Leben mit blindem Kind

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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yvonne2503
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Leben mit blindem Kind

Beitragvon yvonne2503 » 26.03.2013, 10:20

Seit einiger Zeit beschäftigt mich die Frage wie man ideal lebt mit einem blinden Kind.
Ich bin mit meinen 4 Kids alleinerziehend.Unsere Elicia nun schon 9 1/2 wochen ist blind.
Derzeit leben wir in einer 3Zimmer Dachgeschosswohnung.Zum einen finde ich die Wohnung zu klein in Hinblick auf die Anzahl der Zimmer zum anderen denke ich immer mehr das es für Elicia sehr ungünstig ist....die Treppen und alles.Wäre eine behindertengerechte Wohnung nicht angebrachter?Wie lebt ihr mit euren blinden Kindern?Bin hilfreich über jeden Tipp

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 26.03.2013, 16:05

Hallo Yvonne,

ich habe selber kein blindes Kind, bin aber mit einem blinden Jungen als Freund aufgewachsen. Mit Treppensteigen hatte der nie Probleme, der lief die Treppen genauso runter wie ein sehendes Kind auch (zwei auf einmal). Es kommt, glaub ich, auch sehr auf den Charakter Eurer Elicia an, wie zaghaft oder mutig z.B. sie ist. Verschiedene Bodenbeläge (Teppiche mit verschiedener erkennbarer Struktur und erkennbarer Richtung) werden anfangs sicher helfen, sich zunächst in der Wohnung selbständig zurechtzufinden. Auf Treppen können sich Blinde eigentlich ganz gut orientieren (auf und ab ist klar, Wandseite ist klar, mitzählen können hilft - aber man kann ja im Kleinkindalter auch Sandpapierpunkte o.ä. aufkleben).

Korrigiert mich, Mamas, die Ihr blinde Kinder habt: Eine behindertengerechte Wohnung für eine(n) Blinde(n) ist vor allem erstmal eine gut aufgeräumte, mit tastbaren Strukturen, nicht zu kahl weils sonst hallt. Stoßgefährliche Ecken und Kanten abmildern. Und ein Rückzugsraum für die feinen Öhrchen. :wink:

Liebe Grüße, Ingrid
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Lisa Maier
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Beitragvon Lisa Maier » 26.03.2013, 17:22

Hallo Vvonne,

wertvolle Erkenntnisse über das Leben mit Blindheit lassen sich auch aus dem Buch 'Magdalenas Blau' entnehmen. Es wird die Lebensgeschichte einer real existierenden Frau mit zunächst 2%Sehrest erzählt, die in den 30iger Jahren unter Umständen aufwuchs, die kein großes Gedöns um ihre Blindheit erlaubten und - vielleicht gerade hierdurch - ein sehr selbständiges Leben erreichte.
Behindertengerechte Wohnungen tauchen in dem Buch nicht auf.

Viele Grüße

Lisa

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MartinaMCV
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Beitragvon MartinaMCV » 26.03.2013, 18:12

Hallo Yvonne

Meine Tochter war auch blind.
Sie fand sich im Wohnzimmer sehr gut zurecht.
Wie Ingrid sagt aufgeräumt, ich meine aber mit aufgeräumt dass alles seinen Platz haben sollte, sprich der Stuhl steht immer an der selben Stelle. Ich denke mehr brauchst du nicht.
Habt ihr schon Blinden/Seh-Frühförderung? Unser Sehtherapeut gab mir immer tolle Ratschläge passend für meine Tochter.

Viele Grüße
Martina
Martina mit Engelchen Sara *6.11.08 †11.1.13(Neuroblastom, Partialtrisomie 13 u.a. Enukleation+Prothese li. Mikrophthalmus+blind re., globale Entwicklungsretadierung, )
Unsere Geschichte:
https://www.leona-ev.de/bereiche/alltag ... chte/sara/

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Beitragvon ehemalige Userin » 26.03.2013, 18:58

Hallo,

hier eine tolle Reportage, die meiner Auffassung nach zeigt, wie normal ein Leben mit einem blinden Kind sein kann, wenn man nicht zuviel Stress darum macht:

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/d ... en101.html

LG Maggie

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Jean
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Beitragvon Jean » 26.03.2013, 19:52

Hallo Yvonne,

ich möchte mich bei Dir rasch vorstellen. Ich habe zwar kein blindes Kind, aber habe selbst nur einen Sehrest von ca. 2 %.
Ich möchte den voran gegangenen Schreibern Recht geben.

eine gut aufgeräumte Wohnung, das alles seinen Platz hat und möglichst keine Stolperstellen vorhanden sind, ist sehr wichtig. Einen Rückzugsort, das würde ich auch denken, da Deinem Kind der normale Familienstress vielleicht zu laut sein könnte.

Ansonsten nie vergessen, das Kind mit seinem Namen anzureden, wenn es gemeint ist. Vergiss nie, das es keinen Blickkontakt aufnehmen kann.
Ansonsten wäre Frühförderung für blinde Kinder ganz effektiv.

