Autismus und gestörte Mutter-Kind-Beziehung

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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Sandra15
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Autismus und gestörte Mutter-Kind-Beziehung

Beitragvon Sandra15 » 13.02.2013, 16:47

Hallo,

ihr kennt es ja auch, es kommen immer neue Baustellen hinzu :roll:

Wir klagen ja wegen der Erhöhung des SBA und mussten nun zum Gutachter. Einige Tests und Gespräche gab es schon und bei letzten Gespräch sagte er mir beim rausgehen:

Neben dem Autismus besteht noch eine gestörte Mutter-Kind Beziehung. Ich würde nicht Konsequent genug sein und meiner Tochter dadurch keine Sicherheit vermitteln. Sie würde sich weniger Chaotisch verhalten, wenn sie alleine mit dem Gutachter oder der Testerin wäre, als wenn ich dabei bin, dann wäre sie total chaotisch. Aber das können wir nächstes mal besprechen.
Und Schwups waren wir draussen.

Also ich bin mir SEHR SICHER das keine gestörte Mutter-Kind-Beziehung besteht!!!
Habt ihr auch solche "Vorwürfe" gehört und wie seid ihr damit umgegangen? Was waren Eure Gegenargumente?
Liebe Grüße Sandra




Tochter ADHS und High Functioning Autismus :-)

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 13.02.2013, 17:05

Hallo Sandra,

lass Dir das bloß nicht einschenken. Der Gutachter hat wohl schon länger keinen neuen Input bekommen. :evil:
Die Kühlschranktheorie (die Bruno Bettelheim vor Jahrzehnten vertrat) ist vollständig widerlegt und ad absurdum geführt.
http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%BChlschrankmutter

Ich selber hatte Glück, aber Du stehst in einer langen Kette von Müttern, auch REHAkids-Autisten-Müttern, denen das ans Bein gehängt werden sollte.
Du hast doch 3 Kinder, da kannst Du ja bestens widerlegen. Denn wieso sollte es bei den anderen klappen und bei einem nicht???

Sie verhält sich wahrscheinlich kontrollierter ohne Dich, nur mit dem fremden Gutachter, weil sie gelernt hat zu kompensieren und weil sie nur mit Dir, ihrer Vertrauensperson, mehr von sich und ihrem Stress zeigen kann.
Zudem: seit wann ist der Anschein, eine Mutter wäre zuwenig konsequent ein Hinweis auf eine gestörte Mutter-Kind-Beziehung??? (Das sind doch Äpfel und Birnen.)

Aber das wird der gute Mann wahrscheinlich nicht kapieren.

Liebe Grüße, Ingrid
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Beitragvon Jenny66 » 13.02.2013, 17:34

Sanda, meine Tochter hat mich sogar mal gebeten, nicht mitzukommen. Wir mussten sie von einem Projekt abholen, was sie sehr gestresst hat. Und sobald sie mich sieht, kann sie sich nicht mehr beherrschen. Ich bin einfach ihre Hauptbezugs- und vertrauensperson. Mir gegenüber bzw. an mir lässt sie auch ihre angestauten Aggressionen aus. Und sie wollte vermeinden, dass ihr das in Gegenwart der anderen passiert, wenn ich beim Abholen mit dabei bin. Also hat mein Mann sie alleine abgeholt.

Ich bin auch eher diejenige, die ihre Tränen sehen kann und darf. Nach außen hin ist sie ansonsten immer eher heiter bis fröhlich. Sie selbst sagt, dass es in ihr drin oft ganz anders aussieht. Bin ich in ihrer Nähe, dann passiert es ihr eher, dass von ihrem wahren 'ich' etwas nach außen dringt.

Andererseits ist sie aber auch wieder durch mich gehemmt und blockiert. Dann kann es passieren, dass sie nichts sagen kann. Dann ist es besser, sie ist in einer Gesprächssituation ohne mich.

So, das sind alles so Dinge, die man komplett falsch interpretieren kann, wenn man nicht weiß, wie autistische Kinder so ticken können. Das kann von Kind zu Kind wieder verschieden sein.

Aber von einer gestörten Beziehung zu sprechen, finde ich da mehr als unpassend. Wenn man so will, dann sind alle Beziehungen eines Autisten 'gestört', weil dieser anders kommuniziert.

Leider wird man einem Gutachter kaum sagen können, welche Schlüsse er zu ziehen hat.

Ich würde da versuchen diplomatisch zu sein und mir ruhig anhören, was dieser Gutachter meint, wie Du Dich verhalten sollst.

Wahrscheinlich bringt es auch einfach die Situation mit sich, dass Du Unsicherheit ausstrahlst, weil man ja als Mutter schon mehrfach die Erfahrung gemacht hat, dass man selbst für alles mögliche verantwortlich gemacht wird. Und diese Verunsicherung in einer Situation, wo das Kind begutachtet werden muss, ist da kein Wunder. Und das kann sich auch auf das Kind auswirken.

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Beitragvon NicoleWW » 13.02.2013, 19:37

Hallo,

auch meine 2 zeigen ihre autistischen Züge fast ausschliesslich in der Gegenwart von mir und meinem Mann eventuell auch noch in Gegenwart der großen erwachsenen Geschwister. Ausser Haus sind sie ohne uns ziemlich normal zumindestens meistens (bzw die anderen wollen das so sehen), Jule schreit im Kindergarten nie ausser ich bin in Sichtweite. Die Leute sind schnell dabei mit der Aussage "das muss an der Mutter liegen".

