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Lena mit A. (V.a. Wahrnehmungsstörung oder Autismus)
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Lena.mit.A.
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BeitragVerfasst am: 17.03.2017, 15:33    Titel: Lena mit A. (V.a. Wahrnehmungsstörung oder Autismus) Antworten mit Zitat

Hallo.
Ich bin neu hier und heiße Lena (29 Jahre alt), verheiratet, habe eine 3 jährige Tochter A. (geboren Nov 2013) und zweites Kind ist unterwegs (Mai 2017).
Unsere Tochter A. bereitet mir zurzeit extreme sorgen. Auffällig wurde sie für mich letzten Sommer (bis dahin unauffällig) und seitdem bin ich nun auf der Suche was sie hat (falls sie überhaupt was hat). Im Internet bin ich auf Autismus gestoßen (da sie nicht immer auf ihren Namen reagiert hat (besonders wenn unbekannte mit ihr sprechen), spät mit dem reden und gutem Gedächtnis).

Sie spricht noch nicht so gut, wie ein Kind in ihrem Alter sollte (und immer fast im flüsterton) und ich glaube dass ihr Sprachverständnis nicht altersentsprechend ist (sie kann mir nicht auf "Warum"-fragen antworten oder z.B. ob es draußen regnet. Frage ich sie was sie möchte, sagt sie wohl "Ich /A. möchte Milch trinken"). Sie redet von sich in der dritten Person und versteht auch kein "Mein/Dein" oder "Mir/Dir".

Sehr oft ist sie verträumt und redet vor sich hin (Geschichten die ich ihr erzählt habe oder GesprächsFetzen aus de Kindergarten oder sie singt) oder lacht vor sich.
In der Kita (zurzeit noch Krippe) ist sie immer für sich und will nicht mit anderen spielen. Sie wechselt auch sehr oft ihre Aktivitäten. Manchmal aber imitiert sie ein Kind (und folgt ihm) und lacht mit ihm.

Sie zieht sich manchmal extrem zurück. Als wir im Urlaub mit mehreren Familien waren (zusammen in einem Haus), war die komplett in dich gekehrt. Hat nicht mit den anderen Kindern gespielt und hat für sich gesungen und getanzt (hat aber manchmal geschaut was die machen).
Manchmal spielt sie kurz mit einem Kind, aber wenn sie genug hat und nicht mehr möchte und das Kind kommt ihr "zu nahe", dann läuft sie zu mir und fängt an zu weinen (war aber noch nie aggressiv gegenüber anderen oder sich selbst)
Sie liebt zahlen und muss diese überall benennen wenn sie die sieht (immer und ständig)

Sie bleibt nie lange an einem Spiel, außer dem toben natürlich.
Spielt keine Rollenspiele

Ist auch mal mehr, mal weniger ängstlich.
Und sie muss an jedem Spiegel stehen bleiben und dort Grimassen schneiden und herumtanzen.
Sie kommt mir selber jünger als 3 Jahre vor und am schlimmsten ist es dass sie nicht alles versteht und nichts erzählen kann (z.B. was sie in der Kita gemacht oder gegessen hat)

Sie kann aber gut Blickkontakt aufnehmen und halten.
Reagiert wohl auf ihren Namen (wenn man ihn spätestens zweimal ruft).
Zeigt mit dem Finger auf alles und sagt dazu was ("Das Haus hat die Nummer 65").
Imitiert Grimassen.
Mit 2,5 konnte sie bis 100 zählen. Das Alphabet vor und rückwärts (aus dem Kopf) benennen, alle Formen und alle Farben. Mit drei hat sie irgendwo das Alphabet auf englisch gehört und kann es nun auch, sowie bis 10 auf englisch zählen.
Sie puzzelt sehr gut und schnell.
Lernt Gedichte, Lieder und Geschichten sehr schnell auswendig und gibt sie Wortgenau wieder.
Liebt Lieder und Geschichten (kann sich darauf gut konzentrieren und hört aufmerksam zu).


