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Abklären oder nicht?
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Sia
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BeitragVerfasst am: 08.06.2018, 17:00    Titel: Abklären oder nicht? Antworten mit Zitat

Hallo Zusammen

Beschrieb eines Kindes, heute 12 Jahre alt:

Baby - unauffällige Entwicklung, Bewegungsdrang, ab und zu abwesend, aber alles "normal"

Kleinkind - kann stundenlang alleine spielen, in seiner eigenen Welt; oft erst nach mehrmaligem Ansprechen im hier und jetzt. Sehr interessiert; aber verschlossen; in sich gekehrt. Noch immer viel in Bewegung. Lernt sehr schnell sprechen. Spricht früh extrem deutlich. Kann keine Minute ruhig sitzen. Arbeitet beidhändig (Links- und Rechtshänder)

Kindergarten/Unterstufe - sucht selber keinen Kontakt zu anderen Kindern; wenn sich Spielmöglichkeiten mit anderen ergeben, nimmt es sie an. Geburtstagsparty: es spielt alleine auf dem Zimmer des Gastgebers während die anderen Party machen
Spielt praktisch nur mit Lego; lernt sehr einfach auswendig; extrem vielseitig interessiert; kann sich alles gelesene merken;
Fällt aber in der Schule durch Unselbständigkeit auf; vergisst vieles; ist abwesend in den Lektionen; wirkt oft uninteressiert; Noten sind zwar gut, reichen immer für die Versetzung. Trotzdem muss man immer ziehen und stossen. Immer nachfragen, hast du das und jenes gemacht. Phasenweise laufen alle Prüfungen schlecht, schreibt schlechte Noten und dann muss es - in guten Phasen - alles aufholen und gute Noten schreiben, um schlussendlich doch noch ein gutes Zeugnis zu bekommen.
Laut Lehrer: Unselbständig und fehlende Konzentration.
Vergesslich - das Kind vergisst alles in der Schule oder auch draussen: Turnsachen, Schwimmzeug, Fahrrad, Trotti, Jacken, sogar Schuhe/Socken (zieht sie aus und läuft barfuss). Oder kommt in Finken nach Hause.
Kann immer noch nicht ruhig sitzen. Arbeitet in der Schule oft stehend. Zu Hause dreht er runden um den Tisch, wenn er lernen muss oder etwas erzählt. Er schafft es nicht eine Mahlzeit lang am Tisch zu sitzen ohne etwas (ausser Essen) zu tun. Läuft immer wieder weg.
Musste sich in der Schule auf eine Arbeitshand entscheiden und hat sich für links entschieden (wurde abgeklärt und die Diagnose war: Linkshänder mit sehr stark ausgeprägter rechter Hand).

Oberstufe - die Problematik verschlechtert sich; noch mehr Dinge, die es vergisst. Fehlende Unterlagen, fehlende Hausaufgaben. Eintrag im Zeugnis: Unselbständigkeit. Aussage des Lehrers: eigentlich ist es das Kind, welches am selbständigsten Arbeitet in der Klasse. Aber leider gehört das vergessen von Dingen zur "Selbstständigkeit" und da es zu viele Dinge (Leimstift, Hefte, Geodreieck, Hausaufgaben etc.) vergisst bzw. nicht dabei hat, gab es diesen Eintrag.
Konzentration: schlecht. Aussage der Lehrperson: Das Kind ist oft abwesend und muss durch mehrmaliges Ansprechen "zurück" geholt werden. Wenn es aber "da" ist, kann es aus dem "Stegreif" alle Fragen beantworten. Egal, ob es zugehört hat oder nicht. Es weiss immer alles. Kann problemlos vor die Klasse stehen und einen Vortrag halten, zu einem Thema, welches sie gerade erst anfangen. Ganz egal was durchgenommen wird, das Kind weiss immer etwas dazu zu erzählen.
Prüfungen: immer noch phasenweise sehr gut und dann phasenweise total schlecht. Es folgt Aufholjagd mit guten Noten, damit das Zeugnis wieder stimmt!
Kontakte: ist im Schulrat und macht seine Sache laut Aussage der Lehrer sehr gut; hat aber immer noch keine Kollegen; ergeben sich Situationen, mit jemandem etwas zu machen ist das meist okay aber selber etwas dazu beitragen würde es nie.
Ebenfalls zu Hause: wird es abgeholt von Nachbarskinder, geht es meistens mit ihnen spielen aber von sich aus jemanden abholen würde das Kind nie machen.
Läuft immer alleine in die Schule und meistens alleine nach Hause.
Sehr verschlossen, introvertiert.
Kann immer noch nicht wirklich ruhig sitzen. Arbeitet nun wenigstens in der Schule sitzend. Aber zu Hause läuft er immer noch umher, wenn er etwas erzählt, lernt oder gerade nicht weiss was mit sich anfangen!
Hobbys: zuerst Kampfsport; jetzt Mannschaftssport (ausserhalb des Vereines keinen Kontakt mit den anderen; laut Aussage des Kindes fühlt es sich wohl und es macht ihm Spass). Im Verein zeigen sich die gleichen "Auffälligkeiten" wie überall.
Das Kind liest sehr viel und hüpft Trampolin (in jeder freien Minute, in der es nicht liest oder in der Schule/am Lernen ist).

