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Kattia mit Tochter (Verhaltensauffälligkeiten ohne Diagnose)

 
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Kattia
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BeitragVerfasst am: 20.04.2017, 17:03    Titel: Kattia mit Tochter (Verhaltensauffälligkeiten ohne Diagnose) Antworten mit Zitat

Hallo liebe Forummitglieder,

ich habe in den letzten Tagen hier immer mal reingelesen, war erst unsicher, ob ich richtig bin mit meinem Anliegen. Mittlerweile denke ich: wo, wenn nicht hier?

Ich stelle mich erstmal kurz vor: Ich (45) bin Mama von vier Kindern, verheiratet, komme aus Norddeutschland und bin (teil)berufstätig.

Glücklicherweise sind meine Kinder gesund und entwickeln sich gut, nur meine jüngere Tochter (11) macht mir etwas Sorge.
Sie ist irgendwie anders.
Ich habe vor drei Jahren unserem KiA mal mein Leid geklagt, wir waren dann auch beim Kinderpsychologen zu einigen Untersuchungen, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass man dort erkannt hat, worum es mir geht. Eine Ergotherapie haben wir auch gemacht, ohne nenneswerte Ergebnisse oder Erfolge.
Das hat mich entmutigt oder besser gesagt, hat es mir das Gefühl gegeben, ich würde übertreiben und so habe ich erstmal nichts weiter unternommen.

Aber das Gefühl, dass sie einfach anders ist bleibt...

Sie wurde als drittes Kind geboren, nach einer problemlosen Schwangerschaft kam sie 11 Tage nach Termin ratzifatzi im Hebammenzimmer zur Welt.
Sie war ein sehr liebes Baby und Kleinkind, freundlich, sehr niedlich, ruhig und ausgeglichen, mit einer Riesenportion Charme.

Aber...sie tat sich immer schwer mit Freundschaften. Sie spielt sehr gerne mit anderen Kindern, hat sich immer überall und sofort mit anderen Kindern und Erwachsenen angefreundet (zu Männern, die sie mochte hat sie nach 5 Minuten "Papa" gesagt), jeder fand sie süß...vor allem die Erwachsenen...die Freundschaft zu anderen Kindern konnte sie nie halten.
Eigentlich ist es bis heute so. Sie hat nur eine beste Freundin (Tochter meiner Freundin), sonst nichts festes, längeres (obwohl sie es möchte).

Sie kann sich nicht einschätzen, nimmt sich nicht richtig wahr.
So merkt sie leider auch nicht, wenn sie sich unbeliebt macht oder stört.
Man muss sie darauf hinweisen ("hör´ mal auf, mit der Glocke zu läuten, es nervt langsam") und sie macht trotzdem weiter.
Selbiges gilt für ihre Schulleistungen, sie kann sich wirklich NULL richtig einschätzen.

Obwohl sie ein sehr hilfsbereites Mädchen ist (lässt sich auch manchmal ausnutzen...) hat sie wenig Empathie für andere, ich habe sehr oft den Eindruck, dass sich ihr die Gefühle anderer Menschen nicht erschliessen.
Das wiederum macht sie so "komisch" und ich denke, das ist auch der Grund, warum sich andere Kinder relativ schnell von ihr abwenden oder sie etwas mitleidig behandeln oder sie attackieren.

Sie ist insgesamt noch sehr kindlich und verspielt, obwohl sie körperlich eher älter wirkt, als sie ist.

Sie ist oft sehr laut.

Sie möchte dazugehören, weiß aber nicht wie.

Sehr wichtig ist ihr ihre Familie, sie weint sofort, wenn es Disharmonie gibt. Ich bin nach einem Streit (mit meinem Mann) mal weggefahren um mich abzuregen, das kann sie überhaupt nicht ertragen!
Sie ist sehr körperlich (schmusen, kuscheln, auf den Schoß setzen).

Sie hat extreme Stimmungsschwankungen, diese schiebe ich aber eher auf die Pubertät. Trotzdem fällt auf, dass sie eine Sekunde noch lieb mit ihrem Bruder spielt und in der nächsten Sekunde schubst sie ihn ohne Anlass vom Bett.

Sie ist sehr gerne unterwegs (wir wohnen auf dem Dorf), spielt auch hier und da mit anderen Kindern, ist aber leider unzuverlässig (kommt viel zu spät nach Hause oder ist auch mal verschwunden). Erklärungen, dass wir uns ja sorgen kommen bei ihr nicht an. Sie sagt "ja" und macht am nächsten Tag das gleiche wieder.
Leider macht sie auch oft Verbotenes, nicht aus pubertierender Rebellion, sondern weil sie einfach keine Bewusstsein dafür hat (ist mein Gefühl).

