Konfirmation u. Firmung - wie Unterricht gestalten?

Hier könnt ihr Diskussionen bezüglich religiöser Fragen und Meinungen führen - oder auch einfach über religiöse Feste wie Taufen, Konfirmationen etc. brichten. Für Familien mit besonderen Kindern haben religiöse Sitten und Gebräuche schließlich auch einen besonderen Charakter.

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fini
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Beitragvon fini » 09.04.2013, 19:52

Hallo

Melanie hat bei der Firmung nicht verstanden was hier gefeiert wird.
Das hat sie aber bei der Taufe aber auch nicht und es ist trotzdem gemacht worden.
Die Firmung war ein schöner Tag für sie, wir freuen uns noch jetzt darüber, das sie trotz ihrer Behinderung diese Möglichkeit bekommen hat daran teilzunehmen.
Fände ich nicht toll, wenn die Kirche Unterschiede zwischen Behinderten und Gesunden machen würde.

Liebe Grüße Fini

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Beitragvon Sabine » 09.04.2013, 20:07

Hallo Ulla,

ich sehe es so wie von Fini beschrieben. JP kann nicht selbst entscheiden, also müssen wir das für ihn tun. Tim und Lea werden auch konfirmiert werden - dann sind sie 13; wir sind in der Ev. Kirche und wünschen uns dies für alle unsere Kinder. Ich fände es auch nicht schön, hier zwischen unseren Kindern Unterschiede zu machen - nur aufgrund der Behinderung.

LG
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Ullaskids
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Beitragvon Ullaskids » 10.04.2013, 07:38

Hallo,
nicht dass wir uns falsch verstehen... ich fände es auch nicht gut, wenn von der Kirchenseite her ein Kind ausgeschlossen würde. Es ist schon unsere Entscheidung als Familie. Und bei der Taufe war sie 6 Monate alt, da war noch nicht abzusehen, dass ihr Verständnis mal so gering sein würde.

Ich finde es sehr bedenklich, wenn eine Gemeinde (oder auch manche hier) die Einstellung hat, jemand gehöre ohne den speziellen Segen bei der Konfirmation nicht richtig zur Gemeinde.
Es kann doch nicht an dem einen äußeren Segen hängen, ob man nun "dabei" oder "angenommen" ist oder nicht...?
Zumal meine Tochter niemals am Abendmahl teilnehmen könnte, auch nicht an der Konfirmation selbst, da es dort üblicherweise keinen Pürierstab in der Nähe gibt :roll: also diese Äußerlichkeit würde ohnehin wegfallen.

Und genau darum geht es mir... Die Zeremonie als solche ist eine Äußerlichkeit, die gefüllt werden muss von der betroffenen Person, die dies aber nicht kann. Noch nicht mal auf basale Art und Weise, weil hier einfach für sie kein Unterschied besteht zu anderen basalen Angeboten.
Viele Grüße,
Ulla mit Tochter (15): Gendefekt, Epilepsie, Skoliose etc.

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Beitragvon Claudi-BaWü » 10.04.2013, 07:48

Hallo,

ALS ICH DEN THREAD GEÖFFNET HABE WOLLTE ICH EIGENTLICH NICHT VON EUCH WISSEN OB IHR FÜR ODER GEGEN DIE KONFIRMATION SEIT. :cry:

Ich wollte eigentlich wissen wie es bei Euch abgelaufen ist. :)

Also bitte lasst die Diskussion des für und wider :(

lg claudi
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D. 12/2000 Tetraspastik, ICP, keine Sprache, Autistische Züge, Entwicklungsverzögert, Rollstuhlfahrer, seit 24.05.2005 Pohlig US-Orthesen, 10/2011 Hüft OP li. und 04/2017 und 06/2017 beide Knie/Füsse OP in Aschau.

Die Zukunft sollte man nicht voraussagen wollen,
sondern möglich machen (Antoine de Saint Exepury)

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Beitragvon Isolde » 10.04.2013, 08:10

Hallo Ulla,

ich verstehe Dich schon richtig.

