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Förderschule verweigert Beschulung ohne Schulbegleitung
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eli
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BeitragVerfasst am: 11.09.2018, 21:27    Titel: Förderschule verweigert Beschulung ohne Schulbegleitung Antworten mit Zitat

Hallo,

heute teilte mir der neue Klassenlehrer mit, mein Sohn (Autist) könne nicht mehr zur Schule kommen ohne Schulbegleitung. Seit Wochen bin ich schon auf der Suche nach einer neuen Schulbegleitung und wir finden keine. Alle Anlaufstellen bzw. Dienste wimmeln mich ab, auch mein bisheriger Dienst sagt er habe keine Schulbegleitung für uns. Kann unsere Förderschule meinen Sohn vom Unterricht ausschließen, weil er keine Schulbegleitung hat? Es ist schwierig mit meinem Sohn ohne, aber ich kann ihn nicht einfach auf jede beliebige Schule schicken und eine Förderschule muss das doch leisten können, solange bis ein Schulbegleiter wieder zur Verfügung steht, oder? Ich überlege rechtliche Schritte. Weiß jemand da Bescheid?

Viele Grüße
Petra

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Sohn: Panayiotopoulos-Rolando-Epilepsie, Autismus, einfache Aufmerksamkeitsstörung
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Rob
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BeitragVerfasst am: 11.09.2018, 22:24    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo, Eli,

das hört sich für mich sehr merkwürdig an.

1.
Eine Schulbegleitung zählt für mich zu den Hilfen zu einer angemessenen Schulbildung (§ 54 Abs. 1 Nr. 1 SGB XII). Immerhin geht es um eine Leistung, die dem Schüler mit Einschränkungen hilft, den Schulalltag zu bewältigen. Es geht also hier um Eingliederungshilfe.

Eine solche Leistung kann man sich im Rahmen eines persönlichen Budgets selbst besorgen (§ 57 SGB XII i.V.m. § 29 SGB IX). Allerdings muss man vorab als Leistungsberechtigter einen entsprechenden Antrag beim zuständigen Leistungsträger gestellt haben. Von daher ist Dein Engagement, sich eine Begleitung zu sichern, nicht zwingend notwendig; es ist Sache des Leistungsträgers, hier Abhilfe zu schaffen.

Aber ich kenne Eure Situation nicht und könnte nur mutmaßen, dass Ihr mit der Unterstützung der Leistungsträger entsprechende Erfahrungen gemacht habe, die nicht wiederholt werden müssen.

2.
Aus Deinem Beitrag kann ich jetzt nicht erkennen, „warum“ die Klassenlehrerin an einer Förderschule den weiteren Schulbesuch infrage stellt. Geht es hier um eine Gefährdungssituation? Es müsste ein wichtiger Grund vorliegen, warum der Schulbesuch im Rahmen der Schulpflicht nicht stattfinden soll. Diesen Grund kann ich nicht erkennen.

In Schleswig-Holstein gibt es die landesrechtliche Vorgabe, Schüler mit Behinderung besonders zu unterstützen: „Das Ziel einer inklusiven Beschulung steht dabei im Vordergrund.“ § 4 Abs. 13 SchulG-SH.

Wenn Schüler mit besonderen Bedarfen an Regelschulen nicht ausreichend gefördert werden können, müssen die Förderzentren diese Kinder bei sich aufnehmen (§ 45 Abs. 1 SchulG-SH). Man kann auch sagen, dass die Förderzentren sozusagen ein Auffangnetz bilden für diese Kinder.

Wenn eine Klassenlehrkraft also die Beschulung verweigert, müssen die Gründe dafür äußerst gewichtig sein.


Was tun?

Rechtlich was zu unternehmen, würde für mich erst einmal damit beginnen, eine schriftliche Begründung für den „Schulverweis“ von der Schule zu verlangen. Gleichzeitig würde ich einen Antrag auf Leistung beim Träger der Eingliederungshilfe (z.B. Fachdienst Soziales, Jugendhilfe oder ähnliches) stellen und die Dringlichkeit betonen.

