und drückte ihn Leuten in den Bauch.
(Mit einem 6 Monate älteren Jungen, der auch soziale Probleme hat und schon seit dem Babyalter zusätzliche Förderung erhält, verstand er sich allerdings recht gut und bezeichnete ihn schon bald als Freund.)

Auch zu Hause wurden die Auffälligkeiten mehr, so müssen z.B. die Teller, die ein Streifenmuster haben, immer in einer bestimmten Richtung ausgerichtet sein.
Außerdem spricht er oft "mechanisch" und scheint kein Gefühl für die Lautstärke zu haben, er spricht immer viel zu laut und kann auch auf Bitte kaum leiser reden.
Er macht aber zu Hause auch gerne Aktivitäten mit und kann sich auch freuen und begeistert zeigen, es ist also alles nicht so extrem ausgeprägt wie im Kindergarten. Mit Augenkontakt hat er allerdings inzwischen Schwierigkeiten, auch bei uns Eltern.

Wir haben deshalb einen Termin beim Kinderarzt ausgemacht, um uns ans SPZ überweisen zu lassen.
Im September dieses Jahres sind die Unterlagen im SPZ eingegangen, wir werden aber wohl erst im Mai oder Juni 2019 überhaupt einen ersten Termin bekommen, und bis dann eine entsprechende Förderung anläuft, vergeht ja noch mehr Zeit... Sad

Diesen Sommer (mit 3,75 Jahren) sind wir umgezogen und Lars wechselte in einen neuen Kindergarten. Wir haben dort zunächst nichts von seinen Schwierigkeiten erwähnt, damit er ohne "Stempel" dort ankommen konnte. Der Kindergarten ist deutlich kleiner als der alte, es gibt nur zwei Gruppen und auch nicht so viele verschiedene Erzieher, was ihm sehr gut zu tun schien. Er hat sich auch mit einer knapp Dreijährigen angefreundet und erzählt gerne von ihr.
Aber auch hier wurden wir nach knapp drei Monaten um ein Gespräch gebeten und auch die neuen Erzieher tippen auf eine Autismusspektrumsstörung. Sie versuchen ihm zu helfen, so gut es geht: zum Beispiel ist es ihm oft zu unruhig, wenn sich alle gleichzeitig anziehen, um rauszugehen (dann wirft er nur seine Schuhe durch die Gegend), und dann lassen sie ihn als Ersten oder Letzten gehen oder suchen ihm eine ruhige Ecke.

Er spielt seit einigen Monaten sehr oft "Bus", spricht von sich selbst als Lars-Bus oder nur "der Bus", krabbelt herum und rumst immer wieder Leute mit seinem Kopf an. Auch seinen kleinen Bruder wirft er damit natürlich manchmal um, und alle Erklärungen oder Schimpfen scheinen nicht wirklich bei ihm anzukommen, dann antwortet er nur "das ist der Bus, der hat es eilig" o.ä.
Zu Hause schubst und haut er seinen Bruder auch oft ohne ersichtlichen Grund (was natürlich auch normale Geschwisterrivalität sein kann), was der Kleine inzwischen auch schon nachmacht. Rolling Eyes
Und seit einigen Wochen streckt er oft die Arme nach vorne, fuchtelt mit den Händen und läuft damit absichtlich auf Leute zu und tut ihnen weh, oder wirft Spielzeuge um etc.
Verständlicherweise kommt er damit bei den anderen Kindergartenkindern auch nicht gut an... Sad
Als wir neulich seinen Geburtstag gefeiert haben, hatte er neben dem Freund aus dem alten Kindergarten und seiner Freundin aus dem jetzigen Kindergarten noch Zwillinge (ebenfalls aus dem jetzigen Kindergarten) eingeladen; die Mutter der Zwillinge schrieb mir dann aber, dass es ihr total leid täte, aber ihre Jungs wollten nicht kommen. Sad