Ich schlage immer wieder auch vor, mit dem betreffenden Pfarrer (sei es evangelisch oder katholisch) ins Gespräch zu kommen.
Wenn Ihr es Euch für euer Kind wünschen würdet, nur diese basalen Probleme bestehen wie den Abendmahlsempfang, d.h. die Hostie nicht schlucken können,
dann gibt es sicher auch andere Lösungen. Vielleicht muss sie die Hostie ja nicht schlucken - vielleicht ist es einfach nur der Segen.

Am Ende ist es so - ich / wir als Familie leben dem Kind vor und das Kind (sprich mein Sohn) macht die Dinge nach und beschäftigt sich auf seine Weise z.B. mit dem Jesus am Kreuz und mit der Geburt. Das ist eine naive Kleinkindweise mit 15 Jahren.

Beispiel 1 - Geburt: Jesus in der Krippe - "Baby" - "Mama, Papa" - "Dall (für Stall)"
Das war es - da ist kein Zusammenhang und schon gar kein Verständnis weshalb denn Jesus geboren wurde
Beispiel 2 - Tod: Mit den Händen Kreuz zeigend (also Zeigefinger überkreuzen) - "Jesu" - "aua" - "Tod"
Und auch hier ist nichts weiter als nur der Fakt den das Kind benennt.
Das drumherum erläutere ich ihm immer und immer wieder in seiner Kindersprache.
Aber er wird nie verstehen weshalb Jesus ans Kreuz geschlagen wurde und sterben musste.
Jonathan benennt nur Fakten - ohne die Emotion dahinter,

und doch liebt er das Kirchengebäude, die Orgel und wenn der Pfarrer ihm das Kreuz auf Stirn gibt.
Gut - das mit der Hostie - kindlich, naiv, in seiner geistigen Behinderung ist es eben "essen" - das zeigt er mit seiner Gebärde,
und es könnte hinterher noch ein "hhmmm" aus ihm rausrutschen - eben mitten im Kirchenraum während des Gottesdienstes.

Äußerlich gefragt ist die Frage - was hat Jonathan denn begriffen?
Die Hostie kann er schlucken.
Aber weiß er wirklich was eine Hostie ist? - Erfürchtigkeit vor diesem kleinen Brotstückchen? - nee .....
Und so sieht das eine und andere Erstkommunionbild auch aus.

Für uns als Außenstehende sieht das völlig abgefahren aus und wir sagen, das Kind versteht nicht. Versteht es wirklich nicht? - auch wenn es sich in unseren Augen völlig "daneben" benimmt, oder evtl. nicht spüren könnte?
Die Frage stelle ich mir - empfindet ein solches Kind nicht doch etwas? Bekommt es nicht doch etwas mit, auch wenn wir es auf den 1. und 2. Blick so nicht sehen?

Noch eine Meinung von mir:
Am Ende ist es unterm Strich, faktisch betrachtet, egal ob nun das Kind konfirmiert ist oder gefirmt. Jesus hat es trotzdem lieb und es gehört trotzdem zu seiner Kirchengemeinde. Ich kenne keinen Pfarrer der sagen würde - das Kind müsste draußen bleiben,
dann müssten noch viel mehr andere Menschen draußen bleiben die gesund sind und nicht konfirmiert oder gefirmt wurden,
die nach dem Empfang der Erstkommunion erst wieder erscheinen wenn sie getraut werden möchten und das auch nur wegen des Festes.
Also bei mir bekäme der Pfarrer da gehörig die Meinung gesagt.

Und selbst die Teilnahme an einem Gottesdienst muss nicht mit dem Empfang des Abendmahles zusammenhängen - der Gottesdienst ist deshalb nicht unwirksamer, weil das Abendmahl bei den Evangelischen z.B. eh nicht diese zentrale Bedeutung hat wie die Eucharistiefeier bei den Katholiken.
Und selbst da, wenn ich nicht zur Kommunion gehe, aber trotzdem das Wort Gottes in mich aufgenommen habe ist der Gottesdienst nicht weniger wert und selbst dann nicht wenn ich nichtmal das Wort Gottes inhaltlich verstehe.

