Finanzierung von häuslicher Betreuung bei Kindern

In dieser Kategorie geht es um rechtliche Dinge, Fragen zur Krankenversicherung, Pflegegeld etc.

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Ute K.
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Finanzierung von häuslicher Betreuung bei Kindern

Beitragvon Ute K. » 08.04.2013, 16:10

Hallo zusammen,

vielleicht klingt mein Anliegen etwas ungewöhnlich. Aber ich mache mir gerade ernsthaft Gedanken, wie das eigentlich rechtlich aussieht, wenn wir als Eltern (unser Kind wird jetzt 9) uns entscheiden, unser Kind nicht in ein Heim zu bringen, sondern seine Betreuung zuhause organisieren. Könnten wir dann theoretisch auch das Persönliche Budget für die häusliche Betreuung beantragen?

Ich lese immer wieder, dass Eltern, deren Kinder in ein Heim kommen, weil's zuhause eben nicht mehr geht, nur einen relativ geringen Eigenanteil bezahlen müssen (ca. 400,- € pro Monat). Der Rest wird von der Eingliederungshilfe übernommen. Und das ist je nach Hilfebedarf schon eine Menge Kohle. Ich habe mal einen Einrichtungsleiter gefragt, was sie für einen Bewohner mit dem Hilfebedarf wie dem unseres Sohnes monatlich bekommen. Er meinte, dass da locker mal 4000,- € im Monat bezahlt werden.

Für die Eltern ist eine Heimunterbringung insofern von Vorteil, dass sie wieder arbeiten gehen können (und später mal mehr Rente kriegen), ein relativ normales Leben führen können und auch die ganze psychische Belastung deutlich geringer ist. Finanziell steht man also deutlich besser da, wenn man sein Kind in ein Heim steckt. Aber das kann's doch eigentlich nicht sein, oder? Dass man fast schon gezwungen ist, sein Kind in eine Einrichtung zu geben, weil man zuhause nicht ausreichend Unterstützung bekommt. Eigentlich müsste unser Staat doch alles dafür tun, damit Kinder möglichst lange (zumindest bis sie erwachsen sind) zuhause leben können. Das wäre für das Kind besser und die Eltern könnten das auch eher leisten, wenn sie entsprechende Unterstützung bekommen würden. Eigentlich, so habe ich es mir überlegt, müssten wir Eltern, die sich für die Betreuung zuhause entscheiden, dies aber nicht ohne fremde Hilfe schaffen, doch das Geld, das normalerweise ein Heim kosten würde, zur Verfügung bekommen. Mit dem Geld könnten wir locker eine häusliche Betreuung organisieren.

Wenn ich mal zusammen rechne, welche Betreuungskosten ich hätte, wenn ich Betreuungskräfte bei uns anstellen würde, dann wäre ich sogar noch deutlich günstiger als eine Einrichtung. Und mein Kind könnte sehr integrativ in seiner vertrauten Umgebung leben.

Wisst ihr da, welche rechtlichen Möglichkeiten ich habe, sowas durchzukämpfen?
LG Ute mit N. (2004),Tuberöse Sklerose, Epilepsie, epilepsiechirurg. Operation im Januar 05 und August 07, sprachl. und motor. Entwicklungsverzögerung u. autistisch.

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DoreenH
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Beitragvon DoreenH » 08.04.2013, 19:25

Hallo Ute,

versuch ein Pflegedienst zu organisieren, der natürlcih von der Krankenkasse genehmigt werden muss. Dann steht Deinem Kind noch die Schule und Hort zu, sowie wenn vorhanden Pflegegeld nach jeweiliger Pflegestufe. Mir stehen täglich 12 Stunden Pflegedienst zu, somit kann ich auch arbeiten gehen. Ich weiss jetzt nicht, ob Dein Kind ein PD benötigt oder genehmigt bekommt. Aber die Förderschulen mit Hort dran, gehen doch meistens von 8 bis 16 Uhr, oder ist Dein Kind nicht Schulpflichtig? Oder bekommt er zu Hause unterricht?

Am Anfang hatte ich meinen immerzu in die Kita etc. begleitet. Bin dann in ein anderes Bundesland, da hiess es, wir bräuchten ein Pflegedienst. OK KK hat gleich zugestimmt etc. also dachte ich mir, kann ich ja wieder arbeiten gehen.