Ach, und er spuckt seit mittlerweile fast einem Jahr. Manchmal ist er dann laut seiner Erklärung ein Fahrzeug, aus dem Sprit kommt, manchmal lässt er einfach nur so seine Spucke auf den Boden tropfen, manchmal sprüht er scheinbar grundlos mit dem Mund durch die Gegend oder gerne auch unerwartet (wenn ich ihn im Auto anschnalle und gerade nahe an seinem Gesicht bin o.ä.) mitten ins Gesicht, was mich manchmal ganz schön wütend macht. Zum Teil sabbert er draußen so rum, dass er schon einen riesigen Fleck auf seiner Jacke hat.
Und er ist LAUT. Einfach nur LAUT. Er rennt ständig Sirenen nachmachend oder einfach so kreischend durchs Haus, mir fallen irgendwann noch die Ohren ab. Und dazu sein lautes Reden...
Er isst auch "wie ein Schwein" Razz . Im Moment wird alles zerkrümelt und in der Gegend verteilt, zwischendurch noch abgeleckt, dann zwischen den Händen gematscht etc. - laut den Erziehern braucht er dieses Taktile einfach noch sehr.

Jedenfalls hat er jetzt seit gut zwei Wochen eine sehr anstrengende Phase - ich hoffe, dass es nur ein Schub ist und bald vorbeigeht, dazu würde passen, dass er seitdem unheimlich viele Fragen stellt: "Wie funktioniert ein Motor?", "Wie sieht es innen im Mond aus?", "Wie fährt ein Auto?" etc., was ich toll finde und ihm auch gerne beantworte, so gut ich kann. Aber diese Phase beinhaltet eben auch Händewedeln, wildes Rumrennen und Schreien.
Auf jeden Fall sagte die Erzieherin nun, dass der Kindergarten ihn auf Dauer nicht betreuen kann, wenn es so bleibt und nicht nur eine Phase ist. Er müsste dann wohl in einen Integrationskindergarten wechseln. Shocked Damit hatten wir nun nicht gerechnet.
Sie sagte auch noch, wir sollten uns keinen Kopf machen, dass es an unserer Erziehung läge, das wäre nicht der Fall. Verständnis hat der Kindergarten also zum Glück, aber eben auch Grenzen bei den Betreuungsmöglichkeiten.

Am Samstag war Laternenfest im Kindergarten, da konnte ich es selbst beobachten. Nach dem Laternelaufen drängten sich alle im engen Kindergarten (da gab es noch ein Buffet) und irgendwann fing Lars wieder mit dem Händewedeln an, stellte sich zum Teil direkt vor ein Kind und fuchtelte in dessen Gesicht rum, oder verteilte wahllos Schläge an vorbeigehende Kinder. Crying or Very sad Er scheint in solchen Situationen einfach überfordert zu sein.

Ich habe jetzt noch beim Gesundheitsamt angerufen und mit einer sehr netten Ärztin gesprochen, die mir jede Menge Tipps gab, wie ich am besten einen Antrag auf heilpädagogische Förderung und Integration stelle und dass ich gleich eine Bescheinigung vom Kinderarzt beilegen sollte, auf der etwas vom Verdacht auf eine Autismusspektrumsstörung steht - darum kümmere ich mich gerade. Hoffentlich können wir über diesen Weg schneller eine Förderung bekommen als über das SPZ.

Puh, jetzt ist doch ein ganz schön langer Beitrag daraus geworden. Embarassed
Liebe Grüße in die Runde!
Anne
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Alexandra2014
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BeitragVerfasst am: 26.11.2018, 13:45    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo liebe Anne,

das hört sich in vielen Details an, wie bei uns, nur dass mein Kind oft zu leise redet und man fünf Mal fragen muss, um zu verstehen. Laut geht aber auch. Laughing

Was ich dir dringend raten würde: vergesst das SPZ und wendet euch an eine erfahrene Autismusambulanz. Auch die haben Wartezeit, man ist also nicht schneller bei einer Diagnose, aber dafür hat sie dann Hand und Fuß.

