Konfirmation u. Firmung - wie Unterricht gestalten?

Hier könnt ihr Diskussionen bezüglich religiöser Fragen und Meinungen führen - oder auch einfach über religiöse Feste wie Taufen, Konfirmationen etc. brichten. Für Familien mit besonderen Kindern haben religiöse Sitten und Gebräuche schließlich auch einen besonderen Charakter.

Moderator: Moderatorengruppe

Benutzeravatar
Isolde
Moderator
Moderator
Beiträge: 37545
Registriert: 19.09.2004, 21:41
Wohnort: Kraichgau / vorh. Saarland + München

Beitragvon Isolde » 09.04.2013, 13:53

Hallo Sabine,

ich mache die Erfahrung eher umgekehrt, dass die Leute sich unter behindert meist die schwerst mehrfach behinderten Personen vorstellen,

und es sich nicht vorstellen können dass es dann Kinder gibt wie Jonathan oder Dominik dessen Behinderung nochmals ganz anders gelagert ist,
oder wie z.B. auch der Janosch von Marianne.
Mit den Kindern wie Jonathan und Janosch ist es fast schwieriger die dann beweglich sind und die Unterrichte stören können und kein Sitzfleisch haben während der langen Firmung oder Konfirmation.

Insofern - ein Jonathan wäre für unsere Kirchengemeinde eine viel größere Herausforderung als ein Jan-Paul, würde ich mal sagen,
vorallem wenn es einem so passieren könnte wie der anderen Familie im Dorf vor einigen Jahren dessen Kind das Down-Syndrom hatte und die Eltern sich vehement dagegen wehrten dass das Kind zur Erstkommunion in der Gemeinde geht.
Der damalige Pfarrer hatte nicht das Rückgrat zu sagen "und es geht doch!"
Die Eltern gingen dann woanders hin mit ihrem Jungen.

Inzwischen hat der Pfarrer bei uns gewechselt und ich würde da auch sicher ganz anders auftreten wenn mir die Gemeinde hinterrücks oder offen zu verstehen gibt, dass mein Jonathan ein Störfaktor ist.

Liebe Grüße - Isolde
„Ich habe den lieben Gott in manchen Kneipen besser kennengelernt als in manchem Bibelkreis.“ Rainer Maria Schießler, Pfarrer in München St. Maximilian

Jonathans CFC-Syndrom + Unsere Vorstellung + https://www.facebook.com/CfcAngelDeutschland

Werbung
 
Claudi-BaWü
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 3989
Registriert: 01.08.2004, 19:53
Wohnort: Baden Württemberg

Beitragvon Claudi-BaWü » 09.04.2013, 14:01

Hallo Claudia,

frecherweise habe ich die Konfirmation mal mit der Firmung gekoppelt,
weil bei den Katholiken zur gleichen Zeit im ähnlichen Alter die Firmung ansteht,
die ebenso mit vorgehenden Stunden begleitet ist.
Hallo Isolde,

man spricht ja immer von Ökomene also dann machen wir das hier. :D
Ist ok, daß Du die Firmung hier angehängt hast.

Hoffe das wir alle eine Lösung für einen schönen Tag für unsere Kinder finden werden.

Ich schliesse mich auch Deiner oberen Ausführung an, daß meinem Sohn seine Behinderung anders gelagert ist. Ich wehre mich auch dagegen das mein Sohn schwerst-mehrfach Behindert ist.

lg claudi
lg claudi
D. 12/2000 Tetraspastik, ICP, keine Sprache, Autistische Züge, Entwicklungsverzögert, Rollstuhlfahrer, seit 24.05.2005 Pohlig US-Orthesen, 10/2011 Hüft OP li. und 04/2017 und 06/2017 beide Knie/Füsse OP in Aschau.