Aber mal ehrlich, wenn eine Mutter "normale" Kinder bekommt, entscheidet sie ja auch von allein, geh ich wieder arbeiten oder möchte ich jetzt Vollzeitmama sein...die bekommen ja auch kein extra Gehalt dafür und müssen für alles selberaufkommen.

LG
Doreen
DiGeorg Syndrom;Ductus-Ligament-Durchtrennung,ASVD,VSD,PDA,TKK,Rechtsaortenbogen, Luftröhrenverengung,akutes Leberversagen,Anämie,Herzinfuzienz,Speiseröhrenverengung,Trachealkanülenträger, Skoliose, Reflux, ADS usw.

http://www.REHAkids.de/phpBB2/album_per ... r_id=12950

Ute K.
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Beitragvon Ute K. » 08.04.2013, 20:20

Hallo Ute,

versuch ein Pflegedienst zu organisieren, der natürlcih von der Krankenkasse genehmigt werden muss. Dann steht Deinem Kind noch die Schule und Hort zu, sowie wenn vorhanden Pflegegeld nach jeweiliger Pflegestufe. Mir stehen täglich 12 Stunden Pflegedienst zu, somit kann ich auch arbeiten gehen. Ich weiss jetzt nicht, ob Dein Kind ein PD benötigt oder genehmigt bekommt. Aber die Förderschulen mit Hort dran, gehen doch meistens von 8 bis 16 Uhr, oder ist Dein Kind nicht Schulpflichtig? Oder bekommt er zu Hause unterricht?
Hallo Doreen,

mein Sohn ist nicht pflegebedürftig im klassischen Sinn, sondern aufgrund seines Autismus "hochgradig betreuungsbedürftig". Ein klassischer Pflegedienst wäre da vermutlich überfordert. Außerdem wird er integrativ beschult, d.h. er hat wie alle Regelkinder um 12 Uhr Schule aus und ist dann zuhause, wo er ständig jemanden braucht, der sich um ihn kümmert.

Ich möchte ja gerade nicht, dass es wieder in Richtung "Sonder-"Einrichtung geht, sondern dass ihm möglichst viel Normalität und Inklusion ermöglicht wird. Und ich möchte mir die Leute, die ihn betreuen, gerne selbst aussuchen, damit ich dann wirklich auch beruhigt einen Job suchen kann. Wir haben mit dem Persönlichen Budget bisher sehr gute Erfahrungen gemacht und bezahlen z.B. auch die Schulbegleiterinnen damit.
Aber mal ehrlich, wenn eine Mutter "normale" Kinder bekommt, entscheidet sie ja auch von allein, geh ich wieder arbeiten oder möchte ich jetzt Vollzeitmama sein...die bekommen ja auch kein extra Gehalt dafür und müssen für alles selberaufkommen.
Wenn mein Sohn nicht behindert wäre, könnte ich zumindest wieder eine Teilzeitstelle aufnehmen. Aber wenn das Kind, wenn es zuhause ist, permament Betreuung braucht, dann ist eine Berufstätigkeit mit den vielen Schulferien trotz Verhinderungspflege und zusätzlichen Betreuungsleistungen, die wir schon in vollem Umfang nutzen, schlicht und einfach undenkbar. Klar zahlt man ja auch für ein nichtbehindertes Kind Geld für Betreuung. Aber da gibt es wesentlich mehr Möglichkeiten, die es für ein behindertes Kind nicht gibt. Wenn ich allein schon mal schaue, wo meine nicht behinderte Tochter in den Ferien überall hin geht. Für meinen Sohn gibt es ein solches Angebot nicht, und wenn, dann ist es schwierig, überhaupt einen Platz zu kriegen bzw. es zu finanzieren.
LG Ute mit N. (2004),Tuberöse Sklerose, Epilepsie, epilepsiechirurg. Operation im Januar 05 und August 07, sprachl. und motor. Entwicklungsverzögerung u. autistisch.

Kaja
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Beitragvon Kaja » 08.04.2013, 20:39

Hallo Ute,

das, was du dir vorstellst, ist die klassische Tätigkeit eines Einzelfallhelfers über die Eingliederungshilfe.

Viele Grüße Kaja

Ute K.
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Beitragvon Ute K. » 08.04.2013, 21:04

Hallo Kaja,

drei Fragen:
1. kann ich dafür auch das Persönliche Budget nutzen?
2. auf welchen Paragraphen muss ich mich berufen, falls ich so was beantrage?
3. muss ich da den gleichen Eigenanteil bezahlen wie für ein Heim?
LG Ute mit N. (2004),Tuberöse Sklerose, Epilepsie, epilepsiechirurg. Operation im Januar 05 und August 07, sprachl. und motor. Entwicklungsverzögerung u. autistisch.