Es gibt zwar immer wieder den Irrglauben, dass Schulbegleitung nichts kosten darf (10 Euro / Stunde; ganz gerne auch eine Vorgabe bei PB-Leistungsbewilligungen). Doch wenn der Bedarf nicht mit Mindestentlohnten gedeckt werden kann, die Notlage bestehen bleibt, muss eine Fachkraft her. Der Leistungsträger hat eine Pflicht zur Strukturbildung.

Dagegen kann man antreten.
Das Problem allerdings ist, man braucht einen „langen Atem“.

Unterstützung gibt es, neben diesem Forum, auch bei Landesverbänden der Wohlfahrtspflege, Ortsvereinigungen von Lebenshilfen u.a., LVKM, SoVD, Landes- und Städtische Behindertenbeauftragte – und natürlich Fachanwälten (aber die kosten was). Hier im Forum gibt es auch sehr viele Pädagogen, die sich mit dem schulischen Umfeld bestens auskennen. Ich meine mich zu erinnern, dass es so einen ähnlichen Fall schon mal gegeben hat. …

Alles Gute.
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eli
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BeitragVerfasst am: 12.09.2018, 13:06    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

Danke für die Antwort.

Wir haben seit einiger Zeit die Bewilligung für eine Fachkraft als Schulbegleitung. Aber es findet sich keine. Es ist zu gering bezahlt.

Mein Sohn zeigt destruktives Verhalten und zerstört dann etwas. Das könnte der Grund sein, warum sie ihn ausschließen. Aber ich frage mich, ob das auch an der Förderschule geht? Wo soll er denn sonst hin? Es gibt auch Kinder, die kann man nicht aus medizinischen Gründen mit Medikamenten ruhig stellen, zumal das auch den Schulbegleiter nicht ersetzt.

Viele Grüße
Petra

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Isolde
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BeitragVerfasst am: 12.09.2018, 13:18    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo liebe Petra,

auch die Förderschule von meinem Sohn hat bei schwerwiegendem Verhalten schon Schüler phasenweise vom Unterricht befreit,
nämlich dann, wenn kein Personal da war.
Die Förderschulen haben derzeit genau das gleiche Problem wie Regelschulen, dass sie keine Lehrkräfte finden.
Lehrkräfte die da sind, müssen zusätzlich Zeit freischaufeln für die Beschulung in den Inklussionsklassen einer Regelschule.
Es fehlt also an Personal.

Nur so kann ich mir das vorstellen, dass sie Deinen Sohn solange vom Unterricht ausschließen, solange es die Schulbegleitung nicht gibt.
Ich würde in jedem Fall hier ansetzen und mir die Schulbegleitung erstreiten.
Dein Sohn benötigt eine hohe Aufmerksamkeit und Ansprache und somit würden andere Kinder evtl. dann nicht mehr zum Zuge kommen.

Ob das richtig ist, so zu handeln, ist eine andere Sache,
aber ich könnte mir vorstellen, dass der Mangel an Lehrkräften zu solch einer Entscheidung geführt hat, weil sie das nicht auffangen können.

Ich wünsche Euch viel Glück.

Schönen Gruß
Isolde

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Sigrid Zas
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BeitragVerfasst am: 12.09.2018, 13:29    Titel: Antworten mit Zitat

Hi

Nehmen wir mal an Petra wäre Lehrerin die nun weil es keinen Schulbegleiter für ihren Sohn gibt ihre Arbeit aufgeben muss um ihren Sohn zu betreuen. Dann fehlt für ca 24 Kinder wieder eine Lehrkraft. Was für ein Irrsinn.
Ich weiß das hilft dir nicht zeigt aber das Problem.

LG Sigrid

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eli
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BeitragVerfasst am: 12.09.2018, 14:50    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Isolde,

vielleicht nicht der Mangel an Lehrkräften, sondern der Mangel an qualifizierten Schulbegleitungen oder überhaupt an Schulbegleitungen.