Samuel fängt jetzt an auch ohne Mama auffällig zu werden zB in der Kernzeitbetreuung.

Liebe Grüße
Nicole
Nicole (70, Morbus Bechterew, Asthma) mit

J.M. (92)
J.C. (93)
J.E. (95, ADHS, E80.4)
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S.F. (04,F84.5, F98.8, J30.3, E80.4, J45.0)
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Re: Autismus und gestörte Mutter-Kind-Beziehung

Beitragvon ehemalige Userin » 13.02.2013, 19:58

Hei,
bei mir und meiner Tochter ist es genauso, die behandelnde Kinderpsychiaterin hat das sogar in ihre letzte Diagnose geschrieben":Es liegt eine ausgeprägt gestörte Mutter-Kind-Beziehung vor".
Ich finde das sehr verletzend.
Vor mir redet meine Tochter kaum bzw. oft gar nicht.
Zu Hause bin ich ihr ein und alles an dem sie alles aber auch wirklich alles auslässt bzw. rauslassen kann und das auch tut.
Sie kann nicht ohne mich, auch nicht nachts.
Ich finde das schlimm und forciere das bestimmt nicht.
Ich bin der einzigste, dem sie vertraut und wo einem nichts passiert.
Aufgrund dieses Nichtreden in meiner Anwesenheit (macht sie aber auch bei ihrem Vater) vor anderen wird dann eine gestörte Mutter-Kind-Beziehung gedreht und die steht jetzt halt im letzten Arztbrief drin, den man ja des öfteren mal vorlegen muss.

Gruss Ronja

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Beitragvon Mamialex » 14.02.2013, 05:37

Oh ja, damit ist die Umwelt schnell!

Von der KiTa Leitung durfte ich mir das anhören, die hat das sogar im Fragebogen für den I-Helfer so geschrieben.

Von einem Familienmitglied wurde es zwar mit anderen Worten gesagt, aber es kam aufs Gleiche raus.

Lass Dich nicht unterkriegen!

LG

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Sohn*08 FG 34+2 SSW, F.84.0 HFA + ADHS
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Re: Autismus und gestörte Mutter-Kind-Beziehung

Beitragvon Regina Regenbogen » 14.02.2013, 07:09

":Es liegt eine ausgeprägt gestörte Mutter-Kind-Beziehung vor".
Das habe ich auch zweimal (bei beiden Söhnen) schriftlich gekommen, allerdings vor den eigentlichen Diagnoseberichten, die im Abstand von 5 Jahren erfolgten und in denen kein Wort mehr von der gestörten Beziehung stand.

Beide Mal wurde mir unterstellt, zu herrisch und konsequent zu sein. :roll:
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

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Beitragvon Jenny66 » 14.02.2013, 07:19

Beide Mal wurde mir unterstellt, zu herrisch und konsequent zu sein. :roll:
Seit wann ist konsequent sein etwas negatives? Normalerweise wird doch genau das immer von uns Müttern erwartet.

Mir wurde unterstellt, dass ich zu dominant sei. Aber erst nachdem ich zunächst als zu unsicher eingestuft wurde. Eheprobleme wurden uns unterstellt und was weiß ich noch alles. Mit all den Dingen muss man sich aufhalten lassen und kompetente Hilfe bekommt man nicht. Warum auch, es liegt ja alles an einem selbst.

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Beitragvon Regina Regenbogen » 14.02.2013, 07:42

Beide Mal wurde mir unterstellt, zu herrisch und konsequent zu sein. :roll:
Seit wann ist konsequent sein etwas negatives?
Zu konsequent ist wohl was negatives. Wahrscheinlich wollte man auch nur ausdrücken, ich sei zu dominant.

Lustig fand ich allerdings, dass -nachdem ich auf einer Erklärung für den Befund der gestörten Mutter-Kind-Beziehung bestand- von dieser gestörten Beziehung keine Rede mehr war im Bericht. :roll: Da war dann ganz klar und nur von Autismus bzw. beim anderen Kind von ADS die Rede.

Ich vermute mal, dass immer dann Rückgriff auf diese Beziehungsstörung genommen wird, wenn man nicht tiefer in die Materie Autismus/AD(H)S einstiegen will oder kann.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

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Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

ehemalige Userin

Re: Autismus und gestörte Mutter-Kind-Beziehung

Beitragvon ehemalige Userin » 14.02.2013, 09:05

":Es liegt eine ausgeprägt gestörte Mutter-Kind-Beziehung vor".
Das habe ich auch zweimal (bei beiden Söhnen) schriftlich gekommen, allerdings vor den eigentlichen Diagnoseberichten, die im Abstand von 5 Jahren erfolgten und in denen kein Wort mehr von der gestörten Beziehung stand.

Beide Mal wurde mir unterstellt, zu herrisch und konsequent zu sein. :roll:
Hei,
mir wird eher das Gegenteil unterstellt, ich würde mein Kind zu sehr "verwöhnen", zu wenig zutrauen etc.
Die wissen alle gar nicht wie das reale Leben mit so einem Kind Tag für Tag ist.
Ich soll im Gegenteil konsequenter sein!
Im Moment weis bei uns der eine nicht was der andere sagt von diesen ganzen "Fachkräften".

Gruss Ronja


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