Die Lehrpersonen meinen, dass es schwierig werden wird, eine Lehrstelle zu finden.

Zu Hause ist das Verhalten ähnlich wie in der Schule. Es vergisst immer noch Aufträge, Schulzahnarztuntersuche, die es gleich nach der Schule machen sollte. Vergisst manchmal sogar das Fahrrad in der Schule, weil das Kind nicht mehr weiss, dass es mit dem Fahrrad gefahren ist am Morgen etc.

Die aufgezählten Dinge wiederholen sich in diversen Situationen. Es ist nicht so, dass beispielsweise das Kind einmal mit Finken nach Hause gekommen ist. Es ist so, dass solche Dinge diesem Kind ständig passieren. Täglich irgendetwas - manchmal sogar mehrmals.

Früher konnten gewissen Dinge gut kompensiert werden. Gute Organisation und viele Gespräche mit dem Kind halfen immer dabei, dass es wieder länger anhaltende gute Phasen gab.
Mit den Lehrern liess sich gut reden. Da die Noten schlussendlich immer gut waren, schaute man über die anderen Dinge hinweg.
Jetzt in der Oberstufe machen die Lehrer etwas Druck: woher kommen diese Konzentrationsschwierigkeiten? Wieso ist es manchmal so abwesend? Geht es dem Kind gut? Wie ist es zu Hause? etc., etc.

Zu Hause war es natürlich manchmal schwierig. Aber das Kind hat nie etwas gesagt. Auf Fragen sagt es immer: keine Ahnung; ich kann mich konzentrieren; weiss nicht wieso ich manchmal "weg" bin; mir geht es gut; brauche keine Kollegen; etc. etc.
Gesamteindruck: ein meist zufriedenes Kind

Die Frage, die sich nun stellt: soll das Kind "abgeklärt" werden? Wenn ja, auf was? Kann man herausfinden, woher diese Konzentrationsschwäche / Vergesslichkeit / kommt? Hat dieses phasenweise "Wegtreten" eine Bedeutung? Hilft ihm das eine Lehrstelle zu finden?

Die Problematik ist klar stärker, mehr ausgeprägt als bei anderen Kindern. Aber dennoch so "schwach", dass die Lehrer eine Abklärung vorgeschlagen aber nie verlangt haben und diesbezüglich nie "handlungsbedarf" war.
Im Verlaufe der Zeit haben sich Organisationsweisen/Techniken etc. entwickelt, mit denen ein praktisch "normales" Leben machbar war. Es war manchmal schwierig, sehr schwierig aber hat nie überhand genommen, so dass man das Gefühl hatte "jetzt geht es gar nicht mehr". Jetzt in der Oberstufe hat es zugenommen und es steht oft die Frage im Raum: war es richtig, das Kind nie abklären zu lassen?

Abklären oder so Leben lassen? Was würdet ihr machen? Ändert es in diesem Alter noch etwas eine Diagnose zu bekommen?

Freue mich auf eure Anregungen, Ideen, Erfahrungsberichte. Vielleicht hat jemand ein ähnliches Kind?!?

_________________
Eine schöne Zeit wünscht
Sia

Sohn 2004 (MPS IIIa) / Sohn 2005 (ADS und/oder Autismus) / Tochter 2010 (ADHS und/oder Blockade unbekannter Herkunft)
Papa 1966 und Mama 1973 (ADHS Diagnose mit 45)

Stell' dich täglich dem Wind, dann trotzt du dem Sturm. Geh' lachend durch den Regen, und du überwindest die Flut.
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Engrid
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BeitragVerfasst am: 08.06.2018, 18:10    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Sia,

das klingt nach einer ziemlich klassischen Beschreibung eines Kindes mit sehr guter kognitiver Begabung und ADHS-ADS-Mischtyp. (Das Wegträumen vom Hypoaktiven, der Bewegungsdrang/Zappeligkeit vom Hyperaktiven)
Viele Betroffene sagen, es hat ihnen geholfen, eine Diagnose zu bekommen, und damit Klarheit und den Anfang von dem Faden, ihr Anderssein zu verstehen.