Ich frage mich, ob man sich nicht auf dünnem Eis bewegt, wenn man Kinder ausschließt von einem Ort, der für Sie gedacht ist. Aber der rechtliche Weg ist immer mit Stress verbunden. Auf beiden Seiten.

Das größte Problem ist die mangelnde Qualifikation und die schlechten Bedingungen für autistische Kinder in unserem Schulsystem.

@Sigrid: ich stimme Dir zu. Und solange man sich nicht wehrt, wird es weiterhin so laufen. Was das für die Familien bedeutet, das fragt niemand.

LG Petra

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Isolde
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BeitragVerfasst am: 12.09.2018, 14:59    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo liebe Petra,

ja, das ist der Knackpunkt, wie Du selber schreibst,
man muss sich wehren.

Sigrid schreibt es schon richtig - was ist mit den berufstätigen Eltern, die ihre Kinder dann nicht so einfach zu Hause versorgen können.
Sie müssten ihren Job aufgeben.
Und das kann es nicht sein.

Auch wenn es wieder an den Kräften zehrt, man muss kämpfen.
Was sagt denn der Kostenträger dazu?

Schönen Gruß
Isolde

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Ursula M.
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BeitragVerfasst am: 12.09.2018, 20:19    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Petra,

der qualifizierte Schulbegleiter ist für deinen Sohn genehmigt worden, weil er ohne ihn selbst an der Förderschule nicht ausreichend gefördert und beschult werden kann. Könnte er ohne Schulbegleiter erfolgreich am Unterricht teilnehmen, hätte er die Bewilligung nicht bekommen. Ich vermute, dass damit von Seiten der Förderschule der Schulausschluss (solang kein Schulbegleiter gefunden ist) begründet werden kann und die Schule damit rechtlich auf der sicheren Seite ist.

Problem ist eher, dass niemand für das (vom Jugend- oder Sozialamt) gebotene Gehalt Schulbegleiter für deinen Sohn sein möchte. Hast du denn Bewerbungen gehabt oder scheitert es schon daran? Wenn du schriftliche Absagen mit der Begründung des zu niedrigen Gehalts bekommen hast, dann lege diese doch dem Amt vor und frage dort einmal nach, wie die Schulpflicht deines Kindes sichergestellt werden soll. Ich weiß nicht, ob es möglich ist, eine Einzelfallentscheidung für ein höheres Gehalt zu bekommen.

VG Ursula
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eli
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BeitragVerfasst am: 12.09.2018, 21:30    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Ursula,

da wir in den letzen zwei Jahren mehrere Schulbegleitungen hatten und der Wechsel nicht immer nahtlos klappte, gab es auch Zeiten, wo er keine Schulbegleitung hatte. Da hat es dann ja auch funktioniert. Also weiß ich nicht, ob das Argument Bestand hätte, ohne Schulbegletung könne er nicht beschult werden.

Die Bewerbungen liefen noch nie über uns, sondern über spezielle Dienste. Die schlagen mir dann jemanden vor. Aber selbst dort sagt man mir, sie hätten niemanden (mehr). Wir haben erst seit kurzem eine Bewilligung für eine Fachkraft, aber die gibt es noch weniger.

VG Petra

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Inga
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BeitragVerfasst am: 12.09.2018, 21:59    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Petra!

Vielleicht kannst du die Sache anders angehen. Frag was pro Stunden bewilligt wurde. Und dann schaue ob du für das Geld selbst eine Fachkraft findest. Dann beantragst du die Umstellung auf das persönliche Budget. Wenn du es selbst machst, muß kein Dienst mitverdienen und so kannst du meist ein gutes Gehalt zahlen.

Wir machen das schon seid Jahren so, weil es über die Dienste hier keine gescheiten Leute gibt.
Wenn du weitere Infos oder konkrete Zahlen brauchst, melde dich bitte per PN.

Viel Erfolg!
Inga

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Betreuer von Danielo '96 und Steven '98

Unsere Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic2393.html
Unsere Galerie: http://www.REHAkids.de/phpBB2/album.....personal.php?user_id=1278
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