Von der Kita empfohlen (weil sie nicht mit anderen spielen will) kam nun jemand von der Frühförderung der sich A. angeschaut hat. Zitat: "A. ist ein besonderes Kind. Frühförderung ist hier notwendig". Sie glauben nicht dass es Autismus ist, sondern eher eine Wahrnehmungsstörung (einige kleine autistische Züge da, aber wesentliche eindeutige Punkte die gegen Autismus sprechen). Sie hält den Stift noch mit der Faust und kann da ihre Kraft nicht dosieren (malt aber schon eine Sonne mit Gesicht) und sie wirft den Ball nicht mit gehörend Kraft.
Im Sommer soll sie als I-Kind in den Kindergarten.
Ich war auch schon bei der Autismus Ambulanz (nur zum Gespräch) und diese vermuten auch kein Autismus sondern auch Wahrnehmungsstörung.
Zur sicheren abklärung haben wir im Juni ein Termin beim SPZ und beim Pädaudiologen.

Nun mache ich mir große sorgen wie ihre Zukunft aussehen wird. Kann man jetzt schon irgendwie sagen ob sie eine geistige Behinderung hat und ob sie jemals auf eine Regelschule gehen wird? Was hat sie bloß? Warum ist sie anders als andere?

Verzeiht mir meinen langen Text. Ich hoffe irgendjemand hatte auch solche Verhaltenszüge bei seinem Kind Beobachtet und kann mir weiterhelfen. Die Ungewissheit macht mich fertig und ich bin nur noch am weinen.
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Mascha2013
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BeitragVerfasst am: 17.03.2017, 16:46    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Lena,

erst einmal herzlich willkommen hier! Also ich finde, nach deinen Beschreibungen kann deine Tochter doch ziemlich viel! Ich glaube nicht, dass sie geistig behindert ist. Das mit den Wahrnehmungsstörungen könnte schon hinkommen. Mach dir nicht zu viele Sorgen, deine Tochter wird ihren Weg gehen! Es ist blöd, nicht zu wissen, was die Zukunft bringt, aber kein Arzt der Welt wird dir 100-prozentig sagen können, was in ein paar Jahren ist. Das Einzige, was sie dir werden sagen können, ist, dass dein Kind wohl nicht geistig behindert ist, wenn es über solche Fähigkeiten verfügt, wie du sie beschreibst. Mein Kind ist in manchem ähnlich wie deins (nur dass es deutlich weniger kann) und selbst da wird gesagt, dass es wohl im Bereich Lernbehinderung einzuordnen ist. Aber sicher sagen kann mir das auch keiner. Man lernt damit zu leben! Und selbst wenn meine Tochter irgendwann in eine Förderschule und ein betreutes Wohnen muss, ist das für mich nicht mehr der Weltuntergang (war es anfangs auch, ich kann deine Gefühle also gut verstehen). Wichtig ist doch, dass es den Kids gut geht. Und aus deinen Zeilen lese ich heraus, dass deine Tochter das Leben genießt. Nicht alle Kinder müssen gleich sein. Meine Tochter ist auch total anders, aber sie wird von den anderen Kindern im Kindergarten akzeptiert und sogar zu Geburtstagen eingeladen. Also: Kopf hoch! Es wird sich schon alles fügen! Daran musst du ganz fest glauben!

Liebe Grüße
Mascha

_________________
Mascha mit Lucie *3/2013, Entwicklungsverzögerung ohne Diagnose
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Susanne1987
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BeitragVerfasst am: 17.03.2017, 19:04    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Lena,

es könnte durchaus eine Wahrnehmungsstörung sein. Wir haben damit schon so viele Jahre Erfahrung, und ich kann dir nur den Rat geben, lass dich nur nicht verrückt machen. Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht und deine Tochter kann für ihr Alter schon eine Menge. Smile Je gelassener ihr mit eurer Tochter umgeht, umso besser wird sie sich entwickeln. Frühförderung ist prinzipiell gut, nur wurde bei uns immer gleich "der Teufel an die Wand gemalt" und das Schlimmste prognostiziert. Als Mama braucht man da wirklich ein dickes Fell.

Ich würde als Erstes mal ausführlich mit dem Kinderarzt im SPZ sprechen, vielleicht liegt ja eine Hör- oder Sehstörung vor. Evtl. auch etwas anderes Körperliches.

Bei uns war Manches früher sehr ähnlich wie bei euch. Z. T. noch viel Schlimmer. Mia konnte bis 4 gar nicht sprechen, hat bis 5 fast nichts verstanden und ist mit 5 noch beim Laufen alle paar Minuten hingefallen (Muskelhypotonie). Dazu kamen noch extreme Ängste, z. B. vor Geräuschen. Heute geht unsere Mia ihren Weg, man merkt ihr immer weniger an.

