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Nonverbales Kind/Verbale Dyspraxie und Schriftsprache?
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Angela77
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BeitragVerfasst am: 11.04.2017, 11:09    Titel: Nonverbales Kind/Verbale Dyspraxie und Schriftsprache? Antworten mit Zitat

Hallo zusammen,

unser Sohnemann (gerade 9) ist nonverbal und nicht in der Lage, Gebärden nachzuahmen. Beides hat seine Ursache in einer Apraxie, also der Unfähigkeit, Mundbewegungen und Ausdrucksbewegungen willentlich zu steuern bzw. zu imitieren.

Auf Dinge zeigen, Dinge reichen und auf die Tasten seines Ipads tippen konnte er aber schon gut, so dass es mir nun auf einem sehr arbeitsintensive Wege gelungen ist, ihm das Lesen beizubringen.

Durch eine Vorliebe für das Abtippen von Texten hat er die Fähigkeit entwickelt, viele Worte, Sätze auf Dikat zu schreiben Smile Teilweise nutzt er Textfragmente nun auch zur Kommunikation, was mich sehr happy macht! ...
Aber Benes Spontangrammatik ist weiterhin wirklich gruselig, obwohl er in vorgebene Sätze bei vorgegebenen Verbformen die korrekte Verbform zu etwas 90% einsetzten kann.

Ich habe gehört, letzteres Phänomen kommt auch bei Kindern mit "nur" verbaler Dyspraxie ohne Autismus vor? Nur, dass deren Grammatik idann halt in der spontanten Lautsprache anfangs eher gruselig ist.

Dass Bene die Artikel von Nomen samt Plural wie eine Fremdsprache lernen muss und später auch die Beugeformen ist klar.... Ich weiß nur nicht, wie ich das machen soll? Schematischer Grammatikunterricht ist fast schon klar ... aber wie kommt das bei einem nicht sprechenden Kind ins Sprachgefühl?

Momentan spreche ich in schriftlichen Grammatikübungen immer die Auswahl-Alternativen für Benen mit, manchmal klappt es auch schon, wenn er die Alternativen liest. Trotzdem bleibt die Frage, wie erwirbt ein nonverbales Kind Sprachgefühl?

LG
Angie

_________________
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)
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Anne_mit_2
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BeitragVerfasst am: 11.04.2017, 11:28    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Angela,

mir scheint nach Deinen Schilderungen, als müsste Bene das Sprachgefühl auf demselben Weg erwerben, auf dem er spricht, nämlich durch Lesen und Tippen.

Woher kommt das Sprachgefühl bei Kindern? Aus dem lebendigen Umgang mit der Sprache mit den Eltern, Geschwistern, KiTa-/KiGa-Freunden etc. Möchtest Du vielleicht da ansetzen und für ihn einen Chat-Kontakt (nein nicht in einem Internet-Chatroom, sondern einfach in einem entsprechenden Chat-Programm auf zwei gekoppelten Rechnern) suchen, mit dem er sich 'unterhalten' kann?

Das muss dann aber jemand mit guter Grammatik, Rechtschreibung und vernünftigem Ausdruck sein, der auch noch gut tippen kann. Ich fürchte, dass Du dafür nicht die richtige Person wärest, weil zu Dir ja schon die einseitig verbale Kommunikation etabliert ist und das daher künstlich wirken würde; es müsste schon einen vernünftigen Kontext geben, um als natürlich angenommen zu werden. Schliesslich ist Dein Bene ja nicht dumm und darf sich nicht als für dumm verkauft vorkommen.