Glücklich kann man aber auch ohne Diagnose werden, wenn man sich der Stärken bewusst ist und den richtigen Berufsweg wählt. Also etwas, für das derjenige echtes Interesse hat, etwas das eher projekthaft als routinehaft strukturiert ist, und wo der Rahmen klein und persönlich ist.
Die Konzentration ist kein Problem, solange Eigenmotivation da ist.

Wie ist denn der Selbstwert des großen Kindes, und was sind seine Berufswünsche?

Buchtipp: Cordula Neuhaus‘ Bücher, oder (hat mir persönlich echt gut gefallen, man merkt, dass es ein ADHSler geschrieben hat Razz ): ADS - das kreative Chaos.

Grüße

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Engrid

mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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RikemitSohn
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BeitragVerfasst am: 08.06.2018, 20:04    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Sia,

ich stimme Engrid zu, dass sich das nach einem sehr schlauen Kind anhört, dass seine Probleme dadurch bisher ausgleichen konnte.
Ich denke, eine Diagnose lohnt sich immer bei Schwierigkeiten und einem Leidensdruck. Viele haben ADHS immer im Zusammenhang mit Schule im Fokus, aber mit Ende der Schulzeit ist ja kein Ende des ADHS. Ein Studium bedeutet viel mehr Selbstorganisation als Schule. Daher kann eine Diagnose für den weiteren Lebensweg sehr hilfreich sein.
Ich selber habe erst vor ein paar Jahren meine ADHS-Diagnose bekommen und ich bin sehr froh darüber, auch wenn es mir für meinen schulischen Lebensweg nichts mehr bringt. Erstens geht es mir mit Medikamenten im Alltag viel besser und zweitens lässt sich im Nachhinein so vieles erklären, das mich vor der Diagnose immer wieder hat an mir zweifeln lassen.

LG Rike

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kati543
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BeitragVerfasst am: 08.06.2018, 20:47    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,
das klingt definitiv nach einem Kind, welches sehr lange Zeit seine "Besonderheiten" dank hohem IQ sehr gut kompensieren konnte. Nur irgendwann klappt es eben leider nicht mehr.
Es gibt einige Richtungen in die man gehen könnte. Alle haben mit dem Kopf zu tun. Entweder es ist etwas seelisches - AD(H)S würde ja schon genannt. Ansprechpartner wäre hier ein KJP. Stellenweise kam mir das Ganze etwas wie die Asperger Richtung vor. Aber soetwas kann man über ein Forum echt nicht sagen. Das muss ein KJP entscheiden.
Was genau meinst du mit "phasenweise Wegtreten"? Habt ihr mal gesehen, wie es aussieht wenn es "weg ist"? Das könnte dann auch die neurologische Richtung gehen. Also wenn du wirklich alles abklären willst, dann eben auch mal mit zum Neurologen und die Epilepsie ausschließen.
Das wären jetzt meine Ideen.
LG
Katrin

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Katrin (Epilepsie)
O. (Frühkindlicher Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühkindlicher Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)
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toto35
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BeitragVerfasst am: 09.06.2018, 06:30    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Sia,

nur kurz von mir, ich muss gleich zur Arbeit, vieles, nicht alles, aber vieles erinnert mich an meinen Sohn, ein Teenager mit ADS/ADHS Mischtyp.

Das Thema ist ganz, ganz schwierig da diese Patienten - selbst bei den Ärzten- ganz oft bei den ganzen Testungen und Beobachtungen durchs Raster fallen.

Unser Sohn wurde schlussendlich dahingehend diagnostiziert und auch genau in die Richtung therapiert und mit Medikamenten eingestellt.

Er kommt jetzt in sein Abschlussschuljahr und wenn ER sich durchsetzt, dann steigt er genau in die Ausbildung ein, die ihm wirklich liegt- wir denken dann auch ohne Medikamente, weil er wirklich daran interessiert ist.
Sollte es soweit kommen, habe ICH etwas Bauchweh, weil es einer super schwere Ausbildung ist mit viel, viel lernen, was dann selbstständig erfolgen muss, aber wahrscheinlich funktioniert es besser als gedacht- eben weil ER diese Ausbildung genauso will.