Die Zukunft sollte man nicht voraussagen wollen,
sondern möglich machen (Antoine de Saint Exepury)

Benutzeravatar
Sabine
Moderator
Moderator
Beiträge: 20414
Registriert: 20.03.2004, 17:14
Wohnort: Menden-Lendringsen
Kontaktdaten:

Beitragvon Sabine » 09.04.2013, 14:24

Hallo Claudi,

die jeweilige Bezeichnung für die Behinderung ist ja nun erst mal wurscht. Wichtig ist, dass die Leute wissen (also Pfarrer & Co.), was da für ein Kind kommt und welcher Art die Behinderung ist. Danach muss das ganze dann ausgerichtet werden. Unter "schwer mehrfach behindert" verstehe ich z. B. oft etwas ganz anderes als viele Leute, teilweise mit eigenen behinderten Kindern. Ich habe schon Eltern kennen gelernt, die ihr geistig und körperlich fast völlig normal entwickeltes Kind als "schwer behindert" bezeichnet haben - anders herum habe ich schon schwerst behinderte Kinder erlebt, die von ihren Eltern als "leicht entwicklungsverzögert" bezeichnet wurden. Insofern ist es halt so eine Sache mit den Begrifflichkeiten. Unter "behindert" wird immer etwas anderes verstanden als man vielleicht selbst meint. Daher mein Rat: Das Kind mitnehmen und vorstellen und dann schauen, wie man eine schöne Feier für alle hinbekommt.

LG
Sabine
Unsere Vorstellung? -> hier klicken
Jan-Paul (10/01), schwer mehrfachbehindert ohne Diagnose, Tim-Henrik (03/05), Lea-Kristin (01/11)
REHAkids - Das Forum für besondere Kinder
Bücher für Kinder und Jugendliche http://buch.blogon.de/

Lovis3
Moderator
Moderator
Beiträge: 2404
Registriert: 19.03.2008, 10:15
Wohnort: Kreis HN

Beitragvon Lovis3 » 09.04.2013, 14:31

Hallo zusammen!

Anton hat zwar bis zur Konfirmation noch Zeit, aber hier im Ort gibt es den Unterricht dafür schon in der dritten Klasse, dafür ist nächstes Jahr bei uns die Anmeldung.

Ich habe unseren Pfarrer bisher sehr offen erlebt, habe aber von anderen Eltern auch schon gegenteiliges gehört. Ich bin also gespannt, was er dann dazu meint.
Problematisch wird dabei hier vielleicht, dass ein Teil des Unterrichts an die Eltern deligiert wird. D.h. Der Unterricht findet jede Woche bei einer anderen Familie statt. Ob sich da dann alle auf einen integrativen Konfisunterricht einstellen können, weiß ich noch nicht.

Liebe Grüße
Katrin
Katrin mit A. *06, SSW 23+0, 600g, BPD (nachts sauerstoffpflichtig) und Lungenschädigung durch RSV-Virus, pulmonale Hypertonie, Rechtsherzinsuffizienz, Hypotonie (Rollifahrer, läuft kurze Strecken mit Rolltor oder 4-Punkt-Stützen), sehbehindert
und M. *08 und L. *11

coro
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 289
Registriert: 30.01.2007, 12:01
Wohnort: Frankfurt