Mein Kind wurde erst mit 10 Jahren diagnsotiziert, weil SPZ und Kindergarten die Auffälligkeiten nicht richtig deuteten. Wir haben also einige Zeit verpasst für die richtige Förderung.
Lediglich unsere Ergotherapeuten wiesen immer wieder auf Autismus hin und ich konnte nur wiederholen, dass das SPZ diese Diagnose nicht gestellt hat. Confused

Vieles wurde versucht mit den Komplikationen bei der Geburt zu begründen. Wir hatten X Diagnosen, aber irgendwie passte noch nicht alles.
Ich habe mich dann Anfang diesen Jahres selbst an eine Autismusambulanz gewandt, wo wir letztlich 7 oder 8 Termine bis zur Diagnose hatten.
Anfangs ging ich immer noch davon aus, dass Kind höchstens knapp über den Schwellenwerten, um im Spektrum zu sein. Tatsächlich war Kind aber in fast allen Bereichen ganz deutlich drüber. Da hatte selbst ich nicht mit gerechnet...

Als ich davon der damaligen Erzieherin erzählte, wollte sie es immer noch nicht glauben...

Ich drücke euch die Daumen, dass ihr schnell passende Förderung bekommt.

Gruß
Alex

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Engrid
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BeitragVerfasst am: 26.11.2018, 14:20    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Anne,

ich unterschreibe bei Alex, macht einen Termin in einer Autismusambulanz bzw einer spezialisierten Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Und für die schnelle: wenn er bei Trubel druchdreht, nehmt ihn vorher (!) raus bzw haltet ihm das ganz vom Leib. Da geht nichts mit „Abhärten“, sondern nur mit Reizabschirmung.
Auch im Alltag genug Pausen und Rückzug einbauen, evtl Kapselgehörschutz anbieten, bzw meinemSohn haben regelmäßige (verlässliche) Zeiten zum Musikhören mit Kopfhörern geholfen. Den Tag planbar machen, Visualisieren und gut Strukturieren, zb einen (verlässlichen) Tages- und Wochenplan machen.
Und was das Lautsein betrifft: oft versuchen autistische Kinder, damit einen „Gegenreiz“ zu setzen, die Reizüberflutung von außen oder das Tohuwabohu im überforderten Gehirn zu übertönen.

Man kann ganz viel tun, auch schon vor der Diagnose. Hier hast Du was zu lesen: Wink
https://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic113545.html

Zu denen Dingen, die man gleich für ihn tun kann gehört auch, wenn das sinnvoll ist, ihm für den Kindergarten eine Integrationshilfe zur Seite zu stellen (von der Eingliederungshilfe bezahlt). Die erklärt, schafft Rückzug, vermittelt bei Konflikten, leitet ihn an, schirmt ihn ab bei Bedarf, ... und entlastet die Erzieher.

Grüße

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Engrid

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Anne_A
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BeitragVerfasst am: 26.11.2018, 14:51    Titel: Antworten mit Zitat

Danke für eure Antworten, Alex und Engrid! Smile

Wir wohnen in der Nähe von Bremen; in Bremen gibt es wohl einen sehr guten Arzt (Kinderpsychiater), bei dem ich mal anrufen werde. Eine richtige Autismusambulanz scheint es nicht zu geben, nur ein Autismuszentrum, das allerdings nicht diagnostiziert, sondern nur Therapien anbietet.
Und dann hatte ich ja wie gesagt Kontakt zum Gesundheitsamt, über das man auch eine Diagnose bekommen kann, und warte jetzt auf das Schreiben von unserem Kinderarzt und die Formulare vom Gesundheitsamt.

Alex, wie schade, dass bei euch so viel Zeit verloren gegangen ist, weil das SPZ nicht die richtige Diagnose gestellt hat. Sad

Engrid, danke für den Link. Smile
Du schriebst, dass man gleich eine Integrationshilfe organisieren kann. Das würde ich gerne tun, aber bisher wurde mir überall gesagt, dafür bräuchte man erstmal eine Diagnose. Oder gibt es da noch andere Möglichkeiten?