Er hat auch nur Plan A, egal was ich ihm versucht habe schmackhaft zu machen...🙄

_________________
LG

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Sohn (16 Jahre): ADHS/ADS (Mischform), Fructoseintoleranz, v.a. Migräne, Kiss-Kind (Therapie endlich erfolgreich beendet!)
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Engrid
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BeitragVerfasst am: 09.06.2018, 09:39    Titel: Antworten mit Zitat

@toto:
Zitat:
Er hat auch nur Plan A, egal was ich ihm versucht habe schmackhaft zu machen
Das ist ja auch wieder tyyyypisch. Razz Ich drücke ihm feste die Daumen , dass er das schafft! 💪
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Engrid

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toto35
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BeitragVerfasst am: 09.06.2018, 14:35    Titel: Antworten mit Zitat

Engrid hat folgendes geschrieben:
@toto:
Zitat:
Er hat auch nur Plan A, egal was ich ihm versucht habe schmackhaft zu machen
Das ist ja auch wieder tyyyypisch. Razz Ich drücke ihm feste die Daumen , dass er das schafft! 💪


danke Engrid Wink

Was haben wir alles versucht, ihm schmackhaft zu machen, es ist nichts, absolut nichts zu machen, er läßt sich nicht davon abbringen. Aber so war mein Sohn schon immer.

Schlußendlich ist es wahrscheinlich wirklich so, daß er es dann wirklich angehen wird und soll, denn wenn etwas sein Interesse trifft, dann funktioniert das normalerweise ganz einfach und ohne Probleme.
Da muß Mamas Bauchweh in den Hintergrund bei dem Gedanken, ob er sich wirklich nicht zuviel zumutet in den rücken Rolling Eyes

_________________
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Regina Regenbogen
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BeitragVerfasst am: 09.06.2018, 15:14    Titel: Antworten mit Zitat

toto35 hat folgendes geschrieben:

Er kommt jetzt in sein Abschlussschuljahr und wenn ER sich durchsetzt, dann steigt er genau in die Ausbildung ein, die ihm wirklich liegt- wir denken dann auch ohne Medikamente, weil er wirklich daran interessiert ist.
..........
..........
Er hat auch nur Plan A, egal was ich ihm versucht habe schmackhaft zu machen...🙄


Ja, kenne ich. Laughing Unser Großer hat in knapp 7 Wochen sein erstes Lehrjahr erfolgreich hinter sich gebracht - ohne Medikamente, was meine Bauchschmerzen erheblich verstärkt hatte. Aber (toitoitoi) bis jetzt lief alles sehr gut. Ihm wird sehr viel Selbständigkeit abverlangt (Berufschule und Werkinternat), dafür wird er in den wenigen Wochen, die er im Betrieb verbringt, von den ganzen (alten) Gesellen und seinem Ausbilder wie ein kleiner Kronprinz behandelt. Rolling Eyes

Ich muss aber andere Abstriche machen: Da er jetzt mit 16 überwiegend in einer Welt von erwachsenen Männern lebt (ja, auch in der Berufschule und im Werkinternat ist er der Jüngste), kann ich ihn hier nicht mehr so strikt in das Regelwerk unserer Familie einbinden, z. B. was die Uhrzeit anbelangt, wann er am Wochenende abends zu Hause zu sein hat. Ich muss aber zugeben, dass er es nicht übertreibt, auch wenn seine ältere Schwester rummault, dass er viel mehr darf als sie damals mit 16. Laughing

_________________
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese
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Sia
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BeitragVerfasst am: 09.06.2018, 22:33    Titel: Antworten mit Zitat

Danke für die interessanten Beiträge. Ich habe nicht gewusst, dass es ADHS/ADS eine Mischform gibt! Ich hatte immer das Gefühl, dass es für beides zu wenig Anzeichen gibt.

Und ja, er ist sehr schlau und hat einen hohen IQ. Auch er hat immer nur Plan A. Entweder das oder gar nichts. Etwas dazwischen gibt es nicht. Er hätte die Möglichkeit gehabt Kantonsschule (weiss nicht, mit was das bei euch zu vergleichen ist. Auf jeden Fall den Schulweg bei dem man Matura macht und nachher ein Studium machen kann) zu machen. Er wollte nicht. Egal was ich für Argumente brachte. Er wollte in die Oberstufe und danach eine Lehre (aber die mit Berufsmatura Wink ). Obwohl er damals noch keinen Plan hatte, was er für eine Lehre machen wollte. Jetzt weiss er etwas mehr … es soll eine Ausbildung in den MINT-Berufen sein! Was genau wird sich zeigen.