Ich habe mir angewöhnt, immer nur an den heutigen Tag zu denken und ihn gemeinsam zu genießen. Lies mal das Buch: Kindheit ist keine Krankheit ! Ich kann es super empfehlen.

Alles Gute !!

LG Susanne

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Mia'10: auditive Wahrnehmungsstörung nach langjähriger sehr starker Schwerhörigkeit, Hypersensibilität

Fabienne'14 : gesund
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Leela
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BeitragVerfasst am: 18.03.2017, 02:11    Titel: Antworten mit Zitat

HI;
mein Sohn hat sich teilweise sehr ähnlich verhalten, konnte zählen und Buchstaben, noch bevor er 2-Wort-Sätze sprechen konnte, hat auf Ansprache nicht reagiert, ist mir immer weggelaufen und und und. Es ist inzwischen viel besser geworden. Lesen kann er bisher immer noch nicht, das war wohl nur so ein Interesse für Symbole, keine besondere Begabung.

Ich musste gerade vor ein Paar Tagen auch eine Mutter auf dem Spielplatz beruhigen, deren Kind auch ziemlich komisch ist: spricht wenig und schlecht, reagiert nicht, wenn sie ihn ruft, als wäre er taub; kann aber mit noch nicht mal 3 Jahren (geb. im Juni) offenbar lesen, zumindest einzelne Worte, nicht fließend, liest aber die einzelnen Buchstaben und sagt dann laut das Wort.
Er kann sich mit ihrem Smartphon Internet im Fernseher einschalten, dann Youtube aufrufen und seine Lieblingsfilme auswählen. Er nimmt das Telefon , sucht die Nr. des Vaters in der Kontaktkiste und ruft ihn an. Er kennt das Passwort vom Computer, kann sich einloggen und öffnet Word und schreibt. Mit anderen Kindern will/kann er nicht spielen, ist aber in dem Alter noch normal. Das hat uns damals auch unsere Tagesmutter gesagt: sie hatte selten Kinder, die in dem Alter länger miteinander gespielt haben, die meisten spielen nur nebeneinander, damit habe ich die Mami etwas beruhigt.
Blickkontakt kann der Junge ohne Probleme halten und hat sonst keine Auffälligkeiten.
Vielleicht ist Deine Tochter sogar hochbegabt, oder sehr sensibel.

Ich kenne Eltern, die sich wegen Kleinigkeiten Sorgen machen, Kinder sind aber unterschiedlich und die meisten haben kleine Besonderheiten.
Und dann kenne ich Eltern, deren Kinder tatsächlich auffällig sind und sie ignorieren das komplett. Ein Junge - fast 4 - schreit wie verrückt, wenn man ihn anfasst/streichelt und ist dann noch stundenlang beleidigt, hat mich noch nie freundlich angeschaut, kuckt immer böse, habe ich noch nie mit Lächeln gesehen; am liebsten wwürde ich die Mutter darauf ansprechen, ich weiß aber nicht, ob sie dann nicht beleidigt ist. Sie erzählt immer stolz, was er schon alles kann und scheint sich keine Sorgen zu machen.

Deine Tochter kann ja schon sehr viel, warum sollte sie nicht auf eine normale Schule gehen können. Fördern kannst Du sie selbstverständlich, gib ihr aber noch etwas Zeit, mache Kinder brauchen mehr Zeit. Bei meinem Sohn war es auf jeden Fall so und ich habe mir sehr lange Sorgen gemacht. Jetzt langsam werde ich entspannter.
LG

LG

_________________
Sohn geb. Juni 2013 (5 Wochen zu früh, nach vorz. Blasensprung), Hirnblutung.
Ende 2016 immer noch leicht hypoton und motorisch nicht ganz fit, aber angeblich nicht mehr entwicklungsverzögert.
Test auf NF1 war negativ, damit ist die NF1 "zu 95% ausgeschlossen", also leider nicht wirklich ausgeschlossen Sad
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AngelaMeyer
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BeitragVerfasst am: 19.03.2017, 00:14    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Lena,

ich habe 2 Kinder, deren Asperger und HB und der andere hat einen Gendefekt bei dem auch Autismus drin stecken soll und neben vielen anderen Baustellen auch eine gestiegen Behinderung. Der letztere ist im Alter deiner Tochter. Daher kenne ich beide E den der Intelligenz-Skala.