Das Lautsein tritt übrigens auch oft zu Hause auf, wenn eigentlich alles ruhig ist und es wenig äußere Reize gibt (jetzt am Wochenende war es am Samstagmorgen ganz extrem, so dass ich direkt mit den Kindern zum Spielplatz gegangen bin, am Sonntag dagegen haben beide morgens total entspannt und ruhig gespielt). Abends, wenn ich von der Arbeit komme, drehen die beiden natürlich auch auf, dann haben sie ja auch schon einen langen Tag hinter sich. Mein Mann sagt dann meistens "bis eben waren sie ganz ruhig, aber seit du da bist..." Confused


Ging es euch auch so, dass ihr euch erstmal damit abfinden musstet, dass euer Kind vermutlich immer Schwierigkeiten haben wird? Wir haben ja noch nicht mal eine Diagnose, aber es ist ja schon ziemlich klar, dass Lars Probleme hat und Hilfe braucht, und ich bin phasenweise schon etwas verzweifelt, wenn mir klar wird, dass er vielleicht immer überall der seltsame Außenseiter sein wird.
Dabei habe ich eigentlich keinen Grund zum Jammern, es gibt soooo viele deutlich schlimmere Krankheiten und Einschränkungen...

Viele Grüße
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BeitragVerfasst am: 26.11.2018, 15:32    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Anne,

Diagnose bekommst Du vom Gesundheitsamt keine. Aber eine hilfreiche Amtsärztin ist viel wert. Bespricht erstmal mit dem KiGa, welche Hilfe er genau braucht. Vielleicht greifen ja auch andere Maßnahmen (Rückzug, Strukturierung, Visualisierung, ... auch fachliche Fortbildung/Beratung von außen gibt es). Wenn es nur mit I-Hilfe geht, und es nicht Zeit bis zur Diagnostik hat, dann soll Euch der Kiga das schriftlich gut begründen, damit gehst Du dann zur Amtsärztin. Vielleicht hast Du Glück und sie unterstützt das gleich. Wenn nicht, brauchst Du einen entsprechenden Schrieb vom Facharzt (<— Autismus-Diagnostik)

Eine Autismus-Diagnose erleichtert zwar den Weg zur I-Hilfe, aber ist nicht zwingend. Eine Verdachtsdiagnose hast du ja schon (von der Amtsärztin? Schriftlich?), dazu eine Beschreibung der Problematik tut es auch - es geht für die Bewilligung nicht um eine konkrete Diagnose, sondern darum, dass die „Teilhabe“ des Kindes ermöglicht wird, nach Paragraph 53, 54 SGB 12.

Frühförderung bist Du offenbar grade am Anleiern?

Grüße

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Anne_A
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BeitragVerfasst am: 26.11.2018, 15:49    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Engrid,

ja, ich versuche gerade, eine Frühförderung oder andere Hilfe anzuleiern, da wir ja erst im Mai/Juni zum SPZ können und das ja anscheinend auch nicht immer die beste Anlaufstelle ist.

Deshalb hatte ich am Freitag beim Gesundheitsamt angerufen, wo mich die Ärztin sehr ausführlich informiert hat. Sie sagte, ich müsste über die Teilhabestelle einen Antrag auf heilpädagogische Frühförderung und Integration stellen und sollte unbedingt einen Schein vom Kinderarzt dazulegen, auf dem so etwas wie "starker Verdacht auf ASS" steht (dafür habe ich heute beim KiA angerufen und soll mich morgen wieder melden, wenn die Arzthelferin mit dem Arzt gesprochen hat). Beim Einreichen des Antrags bei der Teilhabestelle sollen wir die Erstellung eines ärztlichen Gutachtens verlangen - dann würden wir bei der Amtsärztin landen und hätten laut ihr die bestmögliche Chance auf Unterstützung (z.B. eine Integrationskraft).

Die Ärztin sagte, da der Kinderarzt uns ja auch ans SPZ überwiesen hat, wäre er sicherlich bereit, auch eine solche Bescheinigung auszustellen, wie wir sie für den Antrag an die Teilhabestelle brauchen.

Schriftlich haben wir bisher nur eine Auflistung von Auffälligkeiten, die der alte Kindergarten erstellt hat - den neuen Kindergarten könnte ich sicher auch darum bitten, so etwas zu schreiben. Aber von ärztlicher Seite gibt es noch nichts Schriftliches. Unser Kinderarzt ist aber eh immer recht zurückhaltend (als wir prüfen lassen wollten, ob Lars gut hört, meinte er, vor dem 4. Geburtstag mache man da nichts, deshalb bin ich auf eigene Faust mit ihm zum HNO gegangen), ich bin ganz froh, dass er uns zumindest ans SPZ überwiesen hat.