Er ist sehr gut im kompensieren! Weiss nicht, ob ich das gut oder schlecht finden soll.

@engrid - ist es tatsächlich so klassisch? Für mich war/ist es nie so klar. Und anscheinend für die Lehrpersonen auch nicht. Keiner hat mich je darauf angesprochen, dass er ADHS oder ADS haben könnte. Eine Nachbarin von mir hat mich aber kürzlich darauf angesprochen. Sie war früher Beraterin für Familien, die Kinder mit AD(H)S haben. Ihr Sohn hat ADS. Und sie sieht bei meinem Sohn viele parallelen.
Ich selber hätte eher an eine Form von Autismus gedacht. Aber keine Ahnung welche Form. Auch für Autismus zu wenig stark ausgeprägt. Selbsttests haben Autismus nie bestätigt. Das Ergebnis lag immer kurz vor Autismus im letzten Bereich von "stark introvertiert". Für mich spricht hier vor allem das "wegtreten" dafür!

Eigenmotivation hat er dann, wenn er etwas wirklich will! Und es stimmt, dann ist Konzentration kein Problem.

Selbstwert … mh, das ist so eine Sache … manchmal sehr hoch und manchmal macht er sich selber sehr "klein". Aber ich würde schon sagen, dass er im grossen und ganzen sehr selbstsicher ist. Ein Kind, das weiss was es will und auch sehr gut einschätzen kann, was es kann!
Der Ehrgeiz dürfte aber höher sein. Er ist nicht sehr ehrgeizig und gibt sich meistens mit dem Minimum zufrieden.

@RikemitSohn - das ist so schwierig. Manchmal denke ich, unbedingt abklären lassen und dann wieder, er hat es soweit gebracht ohne Diagnose wieso soll ich es jetzt noch abklären lassen? Vielleicht habe ich es auch immer verdrängt, weil es im Grunde ganz gut lief und ich so mit meinem ältesten Sohn beschäftigt war. Handeln war nie wirklich erforderlich. Er hat sich erfolgreich durch "geschmuggelt".
Eine Abklärung im Erwachsenenalter? Ich weiss nicht. Ich bin schon ziemlich lange sicher, dass ich AD(H)S habe oder als Kind hatte. Ich war eigentlich nicht viel anders als mein Sohn ausser, dass ich es selbst in der Oberstufe (hätte auch die Variante mit Matura wählen können) noch sehr gut kaschieren konnte. Bei mir fingen die "Probleme" erst in der Ausbildung an. Aber ich kam trotzdem erfolgreich durch.
Da habe ich es heute im Alltag als "nur Hausfrau mit schwer mehrfachbehindertem Kind und zwei gesunden Kindern" viel schwerer. Mein behinderter Sohn verlangt mit alles ab! Und ich merke tag täglich, dass ich nicht mehr kompensieren mag/will. Es fehlt an Motivation und dann klappt plötzlich nichts mehr!

Ist AD(H)S vererbbar? Nachweislich?!?

@kati543 - über Asperger habe ich auch oft nachgedacht und darüber gelesen. Habe es aber immer wieder verworfen, weil ich etwas gefunden habe, das überhaupt nicht übereinstimmt. Und eigentlich hatte ich nie grosse Probleme mit meinem Sohn.
Neurologisches Wegtreten kann ich eigentlich ausschliessen. Durch meinen älteren Sohn sind wir jährlich mehrmals beim Neurologen. Mein Ältester hat auch Epilepsie. Das ist definitiv anders. Klar, gibt es viele Formen. Aber mein jüngerer Sohn tritt anders weg! Ich bin mir ziemlich sicher, dass es keine Epilepsie ist.
Er schaut mich an, spricht mit mir, ich gebe ihm einen Auftrag. Er wiederholt, geht und will den Auftrag ausführen. Plötzlich bleibt er stehen, kommt zurück und fragt: Was sollte ich jetzt gleich machen? Ich habe während dem ich mit ihm sprach schon gemerkt, dass er eigentlich gar nicht bei mir ist - sondern irgendwo - und er nicht wissen wird, was er machen soll!
Oder die andere Situation: er ist in einer Aufgabe und ich rufe ihn. Er hört mich nicht. Ich spreche ihn an. Er reagiert nicht. Ich schüttle ihn und rede mit ihm und erst dann, reagiert er auf mich.
Oder er sitzt an einer Aufgabe und schaut ins leere, fängt an zu lachen, ich rede mit ihm, und er schaut mich an gibt mir Antwort, lacht weiter (sagt aber nicht was er hat) und arbeitet dann "irgendwann" wieder weiter.