So, jetzt ist es ein langer Text geworden, aber ich hoffe so sehr, dass hier jemand eine Idee hat. Bisher bin ich auf wenig Verständnis gestossen, meist höre ich "naja, jedes Kind ist eben anders" oder ähnliches.
Ich weiß sehr wohl, dass jedes Kind anders ist, meine Vier sind alle grundverschieden. Aber meine Kleine ist eben anders anders, Very Happy



LG Kattia

_________________
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Tochter (12/2000) - fit und gesund
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Michaela44
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BeitragVerfasst am: 20.04.2017, 18:25    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Kattia,

fast alles, was du schreibst, traf auch auf mich zu, als ich ein Kind war. Das Gefühl, irgendwie anders zu sein, habe ich bis heute, nur kenne ich jetzt den Namen dafür: mit 39 Jahren bekam ich die Diagnose Asperger Autismus.

Das muss nicht heißen, dass deine Tochter auch das Asperger Syndrom hat, aber möglich ist es. Das Schwierige ist, jemanden kompetentes zu finden, der das bei ihr erkennen kann (oder gesichert ausschließt). Viele Ärzte, die sich nicht wirklich mit Autismus auskennen, würden wahrscheinlich schon nach 10 Minuten sagen, sie ist keine Autistin, weil sie Blickkontakt herstellt / Körperkontakt sucht /... Aber das ist Blödsinn.

Bei meinem Sohn hieß es immer, sein Verhalten wäre typisch Junge und ich würde ihn nicht richtig erziehen. Ich war mir sicher, da steckt mehr dahinter. Auch er hat mittlerweile die Diagnose Asperger Syndrom.

Von daher: vertraue deinem Gefühl und such dir andere Ansprechpartner. Wie weit ist Hamburg von dir entfernt? Du könntest beim Hamburger Autismus Institut anrufen, sie können dir gute Ärzte empfehlen, die sich mit Kindern auskennen, die irgendwie anders sind - ob Autismus oder nicht.

Mir hätte es übrigens viel Leid erspart, wenn ich die Diagnose früher gehabt hätte - noch ein Grund, nicht locker zu lassen.

Viel Glück und Ausdauer!
Michaela
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elke bernau
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BeitragVerfasst am: 20.04.2017, 18:43    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Kattia,
ich kann mich der Vorrednerin nur anschließen. Ich denke da ähnlich. Vielleicht findet ihr jemand der sich mit beschriebenen Verhalten bei Mädchen auskennt.

LG Elke
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Jakob05
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BeitragVerfasst am: 20.04.2017, 19:19    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Kattia,
wenn Du denkst, dass Euch eine Diagnose hilft, dann mach weiter. Ich kenne diese Odysseen auch, das Gefühl zu spinnen. Habe oft gesagt bekommen " Was soll der Junge denn noch alles haben!", meist dauerte es einige Zeit und durch Zufall kam dann aus einer anderen Ecke ein " Das ist doch wohl eindeutig, warum haben sie denn da nicht schon früher etwas unternommen!".
Mütter haben in den Augen der Ärzte oft Unrecht, reagieren über, aber ich bin mir sicher, dass meine Jungs nie soweit gekommen wären, wenn ich nicht hartnäckig geblieben wäre.
Das Verhalten deiner Tochter bezogen auf Absprachen kenne ich von meinem Grossen. Diagnose hin oder her, denke ich, dass dein Gefühl, sie macht es nicht mutwillig schon richtig ist. Bei meinem Grossen musste ich weg, von der üblichen Wenn-Dann-Erziehung, dann klappte es. Er brauchte die Ansage: "um 18.00h bist du zuhause." statt "wenn du nicht pünktlich bist, gibt es Ärger!", denn er kann bis heute viele Worte einfach nicht deuten und ihm sind Reihenfolgen oder Dinge wie Vorfreude oder Angst vor... bis heute fremd. Er möchte einfach eine klare Ansage. Eine Wahl (Pudding oder Eis) kann er bis heute kaum treffen, schon gar nicht die zwischen richtig und falsch. Am besten klappt es, wenn ich ihm - in seinem Sinne - Entscheidungen zum Abnicken vorgebe.
Folge deinem Bauchgefühl und probiere auch ohne Diagnose ruhig mal ein paar Tipps von Eltern hier aus, deren Kinder dir zu deiner Tochter ähnlich erscheinen. Das hat mir schon oft geholfen. Alle Diagnosen gibt es in unterschieldichen Ausprägungen und bei aller Ähnlichkeit sind auch Menschen mit gleicher Diagnose noch Individuen, man muss also - wie auch bei "normalen" Kindern immer ein bisschen experimentieren.