Wem es möglich ist, der empfängt Abendmahl oder Eucharistie,
wem es nicht möglich ist, bei dem geht es einfach nicht, wobei diese Hostie in Verbindung mit Speichel sich in der Regel völlig im Mund auflöst und man am Ende nicht mehr runterschluckt als wie wenn man seinen Speichel schluckt.

Die Zeremonie würde durch die betreffende Person wie Dein Kind über seine Anwesenheit trotzdem gefüllt,
wie dieses geschehen kann muss eben dann im Einzelgespräch mit Pfarrer oder Katecheten geklärt werden.
Und ich glaube feste daran dass es geht.

Aber ich will Dich natürlich nicht zur Konfirmation Deiner Tochter überreden, das liegt mir fern, ich möchte Dir nur versuchen verständlich zu erklären.

Frage - hättest Du Dein Kind nicht taufen lassen, hättest Du damals geahnt wie das Leben Deines Kindes aussehen würde?

Liebe Grüße - Isolde
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Beitragvon Isolde » 10.04.2013, 08:13

Sorry Claudia,

habe nur auf die Fragen von Ulla geantwortet,
weil sie sich nicht vorstellen kann wie das überhaupt ablaufen könnte,
und dass es überhaupt etwas für das Kind bringt.
Sie macht sich da schon um das drumherum viele Gedanken.
Ich glaube nicht dass es bei ihr darum geht, das Für und Wider generell abzuwägen,
sondern in ihrem Fall von ihrer Tochter.

Zumindest habe ich es schon so verstanden dass sie sich Gedanken macht und vielleicht auch gerne die Konfirmation für ihre Tochter hätte,
würde sie mehr wahrnehmen.

Insofern ist hier schon die Frage - wie könnte es z.B. in dem Fall auch umgesetzt werden?
Behinderung ist ja sehr sehr vielfältig und leichter bis schwerster Behinderung.

Liebe Grüße - Isolde
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Beitragvon Sabine » 10.04.2013, 08:25

Hallo Claudia,

es ist nun mal so, dass Diskussionen manchmal einen etwas anderen Verlauf nehmen und andere Aspekte mit ins Spiel kommen. Deine Frage wurde dir doch umfangreich beantwortet, den Nebenschauplatz "Sinn und Zweck von kirchlichen Anlässen bei schwerbehinderten Menschen" finde ich nun wirklich nicht dramatisch in diesem Thread.

LG
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Beitragvon Ullaskids » 10.04.2013, 08:50

Hallo Isolde,
Isolde hat geschrieben:Am Ende ist es unterm Strich, faktisch betrachtet, egal ob nun das Kind konfirmiert ist oder gefirmt. Jesus hat es trotzdem lieb und es gehört trotzdem zu seiner Kirchengemeinde. Ich kenne keinen Pfarrer der sagen würde - das Kind müsste draußen bleiben

genau so ist es, und daher haben wir heute schon für sie entschieden, keine Konfirmation zu haben, auch wenn es noch ein paar Jahre hin ist, aber die große Schwester hat für sich entschieden, sich nächstes Jahr in der 8. Klasse konfirmieren zu lassen, und daher war es Thema bei uns, denn demnächst startet für sie der Konfiunterricht.

Mich hat nur mal interessiert, was die Motivation sein könnte hier anders zu entscheiden, dabei habe ich aber weder Kinder wie deinen Sohn gemeint, noch eigentlich die Kommunion oder Firmung, da die Konfirmation doch etwas anders gelagert ist - sie ist a) kein Sakrament wie die Firmung, und sie ist b) explizit dafür da, aktiv vom Konfirmanden mit Inhalten befüllt zu werden. Also unbefüllt bleibt sie eine hohle Hülle.
Es ist für mich auch ok, wenn andere Eltern entscheiden, dass ihr Kind diese Hülle irgendwomit füllen kann und es darum konfirmieren lassen. Weniger verstehe ich, wenn man so entscheidet, weil "es einfach dazugehört".