Mit KJP haben wir eigentlich keinen Kontakt.

@toto35 - deshalb ist es mir auch so wichtig, dass er ganz genau herausfindet, was er machen will. Weil ich ganz sicher bin, dass wenn er etwas findet, das er machen will, dass es auch klappen wird. Ich bin mir da ziemlich sicher. Aber die Lehrpersonen sehen das anders. Die kennen meinen Sohn aber auch nicht so gut wie ich.

@regina - das Alter macht mir auch etwas Sorgen. Er ist/war immer der Jüngste in der Klasse. Leider. Auch jetzt ist er wieder der Jüngste mit mindestens einem halben Jahr Abstand zu den anderen. Es gibt einige in seiner Klasse, die sind zwei Jahre älter (Klassen wiederholt). Die Klassenlehrperson hat dies auch schon angesprochen. Sie meint, dass es besser wäre, wenn er ein Jahr älter wäre! Aber ich kann nicht zaubern … und deswegen ein Jahr nachsitzen lassen? Das bringt es doch auch nicht wirklich. Er ist so weit gekommen, weil er es immer wollte. Wenn ich ihn jetzt ein Jahr wiederholen lasse, dann befürchte ich, dass die ganze Motivation weg ist und er sich langweilt. Es gibt jetzt schon Fächer, in denen er sich langweilt und es sehr mühsam ist, ihn dafür zu motivieren.

Einerseits bin ich überrascht, dass ihr ein "Bild" in meinen Bericht erkennen konntet … und anderseits bestätigt es meine Befürchtungen, dass vielleicht doch nicht alles so gut ist, wie wir uns das "schöngeredet" haben.

Ob ich eine Diagnose will oder nicht ist eigentlich nebensächlich. Viel mehr beschäftigt mich: will mein Sohn eine Diagnose? Fühlt er sich danach besser oder zweifelt er mehr an sich? Nutzt er die Diagnose, um weniger zu kompensieren und gibt sich dann keine Mühe mehr? Wird es mit Diagnose nicht schwieriger, dass er eine Lehrstelle findet? Vielleicht kann er dann schlussendlich wegen der Diagnose seinen "Traumberuf" nicht erlernen?!?

Wenn ich etwas dank meinem behinderten Sohn gelernt habe, dann ist es mit Druck von aussen umzugehen. Ich könnte sehr gut den Druck der Lehrpersonen ignorieren. Die Frage ist nur: ist das gut für meinen Sohn?

Und wenn ich meinen eigenen Text so lese, merke ich gerade selber, dass ich eigentlich vor der Haustüre die Lösung hätte. Manchmal sieht man es einfach nicht. Im Grunde könnte ich doch einfach zu meiner Nachbarin gehen und sie fragen, wie sie mich beraten würde. Sie hat schliesslich früher Familien mit solcher Problematik beraten! Vielleicht macht sie für mich eine Ausnahme und macht nochmals ein Beratungsgespräch. Ein Versuch wäre es auf jeden Fall wert und es würde mir vielleicht helfen zu entscheiden: "Abklären oder so leben lassen".

Habt ihr Abklären lassen, weil die Problematik zu gross wurde oder weil ihr musstet (Schule/Beruf etc.)?
War für euch von Anfang an klar, was es war oder habt ihr eine Abklärung gemacht ohne zu ahnen was dabei herauskommt?

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Sia

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melly210
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BeitragVerfasst am: 09.06.2018, 23:11    Titel: Antworten mit Zitat

Ich würde in diese Frage auch deinen Sohn mit einbeziehen. Ein intelligenter zwölfjähriger ist denke ich schon alt genug, daß man ihn fragen kann, ob er gerne genau wüsste was er hat oder nicht. Klar muss man mit ihm dann auch die jeweileigen möglichen Konsequenzen besprechen. Aber mit 12 fände ich ihn zu alt um komplett über seinen Kopf hinweg etwas zu entscheiden, was vielleicht große Tragweite für ihn hat.
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