Ich werde mal einen Termin mit dem Kindergarten ausmachen, dann können sie mir noch genauer ihren Eindruck von Lars schildern und wir können zusammen überlegen, wie wir weiter vorgehen. Das mit dem Teilhabeantrag kann ich ja parallel schon mal anleiern.

Und da ihr beide schriebt, eine Autismusambulanz wäre in so einem Fall meist besser als ein SPZ, habe ich mir eben noch den Kinderpsychiater rausgesucht, von dem ich vorhin schrieb. Der könnte ja dann auch eine Diagnose stellen, oder?

Danke und viele Grüße
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BeitragVerfasst am: 26.11.2018, 17:17    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

Zitat:
Der könnte ja dann auch eine Diagnose stellen, oder?
Genau. 👍
Mach Deinem KiA ruhig ein bisschen Dampf, sage ihm, dass die Amtsärztin von starkem Verdacht auf Autismus spricht, und dass der Kiga zweifelt, ob sie ihn behalten können. Wenn‘s sein muss, zeig ihm ein Video vom wedelnden Kind ...

Eine Überweisung zur Pädaudiologie (nicht HNO!) zwecks Überprüfung des Hörvermögens darf er Dir auch gleich mitgeben, das ist quasi eine sinnvolle Voruntersuchung zur Autismusdiagnostik, dann kannst Du das schon mal abhaken.

Grüße

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BeitragVerfasst am: 26.11.2018, 19:00    Titel: Antworten mit Zitat

Der Kinderpsychiater kann evtl. eine Diagnose stellen.
Unsere Psychiaterin hat z.B. gesagt, dass man für den ADOS (Autismustest mit dem Kind), also um ihn überhaupt durchführen zu dürfen, regelmäßig Fortbildungen machen muss. Man kann zwar auch ohne diesen Test eine Diagnose bekommen, aber die steht dann u. U. auf wackligen Beinen, vor allem wenn es um die Bewilligung der sehr teuren Autismustherapie geht.
Das Autismuszentrum kann dir aber sicher jemanden nennen, der die Diagnostik durchführen kann.
So habe ich unsere Ambulanz auch gefunden...

Gruß
Alex

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BeitragVerfasst am: 26.11.2018, 19:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Anne
Herzlich willkommen bei uns und liebe Grüße aus der Wesermarsch Wink
Mein Sohn ist Asperger Autist und wurde leider erst im Alter von 18 Jahren diagnostiziert. Auch weil KiGa und Schule nicht hingeschaut haben. Wir haben die Diagnose in einer Praxis für Kinder und Jugendpsychologie gemacht. Es sind einige Sitzungen nötig, deshalb weiß ich nicht, ob Bremerhaven für euch zu weit ist. Du kannst mir gerne eine PN schreiben, dann sage ich dir die Adresse.

_________________
Viele Grüße
Petra
Wenn jeder Tag mit einem Lächeln beginnt
ist es ein guter Tag.
Petra ( 1962 )
Sohn (1998) Asperger ( Diagnose 2016 ), ADS Träumer, Scoliose, Rechtsschenkelblock, fehlender Brustmuskel.
Sohn (2002) Fit
Sohn (2004) Fit
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Julia-82
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BeitragVerfasst am: 26.11.2018, 20:36    Titel: Antworten mit Zitat

Herzlich Willkommen Anne!
Wir sind auch erst seit kurzem hier.
Ich habe auch einen Sohn,4,5jahre, mit Verdacht auf Autismusspektrumsstörung.
Bei uns kam der Kiga auf mich zu und dann kam jemand wegen der Frühförderung in den Kiga und hat sich meinen Sohn angesehen.
Ich habe dann den Antrag gestellt und seit kurzem läuft es,so auch die Ergo.
Zudem schaue ich mir morgen einen anderen Kindergarten wegen eines I-Platzes an,den er benötigt.Bis wir eine Diagnose haben,dauert es auch noch ewig.Erst in 4-6 Monaten können wir wieder zum SPZ und dann überhaupt mal zu einem ersten Test.

Mein 2.Sohn,gerade 9 geworden ist auch in der Diagnostik mit Verdacht auf ADHS,so wie einer Lese Rechtschreibschwäche.
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