Das Kind wird damit groß werden, was man nicht kennt, vermißt man nicht.
Sie wird soe ein normales Kind werden.

Alles Gute.
Jean

PS. Liebe Grüße an alle die mich hier noch kennen.

yvonne2503
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Beitragvon yvonne2503 » 27.03.2013, 05:23

vielen dank für die wertvollen tipps
blindenfrühförderung sind wir derzeit am suchen etwas in unserer nähe zu finden das das dann auch vorwärts geht und sie vernünftig gefordert und gefördert wird.es soll ihr ja an nichts fehlen

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NeleN
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Beitragvon NeleN » 27.03.2013, 22:53

Hallo.

Ich sehe selbst nicht viel und bin mit vielen blinden Kindern groß geworden. Also ne behindertengerechte Wohnung im Sinne von "ohne Treppen" ist total übertrieben! Blinde Kinder haben gesunde Beine, warum sollen sie dann nicht Treppen steigen? Ich kann nur sagen: Nimm deinem Kind nicht zu viel ab sondern lass es selbst ausprobieren, was geht und was nicht. Wie bei jedem anderen Kind eben auch. Nur so kann aus ihr ein selbstständiger blinder Mensch werden! Klar, Kanten sichern ist immer gut, das macht man aber durchaus auch mit "normalen" Kleinkindern.
LG
Nele

Paraplegie mit Spastik unkl. Ursache, Bewegungseinschränkung in den Armen, Tendovaginitis, CTS, Feinmotorikstörung, Sehbehinderung, Lordose, chr. Schmerzen, RLS, chr. kompl. PTBS, Angststörung, Depression, disso. Störungen, Schluckstörung, Allergien, Reflux, Asthma
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ganz normal leben, es ist sehr spannend

Beitragvon Schiering » 05.05.2013, 12:10

Hallo Yvonne,

unser Julian ist inzwischen 2,5 Jahr alt und ist seit Geburt blind. Auch er hat seit dem 4 Monat Frühförderung und ansonsten nehmen wir ihn gnadenlos überall hin mit. Egal ob zum Kinderturnen oder auf den Kinderfasching. Ihm ist bis jetzt gar nichts anderes übrig geblieben, weil ich ihn nicht schonen konnte wenn die Große wo hin will. Aber es tut ihm nur gut, vor lauten Geräuschen warnen wir ihn schon so gut es geht vor oder halten ihm die Ohren zu (z.B. bei plötzlichem Beifall). Informiere dich bei Anderes Sehen das ist ein Verein in Berlin die die Klicksonartechnik in Deutschland eingeführt haben und haben viele gute Tipps. Wenn du noch weitere Info´s brauchst bzw. von uns haben wills dann schreibe einfach noch mal, ich bin immer wieder im Forum.
Auch er geht Treppen jetzt schon teilweise frei, diese ist mit Taststreifen markiert oder er tastet sich langsam vor. Nur an den Treppen im Haus haben wir Türen zum selber öffnen oben dran gemacht, um sie zu markieren, das klappt super. Und beim Turnen ist er inzwischen genauso dabei und klettert alle Geräte ab wie die Große, er erarbeitet sich die Sachen nur etwas langsamer weil er den Überblick für den Raum nicht hat.

Grüße aus Niederbayern

Isy+Isa
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Beitragvon Isy+Isa » 08.07.2013, 21:24

Hallo Yvonne,
schreib doch mal, wie es Euch mit der Suche nach den Frühförderern geht.
Wir waren bis jetzt in Tübingen und waren dort über den St.Franziskus Stift Heiligenbronn an die Hör-Sehfrühförderung angeschlossen.

Jetzt sind wir nach Berlin umgezogen-verschiedene Gründe- einer davon ist die hiesige Blindenschule. Ich habe mitbekommen, dass die MitschülerInnen von unserer Tochter Isa vorher immer über die Schule begleitet wurden.
So ist das auch bei Freunden von uns in Schleswig-Holstein.

Falls Du noch Hilfe bei der Frühfördersuche brauchst, gib einfach Bescheid.
Unsere Wohnung ist auch nicht behindertengerecht, es hat sowieso lange gedauert bis Isa Interesse hatte, sich fortzubewegen, sie war 2 als sie sitzen gelernt hat und 4 als sie laufen gelernt hat.
Und auch bei uns gilt: Aufräumen und sehr gut beleuchten(Hell-Dunkel-Sehen fördern- bei Isa muss das irgendwas übrig sein).
Jetzt beim Umzug haben wir wieder gesehen, wie schwierig die Orientierung ist, wenn Isa sich an einem Ort nicht auskennt. Wie im Vorbeitrag beschrieben- es geht einfach alles langsamer :) .

Viele Grüße,
Isy
Isa, 2006; Cat Eye Syndrom, partielle Trisomie 22; blind; Innenohrschwerhörigkeit/ wieder ohne Paukenröhrchen und mit wunderbaren Hörgeräten und fröhliches Schulkind 😊


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