Viele Grüße,
Anne

P.S.: Ich kämpfe gerade mit meinen beiden zweisprachigen Kindern (5 und 20), von denen jedes auch in der schwächeren Sprache alles altersgerecht ausdrücken kann, aber mit leider haarsträubender Grammatik, während die andere Sprache prima und problemlos läuft. (Tochter in Mamas Muttersprache, Sohn in Papas Muttersprache).
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rena99
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BeitragVerfasst am: 11.04.2017, 12:06    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Angie,

vielleicht wären Montessori-Materialien etwas für dich. Dort wird jeder Wortart ein eigenes Symbol zugeordnet:

http://www.wortartensymbole.de/index.html
https://vs-material.wegerer.at/mont.....ntessori/d_monte_wort.htm

Nachdem man auf diese Weise die Wortarten in Sätzen identifizieren und üben kann, ist dann die nächste Stufe die Satzanalyse:

https://www.meine-erfahrungen-mit-m.....ngen/sprache/satzanalyse/
http://www.montessori-shop.de/anlei.....tungen/satzanalyse-73.php
http://das-montessori-forum.de/viewtopic.php?t=5
https://books.google.de/books?id=P9.....20satzanalyse&f=false

Da man das alles schön bildhaft darstellen und vermutlich auch für einen Talker aufbereiten kann, würde ich mir das mal anschauen. Schön daran ist auch, dass man den Schwierigkeitsgrad langsam steigern, dabei aber zum Schluss auch sehr komplexe grammatikalische Konstrukte darstellen kann.

LG
Rena

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Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
"Jeder Zwang ist Gift für die Seele." (Ludwig Börne)
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Angela77
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BeitragVerfasst am: 12.04.2017, 09:45    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Ihr Zwei,
danke für Eure Anregungen:
@Rena: Die Basisausstattung von Montessori habe ich schon. Bene kann damit Symbpole über Artikel, Nomen, Verben und Eigenschaftswörter legen. Das war mir wichtig, damit er auch objektiv "zeigen" kann, dass er diese Worte unterscheidet. Wenn man ihn z.B. fragt: Wo könnte denn "spendieren" stehen, öffnet er im Talker auch sofort den Ordner Verben. Nur leider stehen dort kaum kompliziertere Verben wie z.B. spendieren, so dass wir zügig dabei sind, ganz auf schriftbasierte Kommunikation umzustellen, zumal Bene bekannte Wörter viel schneller tippen als mühsam auf dem Talker suchen kann Cool Ich werde mir auf jeden Fall die Anregungen zu Montessori anschauen Smile
@Anne: Schriftlicher Dialog mit anderen Kinder/Personen klappt nicht, da Bene autimusbedingt nicht wirklich an Dialog interessiert ist. Das ist noch eine eigenen Baustelle. Viel lesen lassen und ggf. auch abtippen (wenn er mag) ist eine gute Idee. Ich schaue mal, dass ich Geschichten in Dialog-Form finden, vielleicht sogar welche die Benes Lieblingstrickfilme veschriftlichen Wink

Liebe Grüße
Angie

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UrsulaK
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BeitragVerfasst am: 12.04.2017, 10:40    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Angela,

wir haben ein ähnliches Problem bzgl. Sprache bei einem autistischen Kind, nur das mein Sohn Lautsprache entwickelt hat. Er spricht aber sehr dysgrammatisch.
Ich stehe also auch vor dem Problem wie bringt man seinem Kind grammtische Sprachstrukturen etwas näher.
Die Verbbeugung setzt voraus, das man auch die Personalpronomen kennt, also ich und du unterscheiden kann. Das ist bei autistischen Kindern erstmal ein Problem.
Als das halbwegs geläufig war bei meinem Sohn, habe ich mit der Verbbeuung mit ich und du weitergemacht, später dann auch die 3. Person Einzahl und jetzt auch Mehrzahl dazugenommen.
Die Sätze habe ich visualisiert, also z.B. für einen Satz wie
"Ich fahre mit dem Bus" oder "Du fährst mit dem Auto" für Satzsegmente ein Bild hingelegt.
Für Ich und Du ein spezielles Bild, für das Verb fahren eine Bild und wiederum ein Bild für das Objekt im Satz.
Dann mußte mein Sohn das versprachlichen, also den passenden Satz dazu sagen. Dann habe ich den Satz auch nochmal geschrieben druntergelegt, da mein Sohn auch lesen kann.
Als das halbwegs geläufig war, habe ich im Alltag begonnen meinen Sohn zu fragen "was machst du gerade" oder "was macht die Mama gerade".
Das ist wichtig, damit die Kinder lernen Satzstrukturen automatisiert anzuwenden.