Beitragvon coro » 09.04.2013, 15:25

Hallo Claudi,
also erst mal finde ich hört sich das schon mal prima an. Bei uns liegt es ein wenig zurück. Meine Tochter (EDS-Syndrom nur körperlich eingeschränkt) ist vor 3 Jahren konfirmiert worden und in der Gruppe war auch noch ein Kind mit Down-Syndrom, allerdings ein eher fittes Kind. Die Pfarrerin hat mit den Eltern zusammen überlegt, wie eine Teilnahme an den Konfi-Stunden (1 mal pro Woche) und den beiden Freizeiten sowie den Gottesdiensten (Vorstellung am Anfang, Vorstellung eine Woche vor Konfirmation und Konfirmation) sein könnte. Der Junge ist dann von seiner Mutter zu den Stunden begleitet worden und manchmal einfach auch früher gegangen. Die Pfarrerin hat versucht, die Inhalte für ihn zu differenzieren. In alle Gottesdienste wurde entsprechend seinen Möglichkeiten eingebunden und war die ganze Zeit dabei. Soweit ich mich erinnere war er auch auf einer der Freizeiten mit, vielleicht auch auf beiden. Die Pfarrerin blickt sehr gerne auf diese Zeit zurück und sagt noch heute, es war eine tolle Gruppe, in der die Kids sich einfach auch so genommen haben wie sie sind. Das klappe aber nicht immer so gut. Leider! Meine Tochter ist übrigens ganz normal gegangen ohne Einschränkungen. Sie ist heute Teamerin im Kindergottesdienst, daher hören wir auch immer wieder mal rückblickend was zur Konfi-Zeit.
Ich fand es übrigend doppelt schön, weil der Junge bereits mit meiner Tochter im gleichen I-Kiga allerdings in einer anderen Gruppe war.
Die Eltern der anderen Kinder sind übrigens im Elternabend über die beiden "besonderen" Kids informiert worden.
Ich habe das ganze als sehr schön empfunden. Auch für meine Tochter war es eine tolle Erfahrung mal wieder einfach so angenommen zu werden. In der Schule hatten wir damals eine sehr unschöne Klassensituation in der sie sehr ausgegrenzt und verbal angemacht wurde.

ALso ich möchte Dir ausdrücklich Mut machen, das Gespräch zu suchen, Deine Wünsche, aber auch Ängste klar zum Ausdruck zu bringen und ich würde es wohl zuerst auch ohne Kind machen und dann einen zweiten Termin mit Kind vereinbaren.

Liebe Grüße
Coro

Ullaskids
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 4174
Registriert: 30.05.2007, 18:01

Beitragvon Ullaskids » 09.04.2013, 15:39

Hallo,
mal eine Frage an diejenigen, deren Kinder inhaltlich aus einem Konfiunterricht nicht wirklich was verstehen oder nachvollziehen können: was versprecht ihr euch denn davon, dass euer Kind konfirmiert wird? Nur, weil "man"das halt so macht? Weil die Verwandtschaft eine Feier erwartet? Ich finde, wenn ein Kind nicht weiß, warum es zur Konfirmation geht, macht eine Teilnahme keinen Sinn. Ich sehe auch keinen symbolischen Wert darin.
Bin gespannt, was ihr dazu schreibt...
Viele Grüße,
Ulla mit Tochter (15): Gendefekt, Epilepsie, Skoliose etc.

Lovis3
Moderator
Moderator
Beiträge: 2404
Registriert: 19.03.2008, 10:15
Wohnort: Kreis HN

Beitragvon Lovis3 » 09.04.2013, 15:46

Hallo Ulla!

Ich kann dir nur teilweise auf deine Frage antworten, da Anton zumindest etwas vom Konfiunterricht verstehen wird, aber nie alles und nie komplexere Zusammenhänge.
Für mich ist es eben auch ein Teil unseres Familienlebens, unseres Lebens in unserer Gemeinde. Und aus diesem Leben möchte ich ihn nicht ausschließen. Mir geht es nicht um eine Feier für die Familie sondern um eine Feier für Anton, es soll mal sein großer Tag werden, auch wenn er nicht alles versteht und nicht so teilnehmen kann wie andere Kinder.
Und es soll auch zeigen, dass auch er zur Kirchengemeinde gehört, wie die anderen auch.

Liebe Grüße
Katrin
Katrin mit A. *06, SSW 23+0, 600g, BPD (nachts sauerstoffpflichtig) und Lungenschädigung durch RSV-Virus, pulmonale Hypertonie, Rechtsherzinsuffizienz, Hypotonie (Rollifahrer, läuft kurze Strecken mit Rolltor oder 4-Punkt-Stützen), sehbehindert
und M. *08 und L. *11

Benutzeravatar
Isolde
Moderator
Moderator
Beiträge: 37545
Registriert: 19.09.2004, 21:41
Wohnort: Kraichgau / vorh. Saarland + München

Beitragvon Isolde » 09.04.2013, 15:57

Hallo Ulla,

nein bei der Firmung geht es auch bei mir nicht um eine Familienfeier,
zumal die Firmung eh bei uns nicht groß gefeiert werden würde,
also weitaus weniger als die Erstommunion und die wurde auch nur im kleineren Rahmen gefeiert.