Was die Taufe betrifft - ehrlich, ich weiß es nicht. Sowas entscheidet man ja auch als Familie in Gesprächen und nicht alleine.
Viele Grüße,
Ulla mit Tochter (15): Gendefekt, Epilepsie, Skoliose etc.

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Beitragvon Gitte » 10.04.2013, 09:11

Hallo,

ich stelle es mir schwierig vor, einen beeinträchtigten Jugendlichen in einen "normalen" Konfirmationsunterricht einzubringen.

Unser Sohn ist mit 9 Jahren ganz normal mit zur Kommunion,
in dem Alter sind die anderen Kinder sehr umgänglich, offen für neues,
und genau so haben wir es auch erlebt und erfahren.
Die Zeit der Vorbereitung war eine wunderschöne Zeit.
Niemals würde ich diese missen wollen und ich würde alles wieder genaus so machen.
Gereon kannte nur ein paar der anderen Kinder vom sehen.
Er wurde super integriert, wie schon oben erwähnt.

Warum ich dies schreibe ?

Ich möchte versuchen, deutlich zu machen,
das zum einen ein Unterschied im Alter liegt,
und zum anderen,
Gereon ist körperlich nicht eingeschränkt, er kann z.b. sprechen und ist nur geistig eingeschränkt.

Worauf ich also hinaus will,

meiner Meinung nach tust Du Deinem Kind keinen Gefallen, ihn in einer solchen Gruppe anzumelden.

Versuche,
eine andere Möglichkeit zu finden.

In der Schule wo Gereon ist, dort wird angeboten, die Jugendlichen auf die Firmung vorzubereiten und auch dort im gewohnten Kreis firmen zu lassen.
Dieses werde ich im Fall der Firmung für uns nutzen.

Kommunion war für uns super unter den "normalen" Kindern,
Firmung kann ich mir nicht vorstellen, zumal dort 50 Jungendliche zusammenkommen.

Hoffe ich konnte helfen.

LG
Gitte

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Beitragvon Gitte » 10.04.2013, 09:23

Liebe Claudia,

in Bezug auf die Diskusion "für und wider" möchte ich noch kurz etwas anmerken.

Auch diese Frage ist wichtig,
zwar hast du nicht danach gefragt, aber es ist doch ganz normal das solche Diskusionen aufkommen.

Und gerade in der Situation wo wir uns befinden, nämlich in der mit den beeinträchtigten Kindern, bekommt diese Frage viel mehr Gewicht.

Für gläubige Menschen sollten solche Fragen kein Problem sein.
Denn auch wir gläubigen sollten uns kritischen Fragen stellen.

Meiner Meinung nach macht auch das den Glauben aus,
denn,
wer sagt welcher Glaube der richtige ist,
wer sagt was denn überhaupt das richtige ist,
WER ENTSCHEIDET DAS,
im Grunde jeder für sich
und diese Entscheidung wird gefestigt durch immer wieder neue Sichtweisen welche uns aufgezeigt werden,
und dadurch finden wir uns immer mehr in "unserem" "wirklichen" Glauben wieder.

Ohhhhh, die Glaubensfrage,
mein Thema
ein unendliches Thema,
ich muss aufhören,
bevor ich so richtig in Fahrt komme. :wink:

Ganz liebe Grüße
leider fehlt mir die Zeit, jeden einzelnen Beitrag hier zu lesen.

Gitte
Es ist gut,
wenn uns die verrinnende Zeit
nicht als etwas erscheint,
was uns verbraucht,
sondern als etwas,
das uns vollendet.


Ruhe schaffen,
still werden,
das Innen mit Schweigen füllen,
den Puls des eigenen Herzens fühlen.

Du darfst nichts positives erwarten,
wenn du nur negativ denkst.


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