Vlt. kann Dein Sohn ja stattdessen die Sätze "was mache ich" auf seinen Talker eintippen.

Ich selbst habe übrigens eine Javaskript Anwendung entwickelt, mittels der solche Sätze am Rechner angezeigt werden.
Zum Lernen von Artikeln habe ich viel mit einem Programm (der-die-das) von Logopinjo gearbeitet.
Das hat auch seinen Wortschatz stark erweitert.

Gruß,
Ursula

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Eric, (März 2005), Autismus Spektrum Störung, Verbale Dyspraxie, Dysgrammatismus
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Angela77
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BeitragVerfasst am: 12.04.2017, 11:32    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Ursula,

danke für die Tipps Smile

Ich und du ist kein Problem (mehr) Wink

Ich habe für Bene "Lexiko Kasus" auf dem Ipad.
http://www.pappy.ch/de/apps/lexico-kasus/

Er hat das eigenmotiviert hunderte Male gespielt. Es ist eigentlich perfekt für Autisten geeignet, um immer wieder dieselben Sätze/Worte in unterschiedlichen Beugeformen zu hören.

Aber ob letzteres wirklich zu mehr Sprachgefühl führt, also ob er die Bildung der Fälle übertagen kann, wag ich zu bezweifeln. Vielleicht wäre die Grammatik aber ohne Lexiko Kasus noch schlechter Sad

Für das Artikel lernen, (UND Silbentrennung, Wortschatz, Artikulation) hätte ich Lexiko Artikulation nutzen können (kostet aber um die 50 Euro). Im Vergleich zu eurem Programm bietet Lexiko Artikulation zwar viel mehr (und geht per App). AberEuer Programm scheint viel anschaulicher und - ich könnte so Bene vielleicht an die Bedienung einer PC Maus gewöhnen Idea

Letzteres fände ich sehr wichtig, um Bene den Weg die Benutzung von Multitext als PC-basiertes Schreib, Rechen- und Zeichenprogramm zu erleichtern.

Letzteres würde ich nach unserem Wechsel auf die Grundschule (vor sechs Wochen) zum nächsten Schuljahr gerne beantragen, weil Bene sonst mittelfristig nicht mehr sinnvoll mitarbeiten kann.

Arbeitet Eric denn mit Multitext? Und: Braucht Eric das genannten PC-Programm noch? Ich würde es euch sonst gerne abkaufen Cool

LG
Angie

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SimoneChristian
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BeitragVerfasst am: 12.04.2017, 11:58    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Angela77,
ich habe ja einen sprechenden Autisten hier, der so halbwegs altersgerecht in der Grammatik ist.
Allerdings sind Plural und Beugeformen auch ein Problem.

Mir scheint bei uns der Trick zu sein, mühsam zu jedem, für ihn wichtigen Satz, zeitnah andere Zeit und Beugeformen anzubieten.

"Ich freue mich" - "Du freust dich" "Papa freut sich auch"

Also ähnlich, wie man für Sprechanfänger die Sätze korrekt wiederholt.

In der Theorie müsstest du das also auf dem Talker machen. Very Happy

Wir haben übrigens auch gerade Multitext mit Sprachausgabe beantragt.
Das kann die einzelnen Laute dann zu ganzen Wörtern zusammenziehen. Ich war total begeistert.

Für wenige Minuten haben wir einen komplexen Talker ausprobiert, dessen Name mir natürlich entfallen ist. Confused
C. war begeistert, weil er damit so viel Unsinn machen konnte.
Das Teil konnte die grammatikalisch korrekten Formen eigenständig generieren.