Deine Tochter ist mit den Fähigkeiten bzw dem Wissen ganz sicher nicht geistig behindert, ich stimme Leela zu, dass es eher auf eine Hochbegabung hinweisen könnte. Selbst mein Grosser, der immer eine grosse Begeisterung für Zahlen hatte, konnte das in dem Alter noch nicht! Er ist auch immer vorgelaufen. Hat sich Jahre lang immer Lego gewünscht, damit bei Feuern eine Ausrede hatte sich zurückzuziehen. Die richtigen Probleme begannen im Schulalter. In der ersten Klasse wurde dann auch der erste IQ Test gemacht. In der 3. Klasse waren dann jn ejner Tagesklink und der Asperger wurde festgestellt.

Asperger udn Hochbegabung sind sich in manchen Symptomen sehr ähnlich und nicht immer klar voneinander abzugrenzen. Besonders der Mädchen bleiben oft undiagnostizierte Asperger, weil sie es oft gut kompensieren können. Mein Sohn ist auch nicht genau so eon Asperger wie er im Buche steht. Eine seiner Klassenlehrerinne hatte in den Ferien extra 2 Bücher gelesen um sich vorzubereiten, sie meinte erleichtert er wäre ganz anders. KindEr big ejnem hohen IQ bekommen oft einen kognitivern Zugang zu Situationen, die einem Asperger normalerweise schwer fallen. Dadurch fallen sie weniger auf.

Ich würde an eurer Stelle einfach jetzt alle Hilfen und auch weitere Diagnostik (SPZ, Wahrnehmungsstörung, Pädaudiologie, I-Platz udn Frühförderung) mitnehmen. Ein IQ Test soll angeblich erst ab 5 Jahren aussagekräftig sein. Da habt ihr noch Zeit. Wenn ihr wirklich nochmal genauer nach der Autismus Sache schauen wollt, vorallem falls der Leidensdruck größer wird, würde ich mich später nochmal an eine gute KJP wenden, das SPZ ist meistens weniger hilfreich bei einer Autismus Diagnostik.

LG Angela

_________________
Sohnemann *2001 Asperger und HB
Minimann *2013 geboren mit 6. Zeh und Hypospadie (OP Anfang 2015), globale Entwicklungsstörung, geräuschempfindlich und (taktile) Wahrnehmungsstörung und seit März 2016 Epilepsie. Nach einem 2 Jahre dauernden tränenreichen Umweg über das Bardet Biedl Syndrom seit Februar 2016 endlich die Diagnose SYNGAP1 Mutation.
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Lena.mit.A.
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BeitragVerfasst am: 19.03.2017, 06:04    Titel: Antworten mit Zitat

Vielen lieben Dank für eure Antworten. Es freut mich sehr dass ihr antwortet (man fühlt sich dann gleich nicht so alleine).
Also hochbegabung schließe ich aus, da sie sonst sprachlich viel weiter und besser wäre. Oder wenigstens ihr Sprachverständnis altersgerecht wäre (was mir am aller meisten Sorgen bereitet). Deswegen vermuten viele auch Autismus bei ihr (sehr gute Merkfähigkeit, aber auffälliges sozialverhalten, beeinträchtigte Kommunikation und oft am träumen bzw. vor sich her plappern).
Haben nicht auch geistig Behinderte Autisten solche Fähigkeiten (glaube mich zu erinnern, sowas oft gelesen zu haben). Ich habe oft gehört dass die Sprache der wichtigste Hinweis und Zustand für die Intelligenz ist. Stimmt das?
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Anna-Alice
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BeitragVerfasst am: 19.03.2017, 06:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Lena,

aus der Sicht einer Erziehungswissenschaftlerin mit HB und (Asperger-)Autismus in der Familie:
Die (Laut-)Sprache ist beim Menschen extrem ausdifferenziert und sehr weit entwickelt und daher das stärkste Ausdrucksmittel. Von daher kann man anhand der Verwendung von Sprache schon gewisse Rückschlüsse auf den mutmaßlichen IQ ziehen (Sprache ist beim Menschen das Mittel zur Abstraktion und ein wichtiger Faktor des IQ ist die Abstraktionsfähigkeit). Wichtig ist dabei der Begriff "mutmaßlich" - die Sprache ist nur ein Hinweis von vielen (Beispiel aus meiner eigenen Familie: Mein Bruder und ich sind beide hb, ich sehr früh sprechend (und von Anfang an dem Entwicklungsalter voraus), mein Bruder ein Late-Talker. Ich habe eine Wissenschaft studiert, bei der Sprache bzw. Ausdruck durch Sprache eine enorm große Rolle spielt, mein Bruder dagegen eine Wissenschaft, die sich über Zahlenwerte ausdrückt. Wir sprechen beide völlig "normal", ich kann mich aber (wenn ich will) deutlich elaborierter ausdrücken und mit mir zu diskutieren macht den meisten Leuten keinen Spaß Wink. Der IQ ist bei mir und meinem Bruder praktisch gleich, aber auf verschiedenen Gebieten unterschiedlich stark ausgeprägt und bei mir ist die Sprache auch anders "ausgebildet" worden).