Es geht mir um die Tatsache, dass auch unsere Kinder Geschöpfe Gottes sind und das Recht darauf haben die Sakramente zu erhalten auch wenn sie die Dinge nicht so verstehen wie unsereins das Dinge hinterfragen kann, etc.

Ich bin davon überzeugt dass unsere Kinder trotzdem genügend verstehen und auch in irgendeiner Form mit dem Glauben und mit Gott verbunden sind. Was sie verstehen bleibt uns verborgen wie Vieles uns verborgen bleibt was nicht direkt verbal geäußert werden kann.

Aber mein Sohn kennt die Kirche, weiß etwas von Jesus und fühlt sich in diesem Raum Kirche auch wohl.

Und von daher will ich ihm diese Möglichkeit der Firmung (die Sendung des Hl. Geistes für sein Leben) ermöglichen - und was da zwischen Himmel und Erde geschieht soll die Sache zwischen Gott und meinem Kind sein.

Das Fest ist mir unwichtig - mir ist die Weitergabe des Inhalts wichtig als bekennender Christ.

Liebe Grüße - Isolde
„Ich habe den lieben Gott in manchen Kneipen besser kennengelernt als in manchem Bibelkreis.“ Rainer Maria Schießler, Pfarrer in München St. Maximilian

Jonathans CFC-Syndrom + Unsere Vorstellung + https://www.facebook.com/CfcAngelDeutschland

Ullaskids
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 4174
Registriert: 30.05.2007, 18:01

Beitragvon Ullaskids » 09.04.2013, 15:58

Hallo Katrin,
aber man gehört doch durch die Taufe schon dazu...?
Ein Kind wie deines habe ich aber auch nicht gemeint ;)
Meine Tochter versteht ja noch nicht mal ihren Geburtstag, geschweige denn dass sie eine größere Feier genießen würde, solche Kinder meine ich jetzt eher. Wir werden sie nicht konfirmieren lassen, weil der Wunsch dazu niemals von ihr selbst ausgehen würde. Es wäre etwas 100%von außen aufgedrücktes.
Viele Grüße,
Ulla mit Tochter (15): Gendefekt, Epilepsie, Skoliose etc.

Werbung
 
coro
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 289
Registriert: 30.01.2007, 12:01
Wohnort: Frankfurt

Beitragvon coro » 09.04.2013, 15:59

Hallo Ulla,
ich denke, das wird jeder für sich entscheiden. Ich bin nicht religiös und meine Kinder waren zunächst nicht getauft. Mein Großer, der sehr schwerbehindert ist, ist bis heute nicht getauft und eben auch nicht konfirmiert. Meine Tochter hat sich früh - schon im Kindergarten - für die biblischen Geschichten interessiert. Und da ich schon finde, meine Kinder sollen den kulturellen Zusammenhang kennen, habe ich sie dann mal in den Kindergottedienst unserer zuständigen Gemeinde geschickt. Das hat ihr gefallen und so ist der Wunsch bei ihr entstanden sich taufen zu lassen. Und dann war es klar, dass ich auch will, dass sie konfirmiert wird.
Wenn ich Teil der Gemeinde wäre, mir Glaube etwas bedeuten würde, dann wäre es für mich selbstverständlich, dass mein Kind - egal wie eingeschränkt es ist, auch an allen Festen und am Gemeindeleben teilhaben soll. Inklusion findet nicht nur in Kiga, Schule usw statt, sondern für mich permanent in dem Alltag, den mich und meine Kinder umgibt. Von daher kann ich die Eltern sehr gut verstehen, die eine Einbindung möchten. Und ich würde sie immer unterstützen soweit es mir möglich ist - hier im konkreten bei uns vor Ort.

Liebe Grüße
Coro


Zurück zu „Religion/Spirituelles“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste