Autismus und gestörte Mutter-Kind-Beziehung

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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Joanna 789
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Beitragvon Joanna 789 » 10.11.2016, 12:11

Huhu,

ich muss mich leider auch diese unschöne Gruppe einreihen.

Wir hatten auch zunächst die Diagnose "Mutter-Kind-Bindungsstörung"... das ganze wurde natürlich noch dadurch verstärkt, dass der Vater bis heute die Diagnose des Kindes nicht akzeptiert hat und ihm damals in sämtlichen Fragebögen ein absolut normales Verhalten bescheinigt hat... Somit traten die Verhaltensauffälligkeiten nur bei der Mutter auf und schwups... musste es ja an der Mutter liegen.

Danach hatten wir auch noch das Thema "zu" konsequent.. momentan bin ich eher zu inkonsequent und fordere ihn nicht genug, weil ich ihm das Leben viel zu leicht mache und immer Rücksicht auf ihn nehme :( ... nu ja... wie bei Meike.. da Leben wir ganz gut mit :-)

LG an all die anderen inkosequenten, konsequenten "Kühlschrankmütter" :wink:

Joanna
Joanna mit Sohn (2007) mit ADHS und Asperger und Tochter (2010)

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Bettina C.
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Beitragvon Bettina C. » 10.11.2016, 12:50

Hallo Ihr Lieben,

Ihr seid Spitze :) Danke für eure Beiträge. Ich frage mich gerade, ob ich den Thread sprenge, aber ich finde, auch das gehört zum Thema. Bei uns hat man schlichtweg alles umbenannt. Die Entschleunigung des Alltages ( weniger ist mehr ) nannte man einfach " Isolation ", oder dass ich ihn mehr und mehr in mini Entscheidungen einbezog ( soziale Kompetenz stärken ) nannte man eben dann " Parentifizierung ", Konsequenz wurde " Einschränkung der Autonomie " betitelt.
Und wisst Ihr was ? Ich würde alles genau so wieder machen, denn mein Sohn hat sich sooo toll entwickelt, unglaublich, sagen auch alle Therapeuten, die ihn gut kennen. Ich/wir sind einfach nur dem falschen Pappkopp in die Hände geraten, respektive, wir haben damals offen über unsere Gefühle gesprochen. DAS war ein Fehler, der mir danach nie wieder passiert ist.

@Michi : Wie ich das überstanden habe ? Nun, ich habe mir mit letzter Kraft einen Schlachtplan überlegt, und diesen durchgezogen. Wir sind aus dem Kreis weggezogen, haben eine TOP Schule gefunden ( dem Richter war im Prinzip nur wichtig, dass er zur Schule geht ), und haben hier NUR wohlwollende Menschen getroffen, die WIRKLICH am Wohl des Kindes interessiert sind.

@Meike: So ist es ! Die unsichtbaren Behinderungen sind es, die dazu führen können.

Dennoch würde ich gern ein Buch schreiben, um anderen Eltern Mut zu machen. Es soll keine Abrechnung sein, sondern eher ein Rückblick mit Stolz im Blick.

Ich denke an " Mama Löwenherz ", oder " Nicht ohne meinen Sohn ", oder
"Irrwege des Systems, oder wer sind eigentlich die Meyers ? "
Die Meyers stehen für die Pappköppe :)

LG, Bettina
Betty, Asperger - Autistin & B., *2005, HFA F.84.0,Teilleistungsstörung/Koordination, Einschränkung der Visuomotorik, Dysdiadochokinese, stark eingeschränktes Kurzzeitgedächtnis. Und das tollste Kind :-)

Vicki
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Beitragvon Vicki » 10.11.2016, 14:56

Hallo,
ja, dann reihe ich mich mal ein.
Bei uns ist es leider auch oft so, dass Tochter ohne mein Beisein mit anderen spricht, in meinem Beisein oft nicht.
ALLERDINGS ist es mittlerweile viel besser geworden.
Aber auch mir wrude und wird wohl immer noch angedichtet, dass es an mir liegt.

Vor Gericht liegen wir noch, alles sehr anstrengend.

Allerdings haben wir den Guhtachter hinter uns, ich hoffe jetzt mal, das findet alles ein gutes Ende.

Es scheint so, dass die "Fachleute" immer irgendwie einen Schuldigen suchen.
Da man als Mutter natürlich am meisten mit seinem Kind zusammen ist und mit den Lehrern, JA-Mitarbeitern und allen die da so mit drin hängen redet, suchen die sich natürlich zuerst die Mütter raus.
Mein Mann z. B. ist da schlauer, der ist von Anfang an viel vorsichtiger gewesen.
Ich hingegen hatte anfangs (das war vor Jahren) immer noch gedacht, wenn dem Kind geholfen werden soll dann musst du dich auch in gewisser Weise öffnen.
DAS passiert mir heute nicht mehr, ich bin megavorsichtig mit allem geworden was ich sage ...... selbst wenn man mich zur Weisglut treibt. Na ja, auch da beherrsche ich mich meisten und agiere dann eher im Untergrund :roll:

Unser Gutachter, der im Moment dran ist (vom Gericht beauftrafgt) hat mich heute noch angerufen und mir gesagt er hat sich extra noch ein Buch druchgelesen, in dem es ausschließlich um Mädchen mit Autismus ginge. Das fand er sehr aufschlussreich.

Gruss Vicki

Lija
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Beitragvon Lija » 10.11.2016, 17:54

Und wie ist es dazu gekommen dass ihr bis vor Gericht musstet?
Ich habe eure Geschichte etwas mitverfolgt, war das jetzt schlussendlich weil ihr sie nicht vollstationär geben wolltet?
Mutter eines ganz besonderen Kindes

MarcelundMama
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Beitragvon MarcelundMama » 10.11.2016, 19:23

Hallo alle zusammen!

Gott sei Dank bin ich hier nicht die einzige "psychisch kranke" Mutter mit einer extrem gestörten Mutter-Kind-Beziehung... :wink:
Erleichternd und zugleich erschütternd...

Auch wir haben alle erdenklichen "Gründe" für das Verhalten unseres Sohnes, allem voran natürlich: die besagte Störung der Mutter-Kind Beziehung gepaart mit: zu viel Konsequenz, zu wenig Konsequenz, dem Kind nichts zutrauen, das Kind überfordern, unterfordern, das Kind zu viel unterstützen, zu wenig Unterstützung, soziale Isolation, oder zu viel soziale Kontakte, das Kind zu viel Fördern (durch zu viel Ergo, Logo, autismusspezifische Förderung), oder das Kind zu wenig fördern, zu streng, zu locker, zu viel Konsequenz, zu wenig Konsequenz usw... Ich könnte diese Liste, wegen der Länge, auf einer Klopapierrolle fortsetzen... :lol: Und das alles bekommt man von FACHLEUTEN unterstellt. Trotz der gesicherten Diagnose spricht unser Sohn immer noch kaum und zwar, nicht wegen dem Autismus, neeeein....!!!!, Gott bewahre, daran liegt es nicht..., es liegt natürlich...... an: der Mutter, die ihm alles von den Augen abliest und dadurch die eigene Sprachentwicklung des Kindes hemmt.... :roll:

Ihr dachtet alle doch jetzt nicht im Ernst, dass die sprachlichen Defizite von Marcel durch den Autismus bedingt sind, oder...????? :wink: :wink: :wink: :wink: :lol: :lol: :lol:

Ich denke, das Beste für unsere autistischen Kinder ist, wenn wir MÜTTER all unsere Defizite wegtherapieren, dann haben wir hinterher gaaaaaaanz normale Kinder....

Und was ich zum Thema Therapeuten sagen kann: mein Bruder ist Kinder- und Jugendpsychologe (leider 750 km von uns entfernt) und seine Worte sind stets: für den Beruf bist Du nur dann geeignet, wenn Du selbst ordentlich was an der Glocke hast...

Liebe Grüße

Jo
Joanna (49) & Marcel (11.2011) ASS Diagnose Juni 2014 und ADHS im Januar 2018 als "Sahnehäubchen" oben drauf... ;o)

MarcelundMama
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Beitragvon MarcelundMama » 10.11.2016, 19:35

P.S.

ich habe da eine suuuper Idee!!!

Warum erstellt man nicht, z.B. für den nächsten Besuch beim "Fachmann" eine Liste mit den bereits genannten Punkten in der die Person nur noch Kreuzchen setzen muss bei den zutreffenden Punkten? Diese dann einfach mal vorlegen, Kreuzchen machen lassen und fertig ist der "Fachbericht" für die nächste zuständige Stelle wie Schulamt u.ä. die brauchen dann nicht einen ellenlangen Bericht lesen, der im Kern eh nur eins aussagt nämlich: ES LIEGT AN DER MUTTER...
Was für eine Zeitersparnis!!! :wink: :wink: :wink:

Jo
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Beitragvon Lija » 10.11.2016, 19:59

Was empfiehlt denn dein Bruder als Fachmann uns Müttern?
Klar, am besten dickes Fell und da rein und andere Seite wieder raus.
Aber geht ja nicht immer, man muss ja kooperieren bis zu einem gewissen Grad. Sonst geht's so wie einigen wo es bis vor Gericht geht schlimmstenfalls.

Wie sieht es denn bei denen hier aus, wo auch Väter mit beteiligt sind? Wird man dann weniger angegriffen eurer Erfahrung nach?
Uns hat man ja ganz salopp gesagt:" Die Väter kommen hier in der Regel immer besser weg, das ist halt so" Ganz super Gefühl, vielen Dank 👹
Mutter eines ganz besonderen Kindes

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Beitragvon ZBirgit » 10.11.2016, 20:39

Hallo zusammen,

mal was zu den "Helicoptereltern". Da habe ich einen aufschlussreichen Absatz im Buch: Die vielen Farben des Autismus gefunden.
Der stammt von Hans Asperger selber!

"Autistische Kinder haben generell mit Neuem und mit Umstellungen große Mühe, auch fällt es ihnen schwer, Erfahrungen von einem Kontext in einen anderen zu übertragen. Das Gleiche gilt offensichtlich auch für die emotionale Beziehung zur primären Bezugsperson, zur Mutter! NT Kinder lernen ihr Sicherheitsgefühl irgendwann auch von anderen Personen, wie Großeltern, Lehrern, etc. erfüllen zu lassen. Das autistische Kind hat dagegen große Mühe seine emotionale Beziehung zu flexibilisieren."

Deshalb sind unsere Kinder sehr auf uns Mütter konzentriert und das bringt immer wieder den Vorwurf mit sich, wir könnten die Kinder nicht loslassen und würden die Selbständigkeit nicht fördern, weil wir ihnen alles abnehmen.

Viele Grüße
Birgit

MarcelundMama
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Beitragvon MarcelundMama » 10.11.2016, 20:49

Unser Vater kommt auch immer fein raus... Der hält sich aus allen Belangen (zumindest in der Öffentlichkeit) heraus, lässt mich reden, wird er gefragt sagt er entweder kaum etwas oder "das weiss meine Frau am besten" usw...
Bei uns hat u.a. diese Situation zur aktuellen Trennung geführt. :roll:
Die Differenzen zwischen uns Eltern wurden durch manch eine "Beratungssituation in Fachkreisen" verstärkt. Es führte dann so weit, dass unsere Differenzen ebenfalls am Verhalten unseres Sohnes "schuld" waren. Komisch ist nur, dass vor unserer Trennung dieser Part der elterlichen Differenzen als Verursacher der kindlichen Auffälligkeiten in keinem Bericht auftauchte. :roll: :roll: :roll:

Was meinen Bruder betrifft, so rät er mir dringlichst dazu "Fachleuten" möglichst aus dem Wege zu gehen und wenn man sie braucht, dann sich ganz bedeckt zu halten und nix über die eigenen Person, häusliche Situation usw. von sich geben, nur die nötigsten Infos zum Kind. Er sagt, dass die besagten Leutchen einem gaaaanz gefählich werden können. dass das so ist, das haben auch wir bereits selbst erfahren inc. Jugendamt, Schutzplan für das Kind und ganz vielen Dingen. Ohne meinen Bruder wäre Marcel jetzt bei einer Pflegefamilie. Nach Schutzplan und Jugendamt hatten wir dann aber die gesicherte Diagnose und somit war de Schutzplan und das Jugendamt, hoffentlich bis in alle Ewigkeit, vom Tisch.

Ich mag an diese Zeit gar nicht zurück denken, vor allem nicht daran, dass der eigene Kindsvater mit treibender Unterstützung der Frühförderin sein eigenes Kind in diese Situation gebracht hatte. Ich könnte diese Frau immer noch am liebsten ohrfeigen... Und ich sehe diese Person (Schimpfwörter darf man ja hier nicht benutzen :wink: ) fast täglich beim Einkaufen...

Gruss!

Jo
Joanna (49) & Marcel (11.2011) ASS Diagnose Juni 2014 und ADHS im Januar 2018 als "Sahnehäubchen" oben drauf... ;o)

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mijo
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Beitragvon mijo » 10.11.2016, 22:25

Hey Joanna

dass die besagten Leutchen einem gaaaanz gefählich werden können.
Dito

Mir wollte man auch die Behinderung meiner Kinder anhängen.
Als das nicht funktionierte,(einer ist durch extreme Frühgeburt behindert)
Wurde mir mal eben unterstellt ich währe Psychisch krank,und möchte meine Kids umbringen.
0,nix wahren sie weg in Innobhut genommen ohne Überprüfung :evil: :evil:
Klar deswegen kämpfte ich um ihr Überleben und suchte Hilfe,um sie dann umzubringen :evil:

Inzwischen ist geklärt das an den Vorwürfen nix dran wahr,und es eine Fehlentscheidung wahr.

Nur diese Fehlentscheidung begleitet uns,da in den Akten.
Hat dadurch immer wieder Auswirkungen auf unser Leben :evil:

Trotz das inzwischen geklärt.
Aber aus den Akten darf ja nix gelöscht werden.

VG
Fuer Wunder brauchen wir Augen,die sehen und EIN Herz,DAs versteht ,fuer EIN Wunder zu Danken.


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