_________________
Cordula (65) mit I. (86), M. (88 mehrfachbehindert, HF-Autist), J. (†28.07.05,*02.08.05,37.SSW) + K. 10/07 (GS, HD, Laryngomalazie,Tracheostoma)
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Kattia
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BeitragVerfasst am: 20.04.2017, 20:24    Titel: Antworten mit Zitat

Erstmal vielen Dank für eure Antworten!
Ich bin fast ein bißchen gerührt, weil ich hier offensichtlich auf Menschen getroffen bin, die mich nicht "abtun". Das ermutigt mich tatsächlich, dran zu bleiben...

Besonders deine Antwort @Michaela44 ist mir besonders nahe gegangen.
Danke für den Tip, Hamburg ist tatsächlich in meinem Dunstkreis, ich werde auf jeden Fall in diesem Institut anrufen.
Erstmal muss besagte Tochter nächste Woche eine kleine OP hinter sich bringen Confused , danach gehe ich die nächste Baustelle an.

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JasperJaspie
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BeitragVerfasst am: 20.04.2017, 22:37    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Kattia,

ich würde deine Tochter auch auf Autismus testen lassen, von jemanden,
der sich damit auskennt.
Ich kann dir in Hamburg die Praxis Radizi & Co. (Barmbek oder auch Rahlstedt) empfehlen, die kennen sich mit Autismus gut aus.

LG

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Ann *1969 mit Tochterkind *1991* sowie mit Sohn Jasper *2001* Asperger-Syndrom (Diagnose Februar 2014)
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Anke72
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BeitragVerfasst am: 20.04.2017, 23:54    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Kattia!

Auch ich möchte dich ermutigen, dran zu bleiben. Wir haben zwar andere Baustellen hier, aber die Sprüche "Jedes Kind ist anders", "Das wächst sich noch aus" ... , kenne ich zur genüge. Wenn wir nicht am Ball geblieben wären, nicht immer wieder auf Auffälligkeiten hingewiesen hätten und genauere Abklärungen eingefordert hätten, wäre unser Sohn nicht da, wo er jetzt ist.
Natürlich sind wir Eltern nicht die "Experten", können keine genauen Diagnosen stellen und geeignete Therapien verordnen. Aber: Wir sind diejenigen, die unsere Kinder am besten kennen. Wir sind diejenigen, die 24 Stunden pro Tag und 7 Tage in der Woche mit unseren Kindern zusammen sind. Wir kennen unsere Kinder am besten. Und ich habe in den vergangenen Jahren festgestellt, dass mein Bauchgefühl meistens richtig war.

Deine Sorgen als Mutter sind berechtigt und es gibt niemanden, der sie so einfach abtun darf. Bleib am Ball und hol dir ein zweite Meinung ( und wenn nötig auch noch eine dritte oder vierte Wink ).
Drücke euch die Daumen, dass ihr die OP gut hinter euch bringt.

LG Anke

_________________
Anke mit Jakob (4/11 ; ehm. Frühchen 33+0), motorisch entwicklungsverzögert, Wahrnehmungsstörungen, Redeflussstörung, V.a. Wachstumsstörung, hyperreagibles Bronchialsystem, Allergien
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Kattia
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BeitragVerfasst am: 21.04.2017, 14:34    Titel: Antworten mit Zitat

Danke JasperJaspie für den konkreten Tip mit der Praxis!

Anke72, du sprichst mir aus der Seele...mich nervt das auch deswegen so, weil ich eben eigentlich ziemlich entspannt bin, nicht alles auf die Goldwaage lege und auch nicht wegen jedem Zipperlein zum Arzt gehe. Wenn ich dann aber sage: "da ist was" möchte ich gerne ernst genommen werden.
Und auch ich liege mit meinem Bauchgefühl meistens richtig...sonst gäbe es jetzt auch nicht die anstehende OP (danke übrigens für Deine Daumen Wink ). Da hieß es auch "bloß ein Harnwegsinfekt", ich habe darauf gedrängt, dass genauer geschaut wird (ich "wusste" gleich, dass das eine "größere" Sache ist) und tatsächlich hat sie eine Fehlbildung an der Blase (Urachuszyste).

Jedenfalls habt ihr mich wirklich ermutigt, das ganze nochmal anzugehen. Smile

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