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Beitragvon Kaja » 08.04.2013, 21:15

Hallo Ute,
1. kann ich dafür auch das Persönliche Budget nutzen?
ja
2. auf welchen Paragraphen muss ich mich berufen, falls ich so was beantrage?
§§ 53, 54 SGB XII - entweder § 54 Absatz 1 Nr. 1 SGB XII, wenn es einen Bezug zur Schule hat (z.B. Wege- oder Kommunikationstraining) oder i.V.m § 55 SGB IX
3. muss ich da den gleichen Eigenanteil bezahlen wie für ein Heim?
wenn man einen Bezug zur Schule herstellen kann, ist die Leistung zuzahlungsfrei, ansonsten entspricht die Zuzahlung ungefähr der, die auch bei einem Heim erforderlich wäre

Viele Grüße Kaja

dana chaos4
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Beitragvon dana chaos4 » 08.04.2013, 21:16

Hi Ute, ich glaub nicht das man einen Integrationhelfer für daheim bekommt.
Ich kann Dich aber sehr gut verstehen. Einen 9 jährigen kann man in der Regel locker für ein paar Stunden allein lassen und arbeiten gehen.
LG Dana
Lukas 98 Asthma, ND, Allerg., ADS, sehr introvertiert, lebt glückl. i Internat 60 %, Paul 01 Rolando Epi, ADHS, Bettnässer durch zu kl. Blase 80 % H B G , Nico 100 % H B G- ICP armbetont, ADHS, Asthma, ND, Allerg. auf künstl.Farbstoffe, Kleinwuchs,.. Leonie 06 50 % Asthma, ND,

Kaja
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Beitragvon Kaja » 08.04.2013, 21:20

Hallo Dana,
ich glaub nicht das man einen Integrationhelfer für daheim bekommt.
doch, wir haben einen - und zwar zuzahlungsfrei

Viele Grüße Kaja

Marisa 22
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Beitragvon Marisa 22 » 08.04.2013, 21:52

Hallo,
bin irgendwie zufällig auf diesen Thread gestossen.
Worüber ich jetzt gestolpert bin,
@ Dana: Wie bekommt man denn einen Integrationshelfer für zu Hause
und mit welcher Begründung?
@ Ute: Ich kann deine Gedanken total gut verstehen, ich konnte mir auch nicht
vorstellen, eins meiner Kinder irgendwie fremd betreuen zu lassen.
(Internat,o.ä.)
Das ist natürlich eine Entscheidung die jeder für sich treffen muß und ich würde mir
da auch kein Urteil erlauben wollen,aber für mich und meine Kids kommt das erstmal nicht in Frage.
Das Problem mit dem Arbeiten kenne ich auch, durch meine besonderen Kids
ist es für mich sehr schwierig arbeiten zu gehen.
Der Kleinste hat Schule von 8:30 Uhr-11:45 Uhr,das wars.
Einen Hort gibt es nicht. Nachmittags hat er dann diverse Termine und damit hat sich das mit dem Arbeiten... :?
Ich stelle 2x die Woche Sendungen zu,aber nur jeweils 2-2,5 Std. und selbst das ist in den Ferien ein Problem und wenn die Kids krank sind.
Also, ich finde du solltest an dem Thema auf jeden Fall dran bleiben
und wenn du was rausgefunden hast,mir auf jeden Fall Bescheid sagen,
dann mach ich das auch :lol:
Lg Nicole
Sohn 23J. Entwkl.sstörung,ADS,Lernbehinderung,
Emot. Störung mit soz. Rückzug,Störung d. mot. Funktionen,eheml. Stotterer
Tochter 22J. gesund
Tochter 17J. gesund
Sohn 15J. Entwkl.verzögerung,Lernbehinderung,
ADHS,Störung d.Motorik,
erh. Infektanfälligkeit,Nierenkelch Dilatation rechts
beide Jungs Gendefekt im x Chromosom

dana chaos4
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Beitragvon dana chaos4 » 08.04.2013, 22:05

Hallo Nicole 22, ich wußte gar nicht das so was gibt, hatte ich auch geschrieben. Katja hat einen. :D
LG Dana
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