Allein von der Sprache bzw. ihrer Verwendung auf den IQ zu schliessen (Wenn-Dann-Kausalität) wäre absolut fahrlässig und inadäquat. Nicht umsonst gibt es nonverbalen IQ-Tests - die Sprache ist nur einer von vielen Hinweisen auf den IQ und es gibt sehr viele Menschen, die entweder komplett nonverbal sind oder "anders" sprechen/Probleme mit dem sprachlichen Ausdruck haben etc. und dabei einen Norm-IQ haben oder im Bereich der HB liegen.

Wenn Deine Kleine Auffälligkeiten im Bereich des Sprechens und des Sprachverständnisses zeigt, dann ist es sicher gut dem nachzugehen (in erster Linie um ihr helfen zu können, denn nicht verstehen und nicht verstanden werden birgt eine Menge Frustpotenzial) - aber es ist keine Wenn-Dann-Kausalitätsverbindung zu ihrem IQ möglich.

Viele Grüße,
Anna
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Lisaneu
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BeitragVerfasst am: 19.03.2017, 12:32    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo liebe Lena,

erst mal herzlich willkommen hier!

Zum Thema Begabung und sprechen kann ich mich Anna-Alice vollinhaltlich anschließen. Was Begabung, Hochbegabung oder "geistige Behinderung" betrifft vermute ich, dass du nicht so gut informiert bist. Ich hoffe, hier etwas aufklären zu können und bitte die "Profis" hier um Korrektur, falls ich was falsch erkläre Wink .

Der IQ ist das (mMn oft überbewertete) Maß der kognitiven Leistungen wie Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Lernfähigkeit, Fähigkeit zur Problemlösung usw. IQ-Tests geben Aufschluss über die Richtung, sind jedoch immer nur eine Momentaufnahme und gerade bei kleinen Kindern, die noch nicht so gelernt haben, genau wenn es abgerufen wird, etwas machen zu "müssen" sind IQ-Tests noch nicht sehr aussagekräfig. Die Tests werden ständig angepasst, so dass ein durchschnittlicher IQ zwischen 85 und 115 liegt. Knapp 70% der Bevölkerung (unabhängig vom Alter) sind in diesem Bereich. Darüber gilt der Bereich IQ115-130 als "begabt", und über bzw. ab 130 als "hochbegabt". Darunter gilt man im Bereich 70-85 als "lernbehindert" und unter 69 spricht man von "Intelligenzminderung", was umgangssprachlich auch "geistig behindert" genannt wird.

Ich habe zwei Söhne, einen vermutlich hochbegabten 7ährigen (nicht getestet) und einen gehörlosen, autistischen 4jährigen, der trotz Hörimplantaten verweigert, seine Horchis zu tragen, und daher gar nicht spricht. Mein jüngerer Sohn ist deiner Tochter sehr ähnlich. Er interessiert sich sehr für Zahlen und Buchstaben, erzählt nie was von sich, ist sprachlich auch in Gebärdensprache ca 1 1/2 Jahre "hinten" und lebt oft ganz in seiner eigenen Welt. Vor einem halben Jahr hatte er eine nonverbale Entwicklungsdiagnostik, wo auch ein IQ ermittelt wurde. Bei ihm ist der Wert 101 also durchschnittlich. Wenn man sich die Teilergebnisse ansieht merkt man aber, dass es Bereich gibt, wo mein Sohn "hochbegabt" ist und andere wo er "minderbegabt" getestet wurde. Im Befund ist noch schriftlich vermerkt dass er in einigen Teilbereichen (denen, wo "minderbegabt" oder "lernbehindert" rausgekommen ist) nicht sein volles Potential gezeigt haben dürfte. So sollte er z.B. Karten nach Bild-Motiven sortieren, hat das aber nicht "geschafft" weil auf den Karten auch winzige Zahlen aufgedruckt waren und mein Sohn die Karten daher numerisch sortiert hat. Sprich: sein IQ liegt vermutlich höher als das Testergebnis schließen lässt, wenn auch ziemlich sicher nicht im HB-Bereich.