Zur Mausbedienung: Das klappt bei uns schon lange, wenn man mit der Maus den Lieblingsfilm auswählen kann. Laughing
Als zwischen Stufe wäre vielleicht auch ein Touch-Pad denkbar.

LG
Simone

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C. (*9/11) Sprachentwicklungsverzögerung, Regulationsstörungen des Kindesalters
atypischer Autismus (Diagnose 07/15)
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Angela77
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BeitragVerfasst am: 12.04.2017, 12:11    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Simone,
oh ja: Verbformen rhythmisch gesprochen liebt mein Sohn auch Wink Auf irgendeiner DVD von den Jungen Dichtern und Denkern wurde ein Lied mit genau diesen Sprachstrukturen gerappt Wink Er liebte es.... Er kann prinzipiell auch auf dem Ipad selbst Verbformen "rhytmisch" bilden, weiß also, was ein Wortstamm ist und was er anhägen muss., zumindest so lange alles in der korrekten Reiehnfolge kommt. Aber der Übertrag in die Spontansprache klappt nicht ... Mhhhmmmm... Vielleicht mehr üben. Wir "arbeiten" ja noch nicht lange schriftlich ...

PS: Habt ihr Metatalk auf dem Talker ausprobiert? Damit war die Beugung für Sohnemann auch gar kein Problem: Denn die gebeugten Formen haben exakt dasselbe Bild wie du zugehörigen Fürwörter Laughing Memory quasi Cool

Übrigens lieben die gesunden Kinder hier in der Umgebung Metatalk auch sehr, weil man so schön Quatsch schreiben, kann ohne Schreiben oder Lesen können zu müssen Wink

LG
Angie

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UrsulaK
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BeitragVerfasst am: 12.04.2017, 12:28    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Angela,

also das Logopinjo Programm "der-die-das" würde ich gerne noch eine Weile behalten.
Man kann es hier bestellen:
http://logopaedix-verlag.de/shop/in.....th=3_4&products_id=18
Kostet allerdings auch ca. 40 € .

Mulitext benutzen wir noch nicht. Mein Sohn hat bisher in der Gundschule mit dem Bleistift geschrieben. Das geht, wenn er auch sehr langsam ist.

Zum Thema Übertrag in den Alltag, da würde ich wirklich empfehlen, die Sprache immer wieder einzufordern, oder eben in Eurem Fall das "Talken".
Um ein Beispiel zu nennen für die Benutzung der Artikel. Frage "wer kann krähen". Die Antwort sollte dann "der Hahn" sein und nicht nur "Hahn.
Oder "Wer kann schnell fahren?", Antwort: "das Rennauto" etc..
Das eignet sich auch gut, um z.B. nach den Lieblingsthemen des Kindes zu fragen.

Gruß,
Ursula

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SimoneChristian
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BeitragVerfasst am: 12.04.2017, 13:01    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Angela77,
Metatalk hatte die Dame auch dabei.
Aber das, was ich meine war mit dem Kernvokabular direkt auf der ersten Seite.
Häufige Nomen links, häufige Verben rechts.

Aber wir waren uns einig, dass wir erstmal keinen Talker brauchen, deshalb habe ich mich damit nicht näher beschäftigt.

Wir haben hier noch miniLük Sprachtrainer 3 - Sprachstrukturen entdecken.
Ich weiß nicht, ob sich das für eure Zwecke bearbeiten lässt.
Für uns funktioniert es, wenn wir es zusammen machen ganz klassisch mit dem miniLük Kasten.

Ansonsten steht und fällt das ganze mit der Motivation.
Also vielleicht in Benes Fall "Wer lässt den Rolladen herunter?" Very Happy

LG
Simone

P.S. Vielleicht hätte ich noch einen Logopäden Tipp für euch. Meld dich doch bei Interesse.

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