Diese Fakten sind eine Sache, wie meine Kinder auf andere Menschen, die sie nicht kennen, wirken, ist eine andere. Mein älterer Sohn wurde immer für seine offensichtliche Klungheit sehr bewundert, weil er sprachlich sehr fit war und oft noch - da klein und zart - jünger geschätz wurde. Mein jüngerer Sohn ist sehr groß (97. Perzentille) und spricht gar nicht, lautiert aber viel und unverständlich. Für Außenstehende wirkt er wie ein 6jähriges, geistig behindertes Kind und nicht wie ein normal intelligenter, gehörloser 4jähriger.

Deine Tochter ist jetzt 3 Jahre alt. In dem Alter läßt sich überhaupt noch nicht abschätzen, wie es weiter gehen wird. Die Stereotypen (auswendig-lernen, Interesse für Buchstaben und Zahlen) müssen nicht auf eine Störung hinweisen. Ich selbst (getestet HB) habe längst vor meinen ersten eigenen Sätzen etliche Lieder und Gedichte auswendig und habe sie vor mich hin geplappert. Deine Tochter kann ganz einfach ein late-talker sein und in ein, zwei Jahren hat sie alles aufgeholt.

Es kann auch tatsächlich mehr dahinter stecken (was man jetzt mMn absolut noch nicht sagen kann) und sie zeigt nach und nach immer mehr z.B. autistische oder sonst auffällige Verhaltensweisen.

Aber auch wenn das der Fall sein sollte bin ich mir - nach deiner Beschreibung zu schließen - ziemlich sicher, dass keine "geistige Behinderung", also kein IQ unter 69 bei ihr vorliegt.

Das Leben mit einem besondern Kind unterscheidet sich meiner Beobachtung nach vom Leben mit gesunden "neurotypischen" Kindern, weil man als Eltern nicht so weit vorherplanen kann. Die Gedanken müssen von der fernen Zukunft (Was für eine Schule? Welche Berufsaussichten? Wird mein Kind mal Freunde finden? Wird es gemobbt werden? Kann ich meine Arbeit weiter ausüben? Muss es in ein Heim?) in die Gegenwart zurück kommen. Planung ist nur noch kurz- oder mittelfristig möglich.

So vorgezeichnete Lebenspläne "nach der Volksschule kommt xx in dieses oder jenes Gymnasium und wird dann studieren, Karriere machen, einen Partner finden, Familie gründen, Freunde haben, alt werden,..." stellen sich auch bei gesunden Kindern immer wieder als Fiktion heraus. Bei besonderen Kindern kann man solche Hirngespinste gleich bleiben lassen. Es geht um die nächsten Wochen und Monate, bestenfalls um das nächste Jahr. Dann kann man nach der dann aktuellen Situation weiter überlegen. Und es ist gar nicht so schlimm, wie es sich im ersten Moment anhört Wink !

_________________
HB-Bub, 2010, Plaudertasche + Leseratte
Dickschädel vom anderen Stern , 2012, gehörlos, Autist
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JessicaM
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BeitragVerfasst am: 19.03.2017, 13:37    Titel: Antworten mit Zitat

Lisa,das hast du toll geschrieben!
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Susanne1987
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Beiträge: 153
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BeitragVerfasst am: 19.03.2017, 21:20    Titel: Antworten mit Zitat

Bei uns fallen die IQ Test sehr unterschiedlich aus. Selbst die Unterstest fallen von weit unterdurchschnittlich bis überdurchschnittlich sehr breit gestreut aus. Das Ergebnis der IQ Test reicht von LB bis HB, je nach Test. (Ich halte von den Test nicht viel).

Auch im Alltag fallen Stärken und Schwächen auf. Mia hat sich das Lesen und Schreiben selbst beigebracht, kann sich aber keine 3 Zahlen merken.

Ich habe mir abgewöhnt, mir zu viele Gedanken um Mias Zukunft zu machen. Wir werden jeden Tag das Beste aus der Situation machen.

LG
Susanne

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